Wehrgeologie

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Wehrgeologie, auch Militärgeologie, bezeichnet die Anwendung der Geologie für militärische Zwecke.

Entwicklung der Wehrgeologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologische Untersuchungen werden seit langer Zeit im Rahmen von militärischen Unternehmungen eingesetzt. Die Wichtigkeit geologischer Zusammenhänge für Militäraktionen war zum Beispiel im China der Tang-Dynastie (618 – 907) bereits bekannt. Der erste Einsatz von ausgebildeten Geologen für militärische Zwecke geht auf Napoleon zurück, der bei seinem Ägypten-Feldzug von 1798 zwei Geologen mitnahm.[1] Als Begründer der wissenschaftlichen Disziplin der Wehrgeologie wird der Schweizer Geologe, Oberberghauptmann und Major Johann Samuel von Gruner (1766–1824) bezeichnet, dessen Schrift Verhältnis der Geognosie zur Kriegswissenschaft posthum im Jahr 1826 erschien.[2]

Im 19. Jahrhundert hatte Geologie im militärischen Zusammenhang vor allem für den Brunnenbau, insbesondere auf kolonialen Kriegsschauplätzen Bedeutung. Im Ersten Weltkrieg kam der verbreitete Tunnelbau des Grabenkrieges dazu. Von spezieller Bedeutung war die Wehrgeologie im Karst-Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Die hier vorkommenden, oft kilometerlangen Höhlen wurden in einigen Fällen militärisch genutzt oder spielten eine Rolle bei Partisanenaktionen – so zum Beispiel die Adelsberger Grotten –, so dass ihre Erkundung und geologische Aufnahme von militärischer Bedeutung war.[3]

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs bestanden in einigen Ländern bereits spezielle wehrgeologische Einheiten. So wurde etwa die militärgeologische Abteilung des USGS im Jahr 1942 gegründet.[4] Eine der Aufgaben von Wehrgeologen im Zweiten Weltkrieg war zum Beispiel die Bewertung des Untergrunds für die Befahrbarkeit mit Panzern.

Während des Kalten Krieges diente die Wehrgeologie in Westeuropa überwiegend zur Vorbereitung von militärischen Übungen sowie zur Planung des Baus von Stützpunkten und (auch ziviler) Infrastruktur wie Straßen und Eisenbahnlinien. Zunehmend begann auch der Umweltschutz eine Rolle zu spielen, und seit dem Ende des Jahrhunderts die Auswertung der Daten von Erdbeobachtungssatelliten.

Seit den 1990er Jahren erhält die Wehrgeologie für europäische Streitkräfte Bedeutung für Auslandseinsätze, unter anderem für den Aufbau von Trinkwasser- und Stromversorgung, Abwasserentsorgung und den Straßenbau, im Rahmen von CIMIC-Aufträgen auch für die zivile Bevölkerung. Diese Leistungen sowie die Unterstützung in Fragen der Landwirtschaft und der Schutz von Kulturgütern im Einsatzland macht die Wehrgeologie zum Element der psychologischen Kriegsführung.

Wehrgeologie in der Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff kam in Deutschland in der Gründungsphase der Bundeswehr in den 1950er Jahren auf und bezeichnete damals vor allem die geologische Vorbereitung bei der Planung von militärischen Übungen. In den 1960er Jahren kam die Beratung bei der Auswahl von Standorten und beim Bau neuer Bundeswehreinrichtungen dazu. Seit Ende der 1980er Jahre konzentriert sich die Wehrgeologie der Bundeswehr auf Fragen des Umweltschutzes, insbesondere auf das Verringern der Umweltbelastung bei Übungen und auf das Aufspüren und Bewerten von Wehr-Altlasten. Nach der deutschen Wiedervereinigung kam auch die Verantwortung für Altstandorte der Nationalen Volksarmee sowie aufgegebene Einrichtungen der alliierten Streitkräfte dazu.

Organisatorisch war die Wehrgeologie der Bundeswehr zunächst den Luftwaffenunterstützungseinheiten und den Beratungsstellen des geophysikalischen Dienstes zugeordnet. Seit 1991 existieren sieben Wehrgeologische Stellen (WehrGeolSt) in Eggersdorf, Fürstenfeldbruck, Glücksburg, Karlsruhe, Köln-Wahn, Münster und Oldenburg. Übergeordnete Stelle ist das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr (ZGeoBw) in Euskirchen.

Wehrgeologie in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Österreichischen Bundesheeres übernimmt das Institut für Militärisches Geowesen unter anderem geologische Aufgaben.[5]

Daneben existiert seit 1984 eine Arbeitsgruppe Wehrgeologie der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Die Aufgaben der Arbeitsgruppe liegen in der Bereitstellung grundlegender geologischer Informationen mit militärischem Bezug, so etwa Informationen zur Geländebefahrbarkeit für Ketten- und Räderfahrzeuge, zur Grabbarkeit und dem Einsatz von Baumaschinen, zur Baumaterialgewinnung und schließlich für die Trinkwassernotversorgung.[6]

Wehrgeologie in der Schweizer Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Armee führt den Geologen als Funktionsbezeichnung.[7] Geologische Expertise war und ist im gebirgigen Terrain der Schweiz unerlässlich. Dies betrifft nicht nur die geologische Beratung im Rahmen von Projekten wie des Schweizer Reduits, sondern auch Beratung von Spezialeinheiten wie dem Katastrophenhilfebataillon oder Unterstützung der Bausappeure und der Genietruppen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Wolkersdorfer: Aktuelle Probleme der Wehrgeologie. In: Nachrichten der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Band 50, 1993, S. 146–149 (wolkersdorfer.info [PDF]).
  • Friedrich Teichmann: Von der traditionellen Wehrgeologie zur Civil-Military-Cooperation (CIMIC). In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt. Band 56, 2001, S. 101 f. (Online [PDF]).
  • Marko Zečević, Enio Jungwirth: The Influence of Geology on Battlefield Terrain and it’s Affects on Military Operations in Mountains and Karst Regions: Examples from Ww1 and Afghanistan. In: Rudarsko-geološko-naftni zbornik. Band 19. Zagreb 2007, S. 57–66 (srce.hr [PDF]).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. William Leith: Military Geology in a Changing World. In: Geotimes. American Geological Institute, Februar 2002, abgerufen am 7. November 2009.
  2. Hermann Häusler und Ewald Kohler: Der Schweizer Geologe, Oberberghauptmann und Major Johann Samuel Gruner (1766–1824) – Begründer der Militärgeologie. In: Minaria – Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Historische Bergbauforschung. 23a/2003, 2003, ISSN 1018-7421 (Zusammenfassung).
  3. Karsten Plewnia: Deutsche „Höhlen“-Forschung und Nationalsozialismus. (Arbeitstitel) (Dissertation). In: Arbeitskreis Militärgeschichte e. V. (Hrsg.): newsletter. Jg. 14, Nr. 1, 2009, S. 19–20 (akmilitaergeschichte.de [PDF]).
  4. Joseph M. Duracinsky: USGS Military Branch History. (PDF; 203 kB) Abgerufen am 7. November 2009.
  5. Institut für Militärisches Geowesen. Abgerufen am 7. November 2007.
  6. Gerhard L. Fasching: Von der Militärgeographie zum Institut für Militärisches Geowesen. Abgerufen am 7. November 2009.
  7. Funktionen in der Schweizer Armee. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, 2. April 2009, archiviert vom Original am 22. November 2009; abgerufen am 7. November 2009.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]