Mark Brandenburg

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Mark Brandenburg
Wappen
Wappen
Karte
Karte
Die Mark Brandenburg im Spätmittelalter
Alternativnamen Kurfürstentum Brandenburg
Entstanden aus Nordmark
Herrschaftsform Markgrafschaft
Herrscher/Regierung Markgraf, Kurfürst
Heutige Region/en DE-BB, DE-BE, DE-MV, DE-ST, PL-LB, PL-ZP
Reichstag Kurfürstenkollegium, Reichsfürstenrat
Reichskreis obersächsisch
Hauptstädte/Residenzen Burg Brandenburg,
Burg Tangermünde
(um 1400),
Berlin (ab 1415)
Dynastien Askanier,
Wittelsbacher,
Luxemburger,
Hohenzollern
Konfession/Religionen römisch-katholisch, protestantisch (ab 1539)
Sprache/n Deutsch,
Westslawische Sprachen (u. a. Polabisch, Niedersorbisch)
Währung Brandenburgischer Pfennig
Aufgegangen in Provinz Brandenburg im Preußischen Staat

Die Mark Brandenburg war ein Territorium im Heiligen Römischen Reich. Die Markgrafschaft bestand vom Gründungsjahr 1157 bis zur Umwandlung in die Provinz Brandenburg anno 1815. Durch die Entwicklung zum Kurfürstentum Brandenburg seit dem Ende des 12. Jahrhunderts spielte sie eine herausgehobene Rolle in der deutschen Geschichte. Die Goldene Bulle von 1356 bestätigte die Stimme des Brandenburger Kurfürsten bei der Wahl des Kaisers. Die Markgrafschaft Brandenburg umfasste die Altmark (westlich der Elbe), die als Kerngebiet geltende Mittelmark (zwischen Elbe und Oder) und die Neumark (östlich der Oder).[1][2][3][4]

Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs Mark Brandenburg bzw. der Kurzform Mark als Synonym für das heutige Bundesland Brandenburg ist weder historisch noch territorial korrekt. Während einst märkische Gebiete heute in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern sowie den polnischen Woiwodschaften Zachodniopomorskie und Lubuskie liegen, gehörten Gebiete im Süden des Bundeslandes nie, nur teilweise oder lediglich kurzzeitig zur Mark. Außerdem trennten sich Brandenburg und Berlin in mehreren Schritten zwischen 1875 und 1936.[1][4][5]

Landeskunde[Bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten]

Der Norden der Mark Brandenburg, die Landesteile Prignitz und Uckermark, wurde durch die Niederungen des Netze- und Warthebruchs, des Oderbruchs, des Finowtals, das Havelländische Luch und die Furche des Elbestroms bestimmt. Die Landschaft wurde von der Eiszeit geformt und durch Moränen, Urstromtäler sowie zahlreiche Seen geprägt. Der westliche Teil der Mark, die Altmark war geprägt von Tiefland mit Wäldern und Heiden. Die Böden der Altmark waren dominiert von nährstoffarmen sandigen und lehmigen Bodentypen.

Der mittlere Teil der Mark, die sogenannte Mittelmark war zu einem Teil durch Bodenerhebungen (Teltow, Barnim und Lebus) gekennzeichnet, die sich aus der Gegend von Posen westwärts in die Mark Brandenburg hinein erstreckten. Im Allgemeinen war auf diesen Höhenzügen bis zur Höhe von etwa 100 Meter fruchtbarer Lehmboden vorherrschend (Exportgut: Berliner Roggen). Oberhalb der 100 Meter dominierten die geröllhaltigen Hohen Sander, wo sich die in der Mark Brandenburg dominierende Landwirtschaft nicht lohnte. Dort unterblieben zunächst die im 13. Jahrhundert gezielt vorgenommenen Rodungen, so dass neben landwirtschaftlichen Anbauflächen auf weiten Strecken die Höhenzüge mit Kiefern und Heidekraut bewachsen blieben. Als nach etwa 1300 die Anbauflächen weniger wurden, wurden dann auch hier Siedlungen angelegt. In der Zeit der Wüstungen ab etwa 1350 fielen diese Dörfer wegen der geringen Erträge als erste wüst. Die historische Mittelmark war jedoch neben dem Höhenzug auch durch drei Urstromtäler und großflächigen Luchgebiete geprägt. Diese Talsandböden sind auch weniger ertragreich. Das änderte sich erst ab dem 18. Jahrhundert, als sie im Rahmen von Meliorationsmaßnahmen zu Wiesen und Weiden umgestaltet wurden.

Auf Grund der verschiedenen eiszeitlichen Ablagerungen in der Mark Brandenburg waren verschiedene Bodenarten vorherrschend (Talsande, Lehmböden, Hohe Sander). Die Ertragsfähigkeit reichte von extrem nährstoffarm und unfruchtbar bis hin zu sehr fruchtbar. Im mittleren Brandenburg, vor allem im Havelland und in der Zauche, dominierten die nährstoffarmen Sandböden, die der Mark die Bezeichnung Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches einbrachte, was für die gesamte Mittelmark nur bedingt richtig ist. Wenn nicht größere Teile der Mittelmark so ertragreich gewesen wären, hätte sich Kaiser Karl IV. nicht so hartnäckig um sie bemüht und das Landbuch Karls IV. 1375 anlegen lassen, um die Einkünfte zu erfassen.

Wichtige Flüsse der Mark waren die von Süden nach Norden strömende Oder, die obere Spree, die Dahme, Havel und Elbe.

