1. Brief des Paulus an die Korinther

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Neues Testament
Evangelien
Apostelgeschichte
Paulusbriefe
Katholische Briefe
Offenbarung

Der 1. Brief des Paulus an die Korinther oder 1. Korintherbrief (lateinisch Epistula ad Corinthios I; Abkürzung: 1. Korinther, I. Korinther, 1 Kor, 1Kor oder IKor) ist ein Buch des Neuen Testaments der christlichen Bibel. Er wird seit dem Mittelalter in 16 Kapitel eingeteilt. Paulus behandelt darin eine Reihe von Fragen und Streitpunkten der Gemeinde in Korinth.

Verfasser und Empfänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korinth

Als Autoren werden zu Beginn des Briefes Paulus von Tarsus und sein Begleiter Sosthenes angeführt (1 Kor 1,1 LUT). Im weiteren Verlauf redet Paulus die Gemeinde dann aber durchwegs in der Ich-Form an (beginnend mit 1 Kor 1,4 EU), so dass Paulus als der eigentliche Verfasser des Briefes gilt. An seiner Verfasserschaft gibt es unter Theologen keinen Zweifel.

Bei zwei Versen über die Stellung der Frau (1 Kor 14,34–35 LUT), die zum Rest des Briefes im Widerspruch zu stehen scheinen, erwägen manche Forscher, ob es sich um spätere Zusätze handeln könnte, siehe Interpolationstheorie (Religion).

Empfänger ist die christliche Gemeinde in der griechischen Hafenstadt Korinth. Paulus besuchte Korinth auf seiner zweiten Missionsreise und blieb ein Jahr und sechs Monate in der Stadt (Apg 18,11 LUT). In dieser Zeit, 50–51 n. Chr., entstand wohl auch die christliche Gemeinde in Korinth (vgl. Apg 18,1–18 LUT).

Datierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulus verfasste den 1. Korintherbrief wahrscheinlich etwa 55 n. Christus während seiner dritten Missionsreise, gegen Ende seines dreijährigen Dienstes in Ephesos.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zielvorstellung des 1. Korintherbriefes ist die „in Jesus Christus begründete Einheit der Gemeinde angesichts ihrer faktischen Zerrissenheit“.[1] Schon zu Beginn erwähnt Paulus, dass er von Streitigkeiten in der korinthischen Gemeinde erfahren habe (1 Kor 1,11 EU). Vor seiner Stellungnahme zum Thema Ehe erwähnt Paulus einen Brief der Korinther, in welchem sie dieses Thema angesprochen hatten (1 Kor 7,1 EU). Daher wird erwogen, ob manche Aussagen am Beginn eines thematischen Abschnittes nicht die Meinung des Paulus ausdrücken, sondern die Meinung mancher Korinther.[2] Demnach versuche Paulus, den Christen in Korinth einen Weg „zwischen Beliebigkeit und extremen Idealen“ aufzuzeigen. Dabei führe er zuerst ein Schlagwort der jeweiligen Position an, und entfalte dann Schritt für Schritt seine eigene Meinung.[3] Demnach könnte man den jeweiligen Einstieg in Anführungszeichen setzen („Alles ist mir erlaubt“, 1 Kor 6,12 EU), oder als Frage übersetzen: „Ist mir alles erlaubt?“[4] Bei der Auslegung des 1. Korintherbriefes ist jedenfalls zu bedenken, dass Paulus auf bestimmte Anfragen oder Meinungen korinthischer Gruppen reagiert.

Wichtige Stellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inschrift an der Grabkapelle auf dem Württemberg (Stuttgart): „Die Liebe höret nimmer auf“
  • Wenn du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter (1 Kor 7,21 EU). [Der griechische Originaltext ist hier allerdings mehrdeutig. Die meisten anderen Übersetzungen lauten etwa vom Sinn her so, wie diese wörtliche Übersetzung: "Aber wenn du sogar/auch frei werden kannst, mache lieber (davon) Gebrauch."]
  • Der Geist Gottes wohnt im Menschen, der an Christus glaubt (1 Kor 3,16 EU).
  • Alles – auch die Menschen – existieren „durch“ Christus (1 Kor 8,6 EU).
  • Alles ist erlaubt, aber nicht alles nütze und nicht alles baut auf (1 Kor 10,23 EU).
  • Herrenmahl (Eucharistie/Abendmahl) (1 Kor 11,23–26 EU)
  • Das Hohelied der Liebe (1 Kor 13,1–13 EU): Glaube, Hoffnung und Liebe; beliebter Predigttext bei kirchlichen Trauungen
  • Die Frauen sollen wie auch sonst üblich in der Gemeindeversammlung schweigen und zu Hause ihre Ehemänner fragen (1 Kor 14,33b–35 EU); mit großer Wirkungsgeschichte und in Spannung zu 1 Kor 11,5
  • Das Zeugnis von der Auferstehung Christi (1 Kor 15,3–9 EU).
  • „Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte!“ (1 Kor 7,23 LUT), bekannt als Konfirmationsspruch.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Probst: Paulus und der Brief. Die Rhetorik des antiken Briefes als Form der paulinischen Korintherkorrespondenz. Tübingen 1991.
  • Ernst Lerle: Praktischer Kommentar zum Ersten Korintherbrief, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 1978.
  • Helmut Merklein: Der erste Brief an die Korinther, Kap. 1–4. (= ÖTK Band 7,1) (GTB 511), Gütersloh 1992, ISBN 3-579-00511-1.
  • Helmut Merklein: Der erste Brief an die Korinther, Kap. 5,1–11,1. (= ÖTK Band 7,2) (GTB 512), Gütersloh 2000, ISBN 3-579-00512-X.
  • Helmut Merklein, Marlis Gielen: Der erste Brief an die Korinther, Kap. 11,2–16,24. (= ÖTK Band 7,3) (GTB 513), Gütersloh 2005, ISBN 3-579-00551-0.
  • Andreas Lindemann: Der Erste Korintherbrief (= HNT 9/I), Tübingen 2000, ISBN 3-16-147473-2 br. bzw. 3-16-147410-4 Ln.
  • Erik Peterson: Der erste Brief an die Korinther und Paulus-Studien. Aus dem Nachlass herausgegeben von Hans-Ulrich Weidemann. (= Ausgewählte Schriften 7). Würzburg 2006, ISBN 978-3-429-02835-0.
  • Eckhard J. Schnabel: Der erste Brief des Paulus an die Korinther (= HTA.NT), Wuppertal/Gießen 2006, ISBN 3-417-29724-9.
  • Dieter Zeller: Der erste Brief an die Korinther (= KEK Band 5), Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-51534-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: 1. Brief des Paulus an die Korinther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Udo Schnelle: Einleitung in das Neue Testament. Göttingen 1996, S. 91.
  2. Thomas Schirrmacher: Paulus im Kampf gegen den Schleier. Eine alternative Auslegung von 1. Korinther 11,2-16. 5. Auflage, VTR, Nürnberg 2002, ISBN 3-933-37245-3, S. 87–117 (Kap. 4: Zitate und Ironie im 1. Korintherbrief).
  3. Franz Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. Grundlagen des christlichen Glaubens in Predigten. VTR, Nürnberg 2010, S. 130 f.
  4. Graf-Stuhlhofer: Basis predigen, 2010, S. 131. Die Einheitsübersetzung setzt nicht nur 1. Kor 6,12 in Anführungszeichen, sondern auch 1 Kor 7,1 EU.