Opus signinum

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Opus signinum-Brocken aus der Römischen Villa Haselburg bei Höchst i. Odw.
Rekonstruktion eines römischen Opus signinum im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim
Das Aquädukt von Itálica in der Nähe von Seville war mit Opus signinum ausgekleidet.

Opus signinum (lat. für „Werk aus Signia“, Ort in der Region Latium, heute Segni) bezeichnet einen wasserdichten Estrich zum Verputzen von Böden und Wänden, der seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. in der römischen Baukunst in Verwendung war. Heute wird die entsprechende Technik in Italien Cocciopesto genannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er besteht aus einem Gemisch von groben und feinen Sandsorten, Kalkmörtel, Ziegelmehl sowie Kies, Terracotta- oder Keramikfragmenten und -soweit regional verfügbar- natürlichen Puzzolanen.

Die Zuschläge wurden auf eine passende Größe heruntergebrochen, verteilt und mit einer Handramme verdichtet.[1]

Plinius der Ältere beschreibt in Naturalis Historia die Herstellung: „Sogar zerbrochene Töpferwaren wurden verwendet; man fand, dass diese, zu Pulver zerstoßen und mit Kalk vermischt, eine härtere und haltbarere Masse ergeben, als andere Substanzen ähnlicher Natur; es bildet den als Signine bekannten Zement, der so beliebt ist, dass sogar die befestigten Flächen an Gebäuden daraus gefertigt werden.“[2]

Der erhärtete Estrich wurden mit einer Schicht aus Leinöl, in Rotwein gelöschtem Kalk, Wachs oder Teer überzogen und solange bearbeitet, bis die Oberfläche glatt wie Marmor wurde.

Das Leinöl bildet mit dem noch nicht abgebundenen Calciumhydroxid weitgehend wasserunlösliche Kalkseifen, die auch bei der Tadelakt-Verputztechnik genutzt werden und die Oberfläche relativ wasserdicht machen.

Weite Verbreitung erlangte Opus signinum als einfachste und ursprünglichste Form der Bodengestaltung in römischen Häusern. Hierfür wurden in den Estrich weiße oder schwarze (selten bunte) Steinwürfel, Kiesel oder Scherben zu unstrukturierten Flächen oder ornamentalen Mosaiken zusammengesetzt.

Darüber hinaus fand Opus signinum auf Grund seiner Wasserundurchlässigkeit beim Ausbau von Aquädukten, Wasserbecken und Brunnen Anwendung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Technik entwickelte sich vor 256 v. Chr. in Nordafrika und verbreitete sich nach Sizilien und schließlich auf die italienische Halbinsel.[3][4] Signinum-Fußböden waren in den punischen Städten Nordafrikas weit verbreitet,[5] ebenso wie vielfach auch in hellenistischen Gebäuden Siziliens.[6]

Obwohl auch in Rom mit Opus signinum befestigte Flächen gefunden wurden, fand die Technik dort keine weite Verbreitung.[7] Im ersten Jahrhundert v. Chr. wurde Signinum sowohl in Privathäusern wie auch in öffentlichen Gebäuden immer beliebter,[8] wurde aber im zweiten Jahrhundert n. Chr. von stärker gemusterten Oberflächenbelägen abgelöst.

Vitruv beschrieb den Herstellungsprozess von Fußböden aus Mosaikfliesen und Signinum.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Opus signinum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Signīnum Opus. In: Harry Thurston Peck (Hrsg.): Harpers Dictionary of Classical Antiquities. 1898.
  2. Plinius der Ältere: Naturalis historia. Buch 35, Kapitel 46.
  3. Barbara Tsakirgis: The Decorated Pavements of Morgantina II: The Opus Signinum. In: American Journal of Archaeology. Bd. 94, Nr. 3 (Juli 1990), S. 425-443 (JSTOR 505795).
  4. ”The houses at Kerkouane on Cap Bon in Tunisia have opus signinum floors. The floors must date before 256 B.C., since the town was destroyed in that year by Regulus. Kerkouane I 79.“ Zitiert nach H. Joyce: Form, Function and Technique in the Pavements of Delos and Pompeii. In: American Journal of Archaeology. Bd. 83 (1979), S. 259.
  5. Beispiele in Nordafrika: D. Harden: The Phoenicians. London 1962, S. 133-34; T. Carter: Western Phoenicians at Lepcis Magna. In: American Journal of Archaeology. Bd. 69 (1965), S. 128, Abb. 33; M. Fantar: Pavimenta Punica et signe dit de Tanit dans les habitations de Kerkouane. In: Studi Magrebini. Bd. 1 (1966), S. 57-65; S. Lancel: Les Pavimenta Punica du quartier punique tardif de la colline de Byrsa. In: Cahiers des etudes anciennes. Bd. 17 (1985), S. 157-77.
  6. Beispiele auf Sizilien. Agrigento: R.P. Jones und E.A. Gardner, in: JHS. Bd. 26 (1906), S. 207-12; E. Gabrici, in: NSc. 1925, S. 425-37; Avola: M.T. Currò, in: BdA. Bd. 51 (1966), S. 94; Gela: D. Adames-teanu, in: NSc. 1956, S. 346; Heraclea Minoa: E. De Miro, in: Kokalos. Bd. 12 (1966), S. 227; Monte Iato: H.P. Isler, in: AntK. Bd. 26 (1983) S. 39; Solunto: M. deVos, in: BABESCH. Bd. 50 (1975) S. 195- 224; Syrakus: G. Gentili, in: NSc. 1951, S. 156-57 und NSc. 1957 S. 282, 292; Tindari: L. Bernabò Brea, in: BdA. Bd. 50 (1965), S. 207.
  7. M.L. Morricone Matini: Mosaici antichi in Italia: Pavimenti di signino repubblicani di Roma e dintorni. Rom 1971.
  8. F. Sear: Roman Wall and Vault Mosaics. Heidelberg 1977.
  9. Vitruv: De Architectura. Buch VII.