Olympos (Lykien)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 36° 23′ 46″ N, 30° 28′ 28″ O

Reliefkarte: Türkei
marker
Olympos
Magnify-clip.png
Türkei

Olympos ist eine antike Stadt an der Ostküste Lykiens (Kleinasien, Türkei) - heute Deliktaş (Lochstein) genannt. Der Name leitet sich von dem Berg Olympos ab, dem heutigen Tahtalı Dağı, an dessen Fuß die Stadt lag.

Sie ist von Antalya rund 72 km entfernt und liegt, wie auch Phaselis, im Nationalpark Olimpos Beydağları. Von der einst bedeutenden Stadt des Lykischen Bundes ist historisch nur Weniges greifbar und auch die Ruinen faszinieren mehr durch ihre malerische Lage an einem Bachlauf in Strandnähe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olympos

Olympos wurde als Bergstadt auf dem heute Musa Dağı genannten Berg südlich seines Hafens Korykos gegründet, der ab etwa 130 n. Chr. von Kaiser Hadrian den Namen übertragen bekam. Der Grund dafür war die Stagnation der Bergstadt, nun Hadrianopolis genannt, während der Hafen im Frieden des römischen Reichs florierte.[1]

Bauten und Münzprägung legen eine Gründung in hellenistischer Zeit nahe. Als bedeutendes Mitglied des Lykischen Bundes wird sie zu Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt, fiel aber ebenso wie das nahe gelegene Phaselis den Piraten zum Opfer, die sich unter Führung eines gewissen Zeniketes hier einnisteten. 77 v. Chr. wurden die Piraten von Publius Servilius Vatia (Isauricus) vernichtend geschlagen und als Zeniketes in seiner Festung auf dem Olympos keinen Ausweg mehr sah, setzte er sein Haus in Brand und verbrannte sich und seine Familie.

Berühmt war Olympos wegen seines Kultes für Hephaistos, der im unmittelbaren Zusammenhang mit den nahe gelegenen "ewigen Feuern" der Chimaira zu sehen ist.

In den Jahren 141 und 240 n. Chr. wurden Olympos und diverse andere Städte der Region von starken Erdbeben getroffen.[2] Im 3. Jahrhundert n. Chr. wird Olympos als Bischofssitz erwähnt. Im Jahre 542 traten weitere Erdbeben auf und wiederholten sich unregelmäßig bis ins 8. Jahrhundert. Während der Kreuzzüge im 11. und 12. Jahrhundert nahmen Venedig, Genua und Rhodos die Stadt ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit nutzten sie dazu sowohl die Akropolis als auch die Genueser Burg am östlichen Ufer der Stadt, die sie auch zur Verteidigung ausbauten. 1346 und 1347 wurde neben mehreren Städten der Region auch Olympos von diversen Pest-Epidemien heimgesucht, die stellenweise bis zu 50 % der Bevölkerung auslöschten. Mit der Einnahme durch die Osmanen im 15. Jahrhundert fand keine Besiedlung mehr statt. Im 18. und 19. Jahrhundert, sowie am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Stadt von nomadischen Yörüken als Winterquartier benutzt.

Überlieferungen der lokalen Bevölkerung von Yazır zufolge baute um 1850 ein Mann namens Kıbrıslı Hacı Hasan auf der südlichen Hafenstraße eine Wassermühle, wozu er Baumaterial der antiken Gebäude benutzte.

Das Fehlen neuzeitlicher Besiedlung führte dazu, das große Teile der alten Bausubstanz erhalten geblieben sind.[3]

Ruinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olympos liegt, lange Zeit völlig vergessen, zu beiden Seiten eines kleinen Bachlaufes, an dem noch Reste einer Brücke zu sehen sind, die beide Stadtteile miteinander verband. Die noch bestehenden Baureste sind stark verfallen und weitgehend überwuchert, wie das kleine römische Theater. Ein früherer See ist heute versumpft – hier befinden sich die Reste eines Tempels aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Bemerkenswert ist die Nekropole mit zahlreichen Gräbern und Inschriften, die aber keine lykischen Merkmale aufweisen.

Neben den Resten einer byzantinischen Basilika zeugen noch auf einem Hügel gelegene Besiedlungsreste von der Verarmung der Siedlung im Mittelalter. Dazu kommen im Zuge der Grabungskampagne von 2000 bis 2006 freigelegte Sarkophage, die allerdings erhebliche Zerstörungen aufweisen.

