Oskar Waldrich

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E. H. Oskar Waldrich (* 3. Juni 1880; † 18. September 1967 in Limburg an der Lahn) war ein deutscher Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldrich trat als 26-Jähriger nach Beendigung von Studium und Praktika in die väterliche Maschinenfabrik H. A. Waldrich KG auf der Sieghütte in Siegen ein. 1919 übernahm er die alleinige Leitung des Unternehmens. 1933 trat er der NSDAP bei. Er war Mitglied der SA, dort zuletzt Obersturmbannführer, des NSFK, dort zuletzt Hauptsturmbannführer, und des Reichskolonialbunds (RKB).[1] 1938 erwarb er die fortan sowohl als Familiensitz als auch als Gästehaus für die Firma Waldrich genutzte Villa Waldrich in Siegen.

Nach NS-Ende wurde Waldrich von der britischen Militärregierung als NS-belastet verhaftet (1945) und interniert (1945–1946).[2] Im anschließenden Entnazifizierungsverfahren wurde er 1947 in die in den Massenverfahren ungünstigste Kategorie III eingestuft. Er wurde als „Aktivist“, „Militarist“ und „Kriegsverbrecher“ gewertet und als „brutaler Gewaltmensch mit grenzenlosem Geltungsbedürfnis“ beschrieben. Seinerseits bezeichnete er die Mitglieder des Ausschusses als „Lumpen, die er in die Fresse schlagen wollte.“ 1949 hatte sich das Bild gewendet. Im Berufungsverfahren hieß es nun, „aus eidesstattlichen Erklärungen und aus den Bekundungen der vernommenen Zeugen“ gehe „zweifelsfrei“ hervor, dass er „politisch … überhaupt nicht interessiert und … vor allen Dingen als Nazi nicht in Erscheinung getreten“ sei. Nun kam er in die Mitläufer-Kategorie IV, musste allerdings „Gebühren“ in Höhe von DM 1.000 zahlen.[3] Fünf Jahrzehnte später kam der Politikwissenschaftler Gerhard Hufnagel in einer für die Siegerländer metallindustriellen Unternehmerverbände erarbeiteten und von ihnen finanzierten Schrift mit zahlreichen Unternehmerporträts vergleichend zu dem Schluss, Waldrich habe sein Werk und sein soziales Kapital dem NS-Regime bereitwillig zur Verfügung gestellt.[4]

1954 gründete Waldrich als Tochterunternehmen der Waldrich Werkzeugmaschinenfabrik die Kabelschlepp GmbH in Siegen, deren Unternehmensgegenstand das Patent zu Energieführungsketten aus Stahl darstellte und die sich heute zu einem so genannten Global Player mit Auslandsvertretungen und Tochtergesellschaften in über 50 Ländern entwickelt hat.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1933 erhielt Waldrich ehrenhalber den Titel Dr.-Ing. E. h. der Technischen Hochschule Karlsruhe, und seit 1950 war er "Ehrenbürger" der Technischen Hochschule Aachen. Er wurde zum Wehrwirtschaftsführer berufen und sein Unternehmen mit dem Prädikat „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“ ausgezeichnet. 1943 erhielt er das Kriegsverdienstkreuz Erster Klasse.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein, Artikel Oskar Waldrich.
  2. Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein, Artikel Oskar Waldrich.
  3. Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein, Artikel Oskar Waldrich.
  4. Gerhard Hufnagel, Interesse und Verantwortung, Siegen 2000, S. 414f.
  5. Sachon Fachzeitschriftenarchiv (PDF).
  6. Regionales Personenlexikon zum Nationalsozialismus in den Altkreisen Siegen und Wittgenstein, Artikel Oskar Waldrich; Waldrich, Siegen. Großwerkzeugmaschinen. Festschrift für Oskar Waldrich zu seinem 80. Geburtstag am 3. Juni 1960, o. O. 1960.