Territoriale Gliederung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum heutigen Bundesland Brandenburg war die Mark Brandenburg in West-Ost-Richtung gedehnt und in Nord-Süd-Richtung gestaucht. Die Askanier arbeiteten sich von ihren Stammlanden aus, später Altmark genannt, immer weiter in Richtung Osten vor. Mit dem Erwerb der Niederlausitz wurde um 1304 die größte Ausdehnung erreicht. Zwischen Salzwedel im Westen und Schivelbein im Osten lagen über 400 Kilometer. Nach dem Ende der Askanier-Herrschaft verkleinerte sich das Territorium wieder.[6]

In der Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich eine territoriale Gliederung. Im Herbst 1373 wurde für Karl IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (1355–1378) die Beschreibung der Mark Brandenburg angefertigt. In der Landesbeschreibung war zu lesen: „Marchia Brandemburgensis est distincta in quator dominia sive provincias, quarum provinciarum una vocatur Nova Marchia Brandemburgensis, altera Antiqua Marchia Brandemburgensis, tercia Prignicz, quarta Ukara et quinta Marchia trans Oderam.“ – die Mark Brandenburg besteht aus fünf Herrschaften oder Provinzen, darunter Provinz eins genannt Neumark Brandenburgs, zweitens Altmark Brandenburgs, drittens Prignitz, viertens Uckerland und fünftens Mark über der Oder. Für jede Provinz wurden Städte, Burgen, Klöster und vornehmste Adelige angegeben. Die reichsunmittelbare Stellung der Bistümer und der Herrschaft Ruppin wurde stillschweigend übergangen, teilweise zu erklären mit ihrer Einbindung als märkische Stände.[6][7][8][9]

Nur zwei Jahre später unterschied das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 drei Hauptteile: die Mark über der Elbe oder die Altmark (Marchia transalbeana alio nomine antiqua Marchia), die Mittelmark (Marchia media) und die Mark über der Oder (Marchia transoderana). Die Mittelmark bestand mit Lebus, Barnim, Zauche, Teltow, Havelland, Glien (inklusive Land Löwenberg), Prignitz, Uckerland und Herrschaft Ruppin aus neun Territorien. Diese, die Altmark und die Mark über der Oder wurden zumeist weiter untergliedert (Bezirke, Kreise). Die Quellen des Spätmittelalters verwendeten die Begriffe für die unterschiedlichen Verwaltungsebenen recht willkürlich, die gleichen Worte bezeichneten oft unterschiedliche Strukturen.[9][7][10][6]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand die Mark Brandenburg aus den Landesteilen Kurmark und Neumark. Jeder Landesteil war in Kreise unterteilt. Die Kurmark war darüber hinaus teilweise in Landschaften unterteilt, die mehrere Kreise zusammenfassten.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung der Mark Brandenburg[Bearbeiten]

Querschnitt durch einen fiktiven slawischen Burgwall des 10./11. Jahrhunderts

Die Slawen im Elberaum[Bearbeiten]

Rekonstruktion eines slawischen Burgwalls des 9./10. Jahrhunderts in der Niederlausitz (Slawenburg Raddusch)

Im Zuge der Völkerwanderungen verließen die Sueben, der elbgermanische Teilstamm der Semnonen, ab dem 5. Jahrhundert, bis auf wenige Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein, Schwaben. Im späten 6. und 7. Jahrhundert zogen in den vermutlich weitgehend siedlungsleeren Raum Slawen ein.

Östlich einer Linie der Flüsse Havel-Nuthe, im heutigen Barnim und in Ostteltow, siedelten die Sprewanen, die ihre Hauptburg am Zusammenfluss von Spree und Dahme in Berlin-Köpenick hatten.[15][16] Westlich der Flüsse, im heutigen Havelland und in der südlich angrenzenden Zauche, lebten die Heveller, die sich selbst Stodoranen nannten und ihre Hauptburg in Brandenburg, der heutigen Stadt Brandenburg an der Havel errichteten.[15][16] Eine weitere wichtige Burg lag auf der Burgwallinsel von Spandau, etwa einen Kilometer südlich der späteren Altstadt; eine weitere kleinere Burganlage auf dem Gelände der heutigen Zitadelle Spandau. Diese beiden Stämme im späteren Gebiet der Mark Brandenburg mussten sich nicht nur gegen die übermächtigen Feudalstaaten aus dem Westen wehren, sondern lagen gelegentlich auch untereinander und mit weiteren angrenzenden Slawenstämmen in oft kriegerischem Streit.

Erste Ostexpansion, erste Marken[Bearbeiten]

Nach den erfolgreichen Feldzügen im Jahre 804 gegen die Sachsen überließ Karl der Große den mit ihm verbündeten Abodriten mit Nordalbingien kurzzeitig einen Teil des sächsischen Landes zwischen Elbe und Ostsee. Eine verhältnismäßig ruhige Zeit währte bis zum Jahr 928. In der folgenden sogenannten ‚ersten Phase‘ der deutschen Ostexpansion eroberte König Heinrich I. in den Jahren 928/929 Brandenburg; die Stämme bis zur Oder wurden tributpflichtig. Unter Otto I. folgte 936 die Einrichtung von Marken, deutschen Grenzregionen im Slawenland. 948 errichtete er die Bistümer Brandenburg und Havelberg; die Datierung ist umstritten. Die deutsche Herrschaft begnügte sich mit der Besetzung vorhandener Burgen zur Eintreibung von Tributen und dem Bau von Bistumskirchen. Deutsche Bauern wurden noch nicht angesiedelt. Die Gemeinden der Bistümer waren daher sehr klein. Wichtig aber war vor allem die tägliche Feier der Messe als Beweis der Herrschaft Christi im Slawenland.

Nach dem Tode von Markgraf Gero I. wurde die Sächsische Ostmark in fünf kleinere Marken aufgeteilt: die Nordmark, das heißt die spätere Mark Brandenburg, und südlich davon vier weitere Marken, vor allem in den Lausitzen.

Im Lutizenaufstand von 983 verbündeten sich viele slawische Stämme und warfen die Deutschen erneut zurück; die Bistümer Brandenburg und Havelberg wurden zerstört. Für rund 150 Jahre, bis zum Zerfall des Lutizenbundes Mitte des 11. Jahrhunderts, kam die deutsche Expansion von Marken und Bistümern zum Stillstand.

