Ole Nydahl

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Ole und Hannah Nydahl (2006)

Ole Nydahl (* 19. März 1941 nahe Kopenhagen, Dänemark), auch bekannt als Lama Ole, ist ein Lama und wichtiger Wegbereiter des Vajrayana- und damit im Westen des hauptsächlich mit Nydahl in Verbindung gebrachten Lehnwortes Diamantweg-Buddhismus.[1] Er repräsentiert Lehren der tibetischen Karma-Kagyü-Schule nach Thaye Dorje.[2] Der Diamantweg gehört neben dem zweiten Linienhalter Orgyen Thrinle Dorje[3] der Kagyü-Schule an, die zu einer der vier Hauptrichtungen des tibetischen Buddhismus zählt. Der Diamantweg richtet sich vornehmlich an Interessenten aus dem Westen[4][5] und spielt in traditionell buddhistischen Ländern kaum eine Rolle.[6] Seit Anfang der 1970er Jahre bereist Nydahl die Welt, hält Vorträge und Meditationskurse und gründet buddhistische Zentren, in denen die Lehren des Diamantwegs vertreten werden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Begegnung mit buddhistischen Lehrern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ole Nydahl wuchs in Dänemark auf, studierte von 1960 bis 1969 Englisch, Deutsch und Philosophie in Kopenhagen und einige Semester auch in Tübingen und München. Er bestand das Philosophicum mit Bestnote und begann eine Doktorarbeit über „Aldous Huxley und die glückbringende Vision“, ohne sie abzuschließen.

1966 lernte Ole Nydahl seine 2007 verstorbene Frau Hannah kennen. Auf der Suche nach bewusstseinserweiternden Erfahrungen nahmen sie eine Zeitlang unterschiedliche Drogen und schmuggelten Haschisch aus dem Nahen Osten. 1969 wurde das Paar wegen Drogenschmuggels verhaftet. Die Zeit der Untersuchungshaft nutzte er zur Meditation. 1970 beschloss Nydahl, keinerlei Drogen mehr zu nehmen.[7] Das Paar war zu dem Schluss gekommen, dass die Drogen ihre Meditationserfahrungen beeinträchtigten; außerdem waren viele ihrer damaligen Freunde durch Drogenkonsum gestorben. Daher rät Nydahl seinen Schülern von Drogen ab.

Die Hochzeitsreise führte das Paar 1968 nach Nepal. Dort begegneten sie dem Drukpa-Siddha Lopön Tsechu Rinpoche. 1969 reisten sie zum zweiten Mal in das Land und nahmen in Kathmandu an der vom 16. Karmapa abgehaltenen Kronzeremonie teil.

Buddhistische Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Britin Freda Bedi 1960 die erste westliche Schülerin des 16. Karmapa wurde – sie wohnte in einem Zimmer direkt unter dem Karmapa im Kloster Rumtek in Sikkhim und wurde zu seiner rechten Hand – und nachdem der 16. Karmapa sie und eine andere Britin, Diane Perry, die später als Tenzin Palmo bekannt wurde, in den Jahren 1966 und 1967 ordinierte[8], wurden neun Jahre nach Freda Bedi auch Ole und Hannah Nydahl zu westlichen Schülern des 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje, dem Haupt-Linienhalter der Karma-Kagyü-Schule, zu dem sie ein enges Verhältnis entwickelten. Sie lernten und meditierten über drei Jahre bei ihm. In dieser Zeit wurden sie auch von weiteren Kagyü-Lehrern wie Kalu Rinpoche, Künzig Shamar Rinpoche, Jamgön Kongtrul Karma Lodrö Chökyi Sengge, Situ Rinpoche und anderen unterrichtet. Beide wurden auch Schüler von Lopön Tsechu Rinpoche und Künzig Shamar Rinpoche. Ole Nydahl hat keine traditionelle klösterliche Ausbildung und auch kein 3-Jahres-Retreat durchgeführt, das Lamas der Karma-Kagyü-Linie üblicherweise absolvieren.

Diamantweg-Zentren und -Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 16. Karmapa, dem 1981 verstorbenen Oberhaupt der Karma-Kagyü-Schule, wurden Hannah und Ole Nydahl 1973 beauftragt, Zentren der Karma-Kagyü-Linie im Westen aufzubauen.[9] Dem Wunsch des 16. Karmapa folgend, unternahmen Hannah und Ole Nydahl ab 1973 ausgedehnte Vortragsreisen. Inzwischen gibt es 635[10] buddhistische Zentren bzw. Gruppen des Diamantweg in Europa (davon 143[11] in Deutschland), Asien, Amerika, Australien und Afrika, die von Ole Nydahl gegründet wurden und unter dem Namen Diamantwegs-Zentren bekannt sind.

