Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
MKG Hamburg 01.JPG
Daten
Ort Hamburg
Art Kunstgewerbemuseum
Architekt Carl Johann Christian Zimmermann
Eröffnung 14./15. Sept.1876 (MKG/Schulen)
Leitung Sabine Schulze
Website www.mkg-hamburg.de
ISIL DE-MUS-059918
Das Logo des MKG

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) gilt als eines der führenden Museen für angewandte Kunst in Europa und ist eines der großen Museen in Hamburg. Es befindet sich am Steintorplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs im Stadtteil St. Georg.

Das Museum ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts und hat den Zweck einer „Einrichtung der Kultur, insbesondere der Kunst und angewandten Kunst, mit seinen Sammlungen aus den europäischen, antiken und asiatischen Kulturkreisen“.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Museums und des Hauses am Steintorplatz[Bearbeiten]

Das MKG 1885 von Osten mit dem Haupteingang
Das MKG - Westseite 1885 - noch ohne Bahnhof
Das MKG - Ansicht von der Bahnhofsseite
Das MKG von oben

Das Museum für Kunst und Gewerbe wurde 1874 gegründet und am 14. September 1876 eingeweiht. Der Gründung vorausgegangen war die Initiative der Patriotischen Gesellschaft von 1765 in Hamburg. Diese hatte das Gewerbeschulwesen aufgebaut, das um 1860 als staatliche Einrichtung weitergeführt wurde, und sie betrieb als neues Projekt die Museumsgründung. Im Wesentlichen ist die Gründung dem Juristen und Kunstkritiker Justus Brinckmann zu verdanken. Vorbilder waren das South Kensington Museum (gegr. 1852, heute Victoria and Albert Museum, London), das Österreichische Museum für Kunst und Industrie (gegr. 1863, heute Museum für angewandte Kunst Wien) und das Deutsche Gewerbemuseum (gegr. 1867, heute Kunstgewerbemuseum Berlin). Brinckmann wollte den „Geschmack bilden und das künstlerische Niveau des Handwerks steigern”. Er wurde der erste Direktor des Hauses, das 1877 am Steintorplatz als Staatliches Technikum und Museum für Kunst und Gewerbe“ eröffnet wurde. Das Gebäude wurde 1873–1875 nach den Plänen von Carl Johann Christian Zimmermann[2] erbaut. Das Museum nutzte zunächst nur Teile des Erdgeschosses. Bereits 1876 war die "Allgemeine Gewerbeschule" in Teilen der Obergeschosse eingezogen, zu der auch die "Staatliche Baugewerkschule" gehörte.[3]

Wenige Jahre Zeit später (Einweihung am 17. September 1891) entstand als Pendant zum Haus am Steintorplatz das Naturhistorische Museum am Anfang der späteren Mönckebergstraße (heute „Saturn-Immobilie“). Architekten davon waren Semper & Krutisch. Dies ist eine ähnliche Konstellation wie in Wien. Das Naturhistorische Museum von Hamburg wurde 1943 zerstört.

Das große "Multifunktionsgebäude" am Steintorplatz hatte 100 Jahre neben dem zunächst kleinen Museum für Kunst und Gewerbe mit der Bibliothek eine Vielzahl von Nutzungen unter seinem Dach: Allgemeine Gewerbeschule mit der Schule für Bauhandwerker und gewerbliche Vorschulen, Abend- und Sonntagsschulen, Schule für Maschinenbauer und Techniker, Schule für Bauzeichen und Freihandzeichnen, Staatliche Hauptgewerbeschule mit Tages- und Abendunterricht, Kunstgewerbeschule (bis zum Umzug 1913 in den Neubau am Lerchenfeld) , Technische Lehranstalten (Schiff- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Schiffsingenieurschule). Die Realschule (später Realgymnasium) des Johanneums (bis zum Umzug 1905 in den Neubau in der Armgartstraße[4]), dann Realschule St. Georg (bis zum Umzug 1907 in den Neubau in der Rostocker Straße). Wohnung des Direktors der Gewerbeschule. Botanisches Museum und Museum für Völkerkunde (bis 1894). Büro der Oberschulbehörde (bis 1887). In alten Adressbüchern finden sich außerdem: Die Schmiedeschule und die Fachschule der Dentisten, die Landwirtschaftliche Fortbildungsschule, Staatliche Fortbildungsschulen aber auch das Archäologisches Seminar. Später wurden im Keller Luftschutzeinrichtungen eingebaut und Reichsbahn-Dienststellen mit Wohnraum und Kantine (bis 1950). Nach dem Zweiten Weltkrieg waren noch die Bauschule[5] und die Schule für Verfahrenstechnik[6] im Haus. Erst 1976 konnte sich das Museum auf das ganze Haus ausbreiten. Es war für Justus Brinckmann ein ständiger Kampf gewesen um mehr Ausstellungsflächen für sein Museum. Er musste diesen Kampf an seine Nachfolger "vererben".