Annäherung des Hevellerfürsten Pribislaw-Heinrich an das Reich[Bearbeiten]

Situation um 1150

1127 kam in der Burg Brandenburg der Hevellerfürst Pribislaw an die Macht. Er trug den deutschsprachigen Taufnamen Heinrich und wird in der Literatur zumeist mit dem Doppelnamen Pribislaw-Heinrich genannt. Da bereits sein Vorgänger Meinfried Christ war, lässt sich folgern, dass Pribislaw-Heinrich selbst schon als Kind die Taufe empfangen haben wird und nicht erst – wie es die späteren Chronisten in mittelalterlicher Idealisierung glaubend machen – als Fürst. Da er enge Verbindungen zum deutschen Adel pflegte und vom Kaiser offenbar die Krone eines Unterkönigs erlangt hatte, war es den Deutschen gelungen, das Heveller-Gebiet, Brandenburg bis Spandau, vorübergehend locker an das Reich zu binden. Die umstrittene Ostgrenze verlief damit zwischen den beiden slawischen Stämmen, den Hevellern und den Sprewanen, geografisch sehr grob gekennzeichnet auf einer Linie der Flüsse Havel-Nuthe. Auf der östlichen Seite in Köpenick residierte der Sprewanenfürst Jaxa von Köpenick (Jaxa de Copnic).

Unter den Askaniern (1157–1320) [Bearbeiten]

Siegel von Albrecht I, Markgraf von Brandenburg (1157–1170), Inschrift: Adelbertus Di. gra marchio

Mit der zweiten Phase der Ostsiedlung trieb Albrecht der Bär die expansive Ostpolitik der aus Aschersleben stammenden Askanier entscheidend voran. Dabei erwies er sich als geschickter Diplomat. Schon in den Jahren 1123–1125 knüpfte er Kontakte zum Hevellerfürsten Pribislaw-Heinrich. Pribislaw wurde Taufpate von Albrechts erstem Sohn, Otto I., und übergab Otto als Patengeschenk die an den askanischen Streubesitz angrenzende Zauche. Im selben Jahr 1134, in dem er Albrecht zum Markgrafen der Nordmark ernannte, erhob Kaiser Lothar den Heveller Pribislaw-Heinrich in den Königstand (später wieder aberkannt). Mit dieser Maßnahme wollte Lothar vermutlich weiteren Machtausdehnungen des Askaniers von vornherein einen Riegel vorschieben. Noch um 1134 gelang es Albrecht allerdings, dem kinderlosen Christen Pribislaw-Heinrich die Zusage abzuringen, dass er nach Pribislaws Tod als dessen Erbe und Nachfolger eingesetzt würde. So konnte er nach dessen Tod im Jahre 1150 die Residenz der Heveller, die Burg Brandenburg, weitgehend unblutig übernehmen. Die Burg Spandau ließ er als askanische Burg neu errichten. Mit diesen Ereignissen wird das Jahr 1150 (statt 1157) von verschiedenen Historikern als der eigentliche Beginn der Geschichte der Mark Brandenburg betrachtet.

Die Bevölkerung der Heveller, die im Gegensatz zu ihrem Fürsten zum Teil noch den alten slawischen Gottheiten nachhing, stand Albrechts Machtübernahme eher ablehnend gegenüber. So konnte der Sprewanenfürst Jaxa von Köpenick, der mit Pribislaw-Heinrich möglicherweise verwandt war und nach dessen Tod ebenfalls Anspruch auf Brandenburg erhob, mit einer Mischung aus Verrat, Bestechung, List und Gewalt und mit polnischer Hilfe die Burg Brandenburg besetzen und die Macht im Hevellerland an sich reißen. Die ältere Geschichtsforschung setzt diese Eroberung für das Jahr 1153 an, gesicherte Quellen zum Datum gibt es nicht. Die jüngere Forschung geht eher vom Frühjahr 1157 aus, da es laut Partenheimer nur schwer vorstellbar sei, dass Albrecht es sich angesichts seiner ungesicherten Position im Reich hätte erlauben können, der Besetzung vier Jahre lang tatenlos zuzusehen.

Denkmal für „Jaxa von Köpenick“, am Schildhorn, Havel, Berlin

Am 11. Juni 1157 konnte Albrecht der Bär in blutigen Kämpfen die Macht in der Burg Brandenburg endgültig zurückerobern,[17] Jaxa von Köpenick vertreiben und eine neue Landesherrschaft auf slawischem Boden begründen. Nachdem ihm der Titel schon zuvor mehrfach zugewiesen wurde, nannte er sich mit einer Urkunde vom 3. Oktober 1157 erstmals auch selbst Markgraf in Brandenburg (Adelbertus Dei gratia marchio in Brandenborch). Daher gilt das Jahr 1157 als das tatsächliche Gründungsjahr der Mark Brandenburg. Dieses Datum bekam nicht zuletzt mit der Feier am 11. Juni 2007 zum 850. Geburtstag der Mark einen offiziellen Anstrich. Die Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr fand bereits am 23. Juni 2006 in der Ritterakademie in Brandenburg an der Havel statt. Die Schildhornsage und ihre künstlerische Umsetzung im Schildhorndenkmal zeugen von den Ereignissen im Jahr 1157.

Die territoriale Ausdehnung dieser ersten Mark Brandenburg entsprach nicht der Ausdehnung des heutigen Flächenstaates. Lediglich das Havelland und die Zauche zählten dazu. Erst in den folgenden 150 Jahren gelang es den Askaniern, Gebiete östlich von Havel-Nuthe, die Uckermark und Regionen bis zum Barnim zu gewinnen und die Mark Brandenburg bis zur Oder auszudehnen.

