Nur ad-Din Muhammad

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Nur ad-Din Muhammad, oder Muhammad II. (arabisch نورالدينمحمد, DMG Nūr ad-Dīn Muḥammad; * 1147; † 1. September 1210), war der 24. Imam der Schia der Nizari-Ismailiten und fünfte Herrscher von Alamut.

Der Ismailitenstaat von Alamut in Nordpersien.

Begünstigt durch den Zerfall des Seldschukenreichs hat der Ismailitenstaat in der Zeit Muhammads II. eine weitgehende Unabhängigkeit erlangen können. Sein Territorium umfasste die nordpersische Bergregion des Elburs südlich des kaspischen Meeres, entsprechend der heutigen iranischen Provinzen Qazvin und des östlichen Gilans mit der Burg Alamut als Hauptresidenz. Weiterhin bestand noch die weitgehend autonome syrische Exklave um Masyaf.

Muhammad hat den Mörder seines Vaters samt dessen familiären Anhang exekutieren lassen, womit die Buyiden-Dynastie ausgelöscht wurde. Die von seinem Vater verkündete messianische schiitische Doktrin zum „jüngsten Tag“ führte er fort, die im Standpunkt des orthodoxen Islams der Sunna als Häresie galt. Darüber ist er in seinen späten Jahren mit seinem Sohn Dschalal ad-Din Hassan in Streit geraten, weil dieser der Lehre nicht folgen wollte.

Des Imams Vorsteher (dāʿī) in Syrien, Raschid ad-Din Sinan, hat in den Jahren 1175 bis 1176 zwei Attentate auf Saladin durchführen lassen, die allerdings nicht erfolgreich waren. Der Sunnit Saladin hatte 1171 zwar die Herrschaft der den Nizari verhassten Vettern in Ägypten (Fatimiden/Mustaliten) beendet, sich als dessen neuer Herrscher aber unter die formelle Oberhoheit des sunnitischen Kalifats der Abbasiden gestellt.

Am zehnten Tag des Monats Rabi I 607 AH (1. September 1210) ist Muhammad II. gestorben, Gerüchten zufolge vom Sohn vergiftet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Farhad Daftary, The Ismāʿīlīs: Their History and Doctrines. Cambridge University Press 1990.
  • Farhad Daftary, The Assassin Legends: Myths of the Ismaʿilis. London 1994.
  • Farhad Daftary, Ismaili Literature: A Bibliography of Sources and Studies. London 2004.
  • Heinz Halm, Kalifen und Assassinen: Ägypten und der vordere Orient zur Zeit der ersten Kreuzzüge 1074–1171. München 2014, S. 336–346.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ata al-Mulk Dschuwaini, „Geschichte des Welteroberers“ (Ta’rīkh-i Jahāngushāy): hrsg. als Übersetzung ins Englische von John Andrew Boyle, Genghis Khan, the history of the world conqueror (1958), S. 697–699.
  • Hamd Allah Mustawfi, „Ausgesuchte Geschichte“ (Ta’rīkh-i-guzīda): hrsg. als Übersetzung ins Englische von Edward G. Browne, The Ta'ríkh-i-guzída or „Select history“ of Hamdulláh Mustawfí-i-Qazwíní, Teil 2 (1913), S. 129.


Vorgänger Amt Nachfolger
Hassan (II.) ala dhikrihi s-salam 24. Imam der Nizari-Ismailiten
1166–1210
Dschalal ad-Din Hassan (III.)
Hassan (II.) ala Dhikrihi s-Salam Herrscher von Alamut
1166–1210
Dschalal ad-Din Hassan (III.)