Askanier

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Wappen des askanischen Familienzweiges Anhalt

Die Askanier sind ein deutsches Uradelsgeschlecht, das seit dem 11. Jahrhundert historisch nachweisbar ist und dem eine besondere Bedeutung für die Landesgeschichte der heutigen deutschen Länder Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zukommt. Das Geschlecht wird alternativ auch als Haus Anhalt bezeichnet, da es seit der Neuzeit ausschließlich von Vertretern des anhaltischen Zweigs repräsentiert wird. Aufgrund der Novemberrevolution im Jahr 1918 erklärten die Askanier ihren Thronverzicht im Herzogtum Anhalt. Derzeitiges Familienoberhaupt ist Eduard Prinz von Anhalt.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Askanier war eine seit dem 14. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für die Grafen von Aschersleben. Er leitete sich von Askaria, der lateinischen Bezeichnung für Aschersleben ab, und wurde später zu Ascania leicht verändert, möglicherweise in Anlehnung an den griechischen mythischen Askanios (Ascanius).

Graf Heinrich I. von Anhalt, ein Enkel Albrechts des Bären, verwendete in einer im Jahr 1213 ausgestellten Urkunde erstmals die Variante comes Ascharie.[1] Fürst Bernhard III. von Anhalt war 1320 der erste, der sich als comes Ascanie bezeichnete.[2] Die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts verwendete die Bezeichnung dann für alle Angehörigen der Familie der Grafen von Ballenstedt und Aschersleben seit dem 11. Jahrhundert.

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ballenstedt, Aschersleben und schließlich die Burg Anhalt bildeten die drei wichtigsten Stammburgen der Familie im alten Schwabengau, um die sich im Verlauf der Jahrhunderte das Fürstentum Anhalt herausbildete, deren Inhaber sich wechselweise „Graf von Anhalt“ oder „Graf von Aschersleben“ titulierten. Auch die Markgrafen von Brandenburg bis zu ihrem Aussterben im männlichen Stamm 1320 werden in der Geschichtsschreibung als Askanier bezeichnet.

Seit dem 16. Jahrhundert bemühten sich Haushistoriker der Anhaltiner und Sachsen-Lauenburger Familienzweige die Abkunft ihrer Dienstherren von Askanius, dem Sohn des trojanischen Helden Aeneas, oder gar vom biblischen Aschkenas, dem Urenkel Noachs, herzuleiten. Den Anfang machte 1519 der „Panegiricus Genealogiarum illustrium Principum Dominorum in Anhalt“ des Ballenstädtener Mönchs Heinrich Basse.

Der erste in zeitgenössischen Urkunden auftretende Vertreter der Askanier war Graf Esico (comitatu Esiconis bedeutet in der Grafschaft des Esico), der in einem auf der Pfalz Tilleda ausgestellten Diplom Kaiser Konrads II. vom 26. Oktober 1036 erwähnt wird.[3] Seine Sippe war im ostsächsischen Schwabengau ansässig, weshalb sie im Sachsenspiegel dem dort angesiedelten suebischen Uradel zugerechnet wird. Beim Schwabengau handelte es sich um eine östlich von Quedlinburg gelegene Gaugrafschaft. Die wichtigste Quelle zur Genealogie der frühen Askanier ist die Chronik des Annalista Saxo, der diese in der Mitte des 12. Jahrhunderts schrieb.

Demnach war Esico mütterlicherseits ein Enkel des Markgrafen Hodo († 993) und erbte nach dem Tod seines Onkels Siegfried († um 1030) mehrere Allodialgüter im Schwaben- und Serimuntgau.[4] Der Name von Esicos Vater ist unbekannt, erst in wesentlich später verfassten Genealogien wurde ihm der Name Adalbert (I.) beigegeben, weil der um das Jahr 1080 ermordete Graf Adalbert (II.) vom sächsischen Annalisten als Sohn des Esico genannt wird.[5] Der sächsische Annalist bezeichnete sowohl Esico als auch die später lebenden Adalbert (II.) und Otto den Reichen als „Grafen von Ballenstedt“, jedoch ist dieser Titel erst für Otto (Ottoni comiti de Ballenstide) auch zeitgenössisch verbürgt.[6] Auf dem heutigen Schlossberg von Ballenstedt ließ Esico das Kollegiatstift St. Pancratius und Abundus errichten, das 1046 im Beisein von König Heinrich III. geweiht wurde.

Adalbert (II.) hatte zwei Söhne, Otto der Reiche und Siegfried, von denen ersterer wiederum der Vater von Albrecht dem Bären war. Bei Otto dem Reichen findet sich in den Quellen erstmals der Zuname „von Ballenstedt“ (1106). Er war im Jahr 1112 für eine kurze Zeitdauer Herzog von Sachsen. Der Graf starb 1123 und fand seine Ruhestätte in Ballenstedt. Seine Gemahlin Eilika lebte nach dem Tode ihres Mannes in Halle und Bernburg.

Albrecht der Bär amtierte kurzzeitig als Herzog von Sachsen, wurde dann schließlich zum Markgrafen von Brandenburg und begründete die Hausmachtstellung seiner Familie in den sächsischen Ostmarken. Albrecht der Bär wurde anlässlich eines Gerichtstages, dem er am 8. August 1147 vorsaß, erstmals als „Graf von Aschersleben“ (comes Asscherslovensis) urkundlich tituliert.[7] Otto der Reiche und Albrecht der Bär wandelten das Stift Ballenstedt 1123 in ein Benediktinerkloster um. Albrecht der Bär wurde 1170 in der Klosterkirche von Ballenstedt beigesetzt.

Die ältesten bekannten Askanier:

  • Adalbert (I.) (* um 970)
  • Esico († um 1060)
  • Adalbert II. (* um 1030; † 1080)
  • Otto der Reiche (* um 1070; † 1123), Graf von Ballenstedt
  • Albrecht der Bär (* um 1100; † 1170), Graf von Ballenstedt, Aschersleben und Anhalt, Herzog von Sachsen, Markgraf der Nordmark und der Lausitz, Markgraf von Brandenburg und seine Nachkommen

Familienzweige nach Albrecht dem Bären[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebiet des 1180 entstandenen askanischen Herzogtums Sachsen um das Jahr 1235 (grün hinterlegt), bestehend aus Teilen des ehemaligen Herzogtums Sachsen um Wittenberg und bei Lauenburg und dem Hadelner Gebiet
Anhalt nach der Erbteilung unter den Söhnen Heinrichs I. von 1259

Die Askanier hatten vor allem im hohen und späten Mittelalter eine herausragende geschichtliche Bedeutung für weite Teile des heutigen Ostdeutschlands. Albrecht der Bär war ihr erster bedeutender Vertreter, der als Zeitgenosse und Rivale Heinrichs des Löwen (Welfen) und Konrads des Großen (Wettiner) die deutsche Besiedelung der slawischen Grenzmarken maßgebend mit vorantrieb und schließlich die Mark Brandenburg gründete.[8]

Wie damals unter den regierenden Fürstenhäusern üblich, teilte bereits Albrecht der Bär seinen umfangreichen Territorialbesitz unter seinen Söhnen auf, woraus sich die vier Hauptlinien der Askanier bilden sollten. Es handelt sich hier um die Linie von Brandenburg (bis 1320), die Linie von Weimar-Orlamünde (bis 1486), die Linie von Sachsen-Lauenburg (bis 1689) und die Linie von Anhalt (bis heute).

Die Besitzungen der Söhne Albrechts des Bären:

Von diesen beiden stammten also die sächsische und die anhaltinische Linie der Askanier ab, welche sich untereinander ebenfalls mehrfach aufteilten. Bedeutend war von ihnen hauptsächlich die Linie Sachsen-Wittenberg, die 1356 durch die Goldene Bulle die erbliche Kurwürde verliehen bekam. Sie erlosch allerdings 1422, und Sachsen-Wittenberg („Kursachsen“) wurde nun an die Wettiner verliehen, die Askanier verloren damit ihre Zugehörigkeit zum Stand der Kurfürsten.

Mark Brandenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mark Brandenburg wurde 1323 an das Geschlecht der Wittelsbacher zu Lehen gegeben.

Stammesherzogtum Sachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammesherzogtum Sachsen um das Jahr 1000

Das alte Stammesherzogtum Sachsen wurde 1143 an den Welfen Heinrich dem Löwen übertragen. Die Würde des Herzogs von Sachsen ging 1180 nach der Absetzung Heinrichs des Löwen von den Welfen auf die Askanier über, die jedoch nur Ostfalen erhielten. Westfalen und Engern waren vom Kaiser abgetrennt worden. Von dem altsächsischen Territorium erhielt Herzog Bernhard III. dazu allerdings nur dessen östliche Gebiete um Wittenberg und Lauenburg.

Linie Sachsen-Wittenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie waren Herzöge und ab 1355 Kurfürsten von Sachsen. Nach dem Tod Albrechts III. und damit dem Aussterben der Wittenberger Askanier im Mannesstamme wird am 6. Januar 1423 Sachsen-Wittenberg samt seiner Herzogs- und Kurwürde von König Sigismund an Friedrich den Streitbaren, Markgraf von Meißen, aus dem Geschlecht der Wettiner verliehen, aufgrund dessen Engagements in Reichsangelegenheiten beim Kampf gegen die böhmischen Hussiten.

Linie Sachsen-Lauenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg um 1400

Die Linie Sachsen-Lauenburg starb erst 1689 aus, Nachfolger wurden dort die Welfen (aus der im benachbarten Fürstentum Lüneburg regierenden Linie). Zurück blieb einzig die anhaltinische Linie, die sich inzwischen in mehrere Unterlinien verzweigt hatte und deshalb historisch weniger bedeutend war.

Weimar-Orlamünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht I. der Bär erhielt 1140 die Grafschaft Weimar-Orlamünde.

Die Regenten von Weimar-Orlamünde:

Anhalt-Aschersleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich II. war Sohn von Heinrich I. von Anhalt.

Die Regenten von Anhalt-Aschersleben:

Fürstentum Anhalt-Bernburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhard I. (* 1218; † 1287) wurde als Sohn von Heinrich I. von Anhalt geboren.

Nach dem Tod von Bernhard VI. 1468 erhielt Georg I. von Anhalt-Zerbst die Besitzungen.

Joachim Ernst von Anhalt († 1586), Sohn von Johann IV. von Anhalt-Zerbst, verfügte über den gesamten anhaltinischen Besitz. In einer Teilung zwischen seinen Söhnen 1603 bekam Johann Georg Anhalt-Dessau, Christian Anhalt-Bernburg, Rudolf Anhalt-Zerbst und Ludwig Anhalt-Köthen.

Anhalt-Bernburg gelangte nach der Regierungszeit von Alexander Carl (* 1805; † 1863) an Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau .

Die Regenten von Anhalt-Bernburg:

Das Land fällt an Anhalt-Zerbst. Im Jahr 1570 erfolgt die Vereinigung ganz Anhalts durch Erbfälle, 1603 die Teilung in Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Zerbst, Anhalt-Köthen und Anhalt-Plötzkau.

Fürstentum Anhalt-Köthen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegfried I. († 1298) war Sohn von Heinrich I. von Anhalt und erhielt Köthen. Sein Sohn Albrecht I. lebte ab 1295 auf Burg Köthen.

Wolfgang traf Martin Luther 1521 auf dem Reichstag zu Worms. Er bekannte sich zur Reformation; auch unterstützte Luther im Heiligen Römischen Reich Kurfürst Friedrich III. von Sachsen.

Heinrich (* 1778; † 1847) war der letzter Herzog von Anhalt-Köthen. Das Land fiel an die Linien Anhalt-Bernburg (von Anhalt-Dessau verwaltet) und Anhalt-Dessau. Auf eine Teilung wurde in Hinblick auf das absehbare Erlöschen der Anhalt-Bernburger Linie und den dann eintretenden Erbfall an Anhalt-Dessau verzichtet.