Nach dem Tod Brinckmanns 1915 wurde Max Sauerlandt erst 1919 neuer Direktor. Unter seiner Leitung wurde ein namhafter Bestand an Werken des Expressionismus aufgebaut. Im April 1933 wurde Sauerlandt nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wegen seines Eintretens für die „Entartete Kunst“ als Museumsleiter entlassen.[7] Durch die Aktion Entartete Kunst der Nationalsozialisten gingen dem Museum zahlreiche zeitgenössische Werke verloren. 1943 wurde das Gebäude von Bomben teilweise zerstört. Der Wiederaufbau war 1959 beendet.

Das Gebäude wurde am 31. März 1981 unter der Nr. 617 unter Denkmalschutz gestellt. Vorausgegangen war die Stellungnahme von Hermann Hipp vom 11. Februar 1981.

Zur Baugeschichte[Bearbeiten]

Zwischen den beiden Innenhöfen des Multifunktionsgebäudes mit mehreren Schulen und einem kleinen Museumsanteil im Erdgeschoss war eine ca. 9 Meter hohe Turnhalle in dem Sockelgeschoss untergebracht. Sie diente der Realschule. Für eine Turnhalle ungewöhnlich und "ganz unzulänglich"[8] - war sie in der Mitte durch vier mächtige Stützpfeiler unterteilt, so dass neben einem 3 m schmalen Mittelgang nur zwei Seitenflächen für sportliche Betätigungen genutzt werden konnten (siehe Erdgeschoss-Grundriss von 1877). Aus Funktions- und Sicherheitsgründen war die Schul-Turnhalle hinter der repräsentativen Rundtreppe durch eine dicke Abschlussmauer vom Museum abgetrennt. In diese Mauer vis-à-vis des Eingangs war 1876 der Schlussstein eingelassen worden, der 1908 auf die linke Seite des Windfangs der Eingangstreppe umgesetzt wurde: "Am 14. September 1876 wurde durch den Praesidenten des Senats hier feierlich der Schluss-Stein eingefügt. Gott segne dieses Werk zu Hamburgs Wohl und Ehre." Der Senat war vertreten durch Bürgermeister Carl Friedrich Petersen und den Präses der Oberschulbehörde Gustav Heinrich Kirchenpauer.[9]

Die Problematik der Kombination von Schul- und Museumsnutzung war Justus Brinckmann bereits bei der Eröffnung des Museums am 25. September 1877 klar. So heißt es in der Festschrift: "Auf der Hofseite des ganzen Erdgeschosses zieht sich wie in den oberen Stockwerken ein lichter, weiter Corridor hin, auf welchem die einzelnen Zimmer des Museums münden. Bei dem Hauptportal wird dieser Corridor von dem Durchgang zu der Haupttreppe gekreuzt, welche zu der Aula führt, die außer zu Schulfeierlichkeiten auch für die vom Museum zu veranstaltenden Vorträge dienen soll. Zwei Gittertüren sperren die Museums-Corridore an dieser Stelle für den Fall ab, dass die Aula Abends ohne gleichzeitige Öffnung der Sammlung von der Haupttreppe aus benutzt werden soll." [10]


Die alte Schul-Turnhalle reichte von der Kellerebene bis unter das 1. Geschoss. Als nach 30 Jahren die Realschule den Standort am Steintorplatz verließ, war dies für Justus Brinckmann die Chance, diesen Raum als Ausstellungshalle in sein Museum einzubeziehen. Damit erfüllte sich die Forderung, die Brinckmann bereits 1902 und 1905 in seinen "Denkschriften" formuliert hatte.[11][12] Es wurde ein neuer Boden eingezogen und der Fußboden angehoben. Die Raumhöhe der neuen ca. 300 m² großen Ausstellungshalle wurde um 3 m auf 6 m reduziert. Im Kellergeschoss konnten hierdurch zusätzliche Flächen zur Entlastung des Museumsdepots gewonnen werden. Am 6. August 1908[13][14] erfolgte der Mauerdurchbruch. Die "Brinckmannsche Ausstellungshalle" war endlich verwirklicht. Es existieren von der Ausstellungshalle mehrere Fotos aus dem Jahr 1911 und später. Von der alten Turnhalle, die nur von 1876 bis 1907 als solche genutzt worden war, gibt es keine Fotos.

