Parallelismus (Rhetorik)

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Der Parallelismus (griechisch παραλληλισμός: „Nebeneinanderstellung“) ist eine Stilfigur, die durch parallele Syntax entsteht, d. h. zwei (oder mehrere) aufeinander folgende gleiche Satzarten (Haupt-, Neben-, Fragesatz etc.) oder Teilsätze haben dieselbe Abfolge ihrer Satzglieder (Subjekt, Prädikat, Objekt, Adverbial etc.). Zusätzliche wörtliche Wiederholungen verstärken oft den Eindruck der Parallelität, sind aber nicht zwingend notwendig (s.u. das Heine-Zitat). Der Parallelismus kann eine tautologische oder antithetische Funktion haben. Er findet sich als Gestaltungsprinzip sowohl in der antiken Poesie als auch in der modernen Dichtung.

Beispiele für Parallelismen[Bearbeiten]

  • Erich Kästner
    • Sie hören weit, sie sehen fern.
    • Die Nacht ist dunkel, der Tag ist hell.
    • Ich bin schön, du bist hässlich.
    • Ich bin reich, du bist arm.
  • Heinrich Heine
    • Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht. (Die schlesischen Weber)

Der Parallelismus in biblischen Texten[Bearbeiten]

Der Parallelismus ist ein sehr häufig anzutreffendes Stilmittel in den poetischen Texten des Alten Testamentes. Diesem Stilmittel ist es zu verdanken, dass einige, wegen Textentstellung, Abschreibfehlern, usw. schwer zu übersetzende Stellen, doch ziemlich sicher erkannt werden können, da der erhaltene parallele Teil des Verses eindeutige Rückschlüsse auf den verdorbenen Teil des Textes zulässt. Das Besondere beim Parallelismus in den hebräischen Schriften aus der Bibel ist, dass er weniger von einem Lautreim abhängig ist (wie etwa im Deutschen), sondern der Inhalt (die Sinnaussage) wichtig ist. Das ist ein Vorteil beim Übersetzen der Texte in eine andere Sprache.

Synonymer Parallelismus[Bearbeiten]

Beim synonymen Parallelismus gibt die zweite Zeile denselben Sinn der ersten mit anderen Worten wieder. Satzteile im ersten Satz haben damit unmittelbar Entsprechungen. Hier im Beispiel: "Das Gesetz Jahwes" entspricht "Das Zeugnis Jahwes", "vollkommen" entspricht "zuverlässig" und "erquickt die Seele" entspricht "macht weise den Einfältigen". (Ein Einfältiger ist hier jemand, der für alles offen ist. Für das Gute wie auch für das Böse.)

Bibel, (Psalm 19,8)
Das Gesetz Jahwes ist vollkommen, erquickt die Seele;
das Zeugnis Jahwes ist zuverlässig, macht weise den Einfältigen.

Synthetischer Parallelismus[Bearbeiten]

Beim synthetischen Parallelismus wird die Aussage im ersten Satz mit dem zweiten vereinigt (synthetisiert). Das Ergebnis ist eine neue Aussage. Hier im Beispiel eine Antwort auf eine Frage.

Bibel, (Psalm 119,9)
Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln?
Indem er sich bewahrt {Eig. auf der Hut ist} nach deinem Worte.

Antithetischer Parallelismus[Bearbeiten]

Beim antithetischen Parallelismus steht die Aussage im ersten Satz mit der zweiten Aussage gegenteilig da. Im Beispiel: Erster Satz: Zustand der Vergangenheit. Zweiter Satz: Zustand der Gegenwart.

Bibel, (Psalm 119,67)
Bevor ich gedemütigt wurde, irrte ich;
jetzt aber bewahre ich dein Wort.


Im weiteren Sinn ist der Parallelismus das Äquivalenzprinzip in Lautung, Bedeutung und Konstruktion. Er äußert sich in der rhythmischen Wiederholung betonter und unbetonter Silben, in wiederkehrend gleicher Silbenzahl, im Reim, Gleichklang und entfaltet seine Wirksamkeit z. B. in der Symmetrie von Metapher und nichtmetaphorischem Ausdruck.

Literatur[Bearbeiten]

Beat Weber: Art. Poesie (AT), in: Das Wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de), 2007 (Zugriffsdatum: 28. Dezember 2013), online unter http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/31132/

Siehe auch[Bearbeiten]