Sommerlinde

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Sommer-Linde
Sommerlinde (Tilia platyphyllos) auf dem Fahrentriesch, Nationalpark Kellerwald-Edersee

Sommerlinde (Tilia platyphyllos) auf dem Fahrentriesch, Nationalpark Kellerwald-Edersee

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Unterfamilie: Lindengewächse (Tilioideae)
Gattung: Linden (Tilia)
Art: Sommer-Linde
Wissenschaftlicher Name
Tilia platyphyllos
Scop.

Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), botanische Schreibweise mit Bindestrich Sommer-Linde, auch Großblättrige Linde (Tilia grandifolia) genannt, ist eine Laubbaum-Art aus der Gattung der Linden (Tilia) in der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie war 1991 Baum des Jahres.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sommerlinde ist in Mittel- und Südeuropa heimisch, aber relativ selten wild vorkommend. An schuttreichen Hangstandorten vermag sie sich aufgrund ihrer hohen Austriebskraft gegenüber anderen Baumarten durchzusetzen. Sie ist daher häufig in Hangschuttwäldern und Schluchtwäldern vertreten. Sie gilt als Baum der mittleren Gebirgslagen. Im Freistand entwickelt sie eine mächtige Krone, ist jedoch empfindlich gegen Spätfröste. Die Sommerlinde steigt in den Nordalpen bis auf 1000 m, in den Südalpen auch höher.[2] Von den in Mitteleuropa autochtonen Linden ist die Sommerlinde die am weitesten verbreitete Art.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großblättrige Linde (Sommerlinde)
a. Zweig
b: Blüte
c: Staubblätter
d: Stempel
e: Früchte
f,g: Samen

Die Sommerlinde ist ein Baum, der Wuchshöhen von bis zu 40 Metern und Stammdurchmesser von über 9,0 Metern[3] erreicht. Sie hat dunkelgrüne und feinrissige Blätter. Die Baumkrone ist hoch mit ziemlich steil ansteigenden Ästen. Als junger Baum hat die Sommerlinde meist eine mehr halbkugelige Krone. Die Borke ist rissig und blättert alljährlich ab.

Die jungen Austriebe sind rötlichgrün und deutlich behaart. Die eiförmigen Knospen sind dunkelrot. Die Laubblätter sind eirund und plötzlich lang zugespitzt, sie sind an der schiefen Basis herzförmig. Der Blattrand ist scharf kerbig gesägt. Die Blätter sind oben dunkelgrün und behaart, unten heller und vor allem auf den Nerven dicht behaart. Die Größe der Blätter ist sehr veränderlich etwa zwischen 2 und 18 cm (Länge wie Breite). Das Blatt sitzt an einem behaarten etwa 2 bis 5 cm langen Stiel.

Die Sommerlinde blüht im Juni und ist damit in Mitteleuropa die am frühesten blühende Lindenart. Die Blüten hängen in Trugdolden meist zu 3 bis 4 (manchmal bis 6). Die Blüten sind etwa 12 mm groß mit einem weißlichgrünen Hochblatt. Die kugelige Frucht hat fünf Rippen, ist dicht behaart und wird etwa 8 bis 10 mm groß.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 82.[4]

Linden werden häufig sehr alt (bis zu 1000 Jahre), was viele Baumdenkmäler in Deutschland zeigen. Der Volksmund behauptet, dass Linden „dreihundert Jahre kommen, dreihundert Jahre stehen und dreihundert Jahre vergehen“. Selbst uralte, hohle Linden entwickeln manchmal noch eine erstaunliche Vitalität. Das Geheimnis ihrer Langlebigkeit sind neue Innenwurzeln, die vom greisen Stamm aus in Richtung Boden wachsen, sich dort verankern und eine junge Krone bilden, wenn der alte Baum abstirbt. Die Linde verjüngt sich also sozusagen von innen heraus.

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann mehrere Unterarten unterscheiden:

  • Tilia platyphyllos subsp. cordifolia (Besser) C.K. Schneider
  • Tilia platyphyllos subsp. grandifolia (Ehrh.) Vollm. (Syn.: Tilia grandifolia Ehrh.)
  • Tilia platyphyllos subsp. platyphyllos
  • Tilia platyphyllos subsp. pseudorubra C.K. Schneider

Die Unterart Tilia platyphyllos subsp. caucasica wird besser zur Kaukasischen Linde (Tilia dasystyla Steven) gestellt.

