Neue Benediktinerabtei Kornelimünster

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Abteikirche der Neuen Benediktinerabtei Kornelimünster

Die Neue Benediktinerabtei Kornelimünster ist eine Abtei der Benediktiner in Kornelimünster, einem Stadtteil von Aachen. Sie besteht seit 1906 und gehört zur Sublazenser Kongregation. Der offizielle Titel lautet heute „Abtei der Heiligen Abt Benedikt von Aniane und Papst Kornelius“. Mit der bis 1804 ebenfalls in Kornelimünster bestehenden Reichsabtei Kornelimünster hat diese Neugründung nichts zu tun, auch wenn sie an die alten Traditionen anknüpft. Die neue Abtei liegt auch an einem anderen Ort an dem westlichen Ende von Kornelimünster.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Schultrakt

1906, also über 100 Jahre nach Auflösung der Reichsabtei, wurden wieder Benediktiner (aus der deutschen Abtei Merkelbeek auf der niederländischen Seite der Grenze bei Brunssum) in Kornelimünster eingeführt. Zunächst blieben nur drei Mönche in Kornelimünster, die den Bau des neuen Klosters begleiten sollten. Das neue Klostergebäude wurde am 21. November 1908 bezogen. Offiziell wurde das Kloster am 14. Oktober 1909 errichtet.

Die ersten Jahrzehnte waren politisch und wirtschaftlich schwierig und durch die Suche nach der eigenen Identität und durch Fragen des Zusammenspiels mit der Pfarrgemeinde bestimmt. Erst 1953 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Die Abteikirche wurde erst zwischen 1951 und 1956 gebaut.

Bis 1948 war die Funktion des Klosters stark von der Aushilfsseelsorge in den Pfarreien der näheren und weiteren Umgebung geprägt. Von 1948 bis 1988 waren im Kloster eine Realschule und ein angeschlossenes Internat eingerichtet. Seit 1988 bietet die Abtei als „Haus der Glaubensbegegnung“ eigene Kursangebote u. a. für Menschen, die eine „Auszeit“ suchen.

Abt der Abtei ist heute Pater Friedhelm Tissen, der am 12. März 2008 gewählt wurde. Die Abtei bietet als „Haus der Glaubensbegegnung“ eigene Kursangebote wie Vortragsexerzitien, Besinnungstage, Einzelexerzitien oder „Stille Tage im Kloster“ an.

Im Jahre 2010 wird der an private Investoren verkaufte alte Schul- und Internatsteil saniert, aufgeteilt und als separate Eigentumswohnungen verkauft. Der Klosterbetrieb bleibt jedoch im hinteren Teil des Klosters voll erhalten.

Die Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den vier Glocken des Geläuts der Abtei Kornelimünster erhielt das Kloster drei anlässlich eines dreifachen Priesterjubiläums im Jahre 1935. Die Patres Fridolin Klaiber (geweiht 1895), Lullus Gatterdam (geweiht 1900) und Theodard Boelaars (geweiht 1910) feierten den Empfang ihrer Priesterweihe vor 40, 35 bzw. 25 Jahren. Die größte dieser drei Glocken ist Gregor dem Großen geweiht. Auf ihr sind die Jubilare verewigt mit der Inschrift: „ZUM JUBILÄUM: P. FRIDOLIN P. THEODARD P. LULLUS * ANNO DOMINI MCMXXXV * ST. GREGOR DER GROSSE. ICH GLAUBE AN EINE HEIL. KATH. KIRCHE“. Die zweite Glocke ist unter den Schutz des ersten Abtes der Abtei und Ordensvaters Benedikt von Aniane (815–821) gestellt. Die Widmung auf der Glocke lautet: „ZUM JUBILÄUM DER WELT-OBLATEN DES HL. BENEDIKT * CORNELIMÜNSTER: ANNO DOMINI MCMXXXV. ST. BENEDIKT: BETE UND ARBEITE“. Die dritte Glocke erinnert an die 1910 eingerichtete Bruderschaft der täglichen Anbetung und will der Lobpreisung der Heiligen Messe dienen. Die Schlagtöne dieser Glocken sind c – es – f. Gegossen wurden sie in der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock im münsterländischen Gescher. Obwohl die Glocken 1942 anlässlich der damaligen Metallsammlungen eingezogen wurden, haben sie dennoch wie die meisten anderen den Krieg überlebt. Die kleinste Glocke diente als Alarmglocke an der Dreilägerbachtalsperre bei Roetgen für den Fall einer Bombardierung. In Stolberg waren die beiden anderen eingelagert. Ende des Krieges kamen die drei Glocken wieder unversehrt zurück.

Die vierte, große Glocke (Schlagton gis°) erhielt das Kloster am 12. Mai 1952 vom Hamburger Glockenfriedhof. Sie hing ursprünglich im Turm der Katharinenkirche in Braunsberg in Ostpreußen. Der Klang dieser Glocke, laut Inschrift am 24. Oktober 1726 gegossen, hatte Napoleon 1812 derart begeistert, dass er sie nach Frankreich mitnehmen wollte. Als „musikalisch wertvollste Glocke“ Ostpreußens entging sie zwar im Ersten Weltkrieg den damaligen Metallsammlungen, wurde jedoch 1942 im Zuge der erneuten Metallsammlungen konfisziert und zum Glockenfriedhof in Hamburg verbracht. Die Verbringung nach Hamburg hat sie vor der Vernichtung bei den Kämpfen um Braunsberg im Jahre 1945 bewahrt.[1]

Prioren und Äbte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bonifatius Busch († 1906) (Gründungssuperior)
  • Benno Wessels 1912–1922 (Prior)
  • Coelestin Heßling 1922 (Prior)
  • Stephan Renzel 1922–1932 (Prior)
  • Benno Wessels 1932–1937 (Prior)
  • Odilo Gleinser 1937–1939 (Prior)
  • Bonifatius Becker 1939–1953 (Prior), 1953–1956 (Prior-Administrator), 1956–1967 (Abt)
  • Berthold Simons 1967–1980
  • Albert Altenähr 1982–2007
  • Friedhelm Tissen seit 2008

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Benediktusregel (lat.-dt.), hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. Beuroner Kunstverlag, Beuron 1992, ISBN 3-87071-061-6
  • Christian Schütz, Philippa Rath (Hrsg.): Der Benediktinerorden. Gott suchen in Gebet und Arbeit. Matthias-Grünewald-Verlag, 3. Aufl., Mainz 2003, ISBN 3-7867-8506-6
  • Albert J. Urban (Hrsg.): Lexikon der Wallfahrtsorte. Ihre Geschichte und heutige Bedeutung. Voltmedia Verlag, Paderborn 2006, ISBN 3-938478-35-7
  • Paul Fabianek: Folgen der Säkularisierung für die Klöster im Rheinland. Am Beispiel der Klöster Schwarzenbroich und Kornelimünster. Verlag BoD, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8482-1795-3
  • Jens Nürnberger: Die Rückkehr der Benediktiner in das Erzbistum Köln nach Säkularisation und Kulturkampf. Die neue Benediktinerabtei in Kornelimünster (= Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs Aachen, Bd. 51). Einhard Verlag, Aachen 2014, ISBN 978-3-943748-20-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neue Benediktinerabtei Kornelimünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 43′ 46″ N, 6° 10′ 6″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen auf der Website der Abtei