Funktionsverbgefüge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Funktionsverbgefüge (FVG; auch Schwellform oder Streckform[1] genannt) werden in der Linguistik Verbkonstruktionen bezeichnet, in denen die Bedeutung (der semantische Gehalt) weitgehend vom Verb auf ein Substantiv verlagert wird und das Verb selbst lediglich als Funktionsverb fungiert.

Funktionsverbgefüge bestehen meist entweder

  • aus einem Funktionsverb und einem Präpositionalobjekt oder
  • aus einem Funktionsverb und einem Nominativobjekt oder
  • aus einem Funktionsverb und einem Akkusativobjekt oder
  • aus einem Funktionsverb und einem Dativobjekt oder
  • aus einem Funktionsverb und einem Genitivobjekt.

In der deutschen Gegenwartssprache wird am häufigsten das FVG mit einem Präpositionalobjekt belegt. Funktionsverben sind dabei Vollverben, die ihre ursprüngliche Bedeutung innerhalb des Funktionsverbgefüges weitgehend eingebüßt haben und das Prädikat nicht länger alleine bilden können.

Beispiele für FVG mit Präpositionalobjekt

  • zur Anzeige bringen: Herr Meier brachte den Diebstahl zur Anzeige.
  • in Kraft treten: Das Gesetz tritt heute in Kraft.

Beispiele für FVG mit Nominativobjekt

  • Übereinstimmung bestehen: Es steht fest, dass zwischen Plagiat und Original hundertprozentige Übereinstimmung besteht.
  • als ... fungieren: das Verb selbst fungiert lediglich als Funktionsverb.

Beispiele für FVG mit Akkusativobjekt

  • Nachricht geben: Peter gab Maria Nachricht.
  • in Erwägung ziehen
  • Verzicht leisten

Beispiel für FVG mit Dativobjekt

  • einer Prüfung unterziehen: Der Student muss sich einer Prüfung unterziehen.

Beispiel für FVG mit Genitivobjekt

  • der Meinung sein: Ich bin der Meinung, man spricht schneller als man denkt.

Funktionsverbgefüge können häufig nicht ins Passiv gesetzt werden. Die Negation bei FVG mit Präpositionalobjekt wird mit nicht gebildet.

Funktionsverbgefüge sind ein produktiver Mechanismus der Prädikatsbildung. Aktionsarten lassen sich mit Hilfe von Funktionsverbgefügen fein abstufen. Allerdings führt der übermäßige Gebrauch – zum Beispiel in der Verwaltungssprache – zu hölzernen und wenig lebendig wirkenden Texten.

Wolf Schneider schrieb dazu:[2]

„in Erwägung ziehen, Verzicht leisten, Stimmenthaltung üben [...]: Warum erwägen, verzichten, enthalten wir uns nicht? Enthalten wir uns also!“
„Andere Streckverben hingegen erfüllen einen Zweck: 'jemanden zur Verweiflung bringen' ist mit einem Wort nicht auszudrücken; auch für 'Erfolg haben' besitzen wir kein Verb ([...]). Statt des akademischen Modewortes thematisieren empfiehlt sich sogar ein Streckverbum wie 'zum Thema machen', 'ein Thema daraus machen', 'zur Sprache bringen' - falls man nicht einfach 'aufgreifen' oder 'darüber reden' sagen will [...].“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Funktionsverbgefüge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Reiners, Kleine Stilfibel, S. 90 f.
  2. Deutsch für Kenner, Piper 1996, S. 68 f.