Wahrscheinlich noch 1157 rief Albrecht der Bär Siedler in die neue Mark, die insbesondere aus der Altmark, dem Harz, Flandern (daher der Begriff Fläming) und den Rheingebieten in das Land kamen. Eine wichtige Rolle spielten dabei Zeeländer und Holländer, die nach verheerenden Sturmfluten im eigenen Land gerne neue Siedlungsgebiete annahmen und mit ihrer Erfahrung im Deichbau zu den Eindeichungen von Elbe und Havel beitrugen, die in den 1160er Jahren in Angriff genommen wurden.

Nach Albrechts Tod im Jahre 1170 wurde sein Sohn Otto Nachfolger als Markgraf: Markgraf Otto I. von Brandenburg. Erst zwei Jahre später erkannte Kaiser Friedrich I. Barbarossa den Markgrafentitel an und die Mark wird politische Realität. Die Askanier betrieben auch weiterhin eine Politik der Expansion nach Osten und Nordosten (Pommern), letztere mit dem Ziel einer Anbindung an die Ostsee, einem der damals wichtigsten internationalen Handelsmärkte. Diese Politik brachte sie in Konflikt mit rivalisierenden Interessenten (Könige von Dänemark, Herzöge von Schlesien und Pommern einschließlich Heinrich dem Löwen als dem zeitweiligen Lehnsherren der Pommern). Nach der Schlacht bei Bornhöved (1227) sicherte Brandenburg seinen Anspruch auf Pommern, und formalisierte diesen 1231, als Kaiser Friedrich II. dieses als Lehen an die Markgrafen von Brandenburg gab. Die Mitte des 13. Jahrhunderts stellte eine Zeit wichtiger Entwicklungen dar: Zugewinn der Uckermark (1250).

Der märkische Adler, Wappen der Mark Brandenburg seit 1170
Wappen aus dem Scheiblerschen Wappenbuch 1450–1480

Nach dem Tod seiner Söhne Otto und Johann (um 1299) schenkte Albrecht III. seinem Schwiegersohn Heinrich II. von Mecklenburg – durch Scheinkauf – die Herrschaft Stargard. Durch den Wittmannsdorfer Vertrag im Jahre 1304 wurde die Übertragung nach dem Tod Albrechts endgültig festgeschrieben. Bedingt einer Allianz mit dem pommerschen Adelsgeschlecht der Swenzonen, die sich mit dem ab 1306 nominellen Herren des Herzogtums Pommerellen, Władysław I. Ellenlang, überworfen hatten, erweiterten die Askanier Markgrafen ihre unmittelbare Landesherrschaft auf die pommerellischen Lande Schlawe, Stolp und Rügenwalde, wodurch sie ab 1307 zum direkten Anrainer des Mare Balticum wurden. Ihrer Expansion gegen das pommerellische Kernland mit Danzig (Eroberung von Danzig bis auf die Stadtburg 1308) unter Markgraf Waldemar und seinem Bruder Otto IV., stellte sich der Deutsche Orden entgegen, der von Władysław Ellenlang gegen die Brandenburger zur Hilfe gerufen worden war, um die Danziger polnische Burggarnison zu entsetzen. Dadurch kam es zum Markgrafenkrieg, in dem der Deutsche Orden die Brandenburger aus Danzig vertrieb. 1309 kaufte der Orden den Brandenburgern deren Ansprüche an Pommerellen im Vertrag von Soldin ab und setzte sich, nach der Vertreibung der Brandenburger und an den Landesrechten der Polen vorbei, eigenmächtig zum Landesherrn Pommerellens ein.

Nach dem Tod der Tochter Albrecht III., Beatrix, kam es 1314 zum Erbschaftsstreit der Brandenburger mit dem mecklenburgischen Fürsten Heinrich II. um die Herrschaft Stargard. Im Jahre 1315 besetzte Markgraf Waldemar das Land Stargard. Heinrich II. konnte aber Waldemar bei Gransee besiegen und bekam mit dem Templiner Frieden vom 25. November 1317 die Herrschaft Stargard endgültig zugesprochen. Der Friede von Templin besiegelte 1317 die Niederlage Waldemars gegen eine Koalition norddeutscher Fürsten, die vom Dänenkönig angeführt wurden. Die Herrschaft Stargard gelangte dauerhaft zu Mecklenburg, zudem ging der Ostseezugang mit den Landen Schlawe, Stolp und Rügenwalde an Herzog Wartislaw IV. von Pommern-Wolgast verloren. Mit dem Tod von Waldemar und seinem unmündigen Vetter Heinrich (1319 bzw. 1320) erlosch die brandenburgische Linie der Askanier im Mannesstamm.

Unter den Wittelsbachern (1323–1373)[Bearbeiten]

Nachdem er mit seinem Sieg über die Habsburger freie Hand bekommen hatte, übertrug der Wittelsbacher Kaiser Ludwig IV., ein Onkel des letzten märkischen Askaniers Heinrichs II., 1323 die Mark Brandenburg seinem ältesten Sohn Ludwig I.

Von Anfang an war die wittelsbachische Regierung über Brandenburg von schweren Spannungen mit dem einheimischen Adel geprägt. 1325 erschlugen die Berliner und Cöllner Bürger Propst Nikolaus von Bernau, der als Parteigänger des Papstes gegen den Kaiser auftrat, daraufhin verhängte der Papst über Berlin das Interdikt. Mit dem Herzogtum Pommern gab es kriegerische Auseinandersetzungen (Pommersch-Brandenburgischer Krieg). Nach dem Tod des Kaisers 1347 wurde Ludwig I., dessen Herrschaft vom einheimischen Adel abgelehnt wurde, mit dem falschen Waldemar konfrontiert, den der neue römisch-deutsche König Karl IV. von Luxemburg zunächst anerkannte, bis er mit den Wittelsbachern 1350 eine Einigung erzielte. 1351 gab Ludwig dann im Luckauer Vertrag die Mark an seine jüngeren Halbbrüder Ludwig II. und Otto V. ab, um im Gegenzug Oberbayern alleine regieren zu können.

