Pötzleinsdorfer Schlosspark

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Pötzleinsdorfer Schlosspark

Der Pötzleinsdorfer Schlosspark (auch: Pötzleinsdorfer Park) ist eine Parkanlage im 18. Wiener Gemeindebezirk Währing.

Lage[Bearbeiten]

Der Park dehnt sich entlang des Nordhanges des Schafbergs ellipsenförmig zwischen Pötzleinsdorfer Straße und Geymüllergasse im Norden sowie Ladenburghöhe und Schafberggasse im Osten und Süden aus. Im Westen wird er durch einen nicht benannten Weg, der vom Westende der Ladenburghöhe zum Westende der Pötzleinsdorfer Straße führt, begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Parkeingang in Pötzleinsdorf, um 1830 Stich von Franz Barth
Das Schweizerhaus in Pötzleinsdorf, 1834/1853 Stich von Vinzenz Reim
Der griechische Tempel
Eine der Statuen des „Singenden Quartetts“ von der Attika des Ringtheaters

Die im Stil eines englischen Landschaftsgartens gehaltene rund 354.000 Quadratmeter große Anlage befand sich bis 1935 in Privatbesitz. Der Park wurde bereits im achtzehnten Jahrhundert durch Philippina von Herberstein angelegt und ab 1797 durch Johann Heinrich Geymüller neu konzipiert, und von den Gärtnern Konrad A. Rosenthal und Franz Illner ausgeführt. In den ersten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Park zum beliebten Treffpunkt und Sommerfrische für die Wiener Oberschicht. Nach dem Konkurs des Bankhauses Geymüller 1841 wurde der gesamte Besitz verkauft und hatte fortan wechselnde Eigentümer, die die Anlage verfallen ließen. Zuletzt befand er sich in Besitz des Möbelfabrikanten Max Schmidt, der ihn der Gemeinde Wien vererbte, welche ihn ab 1935 für die Bevölkerung öffnete.[1] Der Park wurde während des Zweiten Weltkrieges von Fliegerbomben getroffen und im Juni 1949 in Anwesenheit von Bürgermeister Theodor Körner wiedereröffnet.[2]

Erhalten gebliebenen historische Elemente sind ein Lusthaus im klassizistischen Stil und eine Badegrotte sowie ein Gedenkstein an den Dichter Johann Baptist von Alxinger. Das nicht erhaltene Schweizerhaus bot früher von der Anhöhe einen Blick auf die Stadt. Am 18. Juni 2012 zerstörte ein Großbrand einen Teil der Wirtschaftsgebäude auf dem Areal.[3]

Der Park ist ein Naherholungsgebiet und beliebtes Ausflugsziel. Dazu errichtet wurde eine große Lagerwiese mit Kinderspielplatz und Streichelzoo sowie eine Freiland-Voliere. Auf dem Areal befinden sich auch zwei kleine Fußballplätze. Der Park ist eingezäunt und wird ab Einbruch der Dunkelheit bis zum Morgen versperrt. Er gehört zu den bedeutendsten gartenarchitektonischen Denkmalen Österreichs und steht unter Denkmalschutz (Nr. 50 im Anhang zu § 1 Abs. 12 DMSG und in der Denkmalliste)

Im östlichen Teil des Parkes liegt das Schloss Pötzleinsdorf, das heute eine Rudolf-Steiner-Schule beherbergt.

„Singendes Quartett“[Bearbeiten]

Die vier Figuren auf den Pilastern der Attika des Wiener Ringtheaters, das sogenannte „Singende Quartett“, haben den Brand des Ringtheaters am 8. Dezember 1881 um über 100 Jahre überdauert und stehen jetzt als Figurinen im vorderen Parkbereich. Sie wurden vom Architekten Emil von Förster 1874 auf dem Theater aufgestellt und nach dem Brand von Max Schmidt erworben und in den Park übergesiedelt.

Naturschutz[Bearbeiten]

Die Grünflächen im Schlosspark sind Lebensraum seltener Tiere und Pflanzen. Zu den Arten, die hier zu finden sind, zählen die Hohltaube, Äskulapnatter, Blindschleiche, Feldgrille und der Mittelspecht. Der Park hat neben seinen naturnahen Wiesen und Wäldern auch schützenswerte Biotope. Zur Förderung der besonderen Arten und Lebensräume wurde als Teil des Netzwerks Natur von der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 und dem Stadtgartenamt MA 42 ein Schutz- und Pflegekonzept ausgearbeitet, dessen Schutzmaßnahmen eingesetzt werden.

Der Park gehört auch zum Landschaftsschutzgebiet Währing–Wienerwald (Teil A, LSG 9, gesamt 154 ha). Im Park sind zahlreiche Naturdenkmale ausgewiesen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Eva Berger: Historische Gärten Österreichs: Garten- und Parkanlagen von der Renaissance bis um 1930. Band 3 Wien, Böhlau, Wien 2004, ISBN 978-320599353-7, Wien, Schloßpark, Schloß Pötzleinsdorf, S. 383 ff (Google).
  • Géza Hajós: Romantische Gärten der Aufklärung. Wien 1989, S. o.A..
  • Géza Hajós; Matthias Cremer (Ill.): Historische Gärten in Österreich: vergessene Gesamtkunstwerke. Österreichische Gesellschaft für Historische Gärten, Böhlau Verlag Wien, 1993, ISBN 978-320598095-7, Pötzleinsdorfer Schlosspark, S. 290 ff (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Christian Hlavac: Pötzleinsdorfer Schlosspark. In: Christian Hlavac, Astrid Göttche und Eva Berger (Hg.): Historische Gärten und Parks in Österreich. Böhlau Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-205-78795-2, S. 357–363.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pötzleinsdorfer Schlosspark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. wien.at | Pötzleinsdorfer Schloss
  2. Wien im Rückblick – Juni 1949 | Programmatische Rede des Bürgermeisters bei der Eröffnung des Pötzleinsdorfer Parkes
  3. Großbrand in Pötzleinsdorfer Schlosspark, Der Standard, 19. Juni 2012

48.24138888888916.3025Koordinaten: 48° 14′ 29″ N, 16° 18′ 9″ O