1952, als das Museum durch die Aufgabe von Schulnutzungen weitere Flächen im Gebäude übernahm, konnte Museumsdirektor Erich Meyer sowohl in der "großen Halle", der früheren Turnhalle, eine Zwischendecke einziehen. Die untere Ebene war vorgesehen für die Präsentation der Fayence- und Porzellansammlung. "Die neu entstehenden Räume im Obergeschoss der Halle sollen zur Aufnahme der Bibliothek und der Stoffsammlung dienen".[15] So konnte die Bibliothek aus dem Keller an einen wesentlich geeigneteren Ort verlagert werden. Im Keller wurde Platz geschaffen für das Möbeldepot.

Nach Plänen der Baubehörde war Anfang der 50er Jahre auch im 1. und 2. Stock über dem Haupteingang in die zweigeschossige Aula eine Zwischendecke eingezogen worden.[16] Dadurch konnte Meyer zusätzliche Ausstellungsflächen aktivieren. Die drei Rundbogenfenster in der Vorderfassade über dem Museumseingang wurden im Zuge dieser Baumaßnahme ersetzt durch rechteckige Fenster. Die Aula mit ihrer Kassetten-Decke[17], die mit einer Orgel ausgestattet war, hatte für Versammlungen den Schulen und als Vortragsraum auch dem Museum gedient.

Die kunsthistorische Bibliothek blieb bis 2000 auf der Zwischenebene der ehemaligen von Brinckmann verwirklichten Ausstellungshalle und wurde als "Gerd Bucerius-Bibliothek" im Souterrain des sog. „Schümann-Flügels“ eingerichtet und vergrößert. Durch das Freiwerden der bisherigen Bibliotheksflächen im Zwischengeschoß konnte 2006 der Porzellansammler und Mäzen Harold A. Hartog seinen Traum wahr machen. Er hatte den Umbau der beiden unteren Ebene in der Mittelachse großzügig gestiftet. Der Kernbereich seiner Stiftung war die neue Präsentation der Porzellan- und Fayence-Sammlung im oberen Zwischengeschoss (siehe unten "Sammlungen"). Seitdem ist diese weltweit bekannte Porzellan-Sammlung in 101 Reier-Vitrinen im "Hartog-Flügel" zu bewundern. Durch die Hartog-Stiftung entstanden außerdem ein Sonderausstellungsraum im unteren Zwischengeschoss sowie im Kellergeschoss neue großzügige Büroräume für die Verwaltung und Direktion, Toiletten und Schließfächer. Dieser ursprünglich nur als Turnhalle genutzte Bereich des Multifunktionsgebäudes wurde auf drei Ebenen intelligent umgestaltet und dem Stifter zu Ehren "Hartog-Flügel" genannt. An einem Pfeiler ist die Ehrentafel eingelassen.

Das Museum verfügt über etwa 700.000 Objekte und gehört zu den großen europäischen Museen für Kunst, Kunsthandwerk und Design. Das Museum liegt in der Hamburger Innenstadt direkt am Hauptbahnhof.

Hauptportal auf der Ostseite
MKG-Haupteingang ohne die ursprüngl. Rundbogen-Fenster der ehem. Aula
Eingangstreppe - rechte Seite
Detail: Die Plakette 1902 - zum 25. Bestehen des MKG
Eingangstreppe - linke Seite mit dem 1908 versetzten Schluss-Stein
Der Schluss-Stein von 1876
Ehrenplatte im Mitteltrakt für den Stifter Harold A. Hartog

Direktoren[Bearbeiten]

Über den Gründungsdirektor Justus Brinckmann[Bearbeiten]

Zum Arbeits- und Führungsstil von Justus Brinckmann äußerten sich in ihren Reden auf der Trauerfeier am 12. Februar 1915 zwei seiner Weggenossen[23]

