Nominalstil

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Als Nominalstil bezeichnet man Satzkonstruktionen, in denen weitgehend auf den Gebrauch von Vollverben verzichtet wird und stattdessen Nominalgruppen vorherrschen.

Das Gegenteil davon ist der Verbalstil, der sich durch die Verwendung relativ vieler Verben auszeichnet.

Funktion und Wirkung von Verbal- und Nominalstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verbalstil entspricht eher der Umgangssprache und gilt als lebendiger, allerdings auch langatmiger und weniger prägnant. Man findet ihn häufig in der Belletristik.

Der Nominalstil ist in wissenschaftlichen, behördlichen und fachsprachlichen Texten weit verbreitet, nicht zuletzt aus Gründen der Sprachökonomie, Diversität im Ausdruck und Reduktion syntaktischer Komplexität – oft ermöglicht er die Einsparung von Nebensätzen – bei gleichzeitiger Erhöhung informationeller Dichte. Er gilt aber als unlebendig. Mehrere Stilratgeber raten, ihn zu vermeiden.[1]

Die Soziolinguistik beschäftigt sich unter anderem mit geschlechterspezifischen Charakteristiken im Sprachverhalten. Man weiß seit den 1990er Jahren, dass Frauen zum Verbalstil tendieren, Männer hingegen zum Nominalstil.[2]

Gegenüberstellung von Nominal- und Verbalstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stilmittel Nominalstil Verbalstil
Substantivierungen von Verben Die Weigerung des Ministers führte zu Streit in der Koalition. Der Minister weigerte sich, was zu Streit in der Koalition führte.
Funktionsverbgefüge, Kollokationen anstatt alleiniger Vollverben Ich habe in Erwägung gezogen, eine Messung durchzuführen. Ich habe erwogen zu messen.
Nominalisierungen von Funktionsverbgefügen Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes dauerte es. Es dauerte, bis das Gesetz in Kraft trat.
Präpositionen anstatt Verbalstil, insbesondere genitivische Ich handelte vermöge meines Verstandes so. Ich handelte so, weil ich es aufgrund meines Verstandes vermochte.
untergeordnete Genitiv-Attribute Das Vorhaben des Treffens der Minister der Länder scheiterte. In den Ländern regieren Minister. Sie hatten vor, sich zu treffen. Doch das scheiterte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carsten Könneker, Wissenschaft kommunizieren: Ein Handbuch mit vielen praktischen Beispielen. John Wiley & Sons, 2012, S. 21, 24. u.ö.; Duden, Praxis Rhetorik, Mannheim 2014, S. 40.
  2. Angelika Linke u. a.: Studienbuch Linguistik. 5. Auflage. Niemeyer, Tübingen 2004, ISBN 3-484-31121-5, Kapitel 8 Soziolinguistik, 8.5.1 Präferenzen im Sprachverhalten von Männern und Frauen, S. 361 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nominalstil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen