Leichtluftfahrzeug-Pilotenlizenz

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Die Leichtluftfahrzeug-Pilotenlizenz (LAPL, englisch light aircraft pilot licence) ist eine EASA-Konforme Pilotenlizenz, die zum nichtgewerblichen Fliegen von Leichtflugzeugen (LAPL (A)), Hubschraubern (LAPL (H)), Segelflugzeuge (LAPL (S)) und Freiballone (LAPL (B)) berechtigt.[1] Der LAPL ermöglicht gegenüber der höherwertigen Privatpilotenlizenz (PPL) einen einfacheren Erwerb und hat geringere Anforderungen an das medizinische Tauglichkeitszeugnis, jedoch ist das Gewicht des Luftfahrzeugs und die Anzahl der Passagiere gegenüber dem PPL eingeschränkt. Entgegen der Privatpilotenlizenz ist der LAPL nicht Konform mit den Vorgaben der Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), deshalb wird ein LAPL außerhalb der EASA Mitgliedstaaten nicht anerkannt und kann daher außerhalb der EASA Mitgliedsstaaten nicht genutzt werden.[2]

Ausbildung und Prüfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugschüler müssen eine theoretische und praktische Prüfung ablegen, um die Lizenz zu erhalten. Dabei müssen sie bei der Prüfung mindestens 17 Jahre alt sein, für Ballone und Segelflugzeuge mindestens 16 Jahre. Folgende Inhalte werden in der Theorie abgeprüft:

In der praktischen Prüfung muss der Flugschüler in der gewählten Luftfahrzeugkategorie nachweisen, dass er die notwendigen Verfahren und Manöver beherrscht. Die Lizenz ist unbefristet gültig.[1]

Luftfahrzeugkategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LAPL für Flugzeuge – LAPL (A)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LAPL für Flugzeuge berechtigt als verantwortlicher Pilot einmotorige Flugzeuge mit Kolbentriebwerk (SEP) oder Reisemotorsegler (TMG) mit maximal 2.000 kg und drei Passagiere im nichtgewerblichen Betrieb zu führen. Fluggäste dürfen nur befördert werden, wenn nach Erhalt der Lizenz zehn Stunden als verantwortlicher Pilot geflogen wurden. Die Lizenz ist auf Sichtflug beschränkt und kann nicht auf Instrumentenflug erweitert werden.

Für die praktische Prüfung müssen mindestens 30 Stunden auf einmotorige Flugzeuge oder Reisemotorsegler geflogen werden, davon mindestens:

  • 15 Stunden Ausbildung mit Fluglehrer
  • 6 Stunden Alleinflug mit Flugauftrag, dabei mindestens drei Stunden Überlandflug. Ein Überlandflug muss über mindestens 150 km führen und dabei eine Landung auf einen anderen Flugplatz als den Startflugplatz beinhalten.

Die praktische Prüfung erfolgt für Flugzeug oder Reisemotorsegler, wobei die Lizenz anschließend für die Flugzeug oder Reisemotorsegler gilt. Die Beschränkung kann im Rahmen einer dreistündigen Zusatzschulung mit anschließender mündlicher und praktischer Prüfung aufgehoben werden.

Wird eine andere Flugzeugbaureihe geflogen, hat der Pilot sich mit dem neuen Flugzeugmuster vertraut zu machen oder er besucht eine Unterschiedsschulung. Die Unterschiedsschulung ist in das Flugbuch einzutragen und vom Fluglehrer zu zeichnen.

Um die Rechte als verantwortlicher Flugzeugführer ausüben zu dürfen, ist die Gültigkeit der Pilotenlizenz alleine nicht ausreichend. Zusätzlich hat der Pilot folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Ein gültiges Medizinisches Tauglichkeitszeugnis für LAPL
  • Ein Sprechfunkzeugnis, wenn nicht Teil der Ausbildung und Prüfung
  • Nachweis von mindestens 12 Stunden Flugzeit, einschließlich 12 Starts und Landungen, als verantwortlicher Pilot und eine Auffrischschulung durch einen Fluglehrer in den letzten 24 Monaten. Dies kann durch einen Prüfungsflug mit einem Prüfberechtigten in den letzten 24 Monaten ersetzt werden.
  • Gültiger Nachweis von Sprachkenntnissen für Luftfahrer[1]

LAPL für Hubschrauber – LAPL (H)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LAPL für Hubschrauber berechtigt als verantwortlicher Pilot einmotorige Hubschrauber mit maximal 2.000 kg und drei Passagiere im nichtgewerblichen Betrieb zu führen.

