Odilienberg

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Odilienberg
Kloster auf dem Odilienberg

Kloster auf dem Odilienberg

Höhe 764 m
Lage Elsass, Frankreich
Gebirge Vogesen
Koordinaten 48° 26′ 16″ N, 7° 24′ 18″ OKoordinaten: 48° 26′ 16″ N, 7° 24′ 18″ O
Odilienberg (Bas-Rhin)
Odilienberg

Der Odilienberg (auch St. Odilienberg, französisch Mont Sainte-Odile) erhebt sich im Elsass in der Nähe der Ortschaften Obernai und Barr (Département Bas-Rhin) am Ostrand der Vogesen auf eine Höhe von 763 m über der Oberrheinebene und wird von einer Klosteranlage gekrönt.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buntsandstein-Felsen auf dem Odilienberg

Die Geologie des Odilienberges wird durch mehrere Meter hohe Buntsandstein-Felsen geprägt.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Sommerlinde auf dem Odilienberg

Der Odilienberg ist vor allem mit forstlich genutztem Wald bedeckt; Traubeneiche und Waldkiefer herrschen darin vor. Stellenweise wird der Wald auch von alten Weißtannen gebildet. In der Klosteranlage sind alte Sommerlinden erhalten geblieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Heidenmauer“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Heidenmauer“

Um die Abhänge des Berges herum zieht sich die sogenannte „Heidenmauer“ (frz.: mur païen), eine mehr als 10 km lange Schutzmauer, die lange für prähistorisch gehalten wurde. Jüngste Untersuchungen (dendrochronologisch und nach der C14-Methode) von wiederaufgefundenen Eichenholzklammern, mit denen die Steine der Mauer verbunden waren, datieren diese zweifelsfrei in das letzte Viertel des 7. oder das beginnende 8. Jahrhundert n. Chr.,[1] eventuell stammen sie aus einer Reparaturphase, denn eine so späte Entstehung, in christlicher und nicht in heidnischer Zeit, war bisher nicht ernsthaft in Betracht gezogen worden.

Noch sind die wichtigen Datierungsfragen offen, eine deutsch-französische Expertengruppe befasst sich mit der Auswertung aller Befunde. Im geplanten Fortgang der Erforschung[2] sollen auch Grabungen weitere Erkenntnisse zu Ursprung und militärischer, ziviler oder kultischer Funktion der Heidenmauer bringen.

Auf dem Berg und in der Region finden sich zahlreiche keltische Zeugnisse. Aus der römischen Epoche ist das römische Tor erhalten.

Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterinnenhof
Kreuzkapelle
Sonnenuhr

Das Kloster wurde im 7. Jahrhundert von Odilia, einer Tochter des fränkischen Herzogs Eticho, in der Hohenburg errichtet, die ihr von ihrem Vater zu diesem Zweck überlassen worden war. Der Ort wurde bis ins Mittelalter als Frauenkloster genutzt und später nach der heiligen Odilia, der Klostergründerin und Schutzpatronin des Elsass, benannt.

Eine bekannte Äbtissin war Richlint. Richlints auch von ihr ausgebildete Nachfolgerin Herrad von Landsberg († 1195) verfasste dort die künstlerisch wertvolle christliche Enzyklopädie Hortus Deliciarum. Prämonstratenser-Chorherren führten das Haus weiter, nachdem es mit der Zeit verwaist war und bauten es zu einem Wallfahrtsort auf.

Nach der französischen Revolution wurde das Kloster 1853 vom Bischof von Straßburg Andreas Räß zurückgekauft und die Wallfahrt wieder belebt. Zunächst wurde das Kloster von Franziskanerinnen übernommen, heute lebt dort ein Konvent der Schwestern vom Heiligen Kreuz.