Ludwig II. zwang den falschen Waldemar endgültig zum Verzicht auf die Mark Brandenburg und erlangte durch die Goldene Bulle 1356 die Kurwürde. Brandenburg wurde somit Kurfürstentum und hatte eine Stimme bei der Königswahl. Als Ludwig II. 1364/1365 starb, übernahm Otto die Regierung, die er jedoch bald vernachlässigte. 1367 verkaufte er die Niederlausitz, die zuvor schon an die Wettiner verpfändet war, an Karl IV. Ein Jahr später verlor er die Stadt Deutsch Krone an den polnischen König Kasimir den Großen.

Unter den Luxemburgern (1373–1415)[Bearbeiten]

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts unternahm Kaiser Karl IV. mehrere Versuche, die Mark für sein Geschlecht der Luxemburger zu erwerben. Ihm ging es dabei vor allem um die Kurstimme Brandenburgs (die böhmische hatten die Luxemburger schon), mit deren Hilfe die Wahl von Kaisern aus dem Haus Luxemburg gesichert werden sollte. 1373 war er schließlich gegen Zahlung von 500.000 Gulden an Otto V. erfolgreich (Vertrag von Fürstenwalde) und auf einem Landtag in Guben wurde das Kurfürstentum Brandenburg wie auch die Niederlausitz mit dem Königreich Böhmen, welches das bedeutendste Territorium der Luxemburger war, „auf ewig“ verbunden. Bei dieser Gelegenheit entstand das Landbuch Karls IV. In Tangermünde ließ Kaiser Karl die Burg als kurfürstliche Residenz ausbauen. Doch schon unter seinem Neffen Jobst von Mähren sank die Macht der Luxemburger in Brandenburg gegenüber dem landständischen Adel. Unter den Wittelsbacher und Luxemburger Markgrafen kam es zum Verfall der landesherrlichen Gewalt und die Bedeutung der adeligen Landstände nahm zu.

Unter den Hohenzollern bis zum Dreißigjährigen Krieg (1415–1618)[Bearbeiten]

Friedrich I. – der erste hohenzollernsche Markgraf von Brandenburg

Der Hohenzoller Friedrich VI. von Nürnberg wurde 1411 vom Luxemburger König Sigismund zum erblichen Hauptmann und Verwalter der Mark Brandenburg eingesetzt. Dies geschah in Anerkennung für dessen vorhergegangene Unterstützung bei der Königswahl am 20. September 1410 in Frankfurt am Main. Die offizielle Übertragung erfolgte vier Jahre später am 30. April 1415 auf dem Konstanzer Konzil. Die Huldigung der brandenburgischen Stände fand noch im gleichen Jahr am 21. Oktober in Berlin statt. Die förmliche Belehnung mit der Kurmark und die Verleihung der Würde des Erzkämmerers vollzog König Sigismund, wiederum auf dem Konstanzer Konzil, am 18. April 1417. Als brandenburgischer Markgraf wurde Friedrich VI. von Nürnberg dann in der Folge als Friedrich I. von Brandenburg bezeichnet. Er machte Berlin zu seiner Residenz, zog sich aber in seine fränkischen Besitzungen zurück, nachdem er 1437 die Regierung über die Mark Brandenburg seinem Sohn Friedrich II. übertragen hatte. 1524 wurde die im Kern reichsunmittelbare Herrschaft Ruppin durch Joachim I., Kurfürst von Brandenburg (1499–1535) eingezogen und mit der Mark Brandenburg vereinigt.

Trotz vieler märkischer Anhänger von Martin Luther sperrten sich die Bischöfe und Domkapitel gegen die Einflüsse der Reformation. Joachim I. verhielt sich ebenso, obwohl er den Wittenberger sogar persönlich empfing. Nach seinem Tod 1535 fand eine Erbteilung statt. Während Johann, Markgraf von Brandenburg-Küstrin (1535–1571) schnell und konsequent ans Werk ging, zeigte Joachim II., Kurfürst von Brandenburg (1535–1571) mehr Zurückhaltung. Dies entsprach seinem Charakter sowie familiärer und reichspolitischer Rücksichtnahme. Letztlich führte er aber in der Mark Brandenburg die Reformation nach lutherischem Bekenntnis ein. Auf seinen Druck übernahm das Bistum Brandenburg die zwei zentralen Repräsentationsformen – den Laienkelch und die Priesterehe. Am 1. November 1539 reichte Matthias von Jagow, Bischof von Brandenburg (1527–1544) in der Nikolaikirche zu Spandau Joachim das Heilige Abendmahl mit Brot und Wein. Der Messkelch mit dem Blut Christi war zuvor nur für die Priester bestimmt. Im Jahr 1541 musste der greise Matthias auf der bischöflichen Residenz Burg Ziesar Katharina von Rochow heiraten. Der Kurfürst wohnte persönlich dem Geschlechtsverkehr der frisch Vermählten und damit der Abschaffung des Zölibats bei. Die neue, mit einem Nachwort des Brandenburger Bischofs versehende Kirchenordnung erließ er 1540. Die beiden anderen märkischen Bischöfe von Havelberg und Lebus lehnten die neue Lehre weiterhin ab. Insgesamt war die Reformation keine klare Zäsur, sondern ein unsteter Prozess und die Beteiligten handelten weniger geradlinig, sondern mehr vielschichtig.[18][19]

Die brandenburgischen Hohenzollern betrieben eine Politik der Ausdehnung ihres Einflusses. Dabei standen sie im Norden zwischen Dänemark und insbesondere Schweden, mussten aufgrund des preußischen Status vorsichtig gegenüber Polen agieren und fanden sich im Westen im Konflikt mit Frankreich. In diesem Umfeld gelang es Johann Sigismund, Kurfürst von Brandenburg (1608–1619) im Zuge des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites 1614 seinen Anspruch auf das Herzogtum Kleve, die Grafschaft Mark und die Grafschaft Ravensberg erfolgreich durchzusetzen. Die neugewonnenen Westprovinzen blieben allerdings vom Kernstaat räumlich isoliert. Dies führte zu einer erheblichen Behinderung des Handels durch Zölle, die erst durch die Gründung des Preußisch-Hessischen Zollvereins 1828 und später des Deutschen Zollvereins 1834 schrittweise beseitigt wurden.

