Pittiplatsch und Schnatterinchen

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Pittiplatsch auf einer Briefmarke (DDR 1964)
Bummi und Schnatterinchen auf einer Briefmarke (DDR 1964)

Pittiplatsch (Koseform Pitti) und Schnatterinchen (Koseform Schnattchen oder Schnatterente) waren Puppenfiguren des Deutschen Fernsehfunks in der DDR. Schnatterinchen wurde von Heinz Schröder und Friedgard Kurze geschaffen und trat erstmals 1959 in der wöchentlichen Sendereihe „Meister Nadelöhr erzählt Märchen“ auf. Pittiplatsch hatte seinen ersten Auftritt am 17. Juni 1962.[1][2] In den 1970er Jahren trat dazu noch Moppi, der Hund, auf. Pittiplatsch und Moppi wurden von Ingeborg und Günther Feustel erdacht, die auch den Großteil der Geschichten schrieben. Die Gestaltung der Puppen übernahm Emma-Maria Lange (1921–2016).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. November 1956 wurde die erste Folge dieser Sendung mit Eckart Friedrichson als Schneidermeister Nadelöhr ausgestrahlt. Anfangs mit den Kanarienvögeln Zwirnchen und Röllchen, gehörten dann ab 1959 die Ente Schnatterinchen und der Bär Bummi zur Sendung. Drei Jahre später erschien der Kobold Pittiplatsch, geführt und gesprochen von Heinz Schröder. Einige Pädagogen befürchteten allerdings, dass die Kinder von der Figur Pittiplatsch nur Dummheiten lernen könnten. Darum wurde die Figur nach nur zwei Folgen wieder aus der Sendung genommen. Nach zahlreichen Protesten erschien Pittiplatsch, optisch leicht verändert und verbal etwas angepasster, Weihnachten 1962 wieder. Bummi wurde 1975 durch den Teddy Mischka bzw. Mischka-Bär ersetzt, der als braver fleißiger Schüler die gleichen Wesenszüge wie er hatte.

Die Geschichten mit Pittiplatsch wurden auch Samstagabend im Abendgruß der DDR-Kindersendung Unser Sandmännchen ausgestrahlt. Die Szenerie hier war stets der Garten. Die nur wenige Minuten langen Geschichten im Rahmen der Abendgruß-Sendungen zeigen Pittiplatsch meist im Dialog mit Schnatterinchen und dem Hund Moppi. Moppi war ein dicker Hund mit faltigem Gesicht (ähnlich einem Mops). Moppi war ein ungezogener Hund, der Pitti meist zu üblen Streichen überredete. Am Schluss des Samstag-Abendgrußes bekehrte zumeist Schnatterinchen die beiden Schlingel, die dann ihre Untaten bereuten und Besserung schworen. In jedem Fall traf das für Pitti zu, Moppi blieb auch ab und zu stur.

Sieben Fernsehproduktionen unter dem Titel Pitti reist ins Koboldland erzählen von Reisen Pittiplatschs zu seiner Kobold-Großmutter ins Koboldland. Weitere Figuren dieser Puppenfilme sind die Kobolde Nickeneck, Drehrumbum der Runde und Wuschel. (Folgen: Das Krachkonzert, Der verdrehte Geburtstag, Stuffel aus dem Riesenland, Die Wunschkugel, Die Glasflöte, Der Lügendrache, Die 3 Nixen)

1964 erschien in der DDR eine Briefmarkenserie (entworfen von Werner Klemke) zum Tag des Kindes, die auf dem Wert zu 15 Pfennig Pittiplatsch und auf dem zu 40 Pfennig Schnatterinchen und Bummi, jeweils an einer Fernsehantenne, zeigt.

Das gleiche Puppenspieler-Ensemble spielte für das DDR-Fernsehen weitere Märchenland-Figuren im Abendgruß und anderen Kindersendungen. Dazu gehören Herr Fuchs und Frau Elster, Frau Igel und Borstel, Onkel Uhu, Buddelflink, Mauz und Hoppel, Meister Schwarzrock und andere.

Bis zur Einstellung des Sendebetriebs des DFF 1991 wurden rund 2.000 Abendgruß-Sendungen und etwa 1000 Nachmittagssendungen produziert. Seitdem gibt es keine neuen Produktionen mit den Figuren. Seit 1993 tritt das Puppenspiel-Ensemble auch live auf, jedoch fast ausschließlich im ehemaligen Sendegebiet des DDR-Fernsehens.

2017 trat das Puppenspieler-Ensemble in der Castingshow Die Puppenstars auf.

