Pausa (Unternehmen)

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Die Pausa war eine deutsche Textilfirma mit Sitz in Mössingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma wurde 1911 von den Stuttgarter Brüdern Artur und Felix Löwenstein in Pausa im Vogtland gegründet. 1919 übernahmen die Gebrüder die 1871 gegründete Mössinger Weberei und verlegten die Firma dorthin.

Neben der Herstellung von Stoffen des täglichen Bedarfs produzierte die Firma auch künstlerisch anspruchsvolle Dekorationsstoffe, für die 1921 eine eigene Druckabteilung eingerichtet wurde. Zur Erlangung der Entwürfe stand sie im Austausch mit dem Deutschen Werkbund und dem Bauhaus. 1921 richtete die Pausa in Kooperation mit dem Landesgewerbemuseum in Stuttgart einen Wettbewerb für eine bedruckte Tischdecke aus, wobei der Jury vorwiegend Mitglieder des Deutschen Werkbundes angehörten wie zum Beispiel Adelbert Niemeyer und Gustav Pazaurek.

Kontakt bestand auch mit Emanuel Josef Margold, der einen Stoff entworfen hatte. Zahlreiche Stoffe für die Pausa entwarf der Stuttgarter Architekt Richard Herre, der für die Firma seit 1922 tätig war. Herre entwarf auch Werbeanzeigen für die Firma. Auf der „Werkbund-Ausstellung württembergischer Erzeugnisse“, die vom Stuttgarter Architekten Richard Döcker geleitet wurde, stellte die Pausa unter anderem Dekorationsstoffe nach Entwürfen von Adolf Hölzel aus. Döcker errichtete von 1922 bis 1925 in Mössingen ein neues Gebäude für die Handdruck-Abteilung der Pausa. 1928 folgte eine moderne Shedhalle. 1927 war die Pausa auch auf der Werkbund-Ausstellung in Stuttgart mit eigenen Stoffentwürfen vertreten. Eventuell kamen hier auch erste Kontakte mit dem Bauhaus zustande, möglicherweise auch über das Stuttgarter Ehepaar Lily und Hans Hildebrandt. Drei Absolventinnen des Bauhauses entwarfen Ende der 1920er Jahre Stoffe für die Pausa: Friedl Dicker (1898–1944), Lisbeth Oestreicher (1902–1989) sowie die gebürtige Lettin Ljuba Monastirskaja (1906–1941)[1], die sogar als Leiterin des Entwurfsbüros der Weberei eingestellt wurde.

Zur Ausführung der Stoffentwürfe arbeitete das Bauhaus neben der Pausa auch mit anderen Webereien zusammen. Die Pausa wiederum requirierte neben Angehörigen des Bauhauses auch Mitarbeiter anderer Kunstgewerbeschulen.

1933 spielte die Belegschaft der Pausa eine zentrale Rolle beim Mössinger Generalstreik, einer der deutschlandweit wenigen Protestaktionen gegen die Machtergreifung der Nationalsozialisten. 1936 waren die Gebrüder Löwenstein gezwungen, ihre Firma weit unter Wert zu verkaufen und zu emigrieren. Käufer war die Firmengruppe Burkhardt-Greiner. 1951 wurde ein neues Firmengebäude erbaut, das von Manfred Lehmbruck entworfen wurde. Es folgten bis 1960 weitere Erweiterungen des Firmengebäudes in mehreren Bauabschnitten. Wie in der Vorkriegszeit arbeitete die Firma mit bedeutenden Künstlern zusammen, die Stoffmuster entwarfen, so zum Beispiel mit Willi Baumeister und HAP Grieshaber. 2001 musste die Firma Insolvenz anmelden. Die Firmengebäude wurden mittlerweile zum Teil restauriert, die umfangreiche Stoffsammlung restauriert und katalogisiert.

Vom 3. Mai bis zum 24. November 2019 fand in der Tonnenhalle im Pausa-Quartier in Mössingen die Ausstellung „Pausa – Jede Menge Stoff drin“ statt.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Berner, Werner Fifka (Hrsg.): Das Bauhaus kam nach Mössingen. Geschichte, Architektur und Design der einstigen Textilfirma Pausa. Talheimer, Mössingen-Talheim 2006, ISBN 978-3-89376-118-0.
  • Dieter Büchner, Michael Ruhland: Kompromisslose Beständigkeit in gutem Geschmack. Die Textilfirma Pausa in Mössingen (Kreis Tübingen). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg Jg. 34, 2005, Heft 3, S. 142–150 (PDF).
  • Dieter Büchner: Stoff ohne Ende. Die Inventarisation der Firmensammlung der Textildruckerei Pausa in Mössingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Jg. 42, 2013, Heft 4, S. 256–257 (PDF).
  • Dieter Büchner: Bauhaus-Stoff. Die Mössinger Textilfirma Pausa und ihre Beziehungen zum Bauhaus. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Jg. 48, 2019, Heft 4, S. 215–220 (PDF, 578 KB).
  • Grit Koltermann (Hrsg.): Stoffe ohne Ende. Die Sammlungen der ehemaligen Textildruckfirma Pausa in Mössingen. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt; Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege (Arbeitsheft 32), Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8062-3267-7.
  • Anne-Christin Schöne: Bauhaus trifft Pausa. Die Instandsetzung und Umnutzung von Werkstattgebäude und Kantine der Pausa in Mössingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Jg. 48, 2019, Heft 4, S. 221–228 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neue Pausa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Wiedmann: Designerinnen aus Dessau. Löwenstein-Forschungsverein recherchiert über die ersten Frauen in der Pausa. Artikel über Ljuba Monastirskaja und Lisbeth Oestreicher in: Neckar-Chronik vom 28. Oktober 2011.
  2. In Mössingen ist „jede Menge Stoff drin“ auf kunstmarkt.com.