Personalunion der Mark Brandenburg mit dem Herzogtum Preußen (1618–1701)[Bearbeiten]

Georg Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (1619–1640) und Gemahlin Elisabeth Charlotte von der Pfalz
Hauptartikel: Brandenburg-Preußen

Ab 1618 regierten die Hohenzollern die Mark Brandenburg in einer Personalunion mit dem Herzogtum Preußen Die Mark blieb zwar wichtigstes Herrschaftsgebiet, hatte aber nicht mehr den Absolutheitsanspruch auf seinen Landesherrn, der sich zunehmend seinen anderen Landesteilen widmete. Im Jahr 1619 betrugen die Staatsschulden 2.142.000 Reichstaler.[20] Die Mark lebte ausschließlich vom Ackerbau. Alle gehobenere Güter mussten importiert werden.

Als 1618 der Dreißigjährige Krieg ausbrach, blieb die Mark Brandenburg bis 1626 von seinen Auswirkungen verschont. Am 3. April 1625 brach der Dänisch-Niedersächsische Krieg aus, in dem Dänemark, England und Holland sich gegen die Katholische Liga verbündeten. Brandenburg wollte sich weder der einen noch der anderen Seite anschließen, sodass sich seine Lage immer bedrohlicher entwickelte, da es sich geopolitisch zwischen allen am Konflikt beteiligten Parteien befand.

Dänische Kontingente rückten inzwischen in die Altmark und die Prignitz ein. Infolgedessen nahmen die kaiserlichen Generäle an, der brandenburgische Kurfürst stehe insgeheim mit dem Dänenkönig im Bunde. Nachdem die dänische Armee in der Schlacht bei Dessau geschlagen wurde, strömten die geschlagenen dänischen Soldaten nach Norden zurück, wobei sie die Kurmark verwüsteten. Da ganz Norddeutschland den kaiserlichen Truppen offen lag, nahm Georg Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (1619–1640) Verhandlungen mit dem Kaiser auf. Infolgedessen musste er das Land den kaiserlichen Truppen öffnen. Diese plünderten die Mark bei ihrem Durchmarsch, wodurch der Wohlstand, der in den friedlichen Jahrzehnten seit dem Augsburger Religionsfrieden aufgebaut worden war, zusammenbrach. Die Kurmark wurde in dieser Zeit von den kaiserlichen Truppen beherrscht, während der Kurfürst nach Preußen geflohen war. Durch die Flucht des Kurfürsten war die Kurmark jeder Willkür preisgegeben. Eine vorübergehende Entlastung gab es erst nach dem Sturz Wallensteins im Jahre 1630.

Am 6. Juli 1630 landete Gustav Adolf II., König von Schweden (1611–1632) mit 13.000 Mann auf Usedom. Damit begann ein neuer Abschnitt im Dreißigjährigen Krieg. Der Kurfürst setzte, da sein Land von kaiserlichen Truppen besetzt war, auf die Erhaltung seiner Neutralität, damit die Mark nicht zum Kriegsschauplatz wurde. Er musste jedoch ein Bündnis mit den Schweden eingehen, als diese im Frühjahr 1631 in Brandenburg einzogen. Nachdem die schwedischen Truppen in der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 vernichtend geschlagen wurden, brach die protestantische Allianz auseinander. Brandenburg ging ein neues Bündnis mit dem Kaiser ein. Georg Wilhelm versuchte im Jahr 1638 das von den Schweden besetzte Pommern zu erobern. Dabei berief er sich auf einen Erbschaftsanspruch Brandenburgs nach dem Tode von Bogislaw XIV., dem letzten Herzog von Pommern. Sein Feldzug scheiterte, es fehlte an geschulten Truppen, Munition und Verpflegung. Pommern blieb schwedisch besetzt. Die Kurmark wurde abwechselnd von Feind und „Freund“ besetzt. Der Kurfürst Georg Wilhelm zog sich daraufhin wieder nach Preußen zurück. Am 1. Dezember 1640 verstarb er in Königsberg.

Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (1640–1688)

Das Erbe trat sein Sohn Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (1640–1688) an. Das brandenburgische Söldnerheer bestand zu diesem Zeitpunkt aus 6700 Mann,[21] wobei Friedrich-Wilhelm nicht den Oberbefehl ausübte, da die Truppen in erster Linie auf den Kaiser und erst in zweiter Linie auf den Kurfürsten vereidigt worden waren. Deswegen entließ der Kurfürst seine angeworbene Armee bis auf einen Stamm von 300 Reitern und 2000 Garnisonssoldaten.

Das erste Ziel der kurfürstlichen Politik war es das Land zu befrieden. Dies versuchte Friedrich Wilhelm durch einen Ausgleich mit Schweden zu erreichen, der ab dem 24. Juli 1641 für zwei Jahre galt. In der Folgezeit standen die Skandinavier zwar noch immer in der Mark, aber offiziell nicht mehr als Feind. Der Waffenstillstandsvertrag sah vor, dass die kurfürstliche Regierung monatlich 10.000 Taler an die ausländischen Truppen zu zahlen hatte. Der mit dem schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna ausgehandelte Vertrag vom 28. Mai 1643 gab das Land formell der kurfürstlichen Verwaltung zurück. Dennoch blieben die Kontributionen von 120.000 Taler bestehen. Bis zum Westfälischen Frieden 1648 blieb Brandenburg von den Schweden besetzt.