Die Regenten von Anhalt-Köthen:

Land fällt an die Linien Anhalt-Bernburg (von Anhalt-Dessau verwaltet) und Anhalt-Dessau. Auf eine Teilung wird in Hinblick auf das absehbare Erlöschen der Anhalt-Bernburger Linie und den dann eintretenden Erbfall an Anhalt-Dessau verzichtet.

Fürstentum Anhalt-Dessau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fürstentum Anhalt-Dessau existierte ab 1396 und wurde als Territorium 1863 Teil des Herzogtums Anhalt.

Johann Georg I. von Anhalt-Dessau (* 1567; † 1618), Sohn von Joachim Ernst von Anhalt, übernahm von 1586 bis 1606 die Alleinregierung, da seine Brüder noch minderjährig waren. Die Erbteilung wurde in einem Vertrag 1603 niedergeschrieben und drei Jahre später realisiert. Das Fürstentum wurde in Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Zerbst und Anhalt-Köthen geteilt, wobei Johann Georg I. Anhalt-Dessau und das Seniorat erhielt. Er starb unmittelbar vor Beginn des Dreißigjährigen Kriegs.

Leopold I., genannt „Der Alte Dessauer“ (* 1676; † 1747) war preußischer Heeresreformer und Generalfeldmarschall. Seine Hauptleistung stellte die Reform der preußischen Truppen dar, vor allem der Infanterie. Sein Regiment wurde zum Modell für die ganze preußische Armee.

Die Regenten von Anhalt-Dessau:
vor 1396 gemeinsam mit Köthen und Zerbst regiert (siehe oben, Anhalt-Köthen)

  • 1382–1405 Sigismund I.
  • 1405–1417 Waldemar V., Mitregent seines Bruders Georg I.
  • 1405–1448 Sigismund II., Mitregent seines Bruders Georg I.
  • 1405–1448 Albrecht VI., Mitregent seines Bruders Georg I.
  • 1405–1474 Georg I. (* ca. 1390; † 1474), Teilung des Gebiets in Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen
  • 1474–1487 Sigismund III. (* 1456; † 1487), Mitregent
  • 1474–1509 Georg II. (* 1454; † 1509), Mitregent
  • 1474–1510 Rudolf IV. (* um 1466; † 1510), Mitregent
  • 1474–1516 Ernst (* 1454; † 1516), 1544 Teilung des Gebiets in Anhalt-Plötzkau, Anhalt-Dessau und Anhalt-Zerbst
  • 1509–1561 Joachim (* 1509; † 1561)
  • 1516–1551 Johann IV. (* 1504; † 1551), Mitregent
  • 1530–1553 Georg III., der Gottselige, Mitregent
  • 1561–1586 Joachim Ernst von Anhalt (* 1536; † 1586), 1570 Vereinigung ganz Anhalts durch Erbfälle
  • 1586–1618 Johann Georg I. (* 1567; † 1618), 1606 (Vertrag 1603) Teilung des Gebietes in Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Köthen, Anhalt-Plötzkau und Anhalt-Zerbst
  • 1618–1660 Johann Kasimir (* 1596; † 1660)
  • 1660–1693 Johann Georg II. (* 1627; † 1693)
  • 1693–1698 vormundschaftlich Henriette Katharina, Witwe von Johann Georg II., für ihren Sohn Leopold I.
  • 1693–1747 Leopold I., der Alte Dessauer, Sohn von Johann Georg II.
  • 1747–1751 Leopold II. (* 1700; † 1751)
  • 1751–1758 vormundschaftlich Dietrich für seinen Neffen Leopold III.
  • 1751–1817 Leopold III. Friedrich Franz, Vater Franz, Sohn von Leopold II.
  • 1817–1863 Leopold IV. Friedrich (* 1794; † 1871)

Fürstentum Anhalt-Zerbst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zerbster Linie wurde 1793 nicht mehr weitergeführt und der Besitz fiel 1797 an die anderen Brüder. Die Köthensche Linie endete 1847 und Cöthen wurde 1853 mit Dessau vereinigt. Nachdem ebenfalls die Bernburger Linie 1863 ausstarb, wurde unter Leopold IV. Friedrich († 1871) das Herzogtum Anhalt gebildet.

