Ocrelizumab

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Ocrelizumab
Masse/Länge Primärstruktur 148,1 kDa
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code L04AA…
Wirkstoffklasse Immunsuppressiva

Ocrelizumab ist ein - experimenteller, d.h. in der EU noch nicht zugelassener - humanisierter monoklonaler (Anti-CD20-) Antikörper, der bisher in Studien zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) eingesetzt wird. In den USA hat der Wirkstoff im Februar 2016 von der FDA den Status eines Therapiedurchbruchs erhalten.[1] Er wirkt via B-Zell-Depletion und gehört zur Gruppe der Immunsuppressiva[2]. Ocrelizumab wurde auf Basis von Rituximab von der Hoffmann-LaRoche-Tochter Genentech und Biogen entwickelt.[3]

Dieser Antikörper bindet selektiv ein bestimmtes Protein, das CD20 Antigen, das auf der Oberfläche von B-Zellen zu finden ist und vermutlich eine wichtige Rolle bei Multipler Sklerose spielt. Er interagiert mit dem körpereigenen Immunsystem, um die CD20-positiven B-Zellen zu eliminieren. Durch seine B-Zell Selektivität besitzt Ocrelizumab das Potenzial, die aktuell genehmigten Behandlungen für Multiple Sklerose zu verbessern. Im Oktober 2010 wurden von Roche 24-Wochen-Ergebnisse für die Phase-II-Studie der schubförmigen remittierenden MS veröffentlicht. Der Wirkstoff zeigte bei Patienten mit schubförmig-wiederkehrender Multipler Sklerose eine signifikante Reduktion der Krankheitsaktivität, gemessen an der Anzahl der Gehirnläsionen und der Schubrate[4]. Im Juni 2015 veröffentlichte Roche die Ergebnisse zweier Phase-III-Studien im Vergleich zu Interferon beta-1a (Rebif®)[5]

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete (Indikationen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ocrelizumab wird zur Behandlung der Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems (Multiple Sklerose) geprüft. Ocrelizumab ist in der Europäischen Union zur Behandlung von Patienten noch nicht zugelassen. In aktuellen Studien hat sich jedoch schon gezeigt, dass Ocrelizumab bei schubförmig-wiederkehrender Multipler Sklerose positive Wirkungen für den Patienten erzielte. Bei den vorliegenden Phase-II-Studien wurden nur schubförmig remittierende MS Patienten untersucht, weil diese zu der häufigsten Form von MS zählt und sich durch akute Exazerbationen mit voller oder teilweiser Genesung zwischen den Schüben auszeichnet. Zurzeit werden weitere Untersuchungen mit Ocrelizumab in Phase-III-Studien durchgeführt, um künftig für die Behandlung von schubförmig remittierender und primär-progredienter MS eingesetzt zu werden.

Unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ocrelizumab wirkt immunsuppressiv. Daher können auch unerwünschte Wirkungen durch eine Veränderung der körpereigenen Abwehr entstehen. Dies sind grippeähnliche Nebenwirkungen, Kopfschmerzen, Knochenschmerzen, eine gesteigerte Infektanfälligkeit und in einzelnen Fällen auch allergische Reaktionen auf die Substanz.

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkmechanismus (Pharmakodynamik)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ocrelizumab wird als intravenöse Infusion verabreicht. Die ersten zwei Infusionen müssen mit einem Abstand von zwei Wochen erfolgen. Danach erhalten Patienten alle 24 Wochen einzelne, nachfolgende Infusionen.

Sonstige Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde Ocrelizumab zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis entwickelt, hier wurden jedoch die weitergehenden Untersuchungen eingestellt. Die Substanz selbst ist abgeleitet von Rituximab, das bei onkologischen Erkrankungen eingesetzt wird.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch nicht im Handel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Nervenarzt 2, 2009
  • The Lancet Vol 7, September 2008
  • Pressemitteilung vom 15. Oktober 2010, F. Hoffmann-La Roche Ltd
  • Biswas et al. JAPI 2006;54:29-33
  • Lovato et al. Brain 2011;134(Pt 2):534-41

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. U.S. FDA grants Breakthrough Therapy Designation for Roche’s investigational medicine ocrelizumab in primary progressive multiple sclerosis, PM Roche vom 17. Februar 2016, abgerufen am 25. Februar 2016
  2. Der Nervenarzt 2, 2009, S. 196
  3. Der Nervenarzt 2, 2009, S. 193, 196
  4. Pressemitteilung vom 15. Oktober 2010, F. Hoffmann-La Roche Ltd
  5. Roche-Prüfmedikament Ocrelizumab reduzierte in zwei Phase-III-Studien bei multipler Sklerose signifikant sowohl die Schubrate als auch das Fortschreiten der Behinderung, verglichen mit Interferon beta-1a (Rebif®), PM von Roche vom 30. Juni 2015, abgerufen am 1. Juli 2015
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