Norbert Pümpel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Norbert Pümpel, Mai 2013

Norbert Pümpel (* 1956 in Innsbruck) ist ein österreichischer bildender Künstler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Landeck studierte Pümpel in Innsbruck Naturwissenschaften, die sehr bald sein künstlerisches Selbstverständnis prägten. Studienreisen führten ihn nach Rom, Florenz, Boston, Washington und New York. Als Künstler und Autodidakt begann er Ende der siebziger Jahre im Bereich der Concept Art. Erste theoretische Schriften und Zeichnungen über mathematische Serien und Reihen. Spätere Projekte sind beeinflusst von der zeitgenössischen Physik und Erkenntnistheorie; immer wieder entstanden friedenspolitische Arbeiten. Pümpel ist seit 1982 als freischaffender Künstler tätig. 2010 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich[1] und 2016 mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol[2] ausgezeichnet. Seit 1978 zahlreiche Ausstellungen in Europa, Amerika und Japan.[3]

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Reality has evaporated“: Karl Poppers Theorem über die Unmöglichkeit objektiver Erkenntnis angesichts einer sich der Beobachtung entziehenden Wirklichkeit scheint keine unpassende Arbeitsgrundlage für einen Künstler, der sich die Darstellung der Unmöglichkeit objektiver Darstellung von Realität zur Aufgabe gemacht hat. Zwar hat die Frage nach dem Bild, also nach dem Verhältnis von Realität und den Modalitäten ihrer Widerspiegelung, Künstler seit jeher herausgefordert – keiner aber hat sie so konsequent gestellt und für künstlerische Antworten genutzt wie Norbert Pümpel. Seit den 1970er Jahren hat er ein Werk entwickelt, das im Grenzgebiet von Naturwissenschaft, Philosophie und auch Theologie in immer neuen Gedankenspiralen die alte Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis sowie – damit verbunden – den Möglichkeiten des Bildes und dessen Leistungsfähigkeit gegenüber der Wirklichkeit umkreist.[4]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norbert Pümpel, Ausstellung Museum Ferdinandeum Innsbruck, 2006