Blätter von Tilia platyphyllos mit Horngallen der Lindengallmilbe (Eriophyes tiliae)
Habitus der Sommerlinde
Knospe von Tilia platyphyllos beginnt sich zu öffnen.
Gerichtslinde in Wetter-Amönau
Linde in Schenklengsfeld, ältester Baum Deutschlands
Sommerlinde
Habitus der rund 700 Jahre alten Sommerlinde in Hochneukirchen

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sommerlinde spielt in Forstkulturen Mitteleuropas eine untergeordnete Rolle. Als Park- und Alleebaum wird sie jedoch häufig angepflanzt. Die Blüten der Sommerlinde sind in der Imkerei eine recht gute Bienenweide aufgrund des hohen Zuckergehalts ihres Nektars (bis zu 94 %) und seines hohen Zuckerwerts (bis zu 7,7 mg Zucker/Tag je Blüte).[5] Honigerträge von rund 0,8 kg pro Blühsaison und Baum sind möglich.[6] Die Sommerlinde gehört zu den Baumarten mit der besten Austriebsfähigkeit. Die schnellwüchsige Baumart wurde als Unterholz in Mittelwäldern herangezogen. Ihr Holz wurde, trotz des relativ geringen Brennwerts, daher als Brennholz genutzt.

Kulinarisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jungen, noch weichen Lindenblätter sind essbar und eignen sich wegen ihres ausgesprochen milden Geschmacks gut für Salat.[7]

Pflanzenheilkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Heilmittel wird die Lindenblüte seit langem mit gutem Erfolg verwendet. Sie zählt zu den bekanntesten Hausmitteln. Ihre Wirksamkeit wird durch die Erfahrung in der Hausmedizin belegt, andere Wirksamkeitsstudien für die Lindenblüte selbst fehlen. Es gibt jedoch Studien zu ihren Inhaltsstoffen. Erst im 17. Jahrhundert entdeckte man offenbar die schweißtreibende Wirkung des Lindenblütentees, der als Heilmittel eingesetzt wird. Die heutige Phytomedizin ist seit längerem bemüht, die Wirkungsweise der in der Linde enthaltenen Stoffe mit modernen Testverfahren zu erforschen. So hat ein Extrakt der Sommer-Linde im In-vitro-Experiment eine hemmende Wirkung gegen die Pankreaslipase des Schweins gezeigt.[8]

Verwendung des Holzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Lindenholz

Das Holz der Sommer-Linde unterscheidet sich nicht vom Holz der Winter-Linde und der Holländischen Linde. Bei der Verwendung des Holzes wird daher nicht zwischen diesen Arten unterschieden. Die Hauptnutzung des Lindenholzes liegt in der Bildhauerei, der Schnitzerei und Drechslerei. Vor allem die berühmten Werke der Spätgotik, so von Tilman Riemenschneider oder Veit Stoß, wurden häufig aus Lindenholz hergestellt. Heute wird für Schnitzarbeiten jedoch häufiger das leichter beschaffbare Holz der Weymouths-Kiefer (Pinus strobus) eingesetzt.[9]

Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorflinde, die Tanzlinde, die Gerichtslinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Artikel Linden (Botanik) und Sommerlinde überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. S.K. (Diskussion) 05:20, 14. Jun. 2016 (CEST)
Hauptartikel: Gerichtslinde und Tanzlinde

In vielen Regionen Deutschlands wurde der Dorfmittelpunkt einst mit Sommerlinden gekennzeichnet. Er war Verkündstätte, Versammlungsort, hier wurde Gericht gehalten. Noch Kurfürst August von Sachsen unterzeichnete seine Verordnungen mit „Gegeben unter der Linde“. Bekannte Gerichtslinden sind zum Beispiel die Mahllinden bei Oberdorla und die Gerichtslinde (Mallinde) oberhalb Berka v. d. Hainich.

Es fanden jedoch auch die Feste des Dorfes unter der Linde statt. In manchen Orten wurde dafür sogar ein Tanzboden hoch oben zwischen den Ästen der Linde aufgebaut. Die seitliche Einfassung der „Lindenzimmer“ bildeten Hohlbrüstungen, die mit geleiteten Lindentrieben geschlossen wurden. Das fröhliche Treiben fand dann inmitten des Baumes statt. Auch die Musikanten spielten dort oben auf. Erhalten sind unter anderem die Tanzlinden von Limmersdorf bei Bayreuth, von Galenbeck in Mecklenburg-Vorpommern und Effeltrich. Eine andere ehemalige Tanzlinde ist die von Schenklengsfeld in der Nähe von Bad Hersfeld.

Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten Apostellinden, bei denen zwölf Äste einer Linde künstlich in die Breite gezogen wurden und die weit ausladenden Äste mit Eichen- oder Steinsäulen gestützt werden. Damit entsteht eine riesige Lindenlaube. Die bekannteste Apostellinde ragt in Gehrden bei Warburg und kann über eine eiserne Wendeltreppe erklommen werden. Eine weitere schmückt die Ortsmitte in Effeltrich, wo die niedrige, weit ausladende Krone von einem zweireihigen Balkengerüst mit 24 Stützen getragen wurde.

