Pacific 231

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Französische Pacific 231.G.558, Baujahr 1922

Pacific 231 ist ein sinfonischer Satz (mouvement symphonique) von Arthur Honegger, in dem die Eisenbahnfahrt mit einer Pacific-Dampflokomotive in Form einer Tondichtung musikalisch umgesetzt wird. Das Ernest Ansermet gewidmete Werk entstand 1923[1] und wurde am 8. Mai 1924 in der Pariser Oper uraufgeführt. Die Spieldauer beträgt etwa sechs Minuten.[1]

Entstehung[Bearbeiten]

Pacific-Dampfloks waren zu Anfang des 20. Jahrhunderts die schnellsten und modernsten Lokomotiven. Sie beförderten die großen europäischen Expresszüge wie etwa den Orient-Express, den Train Bleu oder den Rheingold. Der Titel "Pacific 231" gibt die in Frankreich verbreitete Typenbezeichnung wieder, ist aber streng genommen eine Tautologie, weil sowohl die alte amerikanische Bezeichnung "Pacific" wie auch die französische Ziffernfolge "231" Dampflokomotiven der Achsfolge 2'C1' bezeichnen.

Honegger, der nach eigener Aussage „eine leidenschaftliche Liebe für Lokomotiven“ hegte, beabsichtigte, in seinem Werk mit musikalischen Mitteln die Fahrt eines schweren Schnellzuges mit einer Pacific-Dampflokomotive zu beschreiben. Dabei wollte Honegger nicht die Geräusche der Lokomotive nachahmen, sondern einen „visuellen Eindruck und ein physisches Wohlbefinden“ zum Ausdruck bringen.[2][3]

Honegger verstand das Werk nicht nur im programmatischen Sinn, sondern als absolute Musik, und zwar als abstrakte Idee, Rhythmus mathematisch zu beschleunigen. Dies realisierte er beim Anfahren der Lok mit einer strengen Verkürzung, beim Abbremsen mit einer Verlängerung von Notenwerten, ohne dabei das Tempo zu beschleunigen oder zu verlangsamen.[2][3]

Musik[Bearbeiten]

Orchesterbesetzung[Bearbeiten]

1 Piccoloflöte, 2 Flöten, 2 Oboen, 1 Englischhorn, 2 Klarinetten, 1 Bassklarinette, 2 Fagotte, 1 Kontrafagott, 4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Tuba; Schlagwerk: Rührtrommel (caisse roulante), Militärtrommel, Becken, Große Trommel, Tamtam; Streicher: Violinen, Bratschen, Celli, Kontrabässe.[1]

Honegger hat auch eine Bearbeitung für Klavier zu vier Händen verfasst.[4]

Aufbau des Werkes[Bearbeiten]

Das Werk besteht aus fünf Teilen, in denen die verschiedenen Bewegungsabläufe musikalisch umgesetzt werden:

  • 1. Stillstand
  • 2. Das Anfahren der Lok
  • 3. Zunehmende Geschwindigkeit
  • 4. Fahrt mit Höchstgeschwindigkeit
  • 5. Abbremsen und Anhalten

Adaptionen[Bearbeiten]

  • Der 1949 entstandene Kurzfilm Pacific 231 von Jean Mitry ist ein Stimmungsbild über die Fahrt der Lokomotive unter Verwendung der Musik von Arthur Honegger.[5]
  • Bei der Schweizer 20-Franken-Note findet sich auf der Vorderseite ein Porträt Arthur Honeggers und auf der Rückseite ein Thema aus Pacific 231.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Analyse des Werks in französischer Sprache.
  2. a b Beschreibung in englischer Sprache auf der Website des San Francisco Symphony Orchestra
  3. a b Booklet zur CD von Jürg Hanselmann: Die Eisenbahn in der Klaviermusik, Prezioso CD 800.062
  4. Eingespielt von Sandra und Jürg Hanselmann in: Die Eisenbahn in der Klaviermusik. 2005, Prezioso CD 800.062
  5. Eintrag in der IMDb und Film bei YouTube
  6. Beschreibung der Banknote durch die Schweizerische Nationalbank.