Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Ostfassade mit Haupteingang
Logo Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.svg
Daten
Ort Hamburg
Art Kunstgewerbemuseum
Architekt Carl Johann Christian Zimmermann
Eröffnung September 1876
Besucheranzahl (jährlich) 241.000 (2015)
Betreiber Stiftung des öffentlichen Rechts
Leitung Sabine Schulze
Website www.mkg-hamburg.de
ISIL DE-MUS-059918

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg ist ein Kunstgewerbemuseum in Hamburg. Es wurde 1876 als viertes Kunstgewerbemuseum im deutschsprachigen Raum (nach Leipzig, Wien und Berlin) gegründet. Das Museumsgebäude am Steintorplatz im Stadtteil St. Georg am Hauptbahnhof beherbergte bis 1970 auch eine Gewerbeschule. Das Museum wird von einer Stiftung des öffentlichen Rechts getragen und hat den Zweck einer „Einrichtung der Kultur, insbesondere der Kunst und angewandten Kunst, mit seinen Sammlungen aus den europäischen, antiken und asiatischen Kulturkreisen“.[1]

Die Sammlung umfasst etwa 500.000 Objekte und ist in vierzehn Bereiche aufgeteilt. Hervorzuheben sind mehrere Period Rooms, darunter der Spiegelsaal aus dem Budge-Palais, das „Pariser Zimmer“ und Verner Pantons Spiegel-Kantine. 2015 kamen 241.000 Besucher.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Anregung zur Gründung des Museums kam 1861 von der Patriotischen Gesellschaft, Gewerbeschulen sowie eine Mustersammlung zur Förderung des städtischen Gewerbes einzurichten.[3] Über Jahre hinweg verfolgte die Patriotische Gesellschaft diese Idee und brachte sie in die Hamburger Politik ein, 1865 beschloss dann der Senat die Eröffnung einer Gewerbeschule und einer Schule für Bauhandwerker.[3]

1868 sammelte ein aus der Patriotischen Gesellschaft heraus gegründeter „Gewerbe-Verein“ private Mittel in Höhe von 13.000 Mark, mit denen der Schriftführer des Vereins, der damals 25-jährige Justus Brinckmann, erste Ankäufe für ein Museum tätigte,[3] unter anderem auf der Weltausstellung 1873 in Wien.[4]

Das Museum wurde am 15. September 1874 als viertes Kunstgewerbemuseum im deutschsprachigen Raum gegründet. Es befand sich zunächst in einem „provisorischen Austellungslocal“ bei St. Annen.[3] Im gleichen Jahr erkannte der Senat den Standortnachteil Hamburgs im Kunstgewerbe und bewilligte die Finanzierung des Museums zur Förderung des regionalen Kunstgewerbes.[3]

Im September 1876 bezog die „Allgemeine Gewerbeschule“, zu der auch die „Staatliche Baugewerkschule“ gehörte,[5] den neu errichteten Schul- und Museumsbau am damaligen Lämmermarkt. Am Ende des Monats wurde dann das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg eröffnet.[6] Dort teilte es sich zunächst 18 Räume im Erdgeschoss mit dem Botanischen Museum und dem Völkerkundemuseum.[3]

Ziel des Gründungsdirektors Justus Brinckmann war es, „den Geschmack zu bilden und das künstlerische Niveau des Handwerks zu steigern“. Regionalen Kunsthandwerkern sollten Beispiele vorbildlicher Gestaltung aus der ganzen Welt gezeigt werden.[4] Vorbilder waren das South Kensington Museum (gegründet 1852, heute Victoria and Albert Museum, London), das Österreichische Museum für Kunst und Industrie (gegründet 1863, heute Museum für angewandte Kunst Wien) und das Deutsche Gewerbemuseum (gegründet 1867, heute Kunstgewerbemuseum Berlin).

Erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Osten (Hauptfassade) von 1885.

