New Kabul Bank

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  New Kabul Bank
KabulBankLogo.jpg
Staat Afghanistan
Sitz 10-42, Torbazkhan, Shar-e-Naw, Kabul
Rechtsform
BIC KABUAFKAXXX[1]
Gründung 27. Juni 2004
Website www.kabulbank.af
Geschäftsdaten Vorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Daten veraltetVorlage:Infobox Kreditinstitut/Wartung/Jahr fehlt
Bilanzsumme 256 Mio USD[2]
Leitung
Vorstand Mohamad Aqa Kohistani (Mai 2016)
Aufsichtsrat Sayed Massud (Mai 2016)

Unternehmensleitung

Masood Khan Musa Ghazi (Mai 2016)

Die New Kabul Bank (vormals Kabul Bank) ist das größte Kreditinstitut Afghanistans. Gründer und Vorstandschef der Bank war Sherkhan Farnud. Die Kabul Bank war die älteste Privatbank des Landes.[3]

Die Bankenaufsicht über die Kabul Bank wird durch die Da Afghanistan Bank wahrgenommen.

Von 2008 bis August 2010 war Khalilullah Ferosi Präsident der Kabul Bank (Stand Juni 2011).[3]

Im November 2012 wurde bekannt, dass Anteilseigner und Mitarbeiter der Kabul Bank im Laufe der Jahre rund 935 Millionen Dollar veruntreut haben.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung für das Bakht-Konto

Das erfolgreichste Produkt der Bank ist das Bakht-Konto. Bakht (‚Reichtum‘ auf Dari), ein Islamic Banking-Finanzprodukt. Für jede 5000 Afghani die auf ein Bakht-Konto eingezahlt werden erhält der Anleger ein Los. In einer alle drei Monate stattfindenden, im Staatsfernsehen übertragenen Ziehung wird dann ein Gewinner ermittelt und dieser erhält anschließend einen Scheck über eine Million Afghani. Seit Einführung von Bakht hat die Bank ihren Kundenstamm vervierfacht.

Der Fußballverein FC Kabul Bank wird von der Kabul Bank gesponsert.

Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahmood Karzai, der ältere Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, war bis zum Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten einer von 16 Großaktionären der Kabul Bank.[4] Das Institut hat außerdem den Wahlkampf des Präsidenten Hamid Karzai mitfinanziert. [5] Ihm wurde von der Bank ein Kredit von 6 Millionen US-Dollar mit dem er 7 Prozent der Bank kaufte.[3] Aufgrund ihrer oft dubiosen politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen wird der Karzai-Familie Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen.[6] [7]

Derzeit ist das afghanische Finanzministerium alleiniger Anteilseigner.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 hatte die Bank viele Zweigstellen in Afghanistan. Über diese wurden die Gehälter der Beamten, Soldaten und Polizisten bezahlt.[3]

Seit Sommer 2009 wurde das Geld an Beamte oft erst mit Verzögerung überwiesen und die Zinsgewinne abgeschöpft.[3]

Im August 2010 verfügte die Zentralbank die Entlassung von Sherkhan Farnud und Khalilullah Ferosi.[3]

Anfang September 2010 kam es zu einem Bank Run. Innerhalb zweier Tage wurden 155 Millionen US-Dollar abgehoben.[9] Der Gründer und Vorsitzende des Aufsichtsrates, Sherkhan Farnud, sowie der Vorstandsvorsitzende Khalilullah Ferosi wurden wegen Missmanagement und des Verdachts der Veruntreuung von Einlagen ihrer Posten enthoben. In mehreren Filialen soll Geld in erheblichem Umfang gestohlen worden sein und Kredite in dreistelliger Millionenhöhe an Anteilseigner vergeben worden sein, die diese in hochriskante Immobiliengeschäfte investierten.[10] Am 9. September löste die Polizei mit Schlagstöcken die Warteschlangen vor der Bank auf.[11] Mitte September übernahm die afghanische Zentralbank die Kontrolle über die Kabul Bank und die Behörden leiteten Untersuchungen gegen zwei Bankdirektoren und Anteilseigner ein.[12]

Am 27. Juni 2011 gab das US-Außenministerium bekannt, dass Abdel Kadir Fitrat, der damalige Chef der Zentralbank, in die Vereinigten Staaten geflüchtet war. Er selbst hatte sich zuvor in einem Interview über seine Sicherheit Sorgen gemacht und war zurückgetreten. Er behauptete, er fürchte wegen der Ermittlungen im Fall der Kabul Bank um sein Leben.[13]

Im Februar 2011 empfahl der Internationale Währungsfonds (IWF), dass die in Schieflage geratene Bank unter Konkursverwaltung gestellt und dann schnell verkauft werden sollte.[14]

Seit März 2011 hält der IWF einen Teil der Entwicklungshilfe für Afghanistan zurück. Als Bedingung um die Gelder wieder freizugeben, forderte der IWF die Regierung Karzei auf, für die Verluste der Kabul Bank aufzukommen, das Bankensystem zu reformieren und rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen einzuleiten.[3]