Ole Nydahl ist Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Buddhismus Stiftung Diamantweg der Karma Kagyü Linie, einer Stiftung nach deutschem Recht. Sie unterstützt nach eigenen Angaben weltweit Projekte wie zum Beispiel eine Bibliothek in Karma Guen (Spanien), in der buddhistische Texte gesammelt und übersetzt werden, eine Retreat-Stelle im Altai (Russland) und ein Zentrum des Diamantweges in Hamburg.[12] 2007 gründete die Stiftung in Immenstadt im Allgäu das Europe Center, ein internationales Begegnungszentrum für Buddhisten aus aller Welt.[13] Ziel der Buddhismus-Stiftung ist die weltweite Bewahrung und Förderung der Tradition des Laienbuddhismus, der die buddhistische Meditationspraxis mit dem Familien- und Berufsleben verbindet.

Die Stiftung verfügte 2009 laut Satzungsbericht über 12,5 Millionen Euro Kapital.[14] Ole Nydahl ist laut § 12 der Satzung in allen inneren Angelegenheiten weisungsbefugt.[15] Der Vorstand besteht aus insgesamt sechs Personen und wird von einem Aufsichtsrat überwacht.[16]

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ole Nydahl bereist ständig weite Teile der Welt, um seine Schüler und andere am Buddhismus interessierte Menschen zu unterrichten. Kurse zu verschiedenen Themen, wie zum Mahamudra (Großes Siegel), sollen dem Publikum ein tieferes Verständnis des Diamantweg-Buddhismus vermitteln. Nydahl legt Wert darauf, dass seinen Schülern Lehr- und Meditationstexte weitestgehend in ihrer jeweiligen Muttersprache zur Verfügung stehen.[17]

Eine von ihm weitergegebene Lehre ist das Phowa, eine Meditation, die der Vorbereitung auf die Sterbestunde dienen soll und daher im Diamantweg auch Meditation des Bewussten Sterbens genannt wird; den ersten Kurs darüber gab Nydahl 1987. Im Jahr 1972 hatte er diese Meditation bei dem Drikung-Kagyü-Lama Ayang Rinpoche erlernt. Die von Ole Nydahl gelehrte Phowa-Variante entstammt der Longchen-Nyingthig-Tradition der Nyingma-Schule.

Die Schüler Ole Nydahls sind Laien-Buddhisten, die vorwiegend im westlichen Kulturkreis leben, da eine traditionelle Ausbildung in der zölibatären, klösterlichen Zurückziehung nach Ansicht Ole Nydahls für die westliche Lebensweise wenig geeignet ist. Diese Ansicht wird nicht von allen Lamas der Karma-Kagyü-Linie und Lehrern anderer buddhistischer Gemeinschaften geteilt.

Der 16. Karmapa bescheinigte Ole Nydahl in Briefen von 1972 und 1978 die Fähigkeit, die Grundlagen der buddhistischen Lehre zu vermitteln und setzte ihn als Leiter der europäischen Karma-Kagyü Zentren ein. Ole Nydahl hat erklärt, dass der Shamar Rinpoche ihm 1982 den Lama-Titel verliehen habe[18], auf seiner Internetseite präsentiert er dazu kein Dokument. In aus den Jahren 1983, 1995 und 2006 datierten Briefen gehen die hochrangigen Kagyü-Autoritäten Khenpo Chödrak Thenpel Rinpoche und Shamar Rinpoche auf seine Lehrqualifikation ein. Im Brief von 1983 bestätigt ihn Shamar Rinpoche als buddhistischen Meister, ein Titel, der nicht mit dem Titel Lama identisch ist[19], und bescheinigt ihm die Fähigkeit, Meditationen zu leiten und Interessierte in die buddhistischen Lehren einzuführen. In den Briefen von 1995 und 2006 bestätigen ihn Shamar Rinpoche und Khenpo Chödrak Thenpel Rinpoche als Reaktion auf Zweifel an der Rechtmäßigkeit seines Titels als Lama und befinden ihn als zur Weitergabe der buddhistischen Lehre (Dharma) befähigt.[20]