Charakter der Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Kinder wurde Pittiplatsch zu einer der zentralen Puppenfiguren. Er spricht von sich oft in der dritten Person. Er zeichnet sich durch eine kindlich-liebenswerte, neugierige und verschmitzte Wesensart aus. Oftmals misslingen ihm seine gut gemeinten, jedoch nie ganz uneigennützigen Aktionen und enden mit dem Versprechen, zukünftig „ganz lieb“ zu sein. Kinder erkennen in der Figur leicht eigene Schwächen, Fehlverhalten und Ängste wieder. Zu seinem wesentlichsten Dialogpartner entwickelte sich die Entenfigur Schnatterinchen, die fast ausschließlich gute Eigenschaften verkörpert. Schnatterinchen (geführt und gesprochen von Friedgard Kurze) ist stets freundlich, höflich und hilfsbereit, manchmal aber auch etwas besserwisserisch.[4] Moppi ist für gewöhnlich sehr einfallsreich und achtsam, manchmal auch ruppiger sowie sehr loyal zu seinen Freunden.

Wirkung auf Sprachgebrauch und (Pop-)Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnatterinchens charakteristische Interjektion „nak-nak“ gilt als Grund dafür, dass Ostdeutsche häufig als onomatopoetische Nachahmung einer Ente „nak-nak“ sagen (statt des in Westdeutschland üblichen „gak-gak“ oder „quak-quak“).[5] Auch Pittiplatschs typische Phrasen „Kannste glauben!“ und „Ach du meine Nase!“ gingen in den allgemeinen Sprachgebrauch von in der DDR Aufgewachsenen ein.[6] Die Selbstbezeichnung der Koboldfigur als „Pittiplatsch, der liebe“ wurde von Manfred Krug in seiner Rolle als Brigadier Balla im Film Spur der Steine (1966) aufgegriffen.[7] Pittiplatschs Ausspruch „Ach du meine Nase!“ ist zudem Bestandteil der Torhymne des Eishockey-Clubs Eisbären Berlin.[8]

Sprecher der Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Schröder führte und sprach bis zur Abwicklung des DFF 1991 die Puppen Pittiplatsch, Frau Igel, Bummi, Onkel Uhu, Buddelflink und Herrn Fuchs.
  • Friedgard Kurze führte und sprach die Puppen Schnatterinchen und Borstel.
  • Günter Puppe sprach Moppi.
  • Bärbel Möllendorf, genannt Bärbel vom Kinderfernsehen, moderiert die Live-Tournee und ist dort die Sprecherin von Schnatterinchen.
  • Eckart Friedrichson war Geschichtenerzähler und Moderator der Sendung „Meister Nadelöhr erzählt“.

Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es waren und sind verschiedene Tonträger erhältlich. Neben Musikalben sind in den 80er Jahren vor allem Hörspielfolgen erschienen. Die Longplayer enthalten dabei mehrere Geschichten, die seinerzeit auch einzeln als Single veröffentlicht wurden.

  • Das Märchen vom springenden singenden Brunnen, Single, LITERA
  • Kommt und singt mit Pittiplatsch, LP und CD, Eterna und Buschfunk
  • Geburtstagsfest im Schneidergarten, Schallfolie als Beilage zum gleichnamigen Buch

Hörspiel-Sammlungen:

  • Als Pitti schneller wachsen wollte und andere Geschichten mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi, sechs Hörspiele, LP, MC und CD, LITERA und LITERA junior
  • Der Koboldsturm und andere Geschichten mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi, vier Hörspiele, LP, MC und CD, LITERA und LITERA junior
  • Das Flattergespenst in der Gartenlaube und andere Geschichten mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi, vier Hörspiele, LP und CD, LITERA und LITERA junior

Unter dem Titel Ach Du meine Nase sind die drei Hörspiel-Longplayer bei cbj und LITERA junior auch als Set erhältlich.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rbb-Media „50 Jahre Pittiplatsch“
  2. „Happy Birthday Pittiplatsch“ – Frankfurter Rundschau online vom 16. Juni 2012
  3. „Am Anfang war Lehm“ in Super Illu 28/2012, S. 82
  4. Christian Zielke: Wo Fuchs und Elster Hallo sagen. In: Märkische Allgemeine (Online), 27. Juli 2016.
  5. Georg Schuppener: Warum klingen Tierlaute unterschiedlich? In: DasGehirn.info, 2014. Abgerufen am 4. Dezember 2016.
  6. „Ach du meine Nase“. In: az-online.de, 13. Februar 2016.
  7. Manfred Krug im Interview – Immer eine Eins in Deutsch. In: Frankfurter Allgemeine (Online), 16. September 2008.
  8. Marcel Stein: 11:0-Rekord – Perfekte Premiere für die Eisbären. In: Berliner Morgenpost (Online), 14. September 2008.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]