Otto Erdmannsdörffer

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Otto Heinrich Erdmannsdörffer (* 11. März 1876 in Heidelberg; † 19. April 1955 ebenda) war ein deutscher Geologe und Mineraloge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war der Sohn des Historikers Bernhard Erdmannsdörffer und ging in Heidelberg zur Schule. Er studierte in Heidelberg und Straßburg Naturwissenschaften und speziell Geologie. In Straßburg waren die Geologen Hugo Bücking und Ernst Wilhelm Benecke seine Lehrer, in Heidelberg der Physiker Georg Hermann Quincke, der Mathematiker Leo Koenigsberger, der Geologe Karl Heinrich Rosenbusch und der Chemiker Theodor Curtius. 1900 wurde er bei Rosenbusch in Heidelberg promoviert (mit einer Arbeit über das Kristallin des Schwarzwalds) und ging 1901 an die Preußische Geologische Landesanstalt, für die er unter anderem im Harz kartierte (Blätter Harzburg, Wernigerode, St. Andreasberg). 1908 habilitierte er sich in Mineralogie und Petrographie an der Universität Berlin bei Carl Klein, wo er Privatdozent für Mineralogie und Petrographie wurde. 1912 wurde er Professor für Mineralogie und Petrographie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover und 1926 an der Universität Heidelberg, wo er 1931 Rektor war, das Mineralisch-Petrographische Institut leitete, dreimal Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät war, 1931/32 Rektor war und 1948 emeritiert wurde. Er war zwar von seinem Lehrstuhl schon zurückgetreten, stellte sich aber für den Wiederaufbau seines Heidelberger Instituts nach dem Krieg zur Verfügung.

Neben dem Harz (u.a. Brockenmassiv) und Schwarzwald befasste er sich mit metamorphem Gestein in Mazedonien, wo er im Ersten Weltkrieg als Wehrgeologe war, und der Entstehung von Alkaligesteinen am Natronsee in Ostafrika und zuletzt mit dem Kristallin des Odenwalds. Eine zentrale Rolle in seiner Forschung nahm später das Granitproblem ein, also Hypothesen über die Entstehung von Graniten und Dioriten. Insgesamt war er weniger Theoretiker, sondern bevorzugte Feldstudien und mikroskopische petrographische Untersuchungen.

Er war Herausgeber der Heidelberger Beiträge zur Mineralogie und Petrographie.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1925 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[1] Er war seit 1926 ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und von 1935 bis 1937 deren Sekretar.[2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundlagen der Petrographie, Enke 1924
  • mit Walter Schriel, Fritz Dahlgrün: Geologischer Führer durch den Harz, 2 Bände, Borntraeger, Sammlung Geologischer Führer, 1925
  • mit Cl. Lebling, K. Leuchs und anderen: Südostmazedonien und Kleinasien, Borntraeger 1925

Einige Aufsätze:

  • Die devonischen Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg und ihre Umwandlung im Kontakthof des Brockenmassivs, Jahrbuch Kgl. Preuß. Geol. Landesanst, Band 25, 1904, S. 1-74
  • Über Bau und Bildungsweise des Brockenmassivs, Jahrbuch Kgl. Preuß. Geol. Landesanst, Band 26, 1906, S. 379-405
  • Beiträge zur chemisch-petrographischen Kenntnis des Brockenmassivs, Jahrbuch Kgl. Preuß. Geol. Landesanst, Band 27, 1906, S. 341-373.
  • Die silurischen Diabase des Bruchberg-Ackerzuges, Jahrbuch Kgl. Preuß. Geol. Landesanst, Band 29, 1908 S. 1-22.
  • Der Eckergneis im Harz, Jahrbuch Kgl. Preuß. Geol. Landesanst, Band 30, 1909, S. 324-387.
  • Die Einschlüsse des Brockengranits, Jahrbuch Kgl. Preuß. Geol. Landesanst, Band 32, 1911, II, S. 311-382.
  • Die Syenite des Radautales im Harz als palingene Eruptiva, Sitzgsber. Heidelberger Akad. Wiss., math.-naturwiss. Kl., 1930, S. 1-61.
  • Die Rolle der Anatexis, Sitzgsber. Heidelberger Akad. Wiss., math.-naturwiss. Kl., 7. Abh., 1939, S. 3-72.
  • Die Diorite des Bergsträsser Odenwaldes und ihre Entstehungsweise, Heidelberger Beitr. Mineral. u. Petrogr., Band 1, 1948, S. 37-85.
  • Die Entwicklung und jetzige Stellung des Granitproblems, Heidelberger Beitr. Mineral. u. Petrogr., Band 2, 1950, S. 334--377.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hoenes: Otto Heinrich Erdmannsdörffer in memoriam, Heidelberger Beiträge zur Mineralogie und Petrographie, Band 4, Heft 5, 1954/55, S. I-XIV (mit Publikationsverzeichnis)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751-2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 77.
  2. Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung 1909. Otto Heinrich Erdmannsdörffer. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 12. Juli 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]