Kunstgewerbeschule

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Die Kunstgewerbeschulen waren bis 1945 in Deutschland künstlerische Ausbildungsstätten (höhere Fachschulen) mit dem Schwerpunkt im Bereich der angewandten Kunst.

Soziokultureller Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anstoß zur künstlerischen Gewerbeförderung wurde durch die industrielle Konkurrenz Frankreichs und Großbritanniens auf den Weltausstellungen in London 1851 und Paris 1855 ausgelöst und in Großbritannien durch die Society of Arts mit dem Aufbau des Londoner South-Kensington-Museums aufgegriffen. Bereits auf der Weltausstellung in London 1862 zeigte sich der Erfolg. Die 1884 gegründete Home arts and industries association machte sich dann die künstlerische Durchbildung der gesamten Gesellschaft zur Aufgabe. Der Verein Deutsches Gewerbemuseum zu Berlin zog seit 1867 nach, gründete 1879 das Kunstgewerbemuseum Berlin und 1885 die „Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums“. In das gleiche Jahr 1867 fiel die Gründung des Österreichischen Museum für Kunst und Industrie.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland öffneten, dem Berliner Beispiel folgend, und mit dem Ziel der Förderung der deutschen Kunstindustrie, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in rascher Folge unter anderem die Kunstgewerbeschulen in Nürnberg (1853), München (1868), Kassel (1869), die „Württembergische staatliche Kunstgewerbeschule“ in Stuttgart (1869), die pfälzische kunstgewerbliche Fachschule in Kaiserslautern (1874), die Schule für Metallindustrie in Pforzheim (1877), sowie weitere Kunstgewerbeschulen in Karlsruhe (1878), Dresden (1879), Wiesbaden und Frankfurt am Main 1878 (später in den 1920er Jahren integriert in die Staatliche Hochschule für Bildende Künste Frankfurt), Breslau, Düsseldorf, Sonneberg (1883), Hamburg (1896) und Erfurt (1898), während die bestehende „Vereinigte Provinzial-Kunst- und gewerbliche Zeichenschule“ genannte Sonntags- und Abendschule in Magdeburg reformiert und in „Kunstgewerbe- und Handwerkerschule“ (1887) umbenannt wurde.

Zu einer Erneuerung der Kunstgewerbebewegung kam es zwischen den Weltausstellungen Paris 1900 und Brüssel 1910 durch den 1907 gegründeten Deutschen Werkbund und die Einrichtung einer Professur für modernes Kunstgewerbe an der Handelshochschule Berlin. 1908 zog Weimar im Verbund mit der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule (Hans Olde) und der Weimarer Bildhauerschule (Adolf Brütt) – der auch dem Beirat der Berliner Unterrichtsanstalt unter Bruno Paul angehörte – mit der Eröffnung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule (Henry van de Velde) nach. Peter Behrens (1868–1940) leitete für wenige Jahre die Kunstgewerbeschule Düsseldorf (1903–1907). Eine Kunstgewerbliche Fachschule in Flensburg ist zumindest zwischen 1905 und 1909 aus den Quellen belegt durch die Teilnahme von Emmy Gotzmann an Kursen im Aktzeichnen.

Die Kölner Werkbundausstellung von 1914 hatte großen Einfluss auf das Programm der Kunstgewerbeschulen.

Die von Olde, Brütt und van de Velde betriebene Weimarer Schule wurde durch das Bauhaus (1919–1933) fortgeführt. In Köln kam es zur Gründung der von Richard Riemerschmid geleiteten Kölner Werkschulen (1926–1933). Bedeutung erlangte auch die Kunstgewerbeschule Aachen unter der Leitung von Rudolf Schwarz in den Jahren 1927–1934.

Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurden die Schulen gleichgeschaltet und firmierten nun als Meisterschulen des gestaltenden Handwerks.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine Erneuerung statt durch die Gründung der Werkkunstschulen in Aachen, Augsburg, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Essen, Hamburg, Hannover, Kiel, Krefeld, Kassel, Lübeck, Magdeburg, Mainz, Münster, Offenbach, Saarbrücken, Trier, Wiesbaden und Wuppertal. In der DDR gab es ab 1950 Fachschulen für angewandte Kunst in Erfurt, Heiligendamm, Leipzig, Magdeburg, Potsdam, Schneeberg und Sonneberg. Fachschulstudiengänge zur künstlerischen Formgestaltung gab es auch an verschiedenen Hochschulen der DDR.

Die meisten der früheren Werkkunstschulen gingen in Nachfolge-Hochschulen auf, wie beispielsweise:

oder wurden, wenn sie nicht selbst zu eigenständigen Hochschulen für Bildende Künste umgewandelt wurden, in bestehende Kunsthochschulen integriert. Beispielsweise

  • gingen aus den ehemaligen Zeichenschulen der „Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe“ (heute Patriotische Gesellschaft von 1765) neben der Fachhochschule Hamburg auch die Hamburger Schule für Kunst und Gewerbe, Vorläuferin der heutigen Hochschule für Bildende Künste Hamburg hervor,
  • entwickelte sich aus der ehemaligen „Technischen Anstalt für Gewerbetreibende“ (1873) in Bremen nach mehrmaliger Umbenennung die „Hochschule für Gestaltung“ (1970) und schließlich die heutige Hochschule für Künste Bremen
  • wandelte sich die ehemalige „Kieler Gewerbeschule“ (1907) in die „Technische und kunstgewerbliche Fachschule“ (1910), dann in die „Muthesius-Werkschule für Handwerk und angewandte Kunst“, nahm dann nacheinander des Stauts eine höheren Fachschule (bis 1972) beziehungsweise „Fachhochschule für Gestaltung“ an, bevor sie schließlich zur Muthesius Kunsthochschule Kiel (2007) erhoben wurde,
  • gingen des Weiteren aus dem Braunschweiger „Zeichen-Instithut“ (1841) die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig hervor, aus der „Offenbacher Werkkunstschule“ die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, aus der „Staatlichen Schule für Kunst und Kunstgewerbe, Saarbrücken“ (1924) die „Werkkunstschule für Kunst und Handwerk“ (1946–1971) wurde zum Fachbereich Kunst und Design der FH Saarbrücken und zur Hochschule der Bildenden Künste Saar (1989).
  • aus der „Barmer Kunstgewerbeschule“ (1894–1947) wurde die Werkkunstschule Wuppertal (1948–1972) zum Fachbereich Design und Kunst der Bergischen Universität Wuppertal.
  • aus der „Kunstgewerbeschule Essen“ (1911–1928) die „Folkwangschule“ (höhere Fachschule für Gestaltung) bis 1971, dann Teil der Universität Essen/Duisburg und ab 2008(zusammen mit der Musikhochschule und der Hochschule für Darstellende Künste) der Fachbereich Design der Folkwang Universität der Künste, die einzige Hochschule in Deutschland mit Promotionsrecht im Fach Design (Dr.des.).
  • die Kölner Werkschulen (1926–1971) wurden zum „Fachbereich Kunst und Design“ an der Fachhochschule Köln und 1993 als Köln International School of Design (KISD) und Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) neugegründet.
  • aus der Kunstgewerbeschule Wien (1877–1945) wurde die Akademie für angewandte Kunst, ab 1971 die Hochschule für angewandte Kunst und ab 1998 die Universität für Angewandte Kunst Wien.

Ohne Nachfolge blieben:

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wien war die Kunstgewerbeschule, die aus dem Österreichischen Museum für Kunst und Industrie hervorging, der Vorgänger der Universität für angewandte Kunst und wurde 1867 gegründet.

Im Sektor der höheren Bildung gibt es zwei Schulen mit Bildungsschwerpunkt Kunstgewerbe, die Ortweinschule (HTBLA) in Graz und die HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte der Kunsthochschule Kassel. Abgerufen am 2. Juli 2012.