Gustav Pauli, der Direktor der Hamburger Kunsthalle:

"Diese beiden Männer (Alfred Lichtwark und Justus Brinckmann), die sich so merkwürdig ergänzten, nebeneinander lange Zeit zu besitzen, ist für Hamburg größtes Glück gewesen. Während Lichtwark, in seiner Kunsthalle verankert, auf den verschiedenen Gebieten der modernen Kultur über ganz Deutschland hin Anregungen verbreitete, hat Brinckmann durch die intensive fruchtbar kritische Bearbeitung seines Sammlungsgebietes in einem ebenso weiten Bereiche aufklärend und Leben weckend gewirkt. Darin waren sich beide gleich, dass Ihre Lebensarbeit in der Verherrlichung ihrer Heimat gipfelte, der sie mit vielen Zinsen heimgezahlt haben, was sie ihr schuldeten. Und wie Lichtwark, so hinterlässt auch Brinckmann als Summe seines Lebens uns weiter wirkenden Männern die in dieser Zeit doppelt gültige Mahnung: Wenn ihr herrschen wollt, so dienet eurem Ziel, wenn ihr gewinnen wollt, so opfert euch selbst. Dann werdet ihr erst wahrhaft leben – in eurem Werke."

Richard Stettiner, ein Mitarbeiter des MKG:

"Und weiter spreche ich im Namen der Mitarbeiter, aller, die hier, jeden nach seiner Begabung und Kraft, Justus Brinckmann zu seinem Lebenswerk als Helfer herangezogen hat. Mancher von ihnen hat länger als ein Lebensalter mitgeholfen. Und auch hier wieder keiner, aus dem Justus Brinckmann nicht das Beste hervorzulocken wusste, in dem er nicht das Gefühl des Wertes seiner Mitarbeit zu erwecken, dass Lebens- und Schaffensgefühl nicht zu erhöhen wusste. Und wenn nunmehr zum letzten Male Brinckmann das Haus verlassen wird, dass ein stolzes Lebenswerk beherbergt, – so wissen wir doch, dass er bei uns bleibt. Auf jeden von uns ist ein Teil seiner Seele übergegangen. Und nicht nur im Werke selbst, auch in den Hütern des Werkes muss er fortleben – von Generation zu Generation!"

Sammlungen[Bearbeiten]

Erdgeschoss[Bearbeiten]

  • Historische Tasteninstrumente: In der Ausstellung von Cembali, Spinetten, Virginalen und Clavichorden sowie von Hammerflügeln und Tafelklavieren werden die Größenverhältnisse der Instrumente, die Anordnung der Klaviatur und die Klangtechnik (Zupfen, Schlagen) deutlich. An einigen Montagabenden werden Konzerte auf historischen Instrumenten gegeben.
  • Barock: Diese Sammlung umfasst Darstellungen und Figuren aus dem Barock, die nur aus Barockkirchen und -palästen stammen können.
  • Europäische Sammlung Byzanz bis Historismus
  • Fayence und Porzellan

Zur Porzellan- und Fayence-Sammlung des MKG[Bearbeiten]

Am 16. September 2000 wurde der nach Hans-Otto Schümann benannte Erweiterungsbau auf der Fläche des ehemaligen Schulhofs[24] und 2006 der "Hartog-Flügel" in der Mittelachse mit der Porzellan- und Fayencesammlung, gestiftet von Harold A. Hartog[25] eingeweiht. Im erhöhten Zwischengeschoss befindet sich eine umfangreiche Fayence- und Porzellansammlung der meisten großen Manufakturen des 17. und 18. Jahrhunderts, die nach Herstellungsorten gruppiert sind.[26] Über mehrere Jahre engagierte sich Harold A. Hartog (1910-2007) mit insgesamt ca. 15 Millionen Euro für das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe und ermöglichte u. a. die Einrichtung der Ostasiatischen Abteilung mit der Schenkung seiner bedeutenden chinesischen Porzellansammlung. Der Hartog-Flügel sowie die Hartog-Galerie wurden nach ihm benannt.

Der "Hartog-Flügel"[27] enthält in der Mittelachse des Hauses am Steintorplatz die äußerst kostbare Sammlung von Fayencen und Porzellanen. Sie genießt bei Keramikfreunden höchste Anerkennung. Diese Präsentation mit dezent eleganten Einbau-Vitrinen wurde 2006[28] fertiggestellt, so dass Harold A. Hartog die Sammlung an diesem neuen Präsentationsort noch vor seinem Tod (mit 96 Jahren) erlebt hat. Harold A. Hartog ermöglichte es, dass die besonders qualitätvollen Spezialvitrinen der Fa. Reier aus Lauta/Sachsen[29] eingebaut werden konnten. In dem Buch "Leben und Nachleben - Harold A. und Ingeborg L. Hartog und ihre Stiftung" heißt es: "Unvergesslich seine Besuche auf der Baustelle, unvergesslich seine innere Freude, seine glücklichen Gesichtszüge, als das langwierige Werk endlich geschafft war. Er hat gehandelt, als ob er die Devise des Frankfurter Mäzens Carlo Giersch gekannt hätte: "Es bleibt einem nur das, was man verschenkt."[30]

Nach nur 9 Jahren nach Fertigstellung ist die kostbare Präsentation der Porzellane und Fayencen und damit das Herzstück der Hartog-Stiftung für das MKG in Gefahr. Die Museumsdirektorin Sabine Schulze und die Kultursenatorin Barbara Kisseler beabsichtigen, statt der doppelgeschossigen Ausstellungsfläche - insgesamt ca. 800 m² - einen großen Kommunikationsraum einzurichten, der entgegen der tatsächlichen Geschichte des MKG „Historische Turnhalle“[31][32] genannt werden soll. Historische Fotos, die im Rahmen der Projektvorbereitung vorgelegt wurden[33] zeigen nicht die alte Turnhalle von 1877, sondern die Ausstellungshalle, zu der die Turnhalle 1908 umgebaut worden war. Für den geplanten Abbruch der Zwischenebene mit der Porzellansammlung wurde bisher eine Mio Euro eingeworben. Dem steht ein wesentlich höherer Wertverlust aus der Hartog-Stiftung entgegen, außerdem der unwiederbringliche Verlust der Ausstellungsfläche der berühmten Porzellansammlung.

1. Etage[Bearbeiten]

  • Ostasien. Buddhistische plastische Kunst; chinesische und japanische Keramiken; chinesische Ritualgefäße; Rollbilder; Hängebilder, u.a. von Huang Ding; japanische Schwertstichplatten und Waffen der Samurai.
  • Japanisches Teehaus
  • Islam: Das Prunkstück der Sammlung sind 71 Fliesenfragmente mit Ornamenten im magischen blau aus der usbekischen Stadt Buchara. Sie stammen vom Mausoleum des Buyan Kuli Chans (1348-1368), das beim schweren Erdbeben von 1894 stark beschädigt wurde. Die herunter gefallenen Fliesen wurden zur Finanzierung der Instandsetzung des Grabmals zur Hälfte an das Victoria and Albert Museum in London und an das Museum für Kunst und Gewerbe verkauft. Weiter fällt auf eine Standartenbekrönung, die geometrische Muster und eventuell Schriftzeichen in filigraner Arbeit aus Kupfer und Messing zeigt und aus dem Iran um 1700 stammt. Weiter gibt es Gefäße, Teppiche und Bücher.
  • Antike: Die Errungenschaften der Antike werden durch Vasen, Rüstungen und Statuen dokumentiert.
  • Art Nouveau/Jugendstil/Sezession: Im Westflügel sind aus der Jugendstilzeit viele Möbel und Exponate zu dem Gesamtkunstwerk "Pariser Zimmer" kombiniert worden, die auf der Weltausstellung 1900 in Paris erworben wurden.[34] Zu den Wohnzimmereinrichtungen gehören zwei überlebensgroße weiße Skulpturen von 1907, die Mädchendarstellungen in Fayence von Richard Luksch und der Schwanenteppich (1897) von Otto Eckmann.
  • Moderne 1914-1945: Bestandteil der Ausstellung im Nordflügel sind Werke expressionistischer Künstler, u. a. Tierplastiken von Richard Haizmann, die Frauen-Skulptur aus Ahornholz von Ernst Heckel (Stehende mit aufgestütztem Kinn von 1912), Werke von Karl Schmidt-Rottluff und Ewald Mataré sowie Gebrauchsgegenstände im Bauhausstil.
  • Mode