Außer den Ruinen ist der nahegelegene, ca. drei Kilometer lange Kieselstrand bei Besuchern eine weitere Attraktion von Olympos.

Tempel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tempel, Olympos

Im Norden der Stadt befinden sich die Reste eines Gebäudes, das von frühen Forschern der Region, George Bean und Cevdet Bayburtoğlu, aufgrund des monumentalen Tores und architektonischer Eigenheiten an der Vorderseite als Tempel identifiziert wurde. Die Inschrift an den Resten einer Statue vor dem Gebäude deutet auf ein Erbauungsjahr um 175 v. Chr. hin. Außerdem geht aus dieser Inschrift hervor, dass die Statue zu Ehren des Kaisers Mark Aurel errichtet wurde. Die einzige gut erhaltene Struktur ist das angesprochene Tor mit einer Höhe von 4,88 m, das an den Seiten des Torsturzes mit Akanthus-Ornamenten und einer unfertigen Reihe eines Perlenmotivs verziert ist. Bemerkenswert ist das unverputzte Mauerwerk, das in mehreren lykischen Städten zu finden ist.[2]

Nekropolis im Norden der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zur Nekropole im Süden der Stadt sind die einzelnen Grabbauten nicht miteinander verbunden, sondern bestehen aus einzelnen Gebäuden. 113 Gräber konnten identifiziert werden. Bestattungen wurden ab dem 1. Jahrhundert bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts vorgenommen. Ab dem 4. Jahrhundert wurden entlang der Straße, die die Nekropole durchzieht, vermehrt Wohngebäude mit großen Höfen für die wohlhabenden Bürger der Stadt errichtet. Einige dieser Gebäude liegen nah an den Grabbauten, einige wurden aus dem Material derselben gebaut. Ihre jetzige Form erhielt die nördliche Nekropole ab dem 5. Jahrhundert.[4]

Alkestis-Sarkophag (südliche Nekropole)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alkestis Sarkophag

Der reich verzierte Alkestis-Sarkophag des Aurelius Artemias und seiner Familie besteht aus lokalem Kalkstein. Er befindet sich in der südlichen Nekropole und der Deckstein imitiert das Dach eines Hauses und dessen Attika. Reliefs auf dem Sarkophag zeigen Eros, Nike und den Kopf der Medusa. Auf einer Tabula Ansata befinden sich griechische Inschriften über die Besitzer des Sarkophags. Darunter ist eine "Dextrarum Iunctio"-Szene (Handschlag) zwischen Frau und Mann eingearbeitet, die im alten Rom eine Eheverbindung symbolisierte. Auf der kurzen Seite ist neben einer weiblichen Figur mit Chiton/Himation der Heil- und Orakelgott Herakles, sowie darüber eine geflügelte männliche Figur abgebildet (siehe Bild). Der Sarkophag ist auf den Zeitraum zwischen 180 und 200 n.Chr. datiert.[5]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keine 100 Kilometer südwestlich von Antalya liegt die rund drei Kilometer lange Bucht von Çıralı/Olympos. Sie ist bei Rucksacktouristen beliebt. Der Zugang zum Strand ist durch die Ruinen möglich und kostenpflichtig. Der Strand ist ein Seeschildkrötenbrut- und Schutzgebiet.

Der Ort Olympos ist von der Straße KemerKumluca (E90) per Dolmuş zu erreichen. In der Ferienzeit ist es nachts möglich, mit dem Bus nach Chimaira bei Çıralı zu fahren, wo eine Erdgaslagerstätte einen seit Jahrtausenden stattfindenden Erdbrand speist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Olympos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mustafa Adak: Lokalisierung von Olympos und Korykos in Ostlykien. In: Gephyra, Bd. 1 (2004) PDF.
  2. a b Diverse: A Pirates' Town in Lycia - Olympos, an archaeological guide. Homer Kitabevi ve Yayıncılık Ltd. Şti., 2006, ISBN 975-8293-95-8, S. Istanbul.
  3. Doç. Dr. B. Yelda Olcay Uçkan: Olympos. In: Kumluca Belediyesi (Hrsg.): Kumluca - Rhodiapolis, 50. Kuruluş Yıldönümü anısına. Antalya 2008, ISBN 978-975-7094-16-6, S. 101–112.
  4. Grabungsstätte Olympos (Olympos Kazısı) Hinweistafel: Nördliche Nekropole
  5. Grabungsstätte Olympos (Olympos Kazısı) Hinweistafel: Alkestis Sarkophag