Für die praktische Prüfung müssen mindestens 40 Stunden auf Hubschrauber geflogen werden, davon mindestens:

  • 20 Stunden Ausbildung mit Fluglehrer
  • 10 Stunden Alleinflug mit Flugauftrag, dabei mindestens fünf Stunden Überlandflug. Ein Überlandflug muss über mindestens 150 km führen und dabei eine Landung auf einen anderen Flugplatz als den Startflugplatz beinhalten.

Die Lizenz gilt anschließend für Hubschrauber der Muster und Baureihe, auf der die Schulung erfolgt. Die Beschränkung auf das Muster kann im Rahmen einer fünfstündigen Zusatzschulung mit anschließender mündlicher und praktischer Prüfung aufgehoben werden.

Um die Rechte als verantwortlicher Hubschrauberführer ausüben zu dürfen, ist die Gültigkeit der Pilotenlizenz alleine nicht ausreichend. Zusätzlich hat der Pilot folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Ein gültiges Medizinisches Tauglichkeitszeugnis für LAPL
  • Ein Sprechfunkzeugnis, wenn nicht Teil der Ausbildung und Prüfung
  • Nachweis von mindestens 6 Stunden Flugzeit, einschließlich 6 Starts und Landungen, als verantwortlicher Pilot und eine Auffrischschulung durch einen Fluglehrer in den letzten 12 Monaten. Dies kann durch einen Prüfungsflug mit einem Prüfberechtigten in den letzten 12 Monaten ersetzt werden.
  • Gültiger Nachweis von Sprachkenntnissen für Luftfahrer[1]

LAPL für Segelflugzeuge – LAPL (S)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LAPL für Segelflugzeuge berechtigt als verantwortlicher Pilot Segelflugzeuge oder Motorsegler (TMG) im nichtgewerblichen Betrieb zu führen.

Für die praktische Prüfung müssen mindestens 15 Stunden auf Segelflugzeuge oder Motorsegler geflogen werden, davon mindestens:

  • 10 Stunden Ausbildung mit Fluglehrer
  • 2 Stunden Alleinflug mit Flugauftrag
  • 45 Starts und Landungen
  • Ein Überlandflug allein über 50 km oder mit Fluglehrer über 100 km.
  • Maximal 7 Stunden der 15 Stunden dürfen auf dem Motorsegler absolviert werden.

Die Lizenz gilt anschließend für die Startart, auf der die praktische Prüfung erfolgt. Für weitere Startarten muss

  • bei Winden- und Fahrzeugstart 10 Starts mit Fluglehrer und 5 im Alleinflug,
  • bei Flugzeugschlepp oder Eigenstart 5 Starts mit Fluglehrer und 5 im Alleinflug,
  • bei Gummiseil 3 Starts mit Fluglehrer oder alleine unter Aufsicht des Fluglehrers absolviert werden.

Zur Erweiterung der Rechte zur Führung eines Motorseglers ist sechs Stunden Zusatzausbildung zu absolvieren:

  • 4 Stunden Ausbildung mit Fluglehrer
  • Ein Überlandflug alleine über mindestens 150 km führen und dabei eine Landung auf einen anderen Flugplatz als den Startflugplatz beinhalten
  • Mündliche und praktische Prüfung

Um die Rechte als verantwortlicher Segelflugzeugführer ausüben zu dürfen, ist die Gültigkeit der Pilotenlizenz alleine nicht ausreichend. Zusätzlich hat der Pilot folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Ein gültiges Medizinisches Tauglichkeitszeugnis für LAPL
  • Nachweis von mindestens 5 Stunden Flugzeit, einschließlich 15 Starts, als verantwortlicher Pilot und eine zwei Flüge mit einem Fluglehrer in den letzten 24 Monaten.