2. Etage[Bearbeiten]

  • Grafik und Plakate
  • Design
  • Buchkunst
  • Fotografie

Osterteppich aus dem Kloster Lüne[Bearbeiten]

Osterteppich aus dem Kloster Lüne

Zu den wertvollsten Stücken des Museums gehört der 20 Quadratmeter große Osterteppich aus dem Kloster Lüne. Nonnen des ehemaligen Benediktinerinnenklosters versahen den Wandteppich mit kunstvollen Stickereien in den Jahren 1504/1505, gedacht für die Ausgestaltung der Osterliturgie. Zur Finanzierung dringender Reparaturarbeiten verkaufte das Kloster nach der Währungsreform von 1948 seinen Osterteppich, an das Museum für Kunst und Gewerbe.[35] Die übrigen Textilarbeiten des Klosters Lüne verblieben dort und werden im Textilmuseum des Klosters ausgestellt.[36]

Spiegelsaal aus dem Budge-Palais[Bearbeiten]

Der Spiegelsaal wurde 1909 in den Budge-Palais (heutige Hochschule für Musik und Theater, kurz Musikhochschule) im Neorokoko-Stil eingebaut. Während des Nationalsozialismus wurde der Budge-Palais den jüdischen Erben entschädigungslos vorenthalten. Ende der 1970er-Jahre wurde der Spiegelsaal anlässlich des Umbaus der Musikhochschule vor dem Abriss gerettet. Er wurde vom Museum für Kunst und Gewerbe in den nördlichen Innenhof übernommen. Das Deckengemälde des Spiegelsaals stammt aus dem Jahr 2005 von dem Maler Klaus Fußmann. Im Spiegelsaal finden jetzt Musikaufführungen statt.[37] und er kann auch für exklusive Events gemietet werden.

Galerieraum der Sammlung Hamburger Sparkasse[Bearbeiten]

In einem eigenen Galerieraum werden aus der Dauerleihgabe von 350 Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen der Hamburger Sparkasse Ausstellungen in unterschiedlicher Thematik präsentiert. Es handelt sich um Werke von Künstlern der Hamburger Sezession.[38]

Justus Brinckmann Gesellschaft[Bearbeiten]

Das Logo der Justus-Brinckmann-Gesellschaft
  • 1886 - Gründung des Kunstgewerbe-Vereins durch Justus Brinckmann (1843-1915)
  • 1921 - Gründung der ersten Justus Brinckmann Gesellschaft durch Max Sauerlandt (1880-1934)
  • 1933 - Auflösung der Justus Brinckmann Gesellschaft und Gleichschaltung des Kunstgewerbe-Vereins unter nationalsozialistischer Herrschaft
  • 1945 - Neuwahl des Vorstandes und Wiederaufnahme der Tätigkeit des Kunstgewerbe-Vereins
  • 1969 - Umbenennung des Kunstgewerbe-Vereins in Justus Brinckmann Gesellschaft
  • 1996 bis heute - Museumserweiterung: Neubau des Schümann-Flügels und Neustrukturierung der JBG

Die Justus Brinckmann Gesellschaft unterstützt die Arbeit des Museums. Sie ist der älteste und mit ca. 4.000 Mitgliedern der größte Förderkreis seiner Art in Deutschland. Der Verein unterstützt das Museum sowohl ideell wie substantiell. Erwerbungen, Ausstellungsprojekte, Umbaumaßnahmen, die Herausgabe von Publikationen oder die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Der Support der Freunde ist vielfältig – und nachhaltig. Die Neuaufstellung der Porzellan- und Fayence-Sammlung im Hartog-Flügel unterstützte die JBG durch die Übernahme der Kosten in Höhe von 450.000 € für die Reier-Vitrinen, in denen die Porzellan- und Fayence-Exponate in ihren Besonderheiten gut zu betrachten sind.[39]

Ein besonderes Anliegen der Gesellschaft ist die Förderung zeitgenössischen Kunsthandwerks. Die jährlich organisierte Kunst und Handwerk Messe genießt überregionales Ansehen; der vom Verein vergebene Justus Brinckmann Preis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für das gestaltende Handwerk in Deutschland.