Von der im 12. Jahrhundert neu errichteten romanischen Klosteranlage haben sich nur wenige Reste erhalten. Dazu gehört die Kreuzkapelle am Kreuzgang mit stämmiger Mittelsäule, die ein Kreuzgratgewölbe trägt, und die Tränen- und Engelskapelle, die beiden letzten der rings um das Kloster gelegenen Kapellen. Im nördlichen Kreuzgangflügel steht noch ein Bildpfeiler aus dem 3. Viertel des 12. Jahrhunderts mit Darstellungen der Übergabe der Schenkungsurkunde durch Herzog Eticho an die hl. Odilia (links), der Klosterweihe durch die Äbtissinnen Relindis und Herrad (rechts) und des hl. Bischofs Leodegar auf der Vorderseite.

Der Odilienberg ist heute der bedeutendste Wallfahrtsort im Elsass. Das Kloster führt kirchliche Seminare durch und unterhält einen Hotelbetrieb.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterhalb des Klosters entspringt in einer Felsgrotte eine Quelle, deren Ursprung auf die Heilige Odilie zurückgeführt wird. Der Sage nach schlug sie mit ihrem Wanderstab auf den Felsen, um einem Leprakranken zu helfen, der dort erschöpft ruhte. Dabei soll die Wunderquelle aus dem Felsen entsprungen sein. Die Quelle, deren Wasser die Heilung von Augenerkrankungen nachgesagt wird, trägt den Namen der Heiligen Odilie.

Sonnenuhr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sonnenuhr wurde von den Mönchen der Zisterzienserabtei Neuburg im 18. Jahrhundert entworfen. Sie zeigt als weltweit einzigartige Besonderheit nicht nur die örtliche Sonnenzeit, sondern auch die italienische, babylonische, antike sowie die Zeiten verschiedener Regionen der Erde. Der Sockel der 1935 in der Abtei aufgestellten Uhr enthält auf einer Seite das Wappen von Monseigneur Ruch und auf der anderen Seite eine Inschrift in lateinischer Sprache, hier in deutsch: "Du gehst vorwärts, so wie der weichende Schatten unsere Stunden anzeigt. Wir sind nur Staub und Schatten." Darunter das Datum der Verlegung auf den Odilienberg, 1935. Rückseitig die Herkunft der Sonnenuhr: "Aus den Ruinen der Abtei Neuburg".

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Terrasse des Klosters und von den Felsen am Südrand des Odilienberges ergeben sich Fernblickbeziehungen in das Oberrheinische Tiefland und zu den Höhen des Schwarzwaldes.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Odilienberg nach Osten auf die Rheinebene

Das Massiv des Odilienberges wird im Süden von verschiedenen waldfreien Buntsandsteinfelsen begrenzt: Schafstein, Wachstein, Maennelstein. Es ist außerdem bestückt mit etlichen Burgruinen: Birkenfels, Dreistein, Hagelschloss, Landsberg und die „Ottrotter Schlösser“ Lützelburg und Rathsamhausen. Zu Füßen des Berges findet sich die Ruine des ebenfalls von Odilia gegründeten Klosters Niedermünster. Als Herberge für Wallfahrer diente auch das Kloster Truttenhausen.

Flugzeugabsturz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Absturz eines Airbus A320 der Air Inter am 20. Januar 1992 (Air-Inter-Flug 148) in der Nähe des Odilienbergs kamen 87 Menschen ums Leben, neun überlebten. Eine Gedenktafel an der Absturzstelle südlich des Odilienbergs auf dem benachbarten Berg La Bloss (Höhe 826 m) erinnert an das Unglück. Als Absturzursache kommt die unübersichtliche Instrumententafel in Betracht. Durch die verwirrende Anordnung der Bedienungsschalter wurden die Piloten zu einem fehlerhaften Manöver verleitet. Eine Klage gegen Airbus endete aber mit sechs Freisprüchen.[3]

Fotogalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heiko Steuer, Dieter Geuenich: Odilienberg. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 21. Berlin-New York 2002, ISBN 978-3-11-017272-0, S. 551–559.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Forschungsbericht Frederik Letterlé 2003
  2. Forschungsdatenbank der Uni Freiburg: Beginn 2001, Ende unbegrenzt
  3. Flugzeugabsturz 1992

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Odilienberg – Quellen und Volltexte
 Commons: Mont Sainte-Odile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien