Ohrenscharbe

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Ohrenscharbe
Ohrenscharbe (Phalacrocorax auritus)

Ohrenscharbe (Phalacrocorax auritus)

Systematik
Ordnung: Suliformes
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Phalacrocorax
Art: Ohrenscharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax auritus
(Lesson, 1831)

Die Ohrenscharbe (Phalacrocorax auritus) ist eine Vogelart aus der Familie der Kormorane. Ohrenscharben sind die einzige Kormoranart, die in Nordamerika sowohl entlang der Küste als auch im Binnenland zu finden ist und gleichzeitig die größte Kormoranart Nordamerikas.[1] Es werden insgesamt vier Unterarten unterschieden.

In Europa ist die Ohrenscharbe ein seltener Ausnahmegast, mit vereinzelten Nachweisen vor allem in Großbritannien sowie seltener auf den Azoren und den Kanaren.[2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewachsen erreichen Ohrenscharben eine Körperlänge von 76 bis 91 Zentimeter und haben dann ein Körpergewicht von etwa 1,5 bis 2 Kilogramm. Das Gefieder ist schwarz und schimmert leicht grünlich. Ohrenscharben haben den für Kormorane typischen torpedoförmigen Körper. Der Hals ist sehr biegsam; die großen Füße haben Schwimmhäute. Ähnlich wie der in Europa beheimatete Kormoran haben sie einen hakenförmigen und kräftigen Schnabel. Die Iris ist grünlich, die unbefiederte Haut am Kinn und an der Schnabelbasis ist orange und bei einigen Individuen auch orangegelb. Der Schnabel ist dunkel.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Ohrenscharbe reicht von Alaska bis zum Golf von Kalifornien und im Osten Nordamerika von Neufundland bis Cape Cod.

Die Bestände dieses Vogels sind sehr groß. Für die Fischfarmen entlang des Mississippi River stellen diese Vögel ein Problem dar, da sie auch die dort gezogenen Fische bejagen.

Der Lebensraum sind kühle, subtropische Küsten in geschützten Flussmündungen oder Buchten sowie Mangrovensümpfe, Felsküsten und Küsteninseln. Im Landesinneren kommt die Art an Seen, Flüssen, Stauseen und Überschwemmungsflächen vor.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahrungserwerb und Nahrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohrenscharben ernähren sich fast ausschließlich von Fischen, gelegentlich auch von Insekten, Schalentieren, Aalen, sowie Amphibien.[3] Bei ihrer Nahrungsauswahl gehen die Ohrenscharben opportunistisch vor und jagen diejenigen Beutefische, die gerade am leichtesten verfügbar sind.

Die Futtersuche findet tagsüber statt und konzentriert sich auf flache Oberflächengewässer. Dabei tauchen Ohrenscharben von der Wasseroberfläche aus in tiefere Wasserschichten und verfolgen ihre Beutetiere unter Wasser. Während des Tauchgangs bewegen sie sich mit Hilfe ihrer kräftigen Schwimmfüße voran und setzen ihren Schwanz als Steuerruder ein. Kleinere Beute wird noch unter Wasser gefressen, größere oder schwierig zu handhabende Beute – wie etwa Aale oder Plattfische – dagegen an die Wasseroberfläche gebracht. Gelegentlich schütteln die Ohrenscharben solche Beutetiere und schlagen sie auf das Wasser um sie zu überwältigen.[4]

Bei der Jagd auf Fischschwärme schließen sich Ohrenscharben bisweilen zu Gruppen zusammen. Sie bewegen sich dann in einer Linie oder einer halbmondförmigen Formation auf die Beutetiere zu, wobei einzelne Vögel sich durch kurze Flüge immer wieder vor die gerade tauchenden Artgenossen bringen.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelege, Sammlung Museum Wiesbaden

Die Ohrenscharbe lebt ganzjährig gesellig und brütet in Kolonien. Sie sind monogame Vögel und gehen langjährige Beziehungen ein. Sie zeigen vor allem eine große Nesttreue.[5] In den Brutkolonien kommen zuerst die Männchen an, die das jeweilige Nest gegenüber Nistplatzkonkurrenten verteidigen. Durch die Nesttreue und die jährlichen Nestbau werden die Nester sehr groß und können eine Höhe von bis zu zwei Meter erreichen. Beide Elternvögel sind am jährlichen Bau beteiligt und verteidigen auch das Nest, da unter den Ohrenscharben der Diebstahl von Nistmaterial üblich ist.

Gelege können zwischen einem bis sieben Eier umfassen. Die gewöhnliche Gelegegröße ist jedoch vier Eier. Diese sind blassblau. Sie werden von beiden Elternvögeln für einen Zeitraum von 25 bis 30 Tagen bebrütet. Auch die Küken werden von beiden Elternvögeln gehudert und gefüttert. Die Jungvögel sind mit 20 bis 30 Tagen flügge und können nach weiteren 15 bis 20 Tagen auch fliegen. Sie sind mit zwei bis drei Jahren fortpflanzungsfähig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Sale: A Complete Guide to Arctic Wildlife, Verlag Christopher Helm, London 2006, ISBN 0-7136-7039-8.
  • Paul A. Johnsgard: Cormorants, Darters, and Pelicans of the World, Washington und London 1993, S. 201–208.
  • Jeremy J. Hatch / Datlaf Vaughn Weseloh / Brian S. Dorr: Double-crested Cormorant (Phalacrocorax auritus), in: The Birds of North America Online, hrsg. von A. Poole, Ithaca 1995 (kostenpflichtiger Abruf; abgerufen am 11. Juni 2019)
  • David N. Nettleship / David C. Duffy (Hrsg.): The Double-Crested Cormorant: Biology, Conservation and Management, Special Publication, Waterbird Society, zugleich Colonial Waterbirds 18 (1995).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Phalacrocorax auritus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Sale, A Complete Guide to Arctic Wildlife, London 2006, S. 78.
  2. Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2, S. 241.
  3. Hierzu und zum folgenden vgl. Paul A. Johnsgard: Cormorants, Darters, and Pelicans of the World, Washington und London 1993, S. 398–401, sowie Jeremy J. Hatch / Datlaf Vaughn Weseloh / Brian S. Dorr: Double-crested Cormorant (Phalacrocorax auritus), Abschnitt „Diet and Foraging“, in: Birds of North America Online, hrsg. von A. Poole, Ithaca 1995, zuletzt abgerufen am 11. Juni 2019.
  4. Paul A. Johnsgard, Cormorants, Darters, and Pelicans of the World, Washington und London 1993, S. 66.
  5. Sale, Complete Guide to Arctic Wildlife, S. 79.