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norbert Pümpel, Scientific Disaster III, 1990
  • Hammerschlag Nr. 2, 1978 3-teilige Serie; ca. 90 x 190 cm, ausgestellt: Galerie Krinzinger Innsbruck 1979, und Bregenz Palais Thurn und Taxis, 1979; abgebildet in: Peter Weiermair, Medium Zeichnung, Allerheiligenpresse Innsbruck 1979, und J.M. Seebacher, Wahrnehmen, Palais Thurn und Taxis, Bregenz, 1979 (im Besitz der Albertina in Wien)
  • Stars and Stripes Projekt, 1981 6 Bildgruppen zu je vier Teilen, Mischtechnik und Collage auf grundiertem Papier, 100 x 276 cm bis 100 x 1075 cm, ausgestellt und publiziert bei „Künstler aus Tirol“, Pécsi Galéria, Pécs (Ungarn), 1986; (in öffentlichem Kunstbesitz im Kongresszentrum Alpbach: Schrödinger Saal)
  • Wahrscheinliche Aussage zu einem Guernica des späten 20. Jahrhunderts, 1982 24-teilige Installation, 291 x 929,6 cm; ausgestellt bei „Zukunftsräume - Bildwelten und Weltbilder der Science Fiction“, Kurator Harald Kimpel, Orangerie, Kassel, 29. April bis 17. Juni 1984 weiters „Zukunftsräume – Bildwelten und Weltbilder der Science Fiction“ Erlangen, Städtische Galerie im Sommer 1984 sowie bei der Ausstellung „Die Vertikale Gefahr. Luftkrieg in der Kunst“ [zum 50. Jahrestag der Zerstörung Kassels], documenta- Halle Kassel, 24. September bis 31. Oktober 1993 sowie bei der Einzelpräsentation„Wahrscheinliche Aussage zu einem Guernica des späten 20. Jahrhunderts“ Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, 28. Januar bis 20. Februar 2005 publiziert in: Die vertikale Gefahr, Luftkrieg in der Kunst, Marburg 1993 und in Zona Ovest, Skarabäus Studienverlag, Innsbruck, Wien, München 2007 und in Kunst in Tirol, P: Naredi-Rainer L.Madersbacher, Innsbruck 2007 [17]
  • Das Große Stadion, 1983 verschiedene Materialien auf grundiertem Papier, 3 Teile: 126 x 210 cm. Ausgestellt: 1984 bei „Orwell und die Gegenwart“ im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien (Katalog) [18]
  • Heinrich - Heine - Zyklus, 1986 14-teiliger Zeichnungszyklus, je Teil 126 x 90 cm, publiziert: N. Pümpel, Arbeiten aus 1977-87, Landeck, 1987 (im Besitz der BankAustria früher: Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien)
  • White Fire Curtain, 1990 Eitempera und Asche auf Leinwand, 190 x 250 cm besprochen und abgebildet in: Harald Kimpel, Die Schwerkraft der Bilder, N. Pümpels kreativer Beitrag zur Theorie der unterlassenen Praxis, in: N. Pümpel, 238,0289, Arbeiten über die universellen Naturkonstanten und die Atombombe, Landeck, 1990 ausgestellt, besprochen und abgebildet: Harald Kimpel; Der Luftkrieg in der Kunst, Kassel, documenta Halle, 1993
  • Scientific Disaster III, 1990 Eitempera, Cadmiumrot auf Asche auf Leinwand, 120 x 125 cm ausgestellt: bei “Caution - Art” in der Thomas Segal Gallery Boston, 1991 (Privatbesitz)
  • Part of Universe Reflecting Part of Universe, 2003 Vierteilige Arbeit auf Leinwand auf Holz, 60 x 204 cm sowie zweiteilige Arbeiten 45 x 76 cm, ausgestellt und Publiziert in Kraftwerk Peripher Imst-Au, 2004 und bei „Realität und Abstraktion 2“ Museum Liaunig, 2012 (Privatbesitz)
  • Apricot Disaster, 2009, Mischtechnik auf Papier, je 154 x 114 cm (im Besitz der Republik Österreich: Artothek des Bundes Wien) [19]
  • Scientific Disaster V und VI, 2009, 2010, Mischtechnik auf Papier, je 154 x 114 cm (Privatbesitz)
  • (First Lightning) Dark Lightning (Joe1) 2011, Mischtechnik auf Papier, 154 x 114 cm (Privatbesitz)
  • South Pacific Winter, Bildgruppe 2011–2012
  • Objekte zu Wittgenstein, Skulpturen: Holz, Bitumen und Ölfarbe 2011–2013
  • Unbestimmtes Land, 2012–2016
  • Fleeting Memorials, 2012–2016

Mit den Fleeting Memorials setzt sich Norbert Pümpel einmal mehr mit der Zeit auseinander. Er relativiert Erinnerung, in dem er kleine Gedenktafeln inszeniert, die aber starken zeitlichen Veränderungen unterworfen sind. Durch die Verwendung sehr dünner Papiere und verschiedener Substanzen, die das Papier im Laufe der Jahre verändern, kalkuliert Pümpel den Verfall mit ein. Erinnert wird hier kein konkretes Ereignis keine individuelle Person, eine zehnstellige Ziffernfolge gibt lediglich an wie viele Menschen zum angegebenen Zeitpunkt schätzungsweise auf dem Planeten leben. (Harald Kimpel)

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Werk von Norbert Pümpel erschienen zahlreiche Kataloge und Publikationen, darunter[20]

