Neopyropia tenera

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Neopyropia tenera

Neopyropia tenera (getrocknet als nori)

Systematik
Klasse: Bangiophyceae
Unterklasse: Bangiophycidae
Ordnung: Bangiales
Familie: Bangiaceae
Gattung: Neopyropia
Art: Neopyropia tenera
Wissenschaftlicher Name
Neopyropia tenera
(Kjellman) L.-E.Yang & J.Brodie 2020

Neopyropia tenera ist eine marine Rotalgen-Art aus der Familie der Bangiaceae. Bis Mitte 2020 war diese Art als Pyropia tenera bekannt. Sie ist in China, Korea und Japan als Nahrungsmittel wirtschaftlich bedeutend.

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Basionym ist Porphyra tenera Kjellman (1897); die ursprüngliche Beschreibung basierte auf getrockneten nori-Blättern aus Japan.[1] Weitere homotypische Synonyme sind Phyllona tenera (Kjellman) Kuntze (1898) und Pyropia tenera (Kjellman) N.Kikuchi, M.Miyata, M.S.Hwang & H.G.Choi (2011).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Farbe von Neopyropia tenera wird zumeist als purpurviolett angegeben, bisweilen auch als dunkelviolett, rötlich violett, grünlich violett, blassrot, rötlich gelb, gelblich rot oder gelblich braun bzw. im oberen Bereich rötlich braun und im unteren Bereich bläulich grün. Junge Blätter sind hellviolettrot, ältere blassbräunlichrot. Der Thallus ist 15 bis 20 Mikrometer dick. Die geradlinigen, spateligen, umgekehrt eiförmigen zerschlitzten Wedel sind etwa drei bis fünf mal ein bis drei Zentimeter groß. Die gametophytischen Blätter sind von dunkler, rötlichbrauner Farbe und ganzrandig, oblanzeolat, elliptisch, umgekehrt eiförmig oder eiförmig, wenn sie reif sind. Im Vergleich zu Neopyropia yezoensis sind die Blätter mit 14 bis 35 Mikrometer dünner.[1] Neopyropia tenera ist monözisch und wächst epizoisch oder auf Felsen im Intertidal.[2]

Die mitochondriale DNA von Neopyropia tenera umfasst 42 268 Basenpaare und verschlüsselt zwei ribosomale-RNA-Gene, 24 Transfer-RNAs, vier ribosomale Proteine und 17 Gene, die an Elektronentransport und oxidativer Phosphorylierung beteiligt sind.[3]

Verbreitung und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung von Neopyropia tenera erstreckt sich von Mauritius über China, Taiwan,[4] Korea und Japan bis nach Mexiko, Peru und das gemäßigte Südamerika.

Das japanische Umweltministerium listet Neopyropia tenera inzwischen als gefährdete Art. Die üblichen Habitate von Neopyropia tenera in den Intertidalzonen der Ästuare innerer Buchten wurden durch Landgewinnung, Flusserschließungen und Schlammansammlungen am Meeresgrund geschädigt, sodass diese Art nur noch an wenigen Stellen anzutreffen ist.[1]

Kultivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan, Korea und China werden Rotalgen der Ordnung Bangiales, darunter Neopyropia tenera, in Aquakulturen gezüchtet. Vor der Verbreitung der künstlichen Conchosporen-Aussaat war Neopyropia tenera in Japan die wichtigste Art dafür. Begünstigt durch die künstliche Aussaat entwickelte sich die selektive Zucht schnell weiter und die schnellwüchsigen Kultursorten Neopyropia tenera var. tamatsuensis Miura und Neopyropia yezoensis f. narawaensis Miura wurden in Japan großflächig angebaut. Inzwischen macht dieser Kultivar von Neopyropia yezoensis den Großteil der in Japan kultivierten Rotalgen aus.[5][1]

Der erstmals in den 1940er Jahren auf Neopyropia tenera festgestellte Eipilz Pythium porphyrae verursacht eine Erkrankung der Algen und kann damit erheblichen wirtschaftlichen Schaden in Aquakulturen anrichten.[6] Weitere häufig auftretende Krankheiten in Algenkulturen, die auch Neopyropia tenera betreffen können, sind Olpidiopsis-Fäule und die Grünflecken-Krankheit, die durch das PyroV1-Virus verursacht wird.[7]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit weiteren Rotalgen-Arten wird Neopyropia tenera in der japanischen Küche als nori (beispielsweise zur Umhüllung von Sushi) und in der koreanischen Küche als gim (für Gimbap oder weiterverarbeitet als Beilage) genutzt.