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Afghanistans ermittelte bis Juli 2011 413 illegale Kredite, die zumeist über Strohmänner wie Leibwächter, Gärtner oder Hausdiener an Aktionäre der Bank zinslos und ohne Rückzahlungsfristen vergeben wurden.[3]

Im November 2011 war bekannt, dass in den sechs Jahren vor dem August 2010 Kredite im Umfang von 579 Millionen US-Dollar vergeben wurden, die nicht mehr eingetrieben werden konnten. Mit Gebühren, Zinsen und als Werbungskosten markierten Krediten stieg die Summe auf 914 Millionen US-Dollar. Es konnten 207 Nutznießer der vergebenen Kredite ermittelt werden. Darunter befinden sich Parlamentsabgeordnete, Minister, Provinzgouverneure, Wahlkampfleiter, Künstler und ein Fußballklub.[3]

Im November 2012 kam ein Bericht zu dem Ergebnis, dass Anteilseigner und Mitarbeiter der Kabul Bank im Laufe der Jahre rund 935 Millionen Dollar veruntreut haben. Zu den Tätern gehörten auch Verwandte von Afghanistans Präsident Hamid Karzai. Das Geld wurde zum Teil in Servierwagen von Flugzeugen der afghanischen Pamir Airways in über zwei Dutzend Länder gebracht. Nach einem "Schneeballsystem", wie es der IWF nannte, hoben sie immer wieder Geld von Kundenkonten ab. [15]

Anfang April 2016 meldete das Narichtenmagazin Bloomberg, dass die pakistanische MCB-Bank plane, die New Kabul Bank zu kaufen.[16]

Anschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Dezember 2010 wurde vor der Zweigstelle der Bank in Kandahar ein Sprengsatz gezündet.[17]

US-Aufnahme nach der Befreiung der Filiale der Kabul Bank in Dschalalabad

Ende Februar 2011 kam es zu einem Angriff von Taliban (nach US-Angaben von 12 bewaffneten Banditen) auf eine Filiale der Kabul Bank in Dschalalabad, im Osten des Landes. Dabei verkleideten sich die Angreifer als afghanische Sicherheitskräfte, stürmten die Bank und hielten sie stundenlang besetzt. Dabei starben 42 Menschen, vor allem Angehörige der Sicherheitskräfte, die auf ihren Lohn warteten. Im Juni 2011 wurden zwei der Angreifer zum Tode, ein dritter zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt.[18]

Bei einem Angriff auf eine Zweigstelle der New Kabul Bank im Süden Afghanistans sind am 17. Dezember 2014 mindestens zehn Menschen getötet und 15 verletzt worden. Alle fünf Selbstmordattentäter sind dabei ums Leben gekommen.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im BIC Directory beim SWIFT
  2. Finanzbericht 2015
  3. a b c d e f g h i Luis Imbert: Die Räuberbank von Kabul. In: die tageszeitung. 13. November 2011, abgerufen am 15. November 2011 (deutsch, Übernommen aus Le Monde diplomatique).
  4. Board of Shareholders (4. Mr. Mahmood Karzai) (Memento vom 8. März 2009 im Internet Archive) www.kabulbank.com
  5. Kunden stürmen die Kabul-Bank www.spiegel.de, 3. September 2010
  6. Karzai family's wealth 'fuelling insurgency' www.telegraph.co.uk, 7. August 2009
  7. Another Karzai Forges Afghan Business Empire www.nytimes.com, 4. März 2009
  8. [1]
  9. Michael Isikoff: Run on Afghan bank's deposits reported. MSNBC, 2. September 2010, abgerufen am 3. September 2010 (englisch).
  10. Afghanistan: Selbstbedienung bei der Kabul Bank (Memento vom 8. September 2010 im Internet Archive) www.ftd.de, abgerufen am 8. September 2010
  11. Unruhen vor Afghanistans größter Privatbank orf.at, abgerufen am 14. September 2010
  12. Kabul Bank taken over by Afghanistan central bank www.bbc.co.uk, abgerufen am 14. September 2010
  13. Afghanistans Zentralbank-Chef setzt sich ab. In: ORF. 28. Juni 2011, abgerufen am 28. Juni 2011 (deutsch).
  14. IMF recommends troubled Kabul Bank be wound down www.seattletimes.com, abgerufen am 1. Januar 2013
  15. spiegel.de 28. November 2012: Betrüger flogen Millionen in Servierwagen aus
  16. Pakistan's MCB Bank Bids to Buy Afghanistan's New Kabul Bank. In: Bloomberg. 6. April 2016, abgerufen am 24. Mai 2016.
  17. Schwere Explosion vor Kabul-Bank in Kandahar. In: ORF. 27. Dezember 2010, abgerufen am 27. Dezember 2010 (deutsch).
  18. Todesurteile nach Taliban-Anschlag in Kabul. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. Juni 2011, abgerufen am 14. Juni 2011 (deutsch).
  19. Selbstmordanschlag auf Bank in Afghanistan. In: Die Welt. 18. Dezember 2014, abgerufen am 24. Mai 2016.