Museumsdorf Düppel

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Museumsdorf Düppel
Museumdorf Düppel1.JPG
Rekonstruierter Getreidespeicher (13. Jahrhundert)
Daten
Ort Berlin
Art Freilichtmuseum
Eröffnung 1975
Website www.dueppel.de
ISIL DE-MUS-019316

Das Museumsdorf Düppel ist ein am Landschaftsschutzgebiet Krummes Fenn im Berlin-Zehlendorfer Viertel Düppel gelegenes, 1975 gegründetes Freilichtmuseum. Das Museum, das zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehört, stellt den Versuch dar, ein gesamtes Dorf mitsamt seiner Umwelt so zu rekonstruieren, wie es im Mittelalter vor rund 800 Jahren existiert hat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion der mittelalterlichen Palisade.

Archäologische Funde deuten auf eine erste Besiedelung von Düppel als mit einer Palisade gesicherten Raststation zwischen Saarmund und Spandau um 1170 hin, also in der Zeit der Stabilisierung und des Landesausbaus der erst 14 Jahre zuvor endgültig durch den Askanier Albrecht den Bären von den Slawen eroberten Mark Brandenburg. Es handelte sich etwa um die Hälfte der Strecke zwischen beiden Orten und entsprach damit ungefähr der Strecke, die ein Ochsengespann am Tag schaffte. Im Schutz der Palisade konnten die Ochsengespanne in Sicherheit und bei einer Tränke die Nacht verbringen. Sehr wahrscheinlich bestand in der Nähe bereits zuvor ein slawisches Dorf bei Machnow und die Datierung der Funde lässt vermuten, dass in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine slawisch-deutsche Mischbevölkerung im sehr wahrscheinlich friedlichen Miteinander im Dorf wohnte und miteinander verschmolz. Das Dorf entstand erst einige Jahre später, vielleicht dauerte es von der Umwandlung von einem sicheren Rastplatz zum Dorf noch 20 Jahre. Um 1230 zählte die Siedlung etwa acht Höfe, die zum Schutz hufeisenförmig um einen großen Dorfplatz gelagert waren. Eine frühere Annahme von bis zu 16 Gehöften konnten spätere Forschungen nicht bestätigen. Die Siedlung war zeit ihres Bestehens offenbar nur recht klein, dementsprechend konnten wenige Kleinfunde gemacht werden. Die Aufgabe der Siedlung um 1230 (Sandböden, überwiegend Viehhaltung) ist im Zusammenhang mit der Neugründung Zehlendorfs (Lehmböden, Getreidewirtschaft) um 1220 zu sehen (urkundliche Ersterwähnung 1242 als Cedelendorp). Für eine gezielte Aufgabe spricht der Fund eines Pferdekopfes in einem Brunnen, der für eine gezielte Vergiftung des Brunnenwassers spricht. Das später wüst gefallene Dorf ist freigelegt, nachgebaut und heute in den Sommermonaten als Museumsdorf zugänglich.

Auf acht Hektar Fläche wurden Bebauung und Landschaft rekonstruiert.

„In einzigartiger Weise lässt sich die Vergangenheit mit lebendem und totem Inventar vergegenwärtigen. Rückgezüchtete Haustierrassen und längst vergessene Nutzpflanzen gehören ebenso dazu wie die Ausübung von altem Handwerk. Die Ergebnisse der praktischen Tätigkeiten werden regelmäßig publiziert und machen Düppel zu einem international anerkannten Zentrum für experimentelle Archäologie mitten in Berlin.“

Museumsdorf Düppel[1]

Es finden sich auch Informationen zur mittelalterlichen Imkerei, zum Töpfer- und Schmiedehandwerk ebenso wie zum zeitgenössischen Bauernleben.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruiertes Haus (13. Jahrhundert)

Der Rundgang durch das Dorf zeigt folgende mittelalterliche Rekonstruktionen:

  • verschiedene historische Häuser, teilweise mit ihren traditionellen Inneneinrichtungen
  • Haus mit Teerschwele
  • Backhaus, Schmiede, Töpferstand und Getreidespeicher
  • ausgegrabener Brunnen, rekonstruierter Brunnen
  • Palisade mit Tor
  • Tierhaltung mit mehrfach prämierten Rückzüchtungen wie dem Düppeler Weideschwein und einer vom Aussterben bedrohten alten Schafrasse, den Skudden
  • Dreifelderwirtschaft, Bauerngärten, Hochwald, Hütewald, Wiesen und Weiden, Wildpflanzensammlung

An jedem Sonn- und Feiertag gibt es eine Führung durch das mittelalterliche Dorf. Dabei stellen Mitglieder des Fördererkreises fast regelmäßig seinerzeitige Handwerkstechniken vor. Sie geben Erklärungen zum mittelalterlichen Kräuter- und Gemüsegarten, über die Textilherstellung, über das Schuhemachen, Töpfern, Schmieden, Wippdrechseln und die Herstellung von Holzteer. Kinder können an mittelalterlichen Spielen teilnehmen, von Brettspielen bis zum Ringelstechen.

Außerdem ist an diesen Tagen eine Ausstellung geöffnet, in der Funde der archäologischen Grabungen wie ein Brunnenkasten, Gefäßscherben oder Spinnwirtel gezeigt werden, aber auch Arbeiten der einzelnen Fachgruppen, darunter der Stammbaum des Düppeler Weideschweins.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adriaan von Müller: Museumsdorf Düppel. Lebendiges Mittelalter in Berlin. Herausgegeben für den Verein Förderkreis des Museumsdorfes Düppel e. V., Stadtmuseum Berlin. 6. Auflage. Berlin 1998, ISBN 3-00-003398-X
  • Dieter Todtenhaupt: Neue Aussagen zur archäologischen Grabung und der Siedlungsgeschichte der mittelalterlichen Siedlung am Machnower Krummen Fenn. Stiftung Stadtmuseum Berlin, Berlin 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museumsdorf Düppel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Museumsdorf Düppel. www.dueppel.de, abgerufen am 7. Oktober 2012.

Koordinaten: 52° 25′ 28″ N, 13° 14′ 0″ O