Die Regenten von Anhalt-Zerbst:
vor 1396 gemeinsam mit Köthen und Dessau regiert (siehe oben, Anhalt-Köthen)

Anhalt-Plötzkau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fürstentum Anhalt-Plötzkau entstand erstmals 1544 nach der Teilung von Anhalt-Dessau und erneut am Anfang des 17. Jahrhunderts.

Die Regenten von Anhalt-Plötzkau:

  • 1544–1553 Georg III., der Gottselige. Das Land fällt wieder an Anhalt-Zerbst.
  • 1611–1653 August (* 1575; † 1653), durch Ausgliederung von Anhalt-Bernburg
  • 1653–1654 vormundschaftlich Leberecht und Emanuel für ihren Bruder Ernst Gottlieb
  • 1653–1654 Ernst Gottlieb (* 1620; † 1654), Sohn von August
  • 1654–1665 Leberecht (* 1622; † 1669) und Emanuel (* 1631; † 1670) gemeinschaftlich (Übernahme von Anhalt-Köthen; Anhalt-Plötzkau geht an Anhalt-Bernburg zurück)

Herzogtum Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhalt im 18. Jahrhundert

Die Zerbster Linie wurde 1793 nicht mehr weitergeführt, und der Besitz fiel 1797 an die anderen Brüder. Die Köthensche Linie endete 1847, und Cöthen wurde 1853 mit Dessau vereinigt. Als 1863 auch die Bernburger Linie ausstarb, wurde unter Herzog Leopold IV. Friedrich († 1871) das Herzogtum Anhalt gebildet.

Nach dem Erlöschen der Linien in Köthen (1847) und Bernburg (1863) fielen deren Territorien an die Linie Anhalt-Dessau und wurden 1863 zu einem Herzogtum Anhalt vereinigt. Im Bundesbeschluss vom 14. Juni 1866 stimmte das Herzogtum Anhalt mit Preußen, trat 1867 dem Norddeutschen Bund und 1871 dem Deutschen Reich bei. Das Herzogtum existierte bis zur Novemberrevolution im Jahr 1918 und wurde danach zum Freistaat Anhalt. Prinzregent Aribert von Anhalt erklärte stellvertretend für den minderjährigen Herzog Joachim Ernst für die Askanier den Thronverzicht.

Die Regenten von Anhalt:
Nach dem Erlöschen der Linien in Köthen (1847) und Bernburg (1863) fielen deren Territorien an die Linie Anhalt-Dessau und wurden 1863 zu einem Herzogtum Anhalt vereinigt.

Katharina die Große[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekannteste und historisch bedeutendste Vertreterin der Askanier in der Neuzeit war Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg (* 1729; † 1796), deren Vater in preußischen Diensten stand. 1745 wurde sie mit Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf verheiratet, dem zukünftigen russischen Zaren Peter III., und nahm zu diesem Anlass den russisch-orthodoxen Glauben mit dem Namen Jekaterina Alexejewna an. Nachdem sie 1762 die Entmachtung ihres Ehemannes betrieben hatte, der dabei ermordet wurde, übernahm sie als Zarin Katharina II. die Alleinherrschaft in Russland, das sie 34 Jahre lang regierte.

Das Haus Anhalt seit dem Ende der Monarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Unfalltod seines älteren Bruders Friedrich im Jahr 1963 ist Eduard Prinz von Anhalt (* 1941) das Oberhaupt des Hauses Anhalt. Beide wurden als Söhne des letzten Herzogs von Anhalt, Joachim Ernst († 1947) geboren.

