Musselinglas

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Musselinglas, auch Mousselinglas, bezeichnet Flachglas mit einem durchsichtigen Blüten- oder Sternchenornament, das insbesondere im 19. Jahrhundert in Türen verbaut wurde. Auch Trinkgläser tragen diese Bezeichnung.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Musselinglas beruht auf dem Musselin, dem fein gewebten Stoff mit orientalischen Mustern, benannt nach der nordirakischen Stadt Mossul.[1]

Verwendung im Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musselinglas bezeichnet ein ornamentiertes, transluzentes Flachglas mit matt eingeätzten Gründerzeit- und Jugendstilmotiven, wobei das eigentliche Ornament meist im verbliebenen Klarglas erscheint. Es wird durch Auffritten von leicht schmelzbarem Bleiglaspulver, das eine rauhe, undurchsichtige Schicht erzeugt, oder durch Aufschmelzen von Email hergestellt.[2] Das staubfeine Glas- oder Emailpulver wird mit Wasser angerührt und mittels eines Pinsels gleichmäßig aufgetragen. Nach dem Trocknen bedeckt man die Glasplatte mit einer Schablone aus dünnem Messingblech, bürstet das durch die Schablone nicht geschützte Pulver ab und erhitzt nun die Platte bis zum beginnenden Schmelzen des letztere. Gängige Muster sind mosaikartig geordnete Sternchen oder Blümchen.

Musselinglas wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts überwiegend in Wohnungseingangstüren und verglasten Laubengängen aber auch in Innen- und Haustüren verwendet. Es ließ das Licht in die Dielen, diente aber gleichzeitig als Blickschutz, weil es undurchsichtig ist. Deshalb ist das Glas auch als Jalousieglas bekannt.[1] Durch das Sandblasverfahren, das ein gefälligeres Matt liefert und billiger ist, ist das Musselinglas nahezu vollständig verdrängt worden.[3] In der Regel wird es nur noch für Restaurierungsarbeiten an historischen Hauseingängen und im Wohnungsbereich verwendet.[2]

Trinkgläser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinglas aus Musselinglas (um 1910)

Der Begriff Musselinglas wird auch auf Gläser aus sehr dünnem Material angewendet. Dieses Glas wird auf Stärken von nur 0,7 bis 1,1 Millimeter geblasen. Beim Trinkglas entsteht dabei ein sehr zarter Mundrand. Musselinglas scheint zerbrechlich, besitzt aber innere Elastizität und große Widerstandsfähigkeit. Das Glas wird in nasse Holzformen eingeblasen; der dabei entweichende Dampf bildet einen Puffer zwischen Holzform und Glas. Stiel und Boden werden freihändig angesetzt. Nach Abkühlung wird die Glasblase in Höhe des Mundrands abgeschnitten.[4]

Bekanntheit erlangten die von dem Architekten und Designer Josef Hoffmann (1870–1956) entworfenen Trinkgläser wie das Kelchglas aus dem Gläsersatz The Patrician, das 1917 er mit dem Glashandelshaus J. & L. Lobmeyr in Wien realisierte.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Musselinglas & historisches Ornamentglas. In: glasdekore.de. 19. November 2016, abgerufen am 24. Januar 2023.
  2. a b Material-Archiv. In: materialarchiv.ch. Abgerufen am 24. Januar 2023 (englisch).
  3. Christian Aschoff: Seite aus Meyers Konversationslexikon: Musschenbroeks Aräometer - Musset. In: retrobibliothek.de. 3. November 2000, abgerufen am 24. Januar 2023.
  4. Musselinglas – das Glanzstück des Glasmachers. In: lobmeyr.at. Abgerufen am 25. Januar 2023.
  5. Ein Revolutionär des Kunsthandwerks. Zum 150. Geburtstag von Josef Hoffmann. In: kunstmuseum-moritzburg.de. 15. Dezember 2020, abgerufen am 25. Januar 2023.