Persönliches Engagement als Ausdruck einer lebendigen Verbundenheit mit dem Museum ist kennzeichnend für die Freunde des Hauses. Begegnung, Austausch und aktive Teilnahme – als Impulsgeber, Mitgestalter und Botschafter des Museums für Kunst und Gewerbe begleitet die Justus Brinckmann Gesellschaft auch Sie zur Kunst."[40]

"Für alle seine Museums-Großtaten" war Harold A. Hartog schon 1984 mit der Ehrenmitgliedschaft der Justus Brinkmann Gesellschaft des Freundeskreises des Museums für Kunst und Gewerbe, ausgezeichnet worden. 1992 folgte eine selten vergebene bronzene Ehrenplakette mit dem Porträt von Justus Brinkmann, Nachguss eines Reliefs von Ernst Barlach aus dem Jahr 1902."[41]

1996: Museumschef Axel von Saldern (rechts) und Oberkustos Bernhard Heitmann begleiteten eine Reise nach Perugia

Besonderen Anklang finden traditionelle Bildungsreisen für Mitglieder. Das Spektrum reicht von Stadtrundgängen und Werkstattbesuchen bis hin zu ausgedehnten Touren in ferne Kontinente. Kustoden des Museums und weitere Experten begleiten die Museumsfreunde.

Der Vorstand der Gesellschaft wird alle drei Jahre von der Mitgliederversammlung gewählt. Der Vorstand besteht aus dem Präsidenten, seinem Stellvertreter und drei bis fünf weiteren Vorstandsmitgliedern. Dabei gehören der Vorstand der Stiftung öffentlichen Rechts sowie der Kustos der modernen und Jugendstil Abteilung dem Vorstand der Gesellschaft kraft Amtes an. Der aktuelle Vorstand besteht aus:[42]
Antonia Aschendorf (Rechtsanwältin) Präsidentin der JBG,
Gert Hinnerk Behlmer (Staatsrat a.D.),
Wolf Mandt-Merck (Direktor a.D. der Bank MM Warburg & Co.), Schatzmeister,
Sabine Schulze (Direktorin des MKG),
Claudia Banz, (Leiterin der Abt. Jugendstil und Moderne im MKG),
Peter Rawert (Rechtsanwalt).