Im Vergleich zu Neopyropia yezoensis sind die Blätter von Neopyropia tenera dünner und damit weicher – einer der wichtigsten Qualitätsfaktoren für nori – und gelten als besser im Geschmack.[1]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getrocknete Neopyropia tenera enthält 28 bis 47 Prozent Protein (verglichen mit 25 anderen untersuchten Algenarten der höchste Wert), 8 bis 21 Prozent Asche, 12 bis 35 Prozent Ballaststoffe, 44,3 Prozent Kohlenhydrate und 0,7 bis 1,3 Prozent Lipide sowie (in absteigender Menge) Natrium, Kalium, Magnesium und Calcium.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Li‐En Yang, Yin‐Yin Deng, Guang‐Ping Xu, Stephen Russell, Qin‐Qin Lu und Juliet Brodie: Redefining Pyropia (Bangiales, Rhodophyta): Four New Genera, Resurrection of Porphyrella and Description of Calidia pseudolobata sp. nov. from China. In: Journal of Phycology. Band 56, Nr. 4, 2020, S. 862–879, doi:10.1111/jpy.12992 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neopyropia tenera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • M. D. Guiry: Neopyropia tenera. In: AlgaeBase. M. D. Guiry und G. M. Guiry, 8. Juni 2020, abgerufen am 29. November 2020 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Kyosuke Niwa, Norio Kikuchi und Yusho Aruga: Morphological and molecular analysis of the endangered species Porphyra tenera (Bangiales, Rhodophyta). In: Journal of Phycology. Band 41, Nr. 2, 2005, S. 294–304, doi:10.1111/j.1529-8817.2005.04039.x (englisch).
  2. San Choi, Mi Sook Hwang, Sungoh Im, Namju Kim, Won-Joong Jeong, Eun-Jeong Park, Yong-Gun Gong und Dong-Woog Choi: Transcriptome sequencing and comparative analysis of the gametophyte thalli of Pyropia tenera under normal and high temperature conditions. In: Journal of Applied Phycology. Band 25, 2013, S. 1237–1246, doi:10.1007/s10811-012-9921-2 (englisch).
  3. Mi Sook Hwang, Seung-Oh Kim, Dong-Soo Ha, Jee Eun Lee und Sang-Rae Lee: Complete sequence and genetic features of the mitochondrial genome of Pyropia tenera (Rhodophyta). In: Plant Biotechnology Reports. Band 7, 2013, S. 435–443, doi:10.1007/s11816-013-0281-4 (englisch).
  4. Verbreitungskarte unter „Main producer countries“. FAO Fisheries Division, abgerufen am 30. November 2020 (englisch).
  5. Kyosuke Niwa, Fumina Sano und Takashi Sakamoto: Molecular evidence of allodiploidy in F1 gametophytic blades from a cross between Neopyropia yezoensis and a cryptic species of the Neopyropia yezoensis complex (Bangiales, Rhodophyta) by the use of microsatellite markers. In: Aquaculture Reports. Band 18, 2020, doi:10.1016/j.aqrep.2020.100489 (englisch).
  6. Nora Diehl, Gwang Hoon Kim und Giuseppe C. Zuccarello: A pathogen of New Zealand Pyropia plicata (Bangiales, Rhodophyta), Pythium porphyrae (Oomycota). In: Algae. Band 32, Nr. 1, 2017, S. 29–39, doi:10.4490/algae.2017.32.2.25 (englisch).
  7. Soo Hyun Im, Tatyana A. Klochkova, Da Jeoung Lee, Claire M. M. Gachon und Gwang Hoon Kim: Genetic toolkits of the red alga Pyropia tenera against the three most common diseases in Pyropia farms. In: Journal of Phycology. Band 55, Nr. 4, 2019, S. 801–815, doi:10.1111/jpy.12857 (englisch).
  8. Tiago Morais, Ana Inácio, Tiago Coutinho, Mariana Ministro, João Cotas, Leonel Pereira und Kiril Bahcevandziev: Seaweed Potential in the Animal Feed: A Review. In: Journal of Marine Science and Engineering. Band 8, Nr. 8, 2020, S. 559, doi:10.3390/jmse8080559 (englisch).