Nasu-Hakola-Krankheit

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Klassifikation nach ICD-10
E75.2 Sonstige Sphingolipidosen
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die Nasu-Hakola-Krankheit (Nasu-Hakola-Syndrom; NHD) ist eine sehr seltene, zu den Leukodystrophien und Lipodystrophien gehörige angeborene Erkrankung mit den Hauptmerkmalen einer fortschreitenden Demenz mit Degeneration von Nerven und systemischem Fettgewebe sowie einer polyzystischen Osteodysplasie.[1][2]

Synonyme sind:

  • Demenz, progrediente und polyzystische Osteodysplasie;
  • PLOSL, Akronym für Polyzystische Lipomembranöse Osteodysplasie mit Sklerotischer Leukoenzephalopathie, oder PLO-SL
  • Osteodysplasie, lipomembranöse polyzystische - sklerosierende Leukoenzephalopathie
  • Järvi-Hakika-Nasu-Syndrom
  • Järvi-Hakola-Nasu Syndrom
  • englisch PRESENILE DEMENTIA WITH BONE CYSTS; DEMENTIA, PREFRONTAL, WITH BONE CYSTS; DEMENTIA, PROGRESSIVE, WITH LIPOMEMBRANOUS POLYCYSTIC OSTEODYSPLASIA; BRAIN-BONE-FAT DISEASE

Die Namensbezeichnungen beziehen sich auf die Erstautoren von Beschreibungen aus dem Jahre 1970 durch den finnischen Neurologen H. P. A. Hakola und seinen Mitarbeiter O. H. Järvi[3] und 1973 durch den japanischen Pathologen T. Nasu.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.

Die meisten der über 200 beschriebenen Patienten stammen aus Japan oder Finnland.[2]

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erkrankung liegen Mutationen im TREM2-Gen an der Location 6p21.1 oder im TYROBP-Gen an 19q13.12 zugrunde, welche für das Tyrosin-Kinase-bindende Adaptor-Protein oder den dazugehörigen Rezeptor kodieren.[5]

Klinische Erscheinungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klinische Kriterien sind:[1][2]

  • Normale Entwicklung während der Kindheit
  • Krankheitsbeginn spätestens im jungen Erwachsenenalter mit Schmerzen in den Händen, Handgelenken, Knöcheln und Füßen, Frakturneigung aufgrund der Knochenveränderungen
  • Persönlichkeitsveränderungen (Frontallappen-Syndrom), progressive Gedächtnisstörungen, generalisierte Epileptische Anfälle, Pyramidenbahnzeichen
  • fortschreitende Demenz ab dem 4. oder 5. Lebensjahrzehnt

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diagnose ergibt sich aus den klinischen Befunden und den Ergebnissen der radiologischen Untersuchungen. Bildgebend findet sich im Röntgenbild eine symmetrische Zystenbildung teilweise mit Auftreibung der Metaphysen von Röhrenknochen, Hand- und Fusswurzelknochen, in der Computertomographie bzw. in der Magnetresonanztomographie Zeichen der kortikalen Atrophie und Verkalkungen der Basalganglien.[1]

Differentialdiagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radiologisch ist die Fibröse Dysplasie, klinisch die Alzheimer-Krankheit abzugrenzen,[2] ferner auch CARASIL.

Pathologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Histologisch findet sich eine Umwandlung des systemischen Fettgewebes membranozystisch, im Zentralnervensystem eine sklerosierende Leukodystrophie mit Demyelinisierung frontotemporal.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelheiten, wer wann diese Erkrankung zuerst beschrieben hat finden sich in einem Bericht von M. Kaneko und Mitarbeitern.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • B. Lorch, K. Henkel, H. Schaab, W. Aurnhammer, T. Becker: Polyzystische lipomembranöse Osteodysplasie mit sklerosierender Leukenzephalopathie. In: Der Nervenarzt. Bd. 77, Nr. 1, Januar 2006, S. 85–90, doi:10.1007/s00115-005-1953-2, PMID 15986257.
  • H. P. Hakola, A. W. Eriksson: High rate of twins among offspring of mothers with the Järvi-Hakola-Nasu disease and with comments on disorders associated with twinning. In: Acta geneticae medicae et gemellologiae. Bd. 46, Nr. 1, 1997, S. 37–46, PMID 9298157.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Bernfried Leiber (Begründer): Die klinischen Syndrome. Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Hrsg.: G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, P. G. Scheurlen, A. Schinzel, J. Spranger. 7., völlig neu bearb. Auflage. Band 2: Symptome. Urban & Schwarzenberg, München u. a. 1990, ISBN 3-541-01727-9.
  2. a b c d Nasu-Hakola-Krankheit. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  3. H. P. Hakola, O. H. Järvi, P. Sourander: Osteodysplasia polycystica hereditaria combined with sclerosing leucoencephalopathy, a new entity of the dementia praesenilis group. In: Acta Neurologica Scandinavica. Bd. 46, 1970, S. Suppl 43:79+, PMID 5457864.
  4. T. Nasu, Y. Tsukahara, K. Terayama: A lipid metabolic disease-"membranous lipodystrophy"-an autopsy case demonstrating numerous peculiar membrane-structures composed of compound lipid in bone and bone marrow and various adipose tissues. In: Acta pathologica japonica. Bd. 23, Nr. 3, August 1973, S. 539–558, PMID 4800725.
  5. PLOSL. In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  6. M. Kaneko, K. Sano, J. Nakayama, N. Amano: Nasu-Hakola disease: The first case reported by Nasu and review: The 50th Anniversary of Japanese Society of Neuropathology. In: Neuropathology : official journal of the Japanese Society of Neuropathology. Bd. 30, Nr. 5, Oktober 2010, S. 463–470, doi:10.1111/j.1440-1789.2010.01127.x, PMID 20500450.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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