Paul R. Williams

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Paul Revere Williams.

Paul Revere Williams (* 18. Februar 1894 in Los Angeles; † 23. Januar 1980) war ein US-amerikanischer Architekt. Er errichtete im Laufe seiner Karriere etwa 3.000 Gebäude und galt zeitweise als „Architekt der Hollywood Stars“. Mehrere von ihm errichtete Bauwerke sind inzwischen als National Historic Landmark registriert. Er war der erste Afroamerikaner, der Mitglied des American Institute of Architects (AIA) wurde, und der erste afroamerikanische Fellow des Instituts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poster mit Paul R. Williams aus seiner Dienstzeit bei der Navy.

Paul R. Williams wurde als zweiter Sohn von Lila Wright Williams und Chester Stanley Williams geboren. Die Eltern waren kurz vor seiner Geburt aus Memphis nach Kalifornien gezogen. Im Alter von zwei Jahren verlor er seinen Vater und zwei Jahre später auch seine Mutter. Williams wuchs bei einer Pflegemutter auf, die ihn in Bezug auf Bildung der Entwicklung seiner künstlerischen Begabung unterstützte. Er war das einzige afroamerikanische Kind in seiner Grundschule und in der High School. Auf der High School wurde ihm von seinem Lehrer abgeraten Architekt zu werden, da er als Schwarzer nicht genug Akquise betreiben können würde.

Er bestand die Ausbildung der Society of Beaux-Arts Architects und studierte an der University of Southern California Bauingenieurwesen. Parallel zu seiner Ausbildung arbeitete er für einen Landschaftsplaner und für Designer. 1920 wurde er für die Los Angeles City Planning Commission als Mitglied vorgeschlagen. 1921 wurde er im Architekturbüro von John C. Austin tätig. Austin ermutigte ihn Mitglied des American Institute of Architects (AIA) zu werden und sich mit einem eigenen Büro selbstständig zu machen. 1922 eröffnete er Paul R. Williams & Associates und wurde 1923 das erste afroamerikanische Mitglied des AIA.

In den 1920ern und 1930ern entwarf er Wohnhäuser für wohlhabende Kundschaft vor allem in Bel Air, Brentwood und Beverly Hills. Zunehmend wurde er aber auch außerhalb Südkaliforniens tätig, entwarf gewerbliche und institutionelle Gebäude in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika und außerhalb der USA. Er war Mitglied zahlreicher Ausschüsse und Kommissionen. Nach fünf Jahrzehnten Tätigkeit als Architekt trat er 1973 in den Ruhestand.

Er war während seiner Laufbahn mit Diskriminierung und der praktizierten Rassentrennung konfrontiert. Er entwickelte die Fähigkeit Entwürfe für seine Werke über Kopf zu zeichnen. Dies tat er, da er nicht sicher sein konnte, ob ein weißer Kunde neben ihm als Schwarzen stehen wollte. Er hielt Entwürfe hinter seinem Rücken, um Kunden die Möglichkeit zu geben sich zu entscheiden ihm die Hand zur Begrüßung zu reichen. Er selbst konnte in einigen Gegenden nicht einmal wohnen, in denen er Häuser entwarf.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1929 von Paul R. Williams gestaltete Lon Chaney High Sierra House.

Die von Williams im Laufe seiner Laufbahnen entworfenen Gebäude wirkten prägend auf die Architektur in den USA. Etwa die Behandlung von Veranden und Terrassen als Verlängerung des Wohnhauses oder die Verwendung versteckbarer Abschirmungen wurden von ihm in den 1920ern entwickelt und waren ab den 1970ern Standard.[2] Insbesondere prägte seine Architektur den in Südkalifornien und insbesondere Los Angeles vorherrschenden Baustil.[3]

In den 1920ern entwarf Williams Gebäude im Baustil des „French Regency“, Tudor, „Federal Revival“ und im Stil des damals beliebten „Spanish Colonial Revival“. Er erbaute neben Wohnhäusern auch Gebäude, die von der schwarzen Gemeinde genutzt wurden, etwa das Gebäude des YMCA in der 28. Straße in Los Angeles oder gemeinsam mit Norman F. Marsh das Gebäude der Second Baptist Church.[4]