Der Jurist Brinckmann leitete das Museum bis 1915.[4] Er besuchte die Weltausstellungen in Antwerpen (1885) und Paris (1900) und erwarb als vorbildlich empfundenes Kunsthandwerk.[4] Aus der Zeit seiner Leitung stammen vor allem Fotografien, Plakatkunst, Jugendstilobjekte und japanische Kunst.[3] Ab 1879 fand eine jährliche Messe für Kunst und Handwerk statt, die heute noch durchgeführt wird. In der Frühzeit des Museums verlieh das Museum auch Objekte an Handwerker zur Inspiration. Brinckmanns Nachfolger Max Sauerlandt (1919–1933) ergänzte die Sammlung zu einer umfassenden historischen Darstellung.[3] Gleichzeitig wurde zeitgenössische Kunst angekauft, darunter ein namhafter Bestand an Werken des Expressionismus. Im April 1933 wurde Sauerlandt nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wegen seines Eintretens für die „Entartete Kunst“ als Museumsleiter entlassen.[7] 250 dieser Werke wurden 1937 als „Entartete Kunst“ eingestuft und sind größtenteils verschollen.[3]

Ansicht von Westen – der heute davor liegende Hauptbahnhof wurde 1906 eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1943 wurde das Gebäude von Bomben teilweise zerstört. Der Wiederaufbau war 1959 beendet. Die ebenfalls im Gebäude befindlichen Schulen wurden nach und nach ausgelagert. Die Gewerbeschule im Museumsgebäude wurde 1975 geschlossen.[6]

1996 wurde eine umfassende Sanierung begonnen, die erst 2012 abgeschlossen wurde.[3] 2000 wurde mit dem „Schümann-Flügel“ ein Erweiterungsbau eröffnet.[3] 2006 wurde der Mittelbau als „Hartog-Flügel“ wiedereröffnet.[6]

Die Westfassade 2014, darunter die Gleisanlagen des Hauptbahnhofs.

Die 2006 berufene Direktorin Sabine Schulze gestaltete das Museum um. Anlass war der Abschluss der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen.[4] Im Zuge der Umgestaltung wurden zeitlich oder thematisch passende Abteilungen zusammengelegt. Darüber hinaus soll eine thematische, epochenübergreifende Präsentation erfolgen.[4] Die Umgestaltung wurde von der Fachpresse gelobt.[8][4][9] Die Aufteilung der Porzellan- und Fayenceabteilung erntete jedoch Kritik bei Keramikliebhabern.[10] Ein Schwerpunkt des Museums liegt heute auf kulturgeschichtlichen Aspekten.[4]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild von Südwesten 2013, im Vordergrund das ehemalige Bahnpostamt, die heutigen Bücherhallen.

Das Museumsgebäude wurde 1873–1875 nach den Plänen von Carl Johann Christian Zimmermann als Mehrzweckbau erbaut.[11] Für Zimmermann bot sich angesichts der vorgefundenen Größe und Form des Grundstücks bei dieser Bauaufgabe eine Vierflügelanlage mit zwei Innenhöfen an, wie sie bereits in Wien beim Bau der Akademie der bildenden Künste, der Kunstgewerbeschule und des Kunsthistorischen Museums zur Anwendung gekommen war. Denselben Aufbau verwendete er später beim Hamburger Strafjustizgebäude und dem Ziviljustizgebäude. Wenige Jahre Zeit später (Einweihung am 17. September 1891) entstand ähnlich wie in Wien als Pendant zum Haus am Steintorplatz ein Naturhistorisches Museum am Anfang der späteren Mönckebergstraße (heute „Saturn-Immobilie“). Architekten waren Semper und Krutisch. Das Naturhistorische Museum wurde 1943 zerstört.

Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich das Museum, in den oberen Stockwerken lagen die Klassenräume einer Allgemeinen Gewerbeschule, einer Kunstgewerbeschule und einer Realschule.[4]

Zu den im heutigen Museumsgebäude untergebrachten Schulen gehörten die Folgenden: Allgemeine Gewerbeschule mit der Schule für Bauhandwerker und gewerbliche Vorschulen, Abend- und Sonntagsschulen, Schule für Maschinenbauer und Techniker, Schule für Bauzeichen und Freihandzeichnen, Staatliche Hauptgewerbeschule mit Tages- und Abendunterricht, Kunstgewerbeschule (bis zum Umzug 1913 in den Neubau am Lerchenfeld), Technische Lehranstalten (Schiff- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Schiffsingenieurschule). Die Realschule (später Realgymnasium) des Johanneums (bis zum Umzug 1905 in den Neubau in der Armgartstraße[12]), dann Realschule St. Georg (bis zum Umzug 1907 in den Neubau in der Rostocker Straße), Büro der Oberschulbehörde (bis 1887). In alten Adressbüchern finden sich außerdem die Schmiedeschule und die Fachschule der Dentisten, die landwirtschaftliche Fortbildungsschule, staatliche Fortbildungsschulen und das archäologische Seminar. Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich noch die Bauschule und die Schule für Verfahrenstechnik im Haus.

Schnitt durch das Gebäude aus dem Jahr 1890: Links die Aula, in der Mitte die Turnhalle.
Blick in den Innenhof 2015, deutlich sichtbar sind die nachträglichen Anbauten.

Zwischen den beiden Innenhöfen war im Erdgeschoss eine etwa neun Meter hohe Turnhalle in dem Sockelgeschoss untergebracht. Sie diente der Realschule. Für eine Turnhalle ungewöhnlich und „ganz unzulänglich“[12] – war sie in der Mitte durch vier mächtige Stützpfeiler unterteilt. Bei Auszug der Realschule wurde 1908 die Turnhalle in einen Ausstellungsraum umgewidmet, 1952 wurde zusätzlich eine Zwischendecke eingezogen, dies geschah auch bei der zuvor zweigeschossigen Aula.[13] Das Gebäude wurde 1981 unter Denkmalschutz gestellt. 2000 wurde der nach Hans-Otto Schümann benannte „Schümann-Flügel“ bezeichnete Erweiterungsbau auf der Fläche des ehemaligen Schulhofs bezogen.[6] Die zuvor im Zwischengeschoss der ehemaligen Turnhalle untergebrachte Bibliothek zog in dessen Souterrain um. Beim Umbau ab 2006 wurden in der Nachkriegszeit vorgenommene Umbauten entfernt,[4] die Mittelachse des Gebäudes wurde zum so genannten „Hartog-Flügel“ umgebaut.[14] Im Zwischengeschoss der ehemaligen Turnhalle fand nun die von Harold A. Hartog gestiftete Porzellan- und Fayence-Sammlung Platz.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trägerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 in eine Stiftung öffentlichen Rechts überführt.[3] Das Museum wird von einer Direktorin und einem kaufmännischen Geschäftsführer geleitet.[3]

Direktoren

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Justus Brinckmann Gesellschaft.

Das Museum ging aus dem 1886 gegründeten „Kunstgewerbeverein zu Hamburg“ hervor.[6] Diese Organisation bestand auch nach der Eröffnung des Museums fort, daneben gründete Max Sauerlandt 1921 eine eigene „Justus Brinckmann Gesellschaft“. Diese wurde 1933 aufgelöst, während der Kunstgewerbeverein gleichgeschaltet wurde. Der Verein wurde 1945 wiederbelebt und 1969 in „Justus Brinckmann Gesellschaft“ umbenannt.[6] 1996 beteiligte sich die neue Justus Brinckmann Gesellschaft durch eine Tochtergesellschaft am Neubau des Schümann-Flügels.

Heute unterstützt die Justus Brinckmann Gesellschaft einzelne Projekte des Museums und gibt Publikation heraus. Anlässlich der jährlichen Handwerksmesse, die der Verein gemeinsam mit dem Museum veranstaltet, verleiht der Verein den Justus Brinckmann Preis. Der Verein hat heute 4.000 Mitglieder und ist damit der größte Freundeskreis eines Museums in Deutschland.

Sammlung und Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sammlungsgebiet ist weit gefächert, gesammelt wird „alles, außer Bildern“, jedoch verfügt das Museum auch über Fotografien und Grafiken.[4] Die Sammlung umfasst insgesamt etwa 500.000 Objekte[3] und wurde 2012 wurde nach fünfzehn Schwerpunkten gegliedert.[3] Die Ausstellungsfläche beträgt 18.000 Quadratmeter,[18] die nicht chronologisch, sondern nach Themen geordnet ist.[3] Hervorzuheben sind mehrere Period Rooms, darunter der Spiegelsaal aus dem Budge-Palais, das „Pariser Zimmer“ und die Spiegel-Kantine.

Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike

Die Abteilung Antike wurde nach einer Sanierung der Ausstellungsflächen 2012 neu eröffnet. Es werden etwa 650 altorientalische, ägyptische, griechische, etruskische und römische Werke auf einer Fläche von 400 Quadratmetern gezeigt.[19] Die Präsentation ist chronologisch. Das älteste Objekt ist ein etwa 7.000 Jahre alter Keramikbecher aus Anatolien. Die ägyptischen Exponate werden in einer nachgestellten Grabkammer präsentiert.[19]

Mittelalter bis Renaissance
Osterteppich aus dem Kloster Lüne.