Eduard von Anhalt und seine drei Töchter sind die einzigen legitimen Abkömmlinge der Askanier im agnatischen Stamm. Andere Namensträger sind hingegen weder Abkömmlinge noch Angehörige des askanischen Hauses Anhalt, da sie ihre Namen durch eine Adoption auf kommerzieller Basis und durch zahlreiche anschließende Weiteradoptionen erhalten haben.[9] In diesem Zusammenhang ist vor allem Frédéric Prinz von Anhalt zu nennen.

Da Eduard von Anhalt der letzte männliche Askanier ist, wird die Familie nach seinem Ableben als im Mannesstamm erloschen gelten. Im Januar 2010 aktualisierte Prinz von Anhalt als Chef des Hauses das Hausgesetz und führte die gleichberechtigte weibliche Erbfolge ein. Somit ist seine älteste Tochter, Julia Katharina, Erbin des Hauses Anhalt-Askanien. Eduard Prinz von Anhalt war das erste Oberhaupt eines vormals regierenden deutschen Adelshauses, das auch die weibliche Erbfolge zuließ.[10]

Es existieren mit den Grafen von Westarp und von Waldersee noch zwei morganatische Linien des Geschlechts, die aus illegitimen Verbindungen zweier Fürsten von Anhalt hervorgegangen sind.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke der Askanier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albert I of Brandenburg.jpg Albrecht der Bär (* um 1100; † 18. November 1170)
Gründer der Mark Brandenburg
Meister der Manessischen Liederhandschrift 004.jpg Otto IV. mit dem Pfeil (* um 1238; † 27. November 1308/1309)
Markgraf von Brandenburg, Minnesänger
Rudolf-I-von-Sachsen.jpg Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg (* um 1284; † 12. März 1356)
Herzog von Sachsen-Wittenberg, 1355 als erster Herzog von Sachsen mit der erblichen Kurwürde ausgestattet
Fürst Ludwig von Anhalt-Cöthen.jpg Ludwig I. von Anhalt-Köthen (* 17. Juni 1579; † 7. Januar 1650)
Fürst von Anhalt-Köthen, Gründer der Fruchtbringenden Gesellschaft
1676 Leopold-2.JPG Leopold I. von Anhalt-Dessau (* 3. Juli 1676; † 7. April 1747)
Fürst von Anhalt-Dessau, preußischer Feldmarschall ("der alte Dessauer")
Catherine II by J.B.Lampi (1780s, Kunsthistorisches Museum).jpg Katharina II., "die Große" (* 2. Mai 1729; † 17. November 1796)
Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg, Zarin von Russland
Leopold III of Anhalt-Dessau.JPG Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (* 10. August 1740; † 9. August 1817)
Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau, Gründer des Wörlitzer Parks

Regentenaufzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Askanische Markgrafen von Brandenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Regierungszeit Verwandtschaft
Albrecht I. der Bär 1134/1157–1170
Otto I. 1170–1184 Sohn des Vorgängers
Otto II. der Freigiebige 1184–1205 Sohn des Vorgängers
Albrecht II. 1205–1220 Bruder des Vorgängers
Johann I.
Otto III. der Fromme
1220–1266
1220–1267
Söhne des Vorgängers
Johann II.
Otto IV. mit dem Pfeil
Konrad I.
Heinrich I. ohne Land
1266–1281
1266–1308
1266–1304
1266–1318
Söhne von Johann I.
Johann III. der Prager
Otto V. der Lange
Albrecht III.
Otto VI. der Kleine
1267–1268
1267–1298
1267–1300
1267–1303
Söhne von Otto III.
Konrad II. 1281–1319 Sohn von Johann II.
Hermann 1298–1308 Sohn von Otto V.
Johann IV.
Waldemar
1304–1305
1304–1319
Söhne von Konrad I.
Johann V. 1308–1317 Sohn von Hermann
Heinrich II. das Kind 1318–1320 Sohn von Heinrich I.
Die Mark Brandenburg wird 1323 an das Geschlecht der Wittelsbacher zu Lehen gegeben.