Alte Sommerlinden in der Feldflur oder im Wald kennzeichnen häufig Dorfwüstungen. Die Sambacher Linde westlich von Mühlhausen stand beispielsweise früher im Zentrum des Weilers Tutterode.

In Norddeutschland, insbesondere in Westfalen, wurden Sommerlinden auf die Westseite der Häuser gepflanzt und Jahr für Jahr wie ein Spalier parallel zum Haus beschnitten. Diese natürliche Außenhaut hält im Sommer die Sonne vom Haus und kühlt dieses, im Herbst wird das Laub abgeschnitten und die Herbst- und Wintersonne kann das Haus wärmen.

Die Linde in der Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linden sind im germanischen Glauben der Göttin Freya geweiht. Da Freya als Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit gilt, lassen sich auch symbolische Bedeutungen (siehe unten) und Bräuche (Dorffeste dienten früher unter anderem der Paarbildung) darauf zurückführen.

Analog dazu gelten Eichen dem Gott Thor geweiht.

Die Linde in der Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Linde ist das Symbol ehelicher Liebe, der Güte, der Gastfreundschaft und Bescheidenheit. Diese Symbolik soll auf Ovids Erzählung von Philemon und Baucis zurückgehen, dem alten Ehepaar, das sich nichts mehr erwünschte als gemeinsam zu sterben, damit keiner von ihnen den Tod des anderen erleben müsse. Zeus erfüllte ihnen diesen Wunsch; als der Tod zu ihnen kam, verwandelte er die beiden in Bäume: Philemon in eine Eiche und Baucis in eine Linde.

Die Linde in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bettina Brentano schrieb einst an ihren Bruder Clemens:

„Die Linden blühen, Clemente, und der Abendwind schüttelt sich in ihren Zweigen. Wer bin ich, daß ihr mir all euren Duft zuweht, ihr Linden? Ach, sagen die Linden, du gehst so einsam zwischen unseren Stämmen herum und umfaßt unsre Stämme, als wenn wir Menschen wären, da sprechen wir dich an mit unserm Duft.“

Die Linde in der Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sommerlinde hat auch im deutschen Volksliedgut Eingang gefunden. Die erste Strophe des bekannten Liedes Am Brunnen vor dem Tore von Wilhelm Müller nach der Melodie von Franz Schubert lautet:

Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum:
ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum;
ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort;
es zog in Freud und Leide zu ihm mich immer fort.

In der ersten Strophe des bekannten deutschen Volksliedes Kein schöner Land in dieser Zeit wird die Linde als Treffpunkt erwähnt:

Kein schöner Land in dieser Zeit,
als hier das uns're weit und breit.
Wo wir uns finden
wohl unter Linden
zur Abendzeit.

Die Linde in der Gastronomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der häufigste Gasthausname in Deutschland ist mit über 1000 Nennungen „Zur Linde“.[10]

Zuchtformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aurea: Die Rinde der Jahrestriebe ist frisch hellgrün, wodurch diese Form im Winter sehr auffallend wirkt.
  • Laciniata: Diese Form wird bis etwa 16 Meter hoch. Die Blätter sind kleiner als beim Typ (etwa 5 bis 6 cm lang). Die Blattspreite ist tief eingeschnitten und oft gekräuselt.

Bekannte Sommerlinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doris Laudert: Mythos Baum. Geschichte – Brauchtum – 40 Baumporträts.. BLV, München 2003.
  • Robert Bannan: Die Linde, Tilia Cordata. Homöopathie Verlag, Jost 1997.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. baum-des-jahres.de
  2. Ulrich Hecker: Bäume und Sträucher. München 2006, S. 263.
  3. Bernd Ullrich, Uwe und Stefan Kühn: Unsere 500 ältesten Bäume. BLV, München 2012, ISBN 978-3-8354-0957-6, S. 13.
  4. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 655–656.
  5. Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch. 3. Auflage, Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10838-4, S. 31.
  6. Josef Lipp et al.: Handbuch der Bienenkunde. Der Honig. 3., neubearb. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8001-7417-0, S. 39.
  7. http://www.pfaf.org/user/Plant.aspx?LatinName=Tilia+platyphyllos
  8. Slanc et al. (2009). Screening of Selected Food and Medicinal Plant Extracts for Pancreatic Lipase Inhibition. Phytotherapy Research, 23:874-877 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ptr.2718/abstract;jsessionid=962613A3CDE6F5E498E4D6C4B1860DE5.f01t01
  9. D. Grosser, W. Teetz: Linde. In: Arbeitsgemeinschaft Holz e.V. (Hrsg.): Einheimische Nutzhölzer (Loseblattsammlung). Nr. 17. Informationsdienst Holz, Holzabsatzfond – Absatzförderungfonds der deutschen Forst- und Holzwirtschaft 1998, ISSN 0446-2114.
  10. Badische-zeitung.de, 26. November 2010: Am häufigsten ist der Gasthausname „Zur Linde“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sommerlinde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien