Amman

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عمان
Amman
Amman (Jordanien)
Koordinaten 31° 57′ N, 35° 56′ OKoordinaten: 31° 57′ N, 35° 56′ O
Symbole
Wappen
Basisdaten
Staat Jordanien

Gouvernement

Amman
Höhe 784 m
Fläche 1680 km²
Einwohner 4.044.000 (2015)
Dichte 2.407,1 Ew./km²
Postleitzahl 11110–17198
Website www.ammancity.gov.jo/en/gam/index.asp (Englisch)
Politik
Bürgermeister Aqel Biltaji
Kultur
Partnerstädte siehe hier
Blick von der Zitadelle über die Stadt, in der Mitte der 126,8 m hohe Raghadan-Fahnenmast
Blick von der Zitadelle über die Stadt, in der Mitte der 126,8 m hohe Raghadan-Fahnenmast

Amman ([aˈmaːn], arabisch عمان, DMG ʿAmmān) ist die Hauptstadt des Haschimitischen Königreiches Jordanien und zählte 1.812.059 Einwohner (4.044.000 in der Metropolregion) bei der Volkszählung 2015.[1][2] Amman ist eine moderne Stadt, in der überwiegend Muslime und 10 Prozent Christen leben. Die heutige Finanzmetropole begann erst nach der Staatsgründung Israels 1948 infolge der Flüchtlingsströme aus Palästina zu einer Großstadt zu wachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amman liegt östlich des Flusses Jordan und breitet sich auf einer Fläche von rund 1.680 km² im Jordangraben aus. Die durchschnittliche Höhe über Normalnull beträgt 800 Meter. Die nächstgrößere Stadt ist Salt im Nordwesten, im Südwesten befindet sich die Stadt Madaba.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amman
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Amman
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 12,3 13,7 17,2 22,6 27,8 30,8 32,0 32,4 30,7 27,1 20,4 14,4 Ø 23,5
Min. Temperatur (°C) 3,6 4,2 6,1 9,5 13,5 16,6 18,5 18,6 16,6 13,8 9,3 5,2 Ø 11,3
Niederschlag (mm) 63,4 61,7 43,1 13,7 3,3 0,0 0,0 0,0 0,3 6,6 28,0 49,2 Σ 269,3
Regentage (d) 11,0 10,9 8,0 4,0 1,6 0,1 0,0 0,0 0,1 2,3 5,3 8,4 Σ 51,7
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Quelle: WMO

Ursprung des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Namen der Stadt lebt die Erinnerung an den im Alten Testament erwähnten Volksstamm der Ammoniter und deren Staat Ammon fort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freitagsgebet vor der al-Husseini-Moschee

Die Ursprünge gehen bis in biblische Zeit zurück, als die Stadt als das biblische Rabba bekannt war. Die Ammoniter bezeichneten sie selbst als Rabbat-Ammon. Sie erstreckte sich damals wie Rom über sieben Hügel. Heute erstreckt sich die Stadt über neunzehn Hügel.

Nach der Eroberung durch Alexander den Großen kam die Stadt zunächst unter ptolemäische Herrschaft; König Ptolemaios II. Philadelphos gab ihr den neuen Namen Philadelphia[3] und dieser Name hatte für etwa 900 Jahre Bestand. Ab 218 v. Chr. gehörte sie zum Seleukidenreich; nach dem Feldzug des Pompeius wurde sie südlichstes Mitglied der Dekapolis.

Die eigentliche Blütezeit begann nach der Eingliederung in die Provinz Arabia Petraea unter Kaiser Trajan. Aus dieser Zeit stammen die meisten der gewaltigen Ruinen auf der Zitadelle, das Forum und das Theater von Amman, eines der besterhaltenen Gebäude der Antike, die heute noch benutzt werden. Zur Zeit des Kaisers Mark Aurel wurde auf der mittleren Terrasse der Zitadelle ein monumentaler Herkulestempel errichtet, der einen hellenistischen Vorgängerbau ersetzte. In christlich-spätantiker Zeit errichtete man eine dreischiffige Kirche, für welche der Herkulestempel als Steinbruch dienen musste.

