Ostro

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Koordinaten: 51° 13′ 1″ N, 14° 11′ 32″ O
Höhe: 196 m ü. NHN
Einwohner: 278 (31. Dez. 2016)
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 01920
Vorwahl: 035796
St.-Benno-Kirche in Ostro

Ostro, obersorbisch Wotrow, ist ein Dorf im ostsächsischen Landkreis Bautzen. Es zählt zur Oberlausitz und befindet sich im Kernsiedlungsgebiet der Sorben. Die zur Gemeinde Panschwitz-Kuckau gehörige Ortschaft hat 271 Einwohner[1] und ist eine der ältesten urkundlich erwähnten Siedlungen der Oberlausitz. Die Mehrheit der Einwohner spricht Sorbisch als Muttersprache.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostro liegt im Südwesten der Oberlausitz, etwa fünf Kilometer östlich von Elstra und gut zwei Kilometer südlich von Panschwitz-Kuckau. Der Ort zählt zum „Oberland“ (Horjany) der ehemaligen Klosterpflege St. Marienstern und befindet sich am westlichen Hang des Klosterwasser-Tales. Auf der anderen Seite des Flüsschens erhebt sich die Ostroer Schanze. Der Ort befindet sich zwischen 183 und 220 Metern über dem Meeresspiegel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Dorfes befindet sich eine gut erhaltene vorgeschichtliche Schanze. Sie wurde von Leuten der eisenzeitlichen Billendorfer Kultur vor etwa 2500 Jahren angelegt. Die Sorben nahmen die Reste des spätestens seit dem 4. Jahrhundert verlassenen Befestigungswerks in Besitz, als sie sich im 8. Jahrhundert im Gebiet der Oberlausitz niederließen. In dieser Zeit wurde die Schanze in einer kleineren Version neu errichtet. Mit einer Fläche von 2,5 ha war diese Großburg anscheinend der Hauptort der Milzener, bevor sie von Bautzen abgelöst wurde. Vom späteren Kamenz kommend wurde das umliegende Gebiet von den Trassenzügen der Via regia durchquert. Im 12. Jahrhundert hatte sich die Burg überlebt und war nicht mehr zu halten. Sie wurde durch eine 150 m südöstlich gelegene Turmhügelbefestigung abgelöst.

Von 1076 bis 1559 gehörte das Dorf zur Pfarrei Göda. Als in der Pfarrkirche von Göda die Reformation eingeführt wurde, blieben die Bewohner Ostros katholisch und wurden nach längeren Auseinandersetzungen zwischen den evangelischen Ständen der Oberlausitz und dem sächsischen Kurfürsten auf der einen und dem Domstift St. Petri in Bautzen als Ortsherrschaft auf der anderen Seite der katholischen Pfarrei Crostwitz zugeordnet.

1755 kaufte Bischof Jakob Wosky von Bärenstamm ein Bauerngut im Ort und ließ ein Pfarrhaus errichten. Ostro wurde eigenständige Pfarrei. 1772 wurde der Bau der St. Bennokirche vollendet. Bischof Wosky gründete 1764 auch die Ostroer Schule. Der ursprüngliche Bau wurde 1836 durch einen Neubau ersetzt, der aber 1841 einstürzte. Das im folgenden Jahr errichtete Schulhaus erhielt 1925 einen Anbau zur Erweiterung. Heute dient das Schulhaus als Treffpunkt der Dorfgemeinschaft.

1910 hatte Ostro 287 Einwohner; fast alle gaben bei der in diesem Jahr vorgenommenen sächsischen Volkszählung Sorbisch als Muttersprache an.

Der bedeutende sorbische Dichter Jakub Bart-Ćišinski wurde 1909 auf dem Ostroer Friedhof beerdigt. An ihn erinnert ein dort 1969 errichtetes Denkmal.

Bis 1994 war Ostro eine eigenständige Landgemeinde mit den Ortsteilen Neustädtel (ab dem 1. Juli 1950), Cannewitz und Säuritz (ab 1974). Dann wurde es nach Panschwitz-Kuckau eingemeindet.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Ortsnamen leiten Ernst Eichler und Hans Walther vom altslawischen Wort für „Insel“ oder „Werder“ (vgl. tschechisch ostrov) ab. Diese Deutung berücksichtigt die Lage der Burg Ostro hoch über dem Klosterwasser, das sie auf drei Seiten umfließt.[2]

Bevölkerung und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 258, darunter ausnahmslos Sorben.[3] Ernst Tschernik zählte 1956 in der Gemeinde Ostro (mit Neustädtel) einen sorbischsprachigen Bevölkerungsanteil von noch 85,2 %.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angabe für 2014 von am-klosterwasser.de
  2. Ernst Eichler und Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Akademie-Verlag, Berlin 1975
  3. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 99.
  4. Ludwig Elle: Sprachenpolitik in der Lausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, S. 251.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Coblenz: Ostro und seine Schanze. (= Veröffentlichungen des Museums der Westlausitz Kamenz, Sonderheft). Kamenz 1991. ISBN 3-910018-08-4.
  • Jan Meškank: Wotrow a wokolina. Přinošk k wjesnej chronice. Budyšin 1958.
  • Reinhard Spehr: Christianisierung und früheste Kirchenorganisation in der Mark Meißen. Ein Versuch. In: Judith Oexle (Hrsg.): Frühe Kirchen in Sachsen. Ergebnisse archäologischer und baugeschichtlicher Untersuchungen (Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie und Landesmuseum für Vorgeschichte 23) Stuttgart 1994, S. 8–63. ISBN 3-8062-1094-2.
  • Cornelius Gurlitt: Ostro. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 35. Heft: Amtshauptmannschaft Kamenz (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1912, S. 268.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ostro/Wotrow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien