Peter Maly

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Peter Maly (* 19. August 1936 in Trautenau) ist ein deutscher Innenarchitekt und Industriedesigner. Sein Betätigungsfeld ist der Entwurf von Möbeln und Einrichtungsgegenständen.

Werkbiografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als er in den 1980er Jahren Aufträge von Ligne Roset bekam, waren die Franzosen ausdrücklich an seiner Systemerfahrung und seinem Technikverständnis interessiert. Tatsächlich gilt sein Werk bis heute als Inbegriff deutscher Rationalität. Der in Böhmen geborene Maly würde kaum widersprechen. Nach der Ausbildung als Tischler und dem Studium der Innenarchitektur arbeitete er in den 60er Jahren für die damals gerade gegründete Zeitschrift Schöner wohnen, Deutschlands größtem Einrichtungsjournal, das er mitprägte und das ihn prägte. Mit seinem monatlichen "Skizzenbuch", in dem er Wohnprobleme der Millionen zählenden Leserschaft löste, wurde der Neuling auf einen Schlag bekannt. Bei seinen Fotoinszenierungen moderner Wohnräume - damals ein Novum - sammelte er Erfahrungen, die Grundstock seiner Karriere wurden.

Parallel entstanden erste Möbelentwürfe, zuerst für Tecta und Interlübke, später auch für COR Sitzmöbel. Mit Axel Bruchhäuser, Leo Lübke sen. und Helmut Lübke traf der junge Maly hier auf charismatische Unternehmer. Waren es anfangs die dänische Möbelschule und die Pop Art, die ihn inspirierten, so entdeckte er später das Bauhaus für sich. Seitdem sind geometrische Formen fester Bestandteil der Entwürfe, wie etwa beispielhaft beim Sessel-Zyklus.

Ab 1971 selbstständig, arbeitete er als einer der ersten Artdirektoren der Branche, entwarf Messestände, Kataloge und Anzeigen, inszenierte Fotos. Zuerst für Interlübke, was bei fast allen seinen Kunden danach die Regel war. Hieraus erklärt sich auch jener Perfektionismus, der über die eigentliche Entwurfsarbeit weit hinausgeht. Der Hamburger begleitete ein Produkt von Anfang bis Ende, einschließlich der Messepräsentation und Werbekampagne.

Der Durchbruch als Designer gelang schließlich Mitte der 1980er Jahre, als mit dem Maly-Bett (für Ligne Roset), dem Sessel Zyklus (für COR) und dem Schranksystem Duo (für Interlübke) auch kommerziell erfolgreiche Produkte von drei großen Herstellern fast zeitgleich auf den Markt kamen. Selbst wenn Maly sich von geometrischen Grundformen leiten lässt, geht es ihm doch immer auch gleichzeitig um Funktion und Zweckmäßigkeit. "Der Stuhl ist für den Hintern gemacht, nicht für den Kopf ", hat er es einmal auf den plausiblen Punkt gebracht. Auch Langlebigkeit ist ein wichtiges Kriterium. Der Stuhl 737 (1994 für Thonet) vereint vieles davon. "Möbel", so der ökologisch Inspirierte, "sollten wieder vererbbar sein ".

Inzwischen hat der Altmeister des deutschen Möbeldesigns auch auf zahlreichen anderen Gebieten seine klare Handschrift hinterlassen, seien es Leuchten (für Anta), Klaviere und Flügel (für Sauter), Kamine (für Conmoto) oder Teppiche (für Carpet Concept und JAB Anstoetz). Dabei gelang es Maly, einige der letzten bis dato traditionsverhafteten Metiers in die Moderne zu überführen: So geschehen mit dem Klavier Pure und dem Flügel Ambiente, oder dem Kamin Balance, der ersten modular aufgebauten Feuerstelle.

Malys Markenzeichen bleiben Sitzmöbel wie der legendäre Sessel Zyklus und die Sesselgruppe Circo (beide für COR) und Schranksysteme, darunter epochale Programme wie Menos (für Behr) oder Quadrat (für Kröncke), das seit einem Vierteljahrhundert nicht altert, sowie das Maly-Bett (für Ligne Roset), von 1984 bis 2012 in Produktion. Solche Erfolge basieren nicht zuletzt auf seiner Fähigkeit, sich auf die jeweils unterschiedliche Firmenkultur einzulassen. Die zeigt auch die Zusammenarbeit mit dem japanischen Möbelhersteller Conde House, eine Aufgabe, bei der japanische Ästhetik und europäische Designkultur zu verbinden waren. Dabei setzt der Entwurf eines jeden Produktes einen intensiven Prozess voraus, denn: " Design braucht Kommunikation ".

(Bernd Polster)

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Produkte modisch zu machen, sie einem viel zu schnellen Rhythmus zu unterwerfen ist geradezu verantwortungslos! Das Ziel meiner Arbeit ist es, Formen zu schaffen, die über längere Zeit Bestand haben können.“

„Ich liebe die Arbeit mit geometrischen, klaren Formen. Diese logisch begründbare Formsprache hat mich davor bewahrt, mich in Irrationalitäten zu verlieren.“

„Vielleicht sind wir Designer mit der nötigen künstlerischen Sensibilität ausgestattet, um Ansprüche von Menschen zu erspüren, die in deren Köpfen noch gar nicht existent sind.“

„Wer behauptet eigentlich, dass perfekte Funktion und gutes Design gegensätzliche Pole darstellen, das Gegenteil ist der Fall! Erst durch die Verbindung beider entsteht gutes Design!“

„Schon ganz am Anfang des Entwurfsprozesses beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich das neue Möbelstück mit dem zukünftigen Raum und den anderen Komponenten verbinden kann.“

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Axel Buck, Matthias Vogt (Hrsg.): Peter Maly. Designermonographien. Verlag Form, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-931317-91-9.
  • Bernd Polster (Hrsg.): werkbiografie design Peter Maly. DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-7771-3.
  • Bernd Polster u. a.: Möbeldesign Deutschland. Die Klassiker. DuMont Literatur und Kunst, Köln 2005, ISBN 3-8321-7365-X, S. 326.
  • Moderne Klassiker, Möbel die Geschichte machen. Gruner + Jahr, Hamburg 1980, ISBN 3-570-01367-7, S. 204.
  • Das Buch der Designer. Callwey, München 2011, ISBN 978-3-7667-1930-0, S. 132.
  • Peter Zec (Hrsg.): Who's Who in Design. reddot edition, Essen 2007, ISBN 978-3-89939-083-4, S. 360–361.
  • Bernd Polster (Hrsg.): Wohndesign Deutschland. die Klassiker. DuMont, Köln 2008, ISBN 978-3-8321-7767-6, S. 493.
  • Design-Lexikon Deutschland. Dumont, Köln 2000, ISBN 3-7701-4429-5, S. 236–237.
  • Das Buch der Klassiker. Südwest-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-517-08706-1, S. 97+140+189+196.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]