Im Jahr 635 eroberten die Araber die Stadt in der Islamischen Expansion. Auf der oberen Terrasse der Zitadelle entstand etwas später der Qasr, ein Teil eines Omayyadenpalastes; noch heute krönt er die Zitadelle. Mit der Verlegung des Kalifats von Damaskus nach Bagdad im Jahr 750 begann der Abstieg der Stadt, die später weitgehend verfallen war, doch beschrieb der arabische Kartograf al-Muqaddasī[3] (gestorben um 922[3]) die Umgebung von Amman als besonders fruchtbar. 1516[3] wurde Amman ein Teil des Osmanischen Reiches. 1812 durchreiste Johann Ludwig Burckhardt[3] auf dem Weg nach Salt den Wadi von Amman, der zu jener Zeit jedoch nur ein saisonaler[3] Ruheplatz für Nomaden und Pilger war.

Der wasserreiche[3] Ort wurde von der osmanischen Verwaltung 1876[3] für die Ansiedlung von Tscherkessen[3] ausgewählt, die aus der Einflusssphäre Russlands geflüchtet waren. Sie gehörten mehrheitlich zum Stamm der Shabsough[3] und lebten als Bauern in Amman.[4] Um 1900 kamen Flüchtlinge aus Dagestan[3] nach Amman und siedelten sich ebenfalls an, worauf die neuen Ortstteile der Ibzakh,[3] Kurbuatay,[3] Shabsough[3] und Aghrab,[3] sowie christliche Viertel entstanden. Hinzu kam bald die Hedschasbahn.[3] 1909 wurde im Shabsough das Stadthaus errichtet. In diesem Quartier gab es ein Postbüro,[3] zwei Grundschulen und 35[3] Läden. Zuwanderer aus Salt und Maʿan gründeten den Stadtteil Maʿamia.[3] Auch Kurden,[3] Armenier[3] und Marokkaner[3] ließen sich nieder. Daneben eröffneten die Händler aus dem Nadschd[3] und dem Hedschas[3] und aus Jerusalem[3] und Nablus[3] ihre Geschäfte in der Stadt. Ab 1920[4] gab es Elektrizität. Der Armenier Doumanian[4] eröffnete sein Fotogeschäft. Die al-Husseini-Moschee wurde gebaut.

Luftaufnahme von Amman mit dem römischen Theater und dem Philadelphia Hotel, Aufnahme des Matson Photo Service (1932)

Trotz aller Zuwanderung blieb die Bevölkerungszahl gering. Die Bebauung beschränkte sich auf den Wadi, die Hänge des Zitadellenhügels und Ras el-Ein.[3] Abdallah ibn Husain I. wählte 1921 Amman als Regierungssitz des neugeschaffenen Emirats Transjordanien, aus welchem später das Haschemitische Königreich Jordanien hervorging. Dabei nahm er zunächst in einem Zelt[4] Wohnsitz, das sich neben der Baustelle des 1925[4] schließlich vollendeten Palastes Raghadan[4] befand. Zu diesem Zeitpunkt hatte Amman eine Einwohnerzahl von rund 5000 Menschen. Ende der 1920er Jahre hatte sich diese Zahl auf etwa 10.000 verdoppelt.[5] Italienische Missionare gründeten 1926 das Ospedale italiano. Das Luzmila Hospital[6] der Nazareth-Schwestern von 1948 wurde nach einer bolivianischen Stifterin, der Kupferminenerbin Luz Mila (der Tochter von Simón Patiño) benannt.

