Pegel Köln

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Pegel Köln mit mechanischer Pegeluhr.
Der kleine Zeiger zeigt die Meter, der große die Dezimeter des Wasserstandes an. Wasserstand auf dem Foto: 4,18 m
Pegel Köln (Hochwasser im April 1983)

Der Pegel Köln steht in der Kölner Altstadt-Nord am linken Rheinufer und misst den Wasserstand des Rheins am Stromkilometer 688. Er ist einer von 22 Pegeln am Rhein und neben dem Pegel Kaub der bedeutendste. Betrieben wird er vom Wasser- und Schifffahrtsamt Köln.

Geschichte[Bearbeiten]

Rheinhochwasser 1784 in Köln (Stich von Johann Baptist Bergmüller, der neben Groß. St. Martin auch ein paar Augsburger Bauwerke platzierte)
Pegel Köln (Juli 2014)
Pegelstände ab einer Höhe
von neun Meter
Datum Pegelstand
26.12.1819 09,69 Meter
22.01.1820 09,40 Meter
16.11.1824 09,50 Meter
27.12.1833 09,19 Meter
29.02.1844 09,55 Meter
29.03.1845 10,34 Meter
29.01.1846 09,36 Meter
05.02.1850 10,28 Meter
05.02.1862 09,49 Meter
11.02.1867 09,11 Meter
1875 09,03 Meter
14.03.1876 09,76 Meter
05.01.1880 09,13 Meter
22.12.1880 09,03 Meter
29.11.1882 10,52 Meter
02.01.1883 09,94 Meter
01.01.1920 09,62 Meter
16.01.1920 10,58 Meter
05.11.1924 09,80 Meter
01.01.1926 10,69 Meter
25.11.1930 09,13 Meter
28.11.1944 09,12 Meter
16.02.1945 09,01 Meter
11.02.1946 09,32 Meter
02.01.1948 10,41 Meter
21.01.1948 09,24 Meter
19.01.1955 09,70 Meter
27.02.1958 09,33 Meter
25.02.1970 09,87 Meter
08.02.1980 09,31 Meter
14.04.1983 09,81 Meter
30.05.1983 09,96 Meter
10.02.1984 09,11 Meter
29.03.1988 09,95 Meter
23.12.1993 10,63 Meter
21.01.1995 10,69 Meter
02.11.1998 09,49 Meter
25.03.2001 09,38 Meter
05.01.2003 09,71 Meter

Pegelbasierte Wasserstandsmessungen gab es in Köln mindestens ab etwa 1771, denn der Oberbaurat Johann Esaias Silberschlag berichtete in seinem 1772 erschienenen Buch „Hydrotechnik“ hierüber.[1] Tägliche Aufzeichnungen sind von diesem Kölner Pegel seit 1782 bekannt. Ein schwerer Eisgang am 27./28. Februar 1784 zerstörte diesen Pegel; ein Ersatz entstand erst 1810 an einer seichten Stelle am Casselberg in Form eines Lattenpegels, nachdem es seit Februar 1810 die erste bekannte Dienstanweisung über Pegel gab. Dieser Kölner Pegel begann ab 1. Januar 1813 mit regelmäßigen Beobachtungen. Es gibt jedoch aus anderen Quellen auch Angaben zu mittelalterlichen Wasserständen. Die früheste stammt von 1342, als man in Köln einen Pegelstand von 11,53 Metern nachwies. Im Jahre 1374 wurde ein neuer Höchststand mit 13,30 Meter gemessen, der absolute Höchststand lag 1784 (ein Eishochwasser) bei 13,63 Metern, einen absoluten Tiefststand gab es 1792 mit 8,72 Metern.[2]