Die Abteilung Mittelalter bis Renaissance wurde ebenfalls 2012 neu eröffnet, die Ausstellungsfläche beträgt 220 Quadratmeter.[19] Die mittelalterliche Kunst unter dem Leitmotiv des Christentums gezeigt, deren Herzstück der Osterteppich von Lüne ist. Eine weitere Besonderheit ist eine nachgestellte Kunstkammer.

Barock bis Klassizismus

Zur Abteilung ist auch der so genannte Spiegelsaal des Budge-Palais 1909 zu zählen. Er war 1909 dem Budge-Palais in Harvestehude als Gartensaal für Veranstaltungen angefügt worden und ist historistisch ausgestaltet. Der Saal wird heute für Konzerte genutzt.

Design

Die Abteilung wurde 2012 im Zuge der Neuordnung der Dauerausstellung neu geschaffen.[20] Etwa 1000[21] Designobjekte werden nach Materialien geordnet ohne besondere Struktur[22] in den Themenräumen „Innovation“, „Subversion“, „Nachhaltigkeit“ und „Branding“ gezeigt.[23] Höhepunkt ist der orangefarbene Raum aus Verner Pantons Spiegel-Kantine aus dem Jahr 1969, die Dieter Rams' Arbeitszimmer aus der Hamburger Hochschule für bildende Künste gegenübergestellt wird.[22][23] Er wird auch für Veranstaltungen genutzt.[4]

Fotografie und neue Medien

Die Fotografiensammlung des Museums ist eine der ältesten in Deutschland und umfasst mehr als 75.000 Werke von der Mode- und Sachfotografie über den Bildjournalismus bis hin zur freien künstlerischen Fotografie und dokumentiert auch die technische Entwicklung der Fotografie. Einen Schwerpunkt bildet die 1916/1917 angekaufte Sammlung Ernst Juhls, einen anderen die von Fritz Kempe begründete Sammlung zur Geschichte der Fotografie. F. C. Gundlach stiftete dem Museum 1991 seine Sammlung mit Modefotografien. Aus Rücksicht auf die Stücke wird die Sammlung nur in wechselnden Sonderausstellungen gezeigt.

Moderne
Maskenfigur „Springvieh“ von Lavinia Schulz und Walter Holdt.

Die 2012 neu gestaltete Abteilung Moderne zeigt Möbel, Skulpturen, Bildende Kunst, Kunsthandwerk, Design, Fotografie und Mode vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Auf Werken des Expressionismus folgt unter anderem eine Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky und Möbel aus dem Bauhaus. Als Period Room wird ein Wohnzimmer von Marcel Breuer gezeigt. Ein weiterer Raum ist dem Hamburger Designer Peter Behrens gewidmet.

Plakat

Die Plakatsammlung des Museums eine der ältesten und bedeutendsten ihrer Art.[24] Justus Brinckmann sammelte ab den 1880er Jahren Plakate und veranstaltete ab 1892 regelmäßig Plakatausstellungen. Heute umfasst die Sammlung kulturelle Plakate, Produktwerbung und politische Plakate.

Grafik

Die grafische Sammlung legt einen Fokus auf die angewandte Grafik, also von der Briefmarke bis zum Plakat. Sie begann als Vorlagensammlung für die dem Museum angegliederte Gewerbeschule. Ausgangspunkt sind Ornamentstiche, Schwerpunkte liegen in den Nachlässen von Carl Otto Czeschka, Alfred Mahlau und Oskar Hermann Werner Hadank. Die Ausstellung ist wegen der Lichtempfindlichkeit der Stücke wechselnd.

Jugendstil

Die Abteilung „Jugendstil“ gründet auf Stücken, die der Gründungsdirektor Justus Brinckmann 1900 auf der Pariser Weltausstellung erworben hatte. Dazu gehören Möbel und Teppiche, Glas und Keramik, Schmuck, Buch- und Plakatkunst. Damit beherbergt das Museum eine der bedeutendsten Jugendstil-Sammlungen der Welt.[25][3] Kernstück der Abteilung ist der „Pariser Saal“ als Gesamtensemble, dessen Exponate auf der Weltausstellung 1900 in Paris erworben wurden.[26]

Keramik

Die herausragende[3] Porzellansammlung des Museums deckt die meisten großen Manufakturen des 17. und 18. Jahrhunderts ab. Dazu kommt chinesisches Porzellan aus der Sammlung Harold A. Hartog[27] und frühes Fürstenberger Porzellan aus der Sammlung Reichmann. Die 2006 eigens geschaffenen Ausstellungsräume wurden zugunsten des Rückbaus der schon 1908 zum Ausstellungsraum umgewidmeten Turnhalle wieder aufgegeben. Die Sammlung wird seitdem thematisch getrennt gezeigt.