Askanische Grafen von Weimar-Orlamünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Regierungszeit Verwandtschaft
Albrecht I. der Bär 1140–1170
Hermann I. 1170–1176 Sohn des Vorgängers
Siegfried III. 1176–1206 Sohn des Vorgängers
Albrecht II.
Hermann II.
1206–1245
1206–1247
Söhne des Vorgängers
Hermann III.
Otto III. der Gewaltige
1247–1283
1247–1285
Söhne von Hermann II.
Hermann IV.
Otto IV. der Reiche
1285–1319
1285–1318
Söhne von Otto III.
Otto VI. 1318–1340 Sohn von Otto IV.
Friedrich I.
Otto V.
Hermann VI.
1319–1365
1319–1335
1319–1373
Söhne von Hermann IV.
Friedrich I. 1340–1365 Sohn von Otto VI.

Askanische Herzöge von Sachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Regierungszeit Verwandtschaft
Albrecht der Bär 1138–1143
Das alte Stammesherzogtum Sachsen wurde 1143 an Heinrich dem Löwen (Welfe) übertragen. Nachdem dieser 1180 abgesetzt und die territoriale Integrität Sachsens aufgelöst worden war erhielten die Askanier die östlichen Landesteile einschließlich der sächsischen Herzogswürde verliehen.
Bernhard III. (I.) 1180–1212 Sohn Albrechts des Bären
Albrecht I. 1212–1260 Sohn des Vorgängers
Linie Sachsen-Lauenburg
(Herzöge von Sachsen)
Linie Sachsen-Wittenberg
(Herzöge und ab 1355 Kurfürsten von Sachsen)
Johann I. 1260–1282 Sohn von Albrecht I. Albrecht II. 1260–1298 Sohn von Albrecht I.
Johann II.
Albrecht III.
Erich I.
1282–1321
1282–1308
1282–1361
Söhne des Vorgängers Rudolf I. 1298–1356 Sohn des Vorgängers
Albrecht IV. 1321–1343 Sohn von Johann II. Rudolf II. 1356–1370 Sohn des Vorgängers
Johann III. 1343–1356 Sohn des Vorgängers Wenzel I. 1370–1388 Bruder des Vorgängers
Albrecht V. 1356–1370 Bruder des Vorgängers Rudolf III. 1388–1419 Sohn des Vorgängers
Erich II. 1361–1368 Sohn von Erich I. Albrecht III. 1419–1422 Bruder des Vorgängers
Erich IV. 1368–1412 Sohn des Vorgängers Nach dem Tod Albrechts III. und damit dem Aussterben der Wittenberger Askanier im Mannesstamme wird am 6. Januar 1423 Sachsen-Wittenberg samt seiner Herzogs- und Kurwürde von König Sigismund an Friedrich den Streitbaren, Markgraf von Meißen, aus dem Geschlecht der Wettiner verliehen, aufgrund dessen Engagements in Reichsangelegenheiten beim Kampf gegen die böhmischen Hussiten.
Erich III. 1370–1401 Sohn von Albrecht V.
Erich V. 1412–1436 Sohn von Erich IV.
Bernhard II. 1436–1463 Bruder des Vorgängers
Johann IV. 1463–1507 Sohn des Vorgängers
Magnus I. 1507–1543 Sohn des Vorgängers
Franz I. 1543–1581 Sohn des Vorgängers
Magnus II. 1581–1603 Sohn des Vorgängers
Franz II. 1603–1619 Bruder des Vorgängers
August 1619–1656 Sohn des Vorgängers
Julius Heinrich 1656–1665 Bruder des Vorgängers
Franz Erdmann 1665–1666 Sohn des Vorgängers
Julius Franz 1666–1689 Bruder des Vorgängers
Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg fällt an das Geschlecht der Welfen.