Für die Ausübung der Rechte als Motorseglerpilot gelten:

  • Ein gültiges Medizinisches Tauglichkeitszeugnis für LAPL
  • Nachweis von mindestens 12 Stunden Flugzeit, einschließlich 12 Starts und Landungen, und eine Auffrischschulung durch einen Fluglehrer in den letzten 24 Monaten. Die Flugzeiten auf Motorsegler können durch Inhaber eines LAPL (A) durch Flüge auf einem Leichtflugzeug ersetzt werden.[3]

LAPL für Ballone – LAPL (B)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der LAPL für Ballon berechtigt das Führen von Heißluftballone und Heißluft-Luftschiffe mit einem maximalen Hülleninhalt von 3.400 m³ und Gasballone mit Hülleninhalt bis 1.260 m³. Die Lizenz ist auf den nichtgewerblichen Betrieb mit bis zu drei Passagier beschränkt.

Für die praktische Prüfung müssen mindestens 16 Stunden auf auf der gewünschten Ballonklasse gefahren werden, davon mindestens:

  • 12 Stunden Fahrausbildung mit Lehrer
  • 10 Ballonfüllungen und 20 Starts und Landungen
  • Ein Alleinflug mit Flugauftrag von 30 Minuten

Die Lizenz gilt für Freiballone. Für die Erweiterung auf Fesselballone sind drei Fesselaufstiege zu Schulungszwecken notwendig.

Zur Erweiterung der Rechte zur Führung einer anderen Ballonklasse sind 5 Schulungsflüge mit einem Ausbilder zu absolvieren. Bei Heißluft-Luftschiffe sind es fünf Stunden Zusatzausbildung. Hinzu kommt eine mündliche und praktische Prüfung in der zusätzlichen Ballonklasse.

Um die Rechte als verantwortlicher Ballonführer ausüben zu dürfen, ist die Gültigkeit der Lizenz alleine nicht ausreichend. Zusätzlich hat der Ballonführer folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Ein gültiges Medizinisches Tauglichkeitszeugnis für LAPL
  • Ein Sprechfunkzeugnis, wenn nicht Teil der Ausbildung und Prüfung
  • Gültiger Nachweis von Sprachkenntnissen für Luftfahrer
  • Nachweis von mindestens 6 Stunden Flugzeit, einschließlich 10 Starts und Landungen, als verantwortlicher Ballonführer und eine Schulungsfahrt mit einem Ausbilder in den letzten 24 Monaten. Für jede weiter Ballonklasse sind 3 Stunden und 3 Starts- und Landungen nachzuweisen.[1]

Umsetzung in EASA-Mitgliedsstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird die Lizenz für Leichtluftfahrzeug-Pilotenlizenz von den Landesluftfahrtbehörden ausgegeben und verwaltet. Als deutsche Besonderheit innerhalb der Europäischen Union gibt es eine Zuverlässigkeitsüberprüfung für LAPL-Piloten nach § 7 Luftsicherheitsgesetz. Zur Überprüfung dürfen die Luftsicherheitsbehörden Auskünfte bei den Polizeivollzugs- und Verfassungsschutzbehörden, dem Bundeskriminalamt, dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem Bundesnachrichtendienst, dem Militärischen Abschirmdienst, dem Zollkriminalamt, der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR sowie beim Bundeszentralregister einholen. Ausgenommen sind nur Piloten von Segelflugzeugen.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Austro Control eine als GmbH organisierter Bundesbetrieb der Republik Österreich hat 1993 die Aufgabe als Luftfahrtagentur übernommen und ist für die Ausstellung von Pilotenscheine sowie die Aufsicht über die Zivilluftfahrschulen verantwortlich.

Zusatzberechtigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann zahlreiche Zusatzberechtigungen erwerben. So zum Beispiel für:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e VO (EU) 1178/2011
  2. Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt: Gültigkeit von Lizenzen für Flugzeugführer – LAPL(A) und PPL(A). Abgerufen am 19. August 2019.
  3. Freie und Hansestadt Hamburg-Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: Informationsblatt Segelflug–LAPL(S) und SPL. Abgerufen am 20. August 2019.
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