Neuthomismus

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Der Neuthomismus ist der Kern der Neuscholastik. Er vertritt die Aufrechterhaltung und Erneuerung der Philosophie des Thomas von Aquin. Die Bewegung des Neuthomismus ist in Frankreich und Belgien am stärksten entwickelt. Die Enzyklika Aeterni Patris von Papst Leo XIII. vom 4. August 1879 gab dem Neuthomismus starke Impulse.

Mitbegründet wurde diese Schule von Joseph Maréchal (1878–1944); zu den bekanntesten Vertretern des Neuthomismus der Gegenwart gehören Jacques Maritain, Étienne Gilson, André Marc, Erich Przywara, Johannes B. Lotz, Walter Brugger, Karl Rahner, Bernard Lonergan und Emerich Coreth. Dieser Neuthomismus unterscheidet sich vom Thomismus im engeren Sinne, wie er etwa von den großen Dominikanerthomisten, Réginald Garrigou-Lagrange, Santiago María Ramírez de Dulanto und anderen vertreten wird.

Der Neuthomismus ist eine „Philosophie nach Kant“, die eine Metaphysik im Sinne Thomas von Aquins neu begründet. Der Weg zur Seinsmetaphysik führt insbesondere über das Argument der Retorsion und die Urbejahung (affirmation absolue) des Seins, die in jeder urteilenden Aussage hintergründig gesetzt wird. Auf diese Weise werden die Problem-Ebene Thomas von Aquins und die damit verbundenen Fragen wie die nach Identität und Differenz der Seienden im Sein sowie die Frage nach dem absoluten Sein wiedergewonnen und in ihren Antworten weiter entfaltet. (Siehe auch Thomas von Aquin, De ente et essentia, dt. Über das Seiende und das Wesen.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur zum Neuthomismus

  • David Berger: Thomas von Aquin und die Liturgie. Editiones Thomisticae, Köln 2000, ISBN 3-89811-286-1.
  • David Berger: In der Schule des hl. Thomas von Aquin. Studien zur Geschichte des Thomismus. Nova & Vetera, Bonn 2005, ISBN 3-936741-30-1.
  • Emerich Coreth, Peter Ehlen, Gerd Haeffner, Friedo Ricken: Philosophie des 20. Jahrhunderts (= Grundkurs Philosophie. 10 = Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. 354). 2., durchgesehene Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1993, ISBN 3-17-008462-3, S. 91 ff.

Klassiker neuthomistischer Theologie

  • Joseph Maréchal: Le point de départ de la métaphysique. Leçons sur le développement historique et théorique du problème de la connaissance. Band 5: Le Thomisme devant la philosophie critique (= Museum Lessianum. Section philosophique. 7, ZDB-ID 415260-8). Éditions du Museum Lessianum u. a., Leiden 1926, (2e édition. L'Édition universelle u. a., Brüssel 1949).
  • Johannes B. Lotz: Das Urteil und das Sein. Eine Grundlegung der Metaphysik (= Pullacher philosophische Forschungen. 2, ISSN 0079-7928). 2., neubearbeitete und vermehrte Auflage von „Sein und Wert I“ (1938). Verlag Berchmanskolleg, Pullach 1957.
  • Bernard J. F. Lonergan: Insight. A Study of Human Understanding. Longmans, Green and Co., London u. a. 1957.
  • Karl Rahner: Geist in Welt. Zur Metaphysik der endlichen Erkenntnis bei Thomas von Aquin. 2. Auflage, (im Auftrag des Verfassers überarbeitet und ergänzt von Johannes Baptist Metz). Kösel, München 1957.
  • Béla Weissmahr: Ontologie (= Grundkurs Philosophie. 3 = Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. 347). 2., durchgesehene Auflage. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1991, ISBN 3-17-011775-0, S. 30 ff.