  • Harald Kimpel (Hrsg.) Hamlet Syndrom Schädelstätten. Ausstellungskatalog, Jonas Verlag, 2011, ISBN 978-3-89445-454-8
  • Silvia Höller (Hrsg.) Begegnungen. Dialoge. Einblicke. Ausstellungskatalog, Haymon Verlag, 2011, ISBN 978-3-85218-716-7
  • Elisabeth Walde (Hrsg.) Bildmagie und Brunnensturz. Visuelle Kommunikation von der klassischen Antike bis zur aktuellen medialen Kriegsberichterstattung, Studienverlag, 2009, ISBN 978-3-7065-4686-7
  • Paul Naredi-Rainer, Lukas Madersbacher (Hrsg.) Kunst in Tirol: Band 2 Vom Barock bis in die Gegenwart, Tyrolia Verlag, 2007, ISBN 978-3-7022-2775-3, Athesia Verlag, 2007, ISBN 978-88-8266-332-2
  • Christoph Bertsch, Zona Ovest: Ausstellungskatalog, Skarabäus Studienverlag, 2007, ISBN 978-3-7082-3224-9
  • Christoph Bertsch (Hrsg.) Kraftwerk peripher. Kraftwerk Kunst, Ausstellungskatalog, Edizioni Medizea, 2004, ISBN 88-900171-7-1; Skarabäus Studienverlag, 2004, ISBN 3-7082-3160-0
  • Norbert Pümpel, micro stills: Ausstellungskatalog, Concept Space Shibukawa Japan, 2002
  • Silvia Eiblmayr, Thomas Feuerstein, Variable Stücke: Strukturen. Referenzen. Algorithmen, Triton Verlag, 2002, ISBN 3-85486-138-9
  • Christoph Bertsch, Collezione Tirolo: Ausstellungskatalog,(Italienisch) Edizioni Medicea, 1998, ISBN 88-900171-2-0
  • Silvie Aigner, Peter Baum, Realität und Abstraktion 2 Konkrete und reduktive Tendenzen ab 1980, Museum Liaunig, Neuhaus/Suha, 2012 ISBN 978-3-9502610-9-7
  • Peter Baum, Elisabeth Wassertheurer, Sammlungskatalog II, Museum Liaunig, Neuhaus/Suha, 2015 ISBN 978-3-9503505-4-8
  • Peter Baum, Augen-Blicke, Neuerwerbungen, Museum Liaunig, Neuhaus/Suha, 2016 ISBN 978-3-9503505-8-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Norbert Pümpel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reply to a parliamentary question about the Decoration of Honour (German, pdf) Abgerufen am November 2012.
  2. Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom 19. September 2016
  3. Christoph Bertsch in: Paul Naredi Rainer Lukas Madersbacher, Kunst in Tirol vom Barock bis in die Gegenwart, Leopold-Franzens-Universität, Tyrolia Verlag Innsbruck, Wien, 2007 S. 716
  4. Harald Kimpel in: ".Begegnungen .Dialoge .Einblicke" Silvia Höller (Hrsg.) Innsbruck, Haymonverlag, 2011 S. 162ff.
  5. Kunstforum International Bd. 36, Mainz 1979, S. 130-132
  6. "1984" Orwell und die Gegenwart, Ausstellungskatalog Museum des 20. Jahrhunderts / Museum moderner Kunst, Wien 1984, S. 179
  7. Harald Kimpel, Die vertikale Gefahr. Luftkrieg in der Kunst. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung, Jonas Verlag, Marburg 1993, S. 64-67
  8. Kölbl, Larcher, Rauchenberger, ENTGEGEN Religion. Gedächtnis. Körper, Cantz Verlag, Ostfildern- Ruit 1997 S.236f.
  9. Institut für Kunstgeschichte Universität Innsbruck, abgerufen am 28. Januar 2012
  10. Zona Ovest, Ausstellungskatalog, Skarabäus/Studienverlag, Innsbruck, Wien, München 2007 S. 73-75
  11. Harald Kimpel (Hg.) Hamlet Syndrom: Schädelstätten, Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, Jonas Verlag, Marburg 2011
  12. Realität und Abstraktion, Konkrete und reduktive Tendenzen ab 1980, HL Museumsverwaltung GmbH, Museum Liaunig, Neuhaus 2012, S.128 f. ISBN 978-3-9502610-9-7.
  13. Wilhelm Otten, Otten Kunstraum "Acht ohne Gegenstand" Nürnberg, 2014 ISBN 978-3-86984-073-4
  14. Harald Kimpel (Hg.) art@science, Jonasverlag Marburg, 2014, ISBN 978-3-89445-501-9
  15. Neue Vorarlberger Zeitung 5.Oktober 2016 Seite 28
  16. PARNASS Kunstmagazin, 03/2016 Seite 164 f.
  17. ebd.: S. 392 und S. 716
  18. "1984" Orwell und die Gegenwart, Ausstellungskatalog Museum des 20. Jahrhunderts / Museum moderner Kunst Wien, 1984, S. 179
  19. Online-Sammlungspräsentation der Artothek des Bundes, abgerufen am 10. September 2012
  20. basis wien – Kunst, Informationen und Archiv, abgerufen am 28. Januar 2012