Paul Langhans

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Max Harry Langhans (* 1. April 1867 in Hamburg; † 17. Januar 1952 in Gotha) war ein deutscher Geograph und Kartograph.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Langhans, Sohn des Gastwirts Paul Langhans (1838–1922), besuchte von 1878 bis 1886 das Hamburger Realgymnasium. Von 1886 bis 1889 studierte er in Kiel und Leipzig Geographie, Naturwissenschaften und Volkswirtschaft. Während des Studiums trat er dem Verein Deutscher Studenten in Kiel und Leipzig bei.[1]

1889 wurde er Mitarbeiter bei Justus Perthes’ Geographisch-Kartographischen Anstalt in Gotha. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte Langhans zahlreiche Karten und Atlanten, darunter den Deutschen Kolonialatlas (1897). 1902 gründete er die Zeitschrift Deutsche Erde, die dem Alldeutschen Verband nahestand und Thesen der Volks- und Kulturbodenforschung stützte. Langhans gilt als einer der wichtigsten deutschen Vertreter einer ethnozentrischen Geopolitik. Von 1909 bis 1937 war er Herausgeber von Petermanns Geographischen Mitteilungen und seit 1923 Chefredakteur des Gothaischen Hofkalenders.

In seiner Funktion als Mitglied der antisemitischen Deutschsozialen Reformpartei war Langhans von 1896 bis 1907 Herausgeber des Antisemitischen Monatsblatts. Von 1909 bis 1942 war er Bundeswart des Deutschbundes, dessen Mitglieder sich als „rassische Elite“ sahen und eine „Vertiefung des Deutschtums“ anstrebten. 1931 trat Langhans in die NSDAP ein, für die er als Schulungsredner der NSDAP-Kreisschule in Schönau v.d. Walde, Gothaer Ratsherr (ab 1936) und Kulturbeirat (seit 1938) tätig war. Auch aufgrund dieser Verdienste wurde ihm am 1. April 1940 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gotha verliehen. Im Ehrenbürgerbrief wurde ihm seitens der Stadt in erster Linie „für seinen stets opferbereiten Einsatz im Aufbau der NSDAP, für sein jahrzehntelanges Wirken als Rufer völkischen Erwachens“.[2] gedankt und erst danach „für sein hervorragendes Schaffen von Weltruf als geographischer Wissenschaftler deutscher Art“.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstätte der Familie in Gotha

Langhans war mit Rosa Langhans (geb. Rasch, 1870–1960) verheiratet, mit der er eine Tochter hatte, Irmtrud (1907–1998), die mit Paul Magdanz (1901–1988) verheiratet war.

Nach Langhans wurden der Langhans-Vulkan in der Südsee sowie der Langhans-Gletscher auf Spitzbergen benannt. Ebenfalls auf ihn geht der Langhans-Preis des Deutschbundes zurück.[3]

Das Grab der Familie Langhans auf dem Hauptfriedhof Gotha (Fam.-Platz Nr. 545) ist bis heute erhalten.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1900 Professorentitel
  • 1927 Ehrendoktor der Universität Jena
  • 1940 Ehrenbürger von Gotha (Aberkennung 1946)

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutscher Kolonial-Atlas, Gotha 1893–1897. (15 Lieferungen) (online in der David Rumsey Map Collection)
  • Kleiner Handels-Atlas für Lehranstalten, Gotha 1895.
  • Justus Perthes’ Staatsbürger-Atlas, Gotha 1896, 4. Aufl. 1904.
  • Deutscher Marine-Atlas, Gotha 1898.
  • Deutscher Armee-Atlas, Gotha 1899.
  • Handelsschul-Atlas, Gotha 1901.
  • Links und rechts der Eisenbahn, Gotha 1901–1909. (74 Hefte)
  • Deutsche Erde, Gotha 1902.
  • Die Förderung der Landkultur in Schleswig-Holstein von 1914–1929, Kiel 1929.
  • Wandkarten zur Wirtschafts- und Kolonialbewegung, Gotha o.J.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Güldner, Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten: Verzeichnis der Ehrenmitglieder und Alten Herren. Gütersloh 1899, S. 36.
  2. Matthias Wenzel: Zum 50. Todestag des Kartografen […] Paul Langhans. In: Thüringer Allgemeine, 12. Januar 2002
  3. Stefan Breuer: Der Streit um den „nordischen Gedanken“ in der völkischen Bewegung. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Heft 1/2010