Philip Massinger

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Philip Massinger

Philip Massinger, spr. mässindscher, (* 1583 oder 24. November 1584 in Wilton oder Salisbury, Wiltshire; † wahrscheinlich 18. März 1640 in London) war ein englischer Dramatiker, der zu den produktiveren Autoren des elisabethanischen Theaters zählte.[1]

Leben[Bearbeiten]

Szene aus The City Madam, Sadlers Wells Theater, London 1844

Philip Massinger war ein Sohn des Hofbeamten Arthur Massinger (1550–1603) und dessen Ehefrau Anne Crompton. Um 1602 wurde er Student in St. Alban's Hall an der University of Oxford und konvertierte dort unter dem Einfluss seiner Lehrer zum Katholizismus.

1606 beendete Massinger sein Studium und ließ sich in London als Schriftsteller nieder. Dort schloss er sich John Fletcher an, mit dem er einige Zeit zusammenarbeitete. Sein vermutlich erstes eigenes Stück war The Maid of Honour (um 1621), ein Drama mit einer romantischen Handlung.[2] 1620 erschien The Virgin Martyr, das er wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit Thomas Dekker verfasste.[3]

Ben Jonson und Francis Beaumont waren Förderer wie Vorbilder für Massinger. Auch William Shakespeare war ihm wohlbekannt, ob sie sich persönlich gekannt hatten, ist strittig.

1625 übernahm Massinger als Nachfolger Shakespeares und Fletchers die Stellung als erster Dramatiker bei den King’s Men, der berühmtesten Schauspielgruppe der Zeit.[4]

Massingers Stücke spiegelten teilweise den Wertekonservatismus ihres Verfassers und stellten häufig bühnenwirksam gestaltete Charakterprüfungen in den Mittelpunkt. Die Protagonisten in der romantischen Komödie The Great Duke of Florence (1627; Der Großherzog von Florenz, ca 1881) erleben dabei ein tatsächliches moralisches Dilemma. Zu den bekannteren Werken Massingers zählen seine realistischeren Komödien A New Way to Pay Old Debts (um 1625 entstanden, 1633 gedruckt) und The City Madam (1632; Die Bürgersfrau als Dame, 1836). In diesen beiden Stücken werden die Konflikte zwischen dem niederen Adel und dem aufstrebenden Bürgertum inszeniert. Aufgrund ihrer Metadramatizität fand auch Massingers Tragödie The Roman Actor (gedruckt 1626; Der römische Mime, 1890) Beachtung.[5]

Wahrscheinlich starb Philip Massinger am 18. März 1640 in London.

Rezeption[Bearbeiten]

Massinger war ein typischer Vertreter des höfisch-aristokratischen Theaterstücks. Zeitgenossen zogen Massinger oft den Werken Francis Beaumonts oder John Fletchers vor. Zu Lebzeiten genoss er eine beachtliche Popularität und geriet auch nach seinem Tode und der Schließung der Theaterhäuser 1642 nicht Vergessenheit. Im 18. Jahrhundert wurden die Werke Massingers hoch geschätzt und häufig sogar mit denen Shakespeares verglichen. In der heutigen Theaterszene hat Massinger allerdings kaum noch eine Bedeutung. Dies liegt zum Teil in dem negativen Urteil T. S. Eliots begründet, der Massingers Werke als „anämisch“ und vordergründig moralistisch kritisierte und seine Charaktere als schwach befand. Neuere literaturwissenschaftliche Studien versuchen demgegenüber, das dramatische Werk Massingers differenzierter zu betrachten, wenngleich sich die Sicht Massingers als eines prinzipientreuen Moralisten zum Teil auch in der gegenwärtigen literaturkritischen Diskussion fortsetzt.

Zu den Werken Massingers, die auch heute noch bisweilen inszeniert werden, gehört vor allem seine satirische Komödie A New Way to Pay Old Debts (ca. 1625; Eine neue Weise alte Schulden zu bezahlen, 1836).[6]

Ein Schwerpunkt in den Werken war die herausragende Stellung der katholischen Kirche; verbunden damit waren manchmal auch soziale Fragen, die allerdings nur aufgezeigt und keinesfalls gelöst wurden.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • The Renegado (1624)
  • Der römische Mime (The Roman Actor), (erste Aufführung 1626, gedruckt 1629)
  • The Maid of Honour (um 1621; möglicherweise in Zusammenarbeit mit Francis Beaumont)
  • The Virgin Martyr (1622; vermutlich in Zusammenarbeit mit Thomas Dekker)
  • Der Herzog von Mailand (The Duke of Milan, 1623)
  • Unnatural Combat
  • Die unselige Mitgift (Fatal Dowry, 1619)
  • The Bondman
  • Der Großherzog von Florenz (The Great Duke of Florence, 1630)
  • Die Bürgersfrau als Dame (The City Madam, 1632)
  • Eine neue Weise alte Schulden zu bezahlen ("A New Way to Pay Old Debts", 1633)
  • Believe as ye list (1631)
  • Beggars Bush (zusammen mit Francis Beaumont)
  • The Custom of the Country (zusammen mit John Fletcher)
  • zusammen mit Thomas Middleton, William Rowley: The Old Law 1656 (postum)

Werkausgabe[Bearbeiten]

