Peripherie

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Der Begriff Peripherie (von altgriechisch περιφέρειν periphérein „herumtragen“, „sich (her-)umdrehen“) bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch „Umgebung“ oder „Umfeld“, beispielsweise die Umgebung einer Stadt oder einer Region im Gegensatz zum Kernbereich.

Er bezeichnet eine Umfangslinie (besonders des Kreises) oder einen Rand (besonders einer Stadt). Oft wird der Ausdruck 'peripher' einfach verwendet, um eine Sache als randständig darzustellen, beispielsweise „... es trifft einen nur peripher ...“.

Verwendung in der Geographie[Bearbeiten]

In der Geographie wird der Begriff Peripherie verwendet, um einen Gegensatz für ein Zentrum zu beschreiben. Er kann lokal, also innerhalb einer Stadt, regional, innerhalb eines Landes, oder global für die gesamte Welt verwendet werden. Häufig wird er verwendet, um räumliche Disparitäten aufzuzeigen oder zu erklären.

Verwendung in der Mathematik[Bearbeiten]

Das Wortschatzlexikon der Universität Leipzig bezeichnet "Peripherie" als einen mathematischen Begriff für den Umfang des Kreises [1], das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache als "äußersten Rand einer krummlinig begrenzten Fläche, besonders eines Kreises" [2]

Verwendung in der Politikwissenschaft[Bearbeiten]

In den marxistisch geprägten Strömungen der Politikwissenschaft ist Peripherie ein Begriff für die, einem Machtzentrum umliegenden Gesellschaften, die von ihm abhängig sind und zunehmend ausgebeutet werden (vgl. Imperialismus). Mithilfe des Modells von Peripherie und Zentrum analysieren die Dependenztheorien die Unterentwicklung des globalen Südens, welche als Produkt einer, von den Zentren ausgehenden, kapitalistischen Wirtschaftsordnung gesehen wird. In der Weltssystemtheorie wurde dieser Gedanke zu einem Welterklärungsansatz weiterentwickelt. Außerdem wird eine weitere Ausdifferenzierung vorgenommen, indem das Modell um die Semiperipherien erweitert wird. Beispiel: Lateinamerika als „Peripherie“ der „MetropoleVereinigte Staaten.

Siehe auch: Peripherie (Zeitschrift)

Verwendung in der Soziologie[Bearbeiten]

In den historisch-soziologischen Studien Immanuel Wallersteins erscheint die Peripherie als Gegenstück zur Hegemonie. Darauf aufbauend verwendet Christian Giordano den Begriff in Zusammenhang mit den sechs historischen Regionen Europas. Er bezeichnet damit einerseits einen Großraum in Nordeuropa, der sich von Island über Westirland, Schottland und die Mitte der skandinavischen Halbinsel bis nach Nordwest-Finnland erstreckt. Andererseits nennt er jedoch auch Enklaven wie die Pyrenäen, verarmte Regionen in den Alpen oder im französischen Zentralmassiv peripher. Bei diesen Kulturarealen handelt es sich überall um abgelegene, marginale und dünn besiedelte Großräume, in denen häufig Subsistenzwirtschaft betrieben wurde und jegliche kulturellen Entwicklungen stark verzögert ankamen.[3]

In Soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns ist die Unterscheidung Zentrum/Peripherie grundlegend für das Verständnis einiger Subsysteme der Gesellschaft. So bildeten im Rechtssystem die verbindlich entscheidenden Gerichte das Zentrum, während alle anderen Teilnehmer am juristischen Diskurs nur unverbindlich entscheiden könnten und daher Peripherie seien.

Verwendung im Verwaltungsrecht[Bearbeiten]

Griechenland ist in 13 Peripherien eingeteilt. Siehe Politische Gliederung Griechenlands.

Verwendung in der Computertechnik[Bearbeiten]

In der Computertechnik wird der Ausdruck Peripherie verwendet, wenn von Peripheriegeräten die Rede ist, das sind z. B. alle Geräte, die an die Zentraleinheit angeschlossen sind/werden. Diese Geräte bedürfen der Steuerung durch die Zentraleinheit und gegebenenfalls einer vorherigen Initialisierung. Dies sind zum Beispiel Drucker, Scanner, Tastatur und Maus, aber auch interne Geräte wie Anschlüsse, Laufwerke und Erweiterungskarten.

Verwendung in der Biologie/Medizin[Bearbeiten]

Peripher kann frei als „anliegend“ oder „unmittelbar darauf folgend“ bezeichnet werden. In der Zellbiologie z. B. liegen periphere Membranproteine direkt auf bzw. unterhalb der Plasmamembran. Das Bezugssystem kann aber auch weiter gefasst werden. So werden in der Anatomie jene Teile, die weiter weg vom Körperzentrum oder dem Zentrum eines Organsystems als peripher bezeichnet, beispielsweise die Gliedmaßen oder herzferne Blutgefäße. Das Periphere Nervensystem umfasst alle Teile des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark.

Verwendung in der Philosophie[Bearbeiten]

Die Zentralität der Handlungserfahrung: Es wird zwischen zwei Handlungsperspektiven unterschieden, zum einen gibt es die Berichtsperspektive (bezieht sich auf er/sie/es bzw. 3. Person bzw. Beobachter), zum anderen die Vollzugsperspektive (ich bzw. 1. Person bzw. Teilnehmer). Eine Person in der Vollzugsperspektive befindet sich immer „im Zentrum der eigenen Peripherie“ und kann dieses Zentrum nicht verlassen. Jedoch muss nicht jede Aussage, die von einem „ich“ handelt vollzugsperspektivisch sein.
Zum Beispiel: a verspricht b, dass q. a = ich. Man kann also auch über sich selbst berichten.

Verwendung in der Veranstaltungstechnik[Bearbeiten]

In der Veranstaltungstechnik bezeichnet man als Peripherie, Geräte die um das Mischpult (zentrale Regeleinheit) angeordnet sind. Diese Peripheriegeräte sind z.B. Equalizer, Compressor-Limiter, Halleffekte ,Scratching-Table.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Peripherie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wortschatzlexikon der Universität Leipzig
  2. Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache
  3. Christian Giordano: Interdependente Vielfalt: Die historischen Regionen Europas. in: Karl Kaser u.a. (Hg.): Europa und die Grenzen im Kopf, Wieser-Verlag, Klagenfurt 2003, S. 113 - 134.