Askanische Fürsten von Lüneburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrschaft Name
1370–1385 Albrecht von Sachsen-Wittenberg
(erbte von seinem Großvater mütterlicherseits Wilhelm II. (Braunschweig-Lüneburg), regierte zusammen mit seinem Onkel Wenzel)
1370–1388 Wenzel I. von Sachsen-Wittenberg (auch: Kurfürst)
im Jahr 1388 erbten Albrechts Stiefsöhne aus dem Welfenhause

Askanische Fürsten und Herzöge zu Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrschaft Name
1160–1170 Albrecht I. (auch: Albrecht der Bär)
1170–1212 Bernhard III. von Sachsen
1212–1252 Heinrich I. von Anhalt
Teilung des Gebietes in Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen

Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhalt-Harzgerode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1635–1670 Friedrich
  • 1670–1709 Wilhelm (Land fällt wieder an Anhalt-Bernburg)

Anhalt-Köthen-Pless[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(der Besitz fällt als Allodialerbe an den Neffen Graf Hans Heinrich X. von Hochberg-Fürstenstein)

Senioren und Chefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Senioren des Hauses Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Senioren führten laut Teilungsvertrag von 1603 die Gesamtangelegenheiten des anhaltinischen Hauses.

Chefs des Hauses Anhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Askanische Äbtissinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stift Gernrode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stift Gandersheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lorenz Friedrich Beck: Herrschaft und Territorium der Herzöge von Sachsen-Wittenberg (1212–1422). (= Bibliothek der Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Band 6), Potsdam 2000.
  • Werner Freitag, Michael Hecht (Hrsg.): Die Fürsten von Anhalt. Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Halle (Saale) 2009, ISBN 978-3-89812-199-6.
  • Michael Hecht: Die Erfindung der Askanier. Dynastische Erinnerungsstiftung der Fürsten von Anhalt an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, In: Zeitschrift für historische Forschung Band 33 (2006), S. 1–32
  • Gerd Heinrich: Askanier. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 1109–1112.
  • Jörg Meyn: Vom spätmittelalterlichen Gebietsherzogtum zum frühneuzeitlichen „Territorialstaat“. Das askanische Herzogtum Sachsen 1180–1543. (= Schriftenreihe der Stiftung Herzogtum Lauenburg, Band 20), Hamburg 1995.
  • Lutz Partenheimer: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. 2. Auflage, Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2003, ISBN 3-412-16302-3,
  • Lutz Partenheimer: Die frühen Askanier und die Entstehung Anhalts. In: 800 Jahre Anhalt. Geschichte, Kultur, Perspektiven (Stekos historische Bibliothek 2). Herausgegeben vom Anhaltischen Heimatbund, Dößel 2012, S. 153–173.
  • Ralf Regener: Der Sturz der Askanier 1918 in Anhalt. Bedingungen, Verlauf und Nachwirkungen des Untergangs einer kleinstaatlichen deutschen Monarchie. Dessau-Roßlau 2013.
  • Mathias Tullner: Geschichte Sachsen-Anhalts. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-57286-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Askanier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Askanier – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CDA, Teil II, Nr. 9
  2. CDA, Teil III, Nr. 406
  3. Monumenta Germaniae Historica (MGH) DD K II, Nr. 234, S. 319. Kaiser Konrad II. errichtete einen Markt in Kölbigk den er an seine Frau Gisela verlieh.
  4. Annalista Saxo, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in: MGH SS 6 (1844), S. 678
  5. Annalista Saxo, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in: MGH SS 6 (1844), S. 676
  6. Annalista Saxo, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in: MGH SS 6 (1844), S. 744
  7. Codex diplomaticus Anhaltinus (CDA), Teil I, Nr. 337. Neben dem Titel „Graf von Aschersleben“ ist auch der Titel „Graf von Anhalt“ erstmals für Albrecht den Bären verbürgt.
  8. Albrecht der Bär nannte sich selbst erstmals in einer am 3. Oktober 1157 ausgestellten Urkunde als „Markgraf von Brandenburg“ (Adelbertus dei gratia marchio in Brandenborch). CDA, Teil I, Nr. 436
  9. Die erste dieser Kettenadoptionen geht auf Joachim Ernsts Schwester, Prinzessin Marie Auguste von Anhalt, zurück.
  10. Julius Eduard Prinz von Anhalt: Aktualisierung des Hausgesetzes der Familie Anhalt-Askanien. Berlin, 1. Januar 2010. [1]