Die vielen Truppendurchzüge lösten Hungersnöte und Epidemien aus. Infolge schrumpfte die Bevölkerungszahl der Mark Brandenburg dramatisch zusammen. Die Zahl der bewohnten Dörfer halbierte sich von etwa 8.000 auf 4.000. Die im Frühjahr nicht bestellten Felder brachten keine Ernten ein. Dies betraf auch die kurfürstlichen Domänen. Vor dem Krieg betrugen die Domäneneinkünfte 260.000 Taler, im Jahr 1640 nur noch 35.000 Taler.[22]

Städtische Bevölkerungsrückgänge durch den Dreißigjährigen Krieg[22]
Stadt vorherige Einwohnerzahl nachherige Einwohnerzahl
Alt- und Neustadt Brandenburg (anno 1619) 12.000 (anno 1643) 2.500
Beelitz 1.000 50
Berlin-Cölln (anno 1619) 12.000 (anno 1640) < 6.000
Osterburg 2.500 125
Potsdam 1.400 600
Prenzlau 9.000 600
Strausberg 2.000 150

Der Wiederaufbau der Mark zog sich bis weit ins 18. Jahrhundert hinein. Diese Zeit ist gekennzeichnet von einer starken Machtstellung der Gutsherren. Durch den Vertrag von Wehlau von 1657 erlangte der Kurfürst von Brandenburg die Souveränität über das Herzogtum Preußen. Ab 1685 wurde das Land für hugenottische Einwanderer geöffnet.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts baute Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640–1688) die Macht Brandenburgs aus, die Kurbrandenburgische Marine auf und erwarb wie andere europäische Mächte Kolonien in Westafrika (Arguin, Groß Friedrichsburg) und der Karibik (St. Thomas). Die 1682 gegründete Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie entsandte im selben Jahr eine Expedition an die westafrikanische Goldküste. Der Kommandeur, Major Otto Friedrich von der Groeben wurde beauftragt dort Handelsstützpunkte zu errichten. Die Kolonie Groß Friedrichsburg gehörte ab 1683 zu Brandenburg. Sie umfasste mehrere, durch Befestigungen geschützten Niederlassungen, an einem rund 30 Kilometer langen Küstenstreifen im heutigen Ghana. Als Hauptstützpunkt diente das Fort Groß Friedrichsburg. Von dort aus beteiligte sich Brandenburg am Dreieckshandel: Sklaven in die Karibik, Kolonialwaren nach Europa, spanischer Wein in andere europäische Länder bzw. Billigwaren nach Afrika. Obwohl die Rendite mitunter 300 bis 400 Prozent betrug, überstiegen die Aufwendungen die Erträge. Deshalb wurde Groß Friedrichsburg anno 1717 an die Vereinigten Niederlande verkauft.

Die Mark Brandenburg als Kernprovinz des Preußischen Staates (1701–1815)[Bearbeiten]

Am 18. Januar 1701 krönte sich der Kurfürst Friedrich III. zum König Friedrich I. in Preußen. Damit wandelten sich die Bezeichnungen für Staat, Verwaltung, Armee, Münze usw. von „Kurmärkisch“ oder „Kurbrandenburgisch“ in „Königlich-Preußisch“ und die Mark wurde zur Zentralprovinz des sich herausbildenden Staates Preußen. Die Geschichte der Mark Brandenburg fällt fortan mit der Preußens zusammen, wobei die preußischen Könige den Titel „Markgraf von Brandenburg“, auf dem ihre Kurwürde beruhte, weiterhin führten.

In Fergitz bei Gerswalde in der Uckermark wurde am 17. Februar 1701 die 15-jährige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff als Hexe hingerichtet. Sie ist das letzte der Todesopfer der Hexenverfolgung in Brandenburg. Die Umstände dieses Hexenprozesses waren Gegenstand eines Untersuchungsberichtes des Hof- und Landrichters der Uckermark Thomas Böttcher, beauftragt von König Friedrich I. Seit dem 13. Dezember 1714 bedurften Todesurteile oder Urteile auf peinliche Befragungen der landesherrlichen Zustimmung. In diesem Mandat wurde weiterhin angeordnet, alle noch im Land vorhandenen Brandpfähle abzuräumen. Dies kam einem Verbot der Hexenprozesse gleich.

Brandenburg verlor 1806 durch den Frieden von Tilsit an die napoleonischen Königreiche Westphalen und Sachsen die Altmark bzw. die Herrschaft Cottbus.

Als Preußen nach dem Wiener Kongress im Jahr 1815 in zehn Provinzen aufgeteilt wurde, kam die Altmark nicht an Brandenburg zurück. Die Mark Brandenburg ging de jure in der neugeschaffenen Provinz Brandenburg auf, die nun auch vormals sächsische Gebiete umfasste. Die Provinz wurde in die Regierungsbezirke Potsdam (Prignitz, Uckermark, Mittelmark und die neuen sächsischen Gebiete) und Frankfurt (Niederlausitz und die östlich der Oder gelegenen Gebiete) eingeteilt. Provinzhauptstadt wurde Berlin.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  •  Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Drei Bände. Friedrich Maurer, Berlin 1804–1809 (Digitalisat, In: Universität zu Köln Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte).
  • Adolph Friedrich Riedel: Die Mark Brandenburg im Jahr 1250, 1. Teil, Berlin 1831, 508 Seiten.
  • Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis - Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, Namenverzeichnis zu sämtlichen Bänden, Band 1: A–G, Berlin 1867, 529 Seiten
  • Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (außer Begleittexten auf Latein, Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  •  Tobias Schenk: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte. Band 63, Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg, Berlin 2012, Das Alte Reich in der Mark Brandenburg. Landesgeschichtliche Quellen aus den Akten des kaiserlichen Reichshofrats, S. 19–71.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Gesamtschauen[Bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten]

