Petra De Sutter

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Petra De Sutter (2018)

Petra De Sutter (* 10. Juni 1963 in Oudenaarde, Belgien) ist eine belgische Gynäkologin und Politikerin (Groen). Von 2014 bis 2019 war De Sutter Mitglied des Belgischen Senats, von 2019 bis 2020 war sie Mitglied des neunten Europäischen Parlaments als Teil der Fraktion Die Grünen/EFA. Im Oktober 2020 wurde sie zur Vizepremierministerin und Ministerin für Beamtenangelegenheiten und öffentliche Betriebe der Regierung De Croo ernannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und berufliche Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petra De Sutter schloss ihr Medizinstudium 1987 an der Universität Gent ab. 1991 promovierte sie in biomedizinischen Wissenschaften, bevor sie für zwei Jahre nach Chicago zog, um dort Grundlagenforschung zur Genetik von Eizellen (Mensch und Maus) zu betreiben.

Im Jahr 1994 wurde sie als Gynäkologin anerkannt und erhielt eine Zulassung zur Hochschulbildung. Im Jahr 2000 wurde sie Dozentin, dann ordentliche Professorin. Seit 2014 und ihrem Eintritt in den Senat ist sie Teilzeitprofessorin und Leiterin der Abteilung für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Gent.[1]

Mitglied des Belgischen Senats (2014–2019)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstellungsvideo von Petra De Sutter (Video der Heinrich-Böll-Stiftung/Green European Foundation)

Bei den Europawahlen 2014 stand De Sutter auf Platz 2 der Liste der flämischen Grünen. Obwohl die Partei Stimmen gewann, konnte sie kein zweites Mandat erringen. Anschließend kooptierte Groen Sutter für einen Sitz im Belgischen Senat.[2] Als Transfrau war sie die erste offen transgeschlechtliche Belgierin, die auf einer Wahlliste stand.[3]

Zusätzlich zu ihrer Rolle im Senat war De Sutter von 2014 bis 2019 Mitglied der belgischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Als Mitglied der Sozialdemokratischen und Grünen-Fraktion war sie Mitglied des Ausschusses für Migration, Flüchtlinge und Vertriebene, des Ausschusses für Geschäftsordnung, Immunitäten und institutionelle Angelegenheiten, des Unterausschusses für Integration, des Unterausschusses für öffentliche Gesundheit und nachhaltige Entwicklung und des Unterausschusses für Ethik. Sie war Berichterstatterin der Versammlung für die Rechte des Kindes in Bezug auf Leihmutterschaften (2016),[4] für den Einsatz neuer Gentechnik beim Menschen (2017)[5] und für die Bedingungen der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten (2018).[6]

Mitglied des Europäischen Parlaments (2019–2020)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. September 2018 gab De Sutter bekannt, dass sie für einen der beiden Spitzenkandidatenplätze der europäischen Grünen bei der Europawahl 2019 antreten werden. In der Vorwahl verlor sie jedoch gegen Bas Eickhout (GroenLinks) und Ska Keller (Bündnis 90/Die Grünen).[7] De Sutter kandidierte daraufhin lediglich als Spitzenkandidatin für die flämischen Grünen (Groen). Groen konnte leichte Stimmengewinne bei der Europawahl verzeichnen, gewann jedoch, wie zu vor, nur ein Mandat. De Sutter war seitdem Mitglied des neunten Europäischen Parlaments als Teil der Fraktion Die Grünen/EFA. Für ihre Fraktion war sie Mitglied im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, dessen Vorsitz sie innehatte, sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten.[8] Ab Februar 2020 war sie zudem stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, und ab September 2020 Mitglied im Sonderausschuss zu Krebsbekämpfung.

Wechsel in die Regierung De Croo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 2020 gab De Sutter bekannt, dass ihre Partei De Groen sie für einen der beiden Ministerposten in der nach langwierigen Verhandlungen beschlossenen Vivaldi-Koalition der Regierung De Croo nominiert hat. In der neuen belgischen Bundesregierung wird sie eines der acht Vizepremierministerämter innehaben sowie das Ministerium für Beamtenangelegenheiten und öffentliche Betriebe leiten.[9] Sie gab ihr Mandat im Europäischen Parlament zum 30. September 2020 auf. Nach einer internen Parteiregelung rückte nicht der Listenplatzzweite, Bart Staes, sondern die Listenplatzdritte, Saraswati Matthieu, auf und übernahm De Sutters Parlamentsmandat.[10] De Sutter ist die weltweit erste Trans-Person, die ein Ministeramt übernimmt.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Petra De Sutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prof. dr. Petra De Sutter. UZ Gent, abgerufen am 5. Juli 2019 (niederländisch).
  2. Professor Petra De Sutter aangeduid als gecoöpteerd senator voor Groen. In: HLN.be. 21. Juni 2014, abgerufen am 5. Juli 2019 (niederländisch).
  3. Lahousse, Elke.: (Over) leven : mijn strijd als transvrouw, arts & politica. Antwerpen 2016, ISBN 978-94-6041-513-5 (niederländisch).
  4. Surrogacy: governments should consider drawing up guidelines to safeguard children’s rights. Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 21. September 2016, abgerufen am 5. Juli 2019 (englisch).
  5. Petra De Sutter: “high time for a debate on new genetic technologies”. Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 3. August 2017, abgerufen am 5. Juli 2019 (englisch).
  6. More efforts needed for refugees’ reception on Greek islands. Parliamentary Assembly of the Council of Europe, 13. Juli 2018, abgerufen am 5. Juli 2019 (englisch).
  7. Albrecht Meier: Europas Grüne wählen Keller und Eickhout zum Spitzenduo. In: Tagesspiegel.de. 24. November 2018, abgerufen am 5. Juli 2019.
  8. Home | Petra DE SUTTER | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 5. Juli 2019.
  9. Petra De Sutter to become Belgian Deputy PM; leaves European Parliament's IMCO Committee chair vacant. 1. Oktober 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch).
  10. Petra De Sutter trekt Europese lijst voor Groen, Bart Staes krijgt tweede plaats. In: Standaard.be. 19. Januar 2019, abgerufen am 3. Oktober 2020 (flämisch).
  11. Matthias Kolb: Petra De Sutter: Erste Trans-Person der Welt in einem Ministeramt. In: SZ.de, 7. Oktober 2020, abgerufen am 20. März 2021.