Trotz der Weltwirtschaftskrise und dem allgemeinen Rückgang der Bautätigkeit in den 1930ern blieb Paul R. Williams erfolgreich. So entwarf er etwa die Wohnhäuser von Tyrone Power, Bill Robinson, Barbara Stanwyck, Lon Chaney senior and Johnny Weissmuller und galt als Architekt der Stars. Er wurde nicht nur in Südkalifornien tätig, sondern auch in Nevada oder Washington, D.C. Er entwarf nun neben Wohnhäusern auch Geschäftsgebäude etwa für die Music Corporation of America oder für Saks Fifth Avenue. Er baute auch in Nevada, konnte dort aber wegen der Diskriminierung als Afroamerikaner nichtmal Büroräume anmieten. In Washington, D.C. eröffnete er mit Hilyard Robinson ein gemeinsames Büro.[5]

Bürogebäude der Golden State Mutual Life Insurance Company in Los Angeles.

Zu Beginn der 1940er befasste sich Williams mit öffentlichen Bauprojekten, insbesondere zum Wohnungsbau.[6] So beteiligte er sich am 1940 bis 1941 errichteten Projekt Pueblo del Rio Public Housing in Vernon in Los Angeles[7] und am 1941 ausgeführten Projekt Watts Housing Development im Stadtteil Watts[8] Ansonsten war die erste Hälfte der 1940er die Karriere von Paul R. Williams durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. War Williams zunächst im Zusammenhang mit der Errichtung von Arbeiterwohnungen für die wachsende Rüstungsindustrie befasst, diente er ab dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 als Architekt in der U.S. Navy.[6] Als Mitglied der Allied Engineers war er während des Krieges maßgeblich am Ausbau der Roosevelt Naval Base in Long Beach beteiligt.[9] Das Problem die amerikanischen Kriegsteilnehmer wieder in das Zivilleben zu integrieren griff er mit den Büchern The Small Home of Tomorrow (1945) und New Homes for Today (1946) aus architektonischer Sicht auf. Er selbst konnte nach der Unterbrechung durch den Kriegsdienst wieder gut auf dem Markt tätig werden. Bis Januar 1948 wurde geschätzt, dass er Gebäude im Wert von 20 Millionen US-Dollar seit Kriegsende errichtet habe. Er erbaute in der zweiten Hälfte der 1940er neben gewöhnlichen Wohnhäusern und Villen eine Erweiterung des Beverly Hills Hotel, gestaltete die Inneneinrichtung des Beverly Wilshire Hotels und errichtete zusammen mit A. Quincy Jones die Gebäude des Tennis Club des Town & Country Centers in Palm Springs. Williams plante auch das Bürogebäude der Golden State Mutual Life Insurance Company, eines afroamerikanischen Unternehmens.[6]

Als in den 1950ern die Moderne und der Internationale Stil sich durchzusetzen begannen, wurde der Stil von Paul R. Williams als traditionell und unmodern angesehen. Seine Gestaltungsprinzipien wurden im 21. Jahrhundert aber wieder als wegweisend aufgegriffen.[10] Williams passte seinen Baustil mit der überwiegenden Verwendung zeitgenössischer Elemente an. Er entwarf in dieser Zeit unter anderem die Marina del Rey Middle School (1960 errichtet), das Botanikum der University of California, Los Angeles (UCLA). Das von ihm geplante Gebäude für Architektur und Ingenieurswesen an der Howard University griff die Grundsätze der klassischen Moderne auf.[11]

Theme Building am LAX.