Während seiner Vorträge macht Nydahl auch Aussagen zu Politik und Weltgeschehen, insbesondere zu Themen, denen seiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Er begründet das mit der Absicht, zum Nachdenken anzuregen und bei seinen Schülern politisches Verantwortungsbewusstsein zu wecken, das seiner Meinung nach mit der Annahme der buddhistischen Philosophie einhergehen sollte.[21]

So warnt Nydahl unter anderem vor dem globalen Bevölkerungswachstum, denn dieses gehe einher mit allgemeiner Verschlechterung der Lebensbedingungen sowie mit einem Verlust an Menschenwürde. Nydahl sieht einen kulturellen Gegensatz zwischen dem Islam und der westlichen Wertegesellschaft. Er kritisiert eine sich ausbreitende islamische Parallelgesellschaft und Menschenrechtsverletzungen durch die Scharia und Verbrechen, die im Namen Allahs, „dem grausamen Gott“, vollzogen würden. In einem Interview sagte Nydahl: „Judentum und Christentum sind in Ordnung. Vor dem Islam warne ich. Ich kenne den Koran und die Lebensgeschichte Mohammeds und ich glaube wir haben dafür in unserer Gesellschaft keine Verwendung“.[22] Er kritisiert dabei auch die Unterdrückung der Frau im Islam. Während des Jahrestreffens der deutschen Diamentweg-Buddhisten in Immenstadt im Allgäu im Juli 2019 bezeichneten mehrere Lokalpolitiker Nydahl wegen seiner Islamkritik als „rechtsradikal“. Nydahl verwahrt sich gegen die Vorwürfe von Fremdenfeindlichkeit und will seine Äußerungen als Kritik am „politischen Islam“ verstanden wissen; indes trifft er sich mit dem Rechtspopulisten Geert Wilders und spricht eine Wahlempfehlung für die AfD aus.[23] Nydahl bekräftigt: Im Diamantweg-Buddhismus dürfe es „keinen Platz für Rassismus und Diskriminierung geben“. Dieser Selbstbeschreibung Nydahls widerspricht (rechtskräftig) das Handelsgericht in Wien. In dem gerichtlichen Urteil wird Nydahl attestiert "pauschale und islamfeindliche Äußerungen" zu tätigen, seine "Aussagen werden von einem unbefangenen Durchschnittsleser so verstanden, dass der Kläger [Nydahl] Menschen mit islamischer Kultur feindlich gegenüber steht, sie als ungebildet und als Frauen schlagende und belästigende Menschen abstempelt."[24]

Seit 1999 werden diese Lehren durch die Deutsche Buddhistische Union (DBU) in einer offenen Stellungnahme[25] kritisiert. Nydahl wurde nicht nur vorgeworfen "auf eingebildete und militaristische Weise zu sprechen, sondern auch rechtslastig, rassistisch, sexistisch und feindselig gegenüber Ausländern zu sein."[26] Es gab seit Oktober 2000 direkte Treffen beider Seiten und „obwohl unterschiedliche Sichtweisen deutlich wurden, so zeigten doch beide Seiten Bereitschaft, aus der Vergangenheit zu lernen und Gemeinsamkeiten zu bestärken“. Anfang 2019 eskalierten die Differenzen zwischen BDD und Teilen der DBU.[27] Im Juni 2019 hat der Buddhistische Dachverband Diamantweg (BDD) schließlich seinen Austritt aus der DBU erklärt, um einem Ausschluss zuvorzukommen.[28][29]

Bee Scherer, selbst ehemaliger Schüler von Ole Nydahl[30], stellt die Praxis des Diamantweg-Buddhismus und Nydahl in den historischen Kontext der für die Karma-Kagyu-Linie charakteristischen Praxis des Essenz-Mahamudra der indischen Mahasiddhas.[31] Er beschreibt Ole Nydahl und seine Anhänger kritisch als eine „lockere, aufgedreht-gesellige und manchmal recht hedonistisch anmutende Aufmachung des Tibetischen Buddhismus für eine vorwiegend privilegierte Gefolgschaft (= weiß, heterosexuell, körperlich ohne Behinderungen, körperlich normativ, junges bis mittleres Alter, der Mittelklasse angehörig)“.[32]

Der amerikanische Tibetologe Matthew T. Kapstein bescheinigt Ole Nydahl eine „eigene Interpretation und seinen eigenen Stil, die nicht mit der traditionellen Praxis der Kagyü [Tradition] übereinstimmen.“[33]

Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit verfasste Ole Nydahl mehrere buddhistische, teils autobiographische Bücher, die in mehreren Sprachen erschienen.