Bis Dezember 1816 wurde der Wasserstand des Rheins bei Köln mit dem „kölnischen Fußmaß“ gemessen, das den Nullpunkt zwei Fuß unter dem niedrigsten jemals gemessenen Wasserstand festlegte.[3] Die preußische Maß- und Gewichtsordnung vom 10. Mai 1816 verlangte jedoch eine Änderung der Messtechnik, die seit dem 1. Januar 1817 angewandt wurde. „Pegelnull“ bedeutete danach, dass der Wasserspiegel des Rheins bei 34,977 Meter über Normalnull amtlicher Höhenmessung lag und der Zeiger der „Pegeluhr“ dann „Null“ zeigte („Pegelnullpunkt“). Das neue Pegelhaus an heutiger Stelle erhielt einen Schreibpegel und ging am 25. Juni 1901 in Betrieb. Es wurde bei einem Bombenangriff am 29. Juni 1943 zerstört. Ersatzweise zog man bis 1. März 1948 den Pegelstand im Rheinauhafen (Stromkilometer 687,6) heran. Das neue Pegelhaus ging am 1. November 1951 in Betrieb. Der Normalpegel liegt bei 3,48 Metern.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Die heutige Messung der Wasserstände erfolgt nach dem Prinzip der "Kommunizierenden Röhren": Im Pegelhaus befindet sich ein Schwimmerschacht, der über ein Zulaufrohr mit dem Rhein verbunden ist. Ein im Schacht befindlicher Schwimmer überträgt den Wasserstand nach oben in das Pegelhaus, wo die Werte von einem Schwimmerschreibpegel gespeichert und mit Datenfernübertragung versendet werden. Eine außen am Pegelhaus angebrachte Pegeluhr zeigt den Wasserstand für vorbeifahrende Binnenschiffer und Passanten an. Zusätzlich zum Schwimmersystem ist an der Außenseite des Pegelschachtes im Rhein eine Drucksonde installiert, welche ebenfalls den Wasserstand misst. Die zusätzliche Wasserstandsmessung wurde installiert, falls das Schwimmersystem auf Grund von technischen oder mechanischen Störungen einmal ausfallen sollte (redundante Pegelmessung).

Die gemessenen Wasserstände werden unmittelbar an die Datenserver der zuständigen Behörden übertragen. Von dort aus werden die Daten weiter verteilt und z.B. im Internet auf PegelOnline oder ELWIS veröffentlicht. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den Wasserstand telefonisch zu erfragen. Die bundeseinheitliche Pegelnummer lautet 19429 mit der entsprechenden Vorwahl des Pegelstandortes, für Köln also 0221-19429.

Ab 1. November 1979 wurde der Nullpunkt des Kölner Pegels um einen Meter auf 34,977 m ü. NN gesenkt, um negative Werte bei Niedrigwasser zu vermeiden. Am 15. Juni 1982 wurde der Pegelnullpunkt noch einmal auf 34,972 m ü. NN korrigiert.

Hochwasser[Bearbeiten]

Der höchste jemals gemessene Stand des Rheins am Pegel Köln wurde am 27./.28 Februar 1784 mit 13,84 m erreicht. In jüngerer Zeit stieg der Rhein 1926, 1993 und 1995 jeweils auf 10,63 m bis 10,69 m.

Erste Hochwasserschutzmaßnahmen werden in Köln ab einem Pegel von 4,50 m eingeleitet. Bei einem Pegel von 6,20 m wird die Hochwassermarke I erreicht, bei der erste Einschränkungen für die Schifffahrt gültig werden. So dürfen die Schiffe nur mit reduzierter Geschwindigkeit, nicht schneller als 20 km/h, in der Talfahrt fahren, um keine Schäden am Ufer durch Wasserwellen zu verursachen. Für die Bergfahrt gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Bei einem Pegel von 8,30 m wird die Hochwassermarke II erreicht und der Schiffsverkehr wird komplett eingestellt. Ab einem Pegel von 9,80 m wird der Rheinufertunnel geschlossen, bei 10,70 m sieht der Hochwasserplan der Stadt Köln die Auslösung des Katastrophenalarms vor. Die Altstadt wird dank neuer Schutzmaßnahmen nach den Hochwassern 1993 und 1995 erst bei 11,30 m überflutet.[4]

Mittelwasser[Bearbeiten]

Der Zehnjahresdurchschnitt des Rheinpegels bei Köln, das so genannte Mittelwasser, beträgt am Pegel Köln 3,21 m (Zeitraum 2001 bis 2010).[5]

Niedrigwasser[Bearbeiten]

Am 29. September 2003 erreichte der Rhein am Pegel Köln mit 0,81 m ein Rekordtief und stellte damit das bisherige Rekordtief am Pegel Köln von 1947 ein. Damit war die Binnenschifffahrt auf dem Rhein im Sommer 2003 stark beeinträchtigt, nicht aber wie auf der Elbe wegen Niedrigwassers ganz eingestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pegel Köln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Esaias Silberschlag, Hydrotechnik, 1772, S. 352
  2. Patrick Masius, Risiko und Chance: Das Jahrhunderthochwasser am Rhein1882/1883, 2013, S. 57
  3. Heinrich Karl Wilhelm Berghaus, Allgemeine Länder- und Völkerkunde, Band 2, 1837, S. 253
  4. Die Maßnahme in der Altstadt-Süd im Detail (PDF; 391 kB)
  5. Amtliche Messwerte des Pegels Köln

50.9369583333336.9632666666667Koordinaten: 50° 56′ 13″ N, 6° 57′ 48″ O