In den 1960ern erbaute Paul R. Williams weiterhin Wohnhäuser. Nennenswert ist hier etwa die Errichtung von 190 Wohnhäusern in SeaView (Palos Verdes).[12][13] Der Schwerpunkt seiner Arbeit war aber mehr die Errichtung von Gebäuden für Institutionen. Er plante die Franz Hall II der UCLA und das Martin Luther King, Jr. General Hospital in Watts. Sein Büro führte mit zwei anderen Büros den Ausbau des Los Angeles International Airport durch. Bei dem hierbei errichteten Theme Building wurden Elemente aufgenommen, die Williams schon früher bei der Errichtung der Founder’s Church of Religious Science (1957)[14] und beim St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis (Tennessee) 1962[15][16] entwickelt hatte. Die Pläne für das Krankenhaus in Memphis hatte er ebenso wie die Pläne für das heutige Gebäude der First African Methodist Episcopal Church of Los Angeles gespendet. Der Baustil Williams in den 1960ern war nun der der Moderne.[17]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angelus Funeral Home (1934), 1010 E. Jefferson Blvd., Los Angeles, (Williams, Paul R.), N[18][19]
  • First Church of Christ, Scientist (1939), 501 Riverside Dr., Reno (Nevada), (Williams, Paul Revere),[20][18][21]
  • Luella Garvey House (1934), 589-599 California Ave., Reno (Nevada) (William, Paul Revere)[22]
  • Goldschmidt House, 243 Avenida La Cuesta, San Clemente (Kalifornien) (Williams, Paul R.)[18]
  • Second Baptist Church (1926), 1100 E. 24th St., Los Angeles (Williams, Paul R.)[18][23]
  • 28th Street YMCA (1926), 1006 E. 28th St., Los Angeles (Williams, Paul R.)[18][19]
  • California State Historic Landmarks
  • Barbara Stanwyck House (1937), 18650 Devonshire Street, Northridge, Los Angeles[24]
  • Los Angeles Historic Landmarks
* Wohnhaus (1940), 7 Oakmont Drive, Brentwood, Los Angeles[25]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätte für Paul R. Williams (nördlich des von ihm errichteten Gebäudes der Golden State Mutual Life Insurance), Los Angeles.

1939 bescheinigte ihm Time Magazine: „Perhaps the most successful Negro artist in the U.S. is Paul R. Williams“ (Der vielleicht erfolgreichste Neger-Künstler in den Vereinigten Staaten ist Paul R. Williams). Williams wurde 1953 mit der Spingarn Medal ausgezeichnet. 1957 wurde er als erster Afroamerikaner zum Fellow des American Institute of Architects gewählt. 2010/2011 widmete das Kunstmuseum der University of Memphis ihm und seinem Werk eine Ausstellung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karen E. Hudson: Paul R. Williams, Architect: A Legacy of Style. Rizzoli, New York 1993, ISBN 0-8478-1763-6.
  • Karen E. Hudson: The Will and the Way: Paul R. Williams, Architect. Rizzoli, New York 1994, ISBN 0-8478-1780-6.
  • Paul Revere Williams In: Stephen Sennot, Jeffrey B. Samudio (Hrsg.): Encyclopedia of 20th Century Architecture. Routledge/ Taylor & Francis Publishers, 2004.
  • Thomas Yenser (Hrsg.): Who's Who in Colored America: A Biographical Dictionary of Notable Living Persons of African Descent in America 3. Auflage. Who's Who in Colored America, New York, 1930–1931-1932

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Paul R. Williams – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karen Grisby Bates: A Trailblazing Black Architect Who Helped Shape L.A. npr.org vom 22. Juni 2012.
  2. Karen Grisby Bates: A Trailblazing Black Architect Who Helped Shape L.A. npr.org vom 22. Juni 2012.
  3. Shashank Bengali: Williams the Conqueror. In: Trojan Family Magazine. Frühling 2004.
  4. 1920's auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  5. 1930's auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  6. a b c 1940s auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  7. Pueblo del Rio Public Housing. In: archINFORM.
  8. Watts Housing Development. In: archINFORM.
  9. Roosevelt Naval Base, Long Beach, CA, auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  10. Paul R. Williams in der Encyclopaedia Britannica.
  11. 1950s auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  12. SeaView auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  13. Pamela Corante-Hansen: Old Hollywoods "Architect to the Stars" and his Southbay Connection. www.southbaydigs.com.
  14. Founder’s Church of Religious Science. auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  15. St. Jude Children’s Research Hospital auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  16. Vance Lauderdale: Architect Paul Williams. In: Memphis Magazine. Januar 2012.
  17. 1960's auf der Internetseite des Paul Revere Williams Projects der AIA.
  18. a b c d e f National Register Information System. In: National Register of Historic Places. National Park Service. Abgerufen am 9. Juli 2010.
  19. a b Bob Pool: 7 L.A. sites are added to National Register. In: Los Angeles Times. 12. Juni 2009.
  20. NRHP nom doc
  21. First Church of Christ. In: archINFORM.
  22. Mella Rothwell Harmon: National Register of Historic Places Registration: Luella Garvey House. National Park Service, August 2003, abgerufen am 20. Januar 2017 (PDF).
  23. Second Baptist Church. In: archINFORM.
  24. Barbara Stanwyck House. In: archINFORM.
  25. Paul Williams house in Brentwood gains landmark designation, Los Angeles Times vom 8. April 2014.