Nayef Hawatmeh

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Nayef Hawatmeh (arabisch نايف حواتمة, DMG Nāyif Ḥawātma; * 17. November 1935 in as-Salt, Jordanien) ist ein palästinensischer Politiker jordanischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hawatmeh stammt aus einer beduinischen, griechisch-orthodoxen arabischen Familie. Die Schule besuchte er in Amman. Später ging er nach Kairo zum Medizinstudium, schloss dieses jedoch nicht ab. Jahre später studierte er Philosophie an der Universität Beirut. Sein Studium vollendete er in Moskau mit dem erlangen des Doktortitels. Hawatmeh gehört dem marxistischen Spektrum an.[1]

Bereits früh fühlte Hawatmeh sich der arabischen Nationalbewegung verbunden. Er gehörte zu den ersten, die die Idee eines eigenständigen palästinensischen Staates vertraten und trat für eine Verhandlungslösung mit Israel ein.[1]

Ab 1958 kämpfte er zunächst im Irak gegen Abd al-Karim Qasim, nach seiner Ausweisung aus dem Irak, ging er 1963 in den Jemen. 1967 kehrt er nach Jordanien zurück und wurde Gründer und Generalsekretär der marxistischen Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas (DFLP), die sich 1969 von der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) abspaltete. Als Führungsperson war er bereits im linken Flügel der Arabischen Nationalistischen Bewegung (ANM) aktiv, die als Vorläufer der PFLP gilt. Die Ereignisse des Schwarzen Septembers führten dazu, dass Hawatmeh in Jordanien in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde.

Er befindet sich derzeit in Syrien, wo die DFLP Unterstützung erhält. Da Israel der DFLP die Schuld an der Geiselnahme in einer Schule in der nordisraelischen Stadt Ma’alot 1974 gibt, bei der 22 Schüler getötet wurden, ist es Hawatmeh nicht erlaubt, die palästinensischen Gebiete zu betreten.

Hawatmeh war gegen die Unterzeichnung des Oslo-Abkommens und nannte es einen Ausverkauf („Sell-out“). Im Jahr 1999 vereinbarte er ein Treffen mit Yassir Arafat und schüttelte die Hand des israelischen Präsidenten Ezer Weizmann, als er diesen bei der Beerdigung König Husseins von Jordanien traf. Diese Geste brachte ihm starke Kritik seitens seiner palästinensischen und arabischen Kollegen ein.

Im Jahr 2004 war er kurzzeitig Mitglied in einer israelisch-palästinensischen Nichtregierungsorganisation, die versuchte, eine Koalition der palästinensischen Gruppen herbeizuführen, welche gemeinsam die Zwei-Staaten-Lösung unterstützt und die Einstellung der Feindseligkeiten in der Al-Aqsa-Intifada fordert.

Im Jahr 2007 gab Israel an, man würde Hawatmeh die Einreise in das Westjordanland zum ersten Mal seit 1967 genehmigen, um ihm die Teilnahme an einer Sitzung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zu ermöglichen.

Thesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Religion hat in unseren Gesellschaften immer eine sehr große Rolle gespielt. Anders als in Europa hat es in der arabischen Welt keine Renaissance gegeben, keine industrielle Revolution. Darum hat sich die arabische Welt nicht so entwickeln können wie Europa. [...] Die alten Mächte konnten immer wieder die Kräfte unterdrücken, die neu entstanden und eine Art demokratischer Veränderungen durchsetzen wollten.“

Nayef Hawatmeh[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Al Jazeera
  2. Katrin Leukefeld: Wie der Politische Islam den Arabischen Frühling zerstört. In: WeltTrends. Nr. 108, 2015, S. 26.