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2014/2015: Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG Hamburg.[43]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Satzung der Stiftung öffentlichen Rechts „Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg“, HmbGVBl. 2013, S. 168, § 2 Abs. 1.
  2. "Hamburg und seine Bauten 1890" (https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/YEISGPNE5SLDBN75NCEBLEUWCELFZ5R3) S. 97-100.
  3. Daniel Schreiber: Höger als Erzieher in: Claudia Turtenwald (Hrsg.): Fritz Höger (1877–1949). Moderne Monumente. – Katalog zur Ausstellung „Fritz Höger – Architekt des Chilehauses. Moderne Monumente.“ Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-935549-56-3.
  4. Festschrift vom 13. Oktober 1905: Zum Einzug in der Armgartstraße erinnert der Schuldirektor Prof. Dr. Fritz Tendering an die vergangenen Jahre: "Auch musste es als ein schwerer Mangel empfunden werden, daß der Realschule keine Räume im Erdgeschoß zur Verfügung standen. Ganz unzulänglich war die Turnhalle, deren Größenverhältnisse zwar über das übliche Maß hinausgingen, die aber durch vier mächtige Pfeiler so unübersichtlich war, dass der Raum niemals ganz ausgenutzt werden konnte."
  5. http://www.hcu-hamburg.de/bachelor/bauingenieurwesen/geschichte/ - siehe Detaillierte Daten: Geschichte BIW.pdf
  6. jetzt: "HAW/FB Bio-Ingenieurwesen, Produktionstechnik und Verfahrenstechnik" in Hamburg-Bergedorf
  7. Marlis Roß: Der Ausschluss der jüdischen Mitglieder 1935. Die Patriotische Gesellschaft im Nationalsozialismus. Hamburg 2007, S. 30. (PDF; 1,7 MB)
  8. Fritz Tendering - 13. Oktober 1905
  9. Baurat Dr.-Ing. Richard William Gerber (1882-1965) in: http://gso.gbv.de/DB=2.91/SET=1/TTL=23/PRS=HOL/SHW?FRST=23&HILN=203#203
  10. "Festschrift zur Eröffnung des neuen Museums-Gebäudes am 25. September 1877" Seite 28 - http://resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN622966200
  11. Justus Brinckmann: "DENKSCHRIFT über die räumlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe", 30. Juni 1902.
  12. Justus Brinckmann: "ZWEITE DENKSCHRIFT über die räumlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe", 14. Dez. 1905.
  13. Dr.-Ing. William Gerber in seinem Typoskript von 1954: "Gurtbogendurchbruch am 6. August 1908 als Verbindung des Treppenpodestes mit dem dahinter liegenden Ausstellungsraum (früher Turnhalle der Realschule des Johanneums)".
  14. http://gso.gbv.de/DB=2.91/SET=1/TTL=23/PRS=HOL/SHW?FRST=23&HILN=203#203
  15. Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen Band 2 (1952) S. 150 f.
  16. Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen Band 4 (1959) S. 123.
  17. siehe Grundriss vom 2. Stock in: Realschule des Johanneums zu Hamburg - Beiträge zur Geschichte der Schule. Zum Einzuge in das neue Schulgebäude am Steinthorplatz, den 15. September 1876. Tafel III.
  18. David Klemm: Das Museum für Kunst und Gewerbe. Band 1 von den Anfängen bis 1945, 2004 (S. 327.)
  19. David Klemm: Das Museum für Kunst und Gewerbe. Band 1 von den Anfängen bis 1945, 2004 (S. 327 f.)
  20. David Klemm: Das Museum für Kunst und Gewerbe. Band 1 von den Anfängen bis 1945, 2004 (S. 328 f.) mit Foto
  21. Erich Meyer, in: Internationales Biographisches Archiv 11/1975 vom 3. März 1975, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  22. Hamburger Abendblatt vom 11. Januar 1962
  23. "Trauerfeier für Justus Brinckmann" - Broschüre der Druckerei Lütcke & Wulff, Hamburg, 1915
  24. Eröffnung des Schümann-Flügels im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg
  25. M. Gretzschel im Hamburger Abendblatt: http://www.abendblatt.de/ratgeber/extra-journal/article540769/Warum-es-den-Hartog-Fluegel-gibt.html
  26. Siehe Faience im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg unter dem Weblink Commons (Collections)
  27. M. Gretzschel im Hamburger Abendblatt: http://www.abendblatt.de/ratgeber/extra-journal/article540769/Warum-es-den-Hartog-Fluegel-gibt.html
  28. M. Gretzschel im Hamburger Abendblatt: http://www.abendblatt.de/kultur-live/article424306/Kunst-und-Gewerbe-in-neuem-Glanz.html
  29. Vitrinen- und Glasbau REIER GmbH http://www.reier.de/portal.html
  30. "Leben und Nachleben - Harold A. und Ingeborg L. Hartog und ihre Stiftung", Hamburg 2010, S. 61.
  31. http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/4422678/historische-turnhalle/
  32. http://www.mkg-hamburg.de/de/presse/pressebilder/nachrichten/wiederherstellung-der-historischen-turnhalle.html
  33. http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article135291961/Museum-erhaelt-eine-Million-Euro-fuer-historische-Turnhalle.html
  34. Matthias Gretzschel: Als der Senat noch shoppen ging. Das Pariser Zimmer in Hamburg. In: Hamburger Abendblatt vom 31. Oktober 2009, S. 18
  35. Anne Bahrs: Kostbare Textilien erhalten. In: Preußische Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2010, S. 21
  36. Matthias Gretzschel: Ein Bilderbuch mittelalterlicher Frömmigkeit. In: Hamburger Abendblatt vom 22. August 2014, S. 15.
  37. Matthias Gretzschel: Die zweite Schuld. In: Hamburger Abendblatt vom 19. Januar 2011, S. 17
  38. Blicke auf Watt und Meer. In: Hamburger Abendblatt vom 24. Mai 2011, Beilage Museumswelt, Sommer 2011, S. 5
  39. http://www.justusbrinckmann.org/weiteres
  40. Justus Brinckmann Gesellschaft
  41. Leben und Nachleben. Harold A. und Ingeborg L. Hartog und ihre Stiftung. Hamburg 2012, S. 61
  42. Justus Brinckmann Gesellschaft
  43. Kann ein Museum zeigen, wie es den Kunstraub erforscht? in FAZ vom 31. Oktober 2014, S. 14.

53.55111111111110.009444444444Koordinaten: 53° 33′ 4″ N, 10° 0′ 34″ O