  •  Ulrich van der Heyden: Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg an der westafrikanischen Küste. 1. Auflage. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1993, ISBN 3-89488-049-X.
  •  Frank Göse (Hrsg.): Im Schatten der Krone. Die Mark Brandenburg um 1700 (= Brandenburgische historische Studien. Band 11). Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2002, ISBN 3-935035-29-2.
  •  Matthias Asche: Neusiedler im verheerten Land. Kriegsfolgenbewältigung, Migrationssteuerung und Konfessionspolitik im Zeichen des Landeswiederaufbaus. Die Mark Brandenburg nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts. Aschendorf Verlag, Münster 2006, ISBN 3-402-00417-8.
  •  Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2007, ISBN 978-3-412-17106-3 (mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang).
  • Joachim Müller, Klaus Neitmann, Franz Schopper (Hrsg.): Wie die Mark entstand. 850 Jahre Mark Brandenburg. Fachtagung vom 20. bis 22. Juni 2007 in Brandenburg an der Havel (= Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg. Band 11; Einzelveröffentlichung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 9). Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum Brandenburg, Wünsdorf 2009, ISBN 978-3-910011-56-4.
  •  Clemens Bergstedt, Heinz-Dieter Heimann, Knut Kiesant, Peter Knüvener, Mario Müller, Kurt Winkler (Hrsg.): Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. Die Mark Brandenburg im späten Mittelalter. Begleitband zum Ausstellungsverbund Raubritter und Schöne Madonnen (= Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte. Band 6). 1. Auflage. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-118-1.
  •  Jan Winkelmann: Die Mark Brandenburg des 14. Jahrhunderts. Markgräfliche Herrschaft zwischen räumlicher „Ferne“ und politischer „Krise“ (= Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte. Band 5). 1. Auflage. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-112-9.
  •  Franz Josef Burghardt: Zwischen Fundamentalismus und Toleranz. Calvinistische Einflüsse auf Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg vor seiner Konversion (= Historische Forschungen. Band 96). Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 978-3-428-13797-8 (Kurzbiografie zu Johann Sigismund auf S. 103).
  •  Lutz Partenheimer, André Stellmacher: Die Unterwerfung der Quitzows und der Beginn der Hohenzollernherrschaft über Brandenburg. Klaus-D. Becker Verlag, Potsdam 2014, ISBN 978-3-88372-099-9.

Zeitschriften[Bearbeiten]

  • Die Mark Brandenburg - Zeitschrift für die Mark und das Land Brandenburg. Die Mark Brandenburg - Verlag für Regional- und Zeitgeschichte, Berlin
  • Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte - Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg, Berlin

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Böhlau Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-412-17106-3, Vorwort: 850 Jahre Mark Brandenburg – Landes- und Ortsjubiläen, S. 9–16.
  2.  Helmut Assing: Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Die Stellung der frühen Markgrafschaft innerhalb des Deutschen Reiches und der Anteil der askanischen Markgrafen an der Reichspolitik, S. 126–127.
  3.  Lew Hohmann: Die Brandenburger. Be.Bra Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-930863-47-2, Die Kurmark Brandenburg, S. 30–31.
  4. a b  Rosemarie Baudisch: Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Landschaften, S. 22–32.
  5.  Heidelore Böcker: Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Rückführung und Zugewinn des Landes, S. 200–208.
  6. a b c  Jan Winkelmann: Die Mark Brandenburg des 14. Jahrhunderts. 1. Auflage. Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-112-9, Über was herrscht der Markgraf? Die territoriale Ausdehnung und Gliederung der Mark Brandenburg, S. 108–111.
  7. a b  Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Zur Einführung, S. XI–XXIII.
  8.  Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Beschreibung der Mark Brandenburg 1373, S. 1–6.
  9. a b  Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg. Zweiter Band. Vierte Auflage. Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13480-9, II. 1. Kaiser Karl IV. (1373–1378), S. 161–175.
  10.  Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, XI. Topographische Beschreibung der Mark, S. 62–66.
  11. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. 1804, Band 1, S. 5.
  12. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. 1805, Band 2, S. 414.
  13. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. 1805, Band 2, S. 431.
  14. Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. 1809, Band 3, S. 5.
  15. a b Uwe Michas: Slawen und Germanen im Berliner Raum. In: Berlinische Monatsschrift 1/1999 beim Luisenstädtischen Bildungsverein, S. 4–10
  16. a b Kristine Jaath: Brandenburg: Unterwegs zwischen Elbe und Oder. Trescher Verlag, 2012, ISBN 978-3-89794-211-0
  17. Heinrich von Antwerpen, der einzige Chronist zu diesem Punkt, schreibt: „Als aber nun (viel) Blut [post hinc inde sanguinis effusionem] vergossen war und die in der Burg wahrnahmen, dass sie zu fest eingeschlossen den Händen der Feinde nicht entgehen könnten, ließen sie sich ihr Geschick durch Handschlag sichern und ergaben sich aus Not dem Markgrafen.“ (zitiert nach Winfried Schich, Jerzy Strzelczyk: Slawen und Deutsche an Havel und Spree. Zu den Anfängen der Mark Brandenburg (= Studien zur internationalen Schulbuchforschung. Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts 82/B IV), Hannover 1997, S. 39. ISBN 3-88304-124-6. Eine Zusammenstellung aller wichtigen Quellen „zu den Anfängen“, bis hin zu den Markgrafenbrüdern=„Städtegründern“, in lateinisch/deutsch.)
  18.  Mario Müller: Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. 1. Auflage. Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-118-1, Religiöses Leben in der spätmittelalterlichen Mark Brandenburg, S. 158–293.
  19.  Frank Göse: Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. 1. Auflage. Lukas Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-118-1, Das Ende des Mittelalters? Die Reformation in der Mark Brandenburg, S. 214–226.
  20. Hans Bentzien: Unterm Roten und Schwarzen Adler. Verlag Volk & Welt, Berlin 1992, Seite 58
  21. Ludwig Hüttel: Friedrich-Wilhelm von Brandenburg der Große Kurfürst 1620–1688. München 1981, S. 70
  22. a b Ludwig Hüttel: Friedrich-Wilhelm von Brandenburg der Große Kurfürst 1620–1688. München 1981, S. 71