Mode

Die Modesammlung umfasst mehr als zehntausend Einzelteile von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis heute. Dazu gehören Stücke von Christobál Balenciaga, Yves Saint Laurent, André Courrèges, Wolfgang Joop, Martin Margiela und Alexander McQueen. Sie wird ergänzt durch andere Beispiele aus der Antike, aus Ostasien und christliche Ornate; einen Schwerpunkt stellt das zeitgenössische japanische Modedesign dar, darunter Modelle von Issey Miyake. Wegen der Lichtempfindlichkeit der Stücke wird auch hier immer nur ein Teil ausgestellt.

Ostasien
Japanisches Teehaus.

Aus Wien brachte Brinckmann im Jahr vor der Eröffnung des Museums 324 Objekte mit, darunter japanische Kunst.[3]

Die Abteilung wurde 2012 unter dem Namen „Buddhismus“ neu eröffnet; in der Dauerausstellung werden 100 Stücke gezeigt. Die Sammlung asiatischer Kunstwerke gehört weltweit zu den größten ihrer Art.[6] Zur Abteilung gehört auch ein Konvolut von 2000 japanischen Schwertstichblättern, so genannten, Tsubas, die die größte derartige Sammlung außerhalb Japans ist.[28] Als Period Room wird ein japanisches Teehaus gezeigt.

Islamische Kunst

Die Abteilung „Islamische Kunst“ wurde 2015 neu eröffnet; ausgestellt werden etwa 270 Gegenstände. Die Präsentation soll den Islam als Hochkultur erklären und „Vorurteile entkräften“.[29]

Zweimanualiges Cembalo von Christian Zell.
Musikinstrumente

Eine weitere Besonderheit des Museums ist die Sammlung historischer Tasteninstrumente aus der Sammlung Andreas E. Beurmanns.[3][18] Die Instrumente sind zu einem großen Teil spielbar.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sonderausstellungsflächen liegen seit der Umgestaltung nebeneinander im ersten Stock.[4] Die erfolgreichste Sonderausstellung des Museums war die Schau „Tutanchamun“, die 1981 620.000 Besucher anlockte und als erste „Blockbuster-Ausstellung“ Deutschlands gilt.[3]

In einem Galerieraum wird aus einer Dauerleihgabe der Hamburger Sparkasse eine Auswahl aus 350 Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen der Hamburger Sezession gezeigt.

Die große Welle vor Kanagawa“ von Hokusai aus der Abteilung Ostasien ist das beliebteste Werk der Sammlung Online.

Unter dem Namen „Sammlung Online“ betreibt das Museum seit 2015 eine Website, auf der Digitalisate (Fotografien und Scans) vieler Sammlungsgegenstände abrufbar sind, deren urheberrechtlicher Schutz abgelaufen ist. Das Museum verzichtet dabei als erstes Museum in Deutschland auf seine Rechte an den angefertigten Abbildungen, so dass diese zu beliebigen (auch kommerziellen) Zwecken weiterverwendet werden können.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum besitzt seit seiner Gründung eine kunstwissenschaftliche Fachbibliothek mit einem Schwerpunkt auf der angewandten Kunst. Sie verfügt über einen Bestand von etwa 200.000 Bänden. Seit der Neueinrichtung im Schümann-Flügel im südlichen Innenhof des Museums 2000 trägt die Museumsbibliothek den Namen „Gerd Bucerius-Bibliothek“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Klemm: Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Hrsg.: Wilhelm Hornbostel. Band 1: Von den Anfängen bis 1945. Eigenverlag des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, 2004, ISBN 3-923859-60-0.

Museumsführer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Justus Brinckmann: Führer des Hamburgischen Museum für Kunst und Gewerbe, Band 1, online und Band 2, online, Hamburg 1894.
  • Prestel-Museumsführer Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Prestel, München 2000, ISBN 3-7913-2206-0.