Amman blieb eine eher kleine Stadt mit rund 60.000[3] Einwohnern bis ins Jahr 1948, als sie durch den Zustrom von palästinensischen Flüchtlingen in der Folge des Palästinakriegs und der Nakba sehr rasch zu wachsen begann. 1969[6] wurde der Jordanische Schriftstellerverband gegründet. Der Niedergang von Beirut in den 1970er und 1980er Jahren hat Amman zur führenden Handelsmetropole des Nahen Ostens aufsteigen lassen. Die Siedlung im Tal des Wadi Amman hat sich seither zu einer Millionenstadt entwickelt. Immer weiter greift sie entlang ihrer Ausfallstraßen in das umgebende Hügelland aus: Dörfer wie etwa el-Quweisme oder Khirbet es-Suk, in den 1980er Jahren noch selbständig, sind heute faktisch in das Stadtgebiet einbezogen.

Mit koordinierten Bombenanschlägen am 9. November 2005 tötete Al-Kaida 60 Menschen.

Die 21 Stadtdistrikte von Amman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Al-Madina
  • Basman
  • Marka
  • al-Nassr
  • al-Yarmouk
  • Ras el-Ein
  • Badr
  • Zahran
  • Abdally
  • Quwaisima
  • Khreibit el-Souq
  • Um Qusair
  • Wadi el-Sear
  • New Badr
  • Swaileh
  • Tlaʿel Ali
  • Al-Jubaiha
  • Shafa Badran
  • Abu Nseir
  • Al-Abdalleyah
  • Al-Khashafeya

Kultur und Sehenswürdigkeiten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkulestempel auf dem Zitadellenhügel
Bisharat-Kirche
Märtyrer Museum in der Sport City (Al-Hussein Youth City)

Altertümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende historisch-kulturelle Stätten sind das beeindruckend gut erhaltene römische Theater und der Zitadellenhügel im Stadtzentrum. Das dortige Jordan Antiquities Museum birgt wichtige archäologische Funde aus dem Nahen Osten. Herausragend sind die mit Gips plastisch überformten Schädel der Ausgrabung in Tell es-Sultan, im heutigen Jericho aus dem präkeramischen Neolithikum (7220 v. Chr. bis 5850 v. Chr.). Der Eisenzeit II gehören zwei in Amman gefundene Statuen an: der Stehende Ammoniter und die Statue des Jerach Azar. Das Museum beherbergt auch die Funde, die das Team um Roland de Vaux in Qumran machte, zum Beispiel die Kupferrolle.[7]

Altstadt und neue Stadtdistrikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herzen der Altstadt befindet sich der Suq (arabisch السوق), ein traditioneller arabischer Basar, in dessen Mitte sich als Erinnerung an eine frühere Zeit das Nymphäum[4] befindet. Entlang der Ausfallstraßen mit ihren modernen Kalkstein- und Betonbauten schiebt sich dichter Autoverkehr, im Straßenbild dominiert westliche Kleidung, und in den Geschäften der Innenstadt und des Jebel Amman sind europäische Konsumgüter aller Art erhältlich. Internationale Marken wie Starbucks oder Kentucky Fried Chicken prägen das Bild.

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekanntesten Moscheen sind die Abu-Darwish-Moschee, die König-Abdullah-Moschee und die al-Husseini-Moschee. Christen leben über die ganze Stadt verteilt, traditionell hauptsächlich im Stadtteil Al-Ashrafiyah. Von der Tourismusbehörde besonders hervorgehoben wird die katholische Bisharat-Kirche[6] (Our Lady of the Annunciation Church) auf dem Hügel Jabal al-Weibdeh.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jordanische Nationalmuseum beleuchtet die Geschichte des Landes. Das Königliche Automobilmuseum[8] zeigt historische Fahrzeuge des Königshauses. Auch das Königliche Panzermuseum bietet reiches Anschauungsmaterial. Das Märtyrer Museum[8] bietet die jordanische Perspektive auf die Arabische Revolte, den israelisch-arabischen Konflikt, die jordanischen UN-Friedenstruppen und gedenkt den jordanischen Gefallenen dieser Kriege. Das 1993 eröffnete Darat al-Funun[3] in einem Haus von 1920 zeigt Zeitgenössische Kunst aus der arabischen Welt. Auch die Jordan National Gallery of Fine Arts[8] ist der Kunst verpflichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amman hat zwei Flughäfen. Der ältere Flughafen Marka International wurde zunächst nur regional, mittlerweile nur noch von den Streitkräften Jordaniens genutzt, nachdem 1983 der internationale Flughafen „Queen Alia International“ eröffnet wurde. Das Schnellbussystem Amman Bus Rapid Transit (BRT) ermöglicht staufreie Verbindungen zwischen der Madina und den neuen Stadtdistrikten.