  • Philip Edwards und Colin Gibson (Hrsg.): The Plays and Poems of Philip Massinger. 5 Bände, Clarendon Press, Oxford 1976.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Doris Adler: Philip Massinger (Twayne's English authors series; 435). Twayne, Boston, Mass. 1987, ISBN 0-8057-6934-X.
  • Francis Cunningham (Hrsg.): William Gifford: The plays of Philip Massinger; From the text of William Gifford. With the addition of the tragedy "Believe as you list" ed. by Francis Cunningham. London: Chatto and Windus, ca. 1887.
  • Ian Fletcher: Beaumont and Fletcher. Longmans Green, London 1967.
  • Martin Garrett: Philip Massinger's attitude to spectacle (Jacobean drama studies; 72). Universität, Salzburg 1984.
  • Martin Garrett (Hrsg.): Massinger: the critical heritage. London [u.a.]: Routledge, 1991. ISBN 0-415-03340-3.
  • Philip Edwards, Colin Gibson (Hrsg.): The plays and poems of Philip Massinger. London: Oxford Univ. Pr., 1976.
  • Colin Gibson (Hrsg.): The selected plays of Philip Massinger: The Duke of Milan; The Roman actor; A new way to pay old debts; The city madam. (Plays by Renaissance and Restoration dramatists). Cambridge [u.a.]: Cambridge Univ. Pr., 1978. ISBN 0-521-21728-8;ISBN 0-521-29243-3.
  • Douglas Howard (Hrsg.): Philip Massinger: a crit. reassessment. Cambridge [u.a.]: Cambridge Univ. Pr., 1985. ISBN 0-521-25895-2.
  • Cyrus Hoy: The Shares of Fletcher and His Collaborators in the Beaumont and Fletcher Canon. Studies in Bibliography, 1956-62.
  • Naomi Conn Liebler: Philip Massinger's The Roman actor and the idea of the play within a play. Stony Brook, State Univ. of New York, Diss., 1976.
  • Terence P. Logan: Philip Massinger. In: Terence P. Logan, Denzell S. Smith, eds., The Later Jacobean and Caroline Dramatists: A Survey and Bibliography of Recent Studies in English Renaissance Drama. Lincoln, Nebraska: University of Nebraska Press, 1978.
  • Alfred Jean-François Mézières: Contemporains et successeurs de Shakespeare. 5. rev. u. korr. Aufl. Paris: Hachette, 1913.
  • James Phelan: On Philip Massinger. (in Bd. 2 der Zeitschrift Anglia: Zeitschrift für englische Philologie, Halle 1879. Leipzig: Univ., Diss., 1878.)
  • Irmgard Röhricht: Das Idealbild der Frau bei Philip Massinger. München: Piloty & Loehle, 1920.
  • Samuel A. und Dorothy R. Tannenbaum: Philip Massinger. Michel de Montaigne. Anthony Mundy. Thomas Nashe. George Peele. Thomas Randolph. (Elizabethan bibliographies; Vol. 6). Port Washington, NY: Kennikat Press, 1967.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Category:Philip Massinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Author:Philip Massinger – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Jens Mittelbach: Massinger, Philip. In: Eberhard Kreutzer, Ansgar Nünning (Hrsg.): Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 386. Siehe auch Philip Massinger 1583-1640. Auf: luminarium.org. Abgerufen am 24. Juli 2015. Der Todeszeitpunkt Massingers wird nicht in allen Quellen einheitlich angegeben, auf New World Encyclopedia wird der 17. März 1640 als Todestag genannt, vgl. Philip Massinger, abgerufen am 24. Juli 2015, während TheatreHistory den 10. März 1639 angibt, vgl. Philip Massinger. Auf: TheatreHistory.com. Abgerufen am 24. Juli 2015. Die Encyclopædia Britannica nennt nur als Todesjahr 1639/40 ohne genauere Datumsangabe. Vgl. The Virgin Martyr. Auf: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 24. Juli 2015.
  2. Vgl. Jens Mittelbach: Massinger, Philip. In: Eberhard Kreutzer, Ansgar Nünning (Hrsg.): Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 386f.
  3. Vgl. The Virgin Martyr. Auf: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 24. Juli 2015. Siehe auch Holly Crawford Pickett: Dramatic Nostalgia and Spectacular Conversion in Dekker and Massinger’s The Virgin Martyr. In: Studies in English Literature 1500-1900. Volume 49, Number 2, 2009, S. 437-62, hier S. 437, und Philip Massinger. Auf: TheatreHistory.com. Abgerufen am 24. Juli 2015.
  4. Vgl. Jens Mittelbach: Massinger, Philip. In: Eberhard Kreutzer, Ansgar Nünning (Hrsg.): Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 386f.
  5. Vgl. Jens Mittelbach: Massinger, Philip. In: Eberhard Kreutzer, Ansgar Nünning (Hrsg.): Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 386f. Siehe auch Philip Massinger. Auf: TheatreHistory.com. Abgerufen am 24. Juli 2015.
  6. Vgl. zur Rezeption Massingers Jens Mittelbach: Massinger, Philip. In: Eberhard Kreutzer, Ansgar Nünning (Hrsg.): Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren. 631 Porträts – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01746-X, S. 386. Siehe auch Philip Massinger, abgerufen am 24. Juli 2015, und Philip Massinger. Auf: TheatreHistory.com. Abgerufen am 24. Juli 2015.