Ausstellungskataloge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museum für Kunst und Gewerbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Satzung der Stiftung öffentlichen Rechts „Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg“, HmbGVBl. 2013, S. 168, § 2 Abs. 1.
  2. Julika Pohle: Museum hat die Jugend im Visier. welt.de, 14. Januar 2016
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Sabine Schulze: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG). In: Patriotische Gesellschaft von 1765 (Hrsg.): Dem öffentlichen Wohle – 250 Jahre Denken und Handeln für Hamburg. Hamburg 2015, S. 32.
  4. a b c d e f g h i j k l m Jan van Rossem: Archiv des guten Geschmacks. In: A&W Architektur & Wohnen. Nr. 3/2015, S. 165–176.
  5. Daniel Schreiber: Höger als Erzieher in: Claudia Turtenwald (Hrsg.): Fritz Höger (1877–1949). Moderne Monumente. – Katalog zur Ausstellung „Fritz Höger – Architekt des Chilehauses. Moderne Monumente.“ Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-56-3.
  6. a b c d e f g Oliver Korn: Museum für Kunst und Gewerbe (MKG). In: Franklin Kopitzsch, Daniel Tilgner (Hrsg.): Hamburg Lexikon. Ellert & Richter, Hamburg 2010, S. 482.
  7. Marlis Roß: Der Ausschluss der jüdischen Mitglieder 1935. Die Patriotische Gesellschaft im Nationalsozialismus. Hamburg 2007, S. 30. (PDF; 1,7 MB)
  8. Hanno Rauterberg: Welches Museum leistet derzeit besonders gute Arbeit? In: Weltkunst. November 2014, S. 16.
  9. Sebastian Preuss: Schönheit und Aufklärung. In: Christian Amend, Gloria Ehret (Hrsg.): Weltkunst Hamburg. ZEIT Kunstverlag, Hamburg 2015, S. 94–95.
  10. Sebastian Preuss: Die Museumserneuerin. In: Christof Amend, Gloria Ebert (Hrsg.): Weltkunst Hamburg. ZEIT Kunstverlag, Hamburg 2015, S. 24–25.
  11. Architekten und Ingenieur Verein Hamburg (Hrsg.), Hamburg und seine Bauten 1890, Selbst-Verlag des Vereins, 1890, (online, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg), S. 97–100.
  12. a b Realgymnasium des Johanneums Hamburg: Festschrift zur Einweihung des neuen Schulgebäudes an der Armgartstrasse am 13. Oktober 1905, Baumann, Hamburg, 1905, (online, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg).
  13. Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen, Band 4 (1959) S. 123.
  14. Matthias Gretzschel: Warum es den Hartog-Flügel gibt, Hamburger Abendblatt vom 3. Juni 2008, online
  15. a b c David Klemm: Das Museum für Kunst und Gewerbe. Band 1: Von den Anfängen bis 1945, 2004 (S. 327ff.)
  16. Erich Meyer, in: Internationales Biographisches Archiv 11/1975 vom 3. März 1975, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  17. Hamburger Abendblatt vom 11. Januar 1962
  18. a b Das schrittweise Aufbrechen ästhetischer Traditionen. In: Zeitkunst. März 2012, S. 19.
  19. a b c Carola Große-Wilde: Offen für die Welt und ihre Wunder. In: Kieler Nachrichten. 30. August 2012, S. 19.
  20. Julika Pohle: Aufpoliert und frisch drapiert. In: Die Welt. 18. Januar 2012.
  21. Annette Stiekele: Die Grenzen zur Kunst werden fließend. In: Museumswelt Hamburg. 28. August 2012, S. 14.
  22. a b Nicole Büsing, Heiko Klaas: Vom Sockel geholt. In: Kieler Nachrichten. 20. Oktober 2012.
  23. a b Friedrich von Borries: Wohl bekomm's. In: Monopol. Dezember 2012, S. 30.
  24. Plakat. In: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Abgerufen am 25. Februar 2017.
  25. Robert Matthies: Mehr als verspielte Ornamente. In: taz.de. 24. Oktober 2015.
  26. Matthias Gretzschel: Als der Senat noch shoppen ging. Das Pariser Zimmer in Hamburg. In: Hamburger Abendblatt vom 31. Oktober 2009, S. 18.
  27. Matthias Gretzschel: Warum es den Hartog-Flügel gibt, Hamburger Abendblatt vom 3. Juni 2008, online
  28. Matthias Gretschel: Der Buddha hat ein neues Zuhause. In: Hamburger Abendblatt. 13. Dezember 2012.
  29. Till Briegleb: Freundschaftskurs „Islam“. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Mai 2015.

Koordinaten: 53° 33′ 4″ N, 10° 0′ 34″ O