Für das Jahr 2017 hat die ISESCO Amman gemeinsam mit der Stadt Sannar im Sudan zur Hauptstadt der Islamischen Kultur der arabischen Region ernannt. In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte Amman im Jahre 2018 den 119. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit.[9] Amman war laut dem Magazin Venture 2018 die teuerste[10] Stadt in der arabischen Welt.

Amman ist Sitz des römisch-katholischen Patriarchalvikars für Jordanien des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem. Auch das Königlich-jordanische Institut für interreligiöse Studien ist in Amman beheimatet. Die Universität von Jordanien liegt im mittleren Norden der Stadt in einem großen parkartigen Campus. Das Institut français du Proche-Orient[8] unterhält ein Büro in Amman.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte von Amman sind:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Amman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Amman – Reiseführer
Wiktionary: Amman – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amman Volkszählung 2015
  2. Jordan: Governorates, Major Cities & Urban Localities - Population Statistics, Maps, Charts, Weather and Web Information. Abgerufen am 9. Dezember 2017 (englisch).
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac Hind Abu Shaa‘r: Ammān ‘abra al-‘uṣūr /Amman Through Ages. Hrsg.: Abdullah Radwan. al-Tab 'ah, Amman 2008, S. 164 f., 183 ff. (zweisprachige Publikation in Arabisch und Englisch; englische Übersetzung von Odeh Al-Qudah, Review von Mohammed Farghal, Fotografien von Waheed Al-Maqusy).
  4. a b c d e f g Géraldine Chatelard, Jean-Michel de Tarragon: L’empire et le royaume – La Jordanie vue par l’École biblique et archéologique française de Jérusalem (1893–1935). 2. Auflage. École biblique et archéologique française de Jérusalem/The Jordan Museum, Amman 2010, ISBN 978-9957-8660-0-6, S. 11, 57, 61 (erste Auflage bei Centre culturel français d’Amman, 2006; dreisprachige Publikation in Französisch, Englisch und Arabisch).
  5. Yoav Alon: The Making of Jordan – Tribes, Colonialism and the Modern State. I. B. Tauris, London 2007, ISBN 978-1-848-85013-2, S. 63 f.
  6. a b c Saleem Ayoub Quna: My Neighbourhood – Cultural Guide to Jabal Luweibdeh. Centre Culturel Français d’Amman/Darat al Funun-The Khalid Shoman Foundation, Amman 2007, ISBN  2929-9-2007 (defekt), S. 14, 26.
  7. Géza Vermes: Dead Sea Scrolls in English. 4. Auflage. Sheffield Academic Press, Sheffield 1995, ISBN 978-1-85075-563-0, S. 373.
  8. a b c d Astrid Latapie et al.: Jordanie. In: Dominique Auzias, Jean-Paul Labourdette (Hrsg.): Collection Petit futé. Les nouvelles éditions de l’université, Paris 2022, ISBN 978-2-305-07781-9, S. 111, 122 f.
  9. Mercer's 2018 Quality of Living Rankings. Abgerufen am 18. August 2018 (englisch).
  10. Dina al-Wakeel: Where do we go from here? – Following a wave of protests over IMF-driven austerity measures, the need to find a path out of Jordan's economic morass has taken on a new urgency. In: Quais Elias, Nada Atieh (Hrsg.): Venture – The Business Intelligence Monthly. Nr. 147. Amman Juni 2018, S. 19, 30–33.