Im Karmapa-Konflikt um die Nachfolge des 16. Karmapa, des Linienhalters der Karma-Kagyü-Linie, unterstützt Nydahl Thaye Dorje.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ole Nydahl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lama Ole Nydahl – Wegbereiter des Diamantweg-Buddhismus im Westen. Abgerufen am 14. August 2020.
  2. Lama Ole Nydahl: Seine Lehrer. Abgerufen am 14. August 2020.
  3. Buddhismus Heute: Die Linienhalter der Karma-Kaygü-Tradition - Teil 1. Abgerufen am 14. August 2020.
  4. Diamantweg-Buddhismus: Buddhas Lehre. Abgerufen am 14. August 2020.
  5. Lama Ole Nydahl - Die offizielle Homepage. Abgerufen am 14. August 2020.
  6. Ole Nydahl: Über alle Grenzen : wie die Buddhas in den Westen kamen. Aurum, Bielefeld 2005, ISBN 3-89901-053-1.
  7. Ole Nydahl: Die Buddhas vom Dach der Welt, S. 127ff.
  8. Mackenzie, Vicki 1998. Cave in the Snow: Tenzin Palmo's Quest for Enlightenment. Bloomsbury: New York, p. 96, 138, 139 und http://tenzinpalmo.com/jetsunma-tenzin-palmo/
  9. Anerkennungsbriefe zum Lamatitel (Homepage Nydahl)
  10. Search for a Diamond Way Buddhist Center. Abgerufen am 29. Oktober 2020 (englisch).
  11. Buddhismus in Deutschland: Meditation und Buddhas Lehre - Diamantweg. Abgerufen am 3. November 2019.
  12. Diamantweg-Stiftung
  13. Europe Center
  14. Jahresbericht 2010
  15. Satzung
  16. Vorstand und Aufsichtsrat
  17. Interview im Diners Club Magazine (Memento vom 19. September 2004 im Internet Archive) und Kagyü Life, Nr. 23 Juli 1997, S. 36
  18. Ole Nydahl: Die Buddhas vom Dach der Welt, S. 107
  19. Ole Nydahl: Die Buddhas vom Dach der Welt, S. 229
  20. Anerkennungsbriefe zum Lamatitel (Website Nydahl)
  21. Ole Nydahl über Meditation (Website Nydahl)
  22. Lama Ole Nydahl, Controversial, Unconventional Lama, Speaks Tonight (Memento des Originals vom 28. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/blogs.wweek.com
  23. Philipp Wurm: Buddhisten in der DDR: Erleuchtet im Arbeiter- und Bauernstaat. In: Der Spiegel. Abgerufen am 17. März 2021.
  24. Monika Millet: Im Namen der Republik. Handelsgericht Wien, Abteilung 30, 21. November 2019, abgerufen am 25. Januar 2021.
  25. Lotusblätter 13/1999, Nr. 4, S. 64f.
  26. Oliver Freiberger: Inter-Buddhist and Inter-Religious Relations in the West. Hrsg.: Journal of Global Buddhism. 2001, S. 65 (info-buddhismus.de [PDF]).
  27. Frank Hendrik Hortz: Fliegt der Diamantweg nun aus der DBU? Abgerufen am 10. März 2019.
  28. Austrittserklärung des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg aus der DBU e. V. Abgerufen am 8. Oktober 2019.
  29. Stellungnahme des Vorstands der DBU zum Austritt des BDD aus der DBU -Buddhismus Deutschland. Abgerufen am 22. Oktober 2020.
  30. https://web.archive.org/web/20110812232525/http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=156968
  31. Burkhard Scherer: Interpreting the Diamond Way: Contemporary Convert Buddhism in Transition. in: Journal of Global Buddhism 10/2009, S. 17ff. https://web.archive.org/web/20100613162852/http://www.globalbuddhism.org/contents.html
  32. tenzin: Ole Nydahl hetzt, und die DBU schweigt (2018) bei buddhismus-kontrovers.info
  33. Joe Orso: Lama Ole: Buddhist teacher or charlatan? In: lacrossetribune.com. 15. November 2009, abgerufen am 25. Januar 2021 (englisch).