Plasmodium knowlesi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Plasmodium knowlesi
Systematik
ohne Rang: Alveolata
ohne Rang: Apicomplexa
Klasse: Aconoidasida
Ordnung: Haemospororida
Gattung: Plasmodium
Art: Plasmodium knowlesi
Wissenschaftlicher Name
Plasmodium knowlesi
Sinton und Mulligan, 1932

Plasmodium knowlesi ist ein einzelliger Parasit aus der Gattung der Plasmodien. Plasmodium knowlesi wurde ursprünglich als Malariaerreger bei Makaken in Malaysia identifiziert. Obwohl seit den 1930er Jahren bekannt war, dass mit der Art auch Menschen infiziert werden können, wurde erst 2004 deutlich, dass der Parasit ein ernstzunehmender Krankheitserreger ist.[1] Plasmodium knowlesi. wird wie andere Malariaerreger von Anopheles-Mücken übertragen. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf Südostasien.

Entdeckung und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plasmodium knowlesi wurde ursprünglich als Malariaerreger bei einem Javaneraffen aus Singapur identifiziert. Mit dem Namen soll Robert Knowles (1883–1936) von der School of Tropical Medicine and Hygiene in Calcutta geehrt werden, der wesentlich zur frühen Erforschung der Makakenmalaria beigetragen hat.

Mikroskopisch sind Trophozoiten, Schizonten und Gametozyten von P. knowlesi im Blutausstrich nicht von Plasmodium malariae zu unterscheiden. Dies kann zu gefährlichen Fehldiagnosen führen, da P. malariae als relativ gutartiger Erreger angesehen wird. Im Gegensatz zu P. malariae ist die Zahl der Parasiten im Blut bei Infektionen mit P. knowlesi hoch und es gibt Berichte über schwere Krankheitsverläufe mit Todesfällen. Eine sichere Differenzierung der Parasiten erfordert eine DNA-Analyse.

Plasmodium knowlesi wird wie die meisten anderen Primaten infizierenden Plasmodien in der Untergattung Plasmodium eingeordnet. Eine phylogenetische Analyse, bei der aus Plasmodien die Gensequenzen für vier verschiedene Gene untersucht wurden, platziert P. knowlesi in nächster Nähe zu Plasmodium vivax.[2] Dies wird auch durch Vergleiche der vollständig sequenzierten Genome beider Arten gestützt.[3]

Verbreitung und Wirtstiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet für Plasmodium knowlesi beschränkt sich auf Südostasien. Schwerpunkte sind Borneo und die Malaiische Halbinsel, es gibt aber auch Berichte über Fälle in Thailand, Myanmar und den Philippinen. In einigen Hospitälern in Sarawak auf Borneo ist P. knowlesi der am häufigsten diagnostizierte Malariaerreger beim Menschen.

Der wichtigste Reservoirwirt für Plasmodium knowlesi sind Javaneraffen, aber auch der Südliche Schweinsaffe wird als natürlicher Wirt genannt. Experimentelle Infektionen beim nah verwandten Rhesusaffen führen zu einer fulminanten Erkrankung. Auch eine ganze Reihe anderer Affenarten sind infizierbar.

Nur Mücken aus der Anopheles-leucosphyrus-Gruppe können mit P. knowlesi infiziert werden und kommen als Vektoren in Frage. Anopheles latens, eine vorwiegend in Wäldern und Randgebieten lebende Art, wurde in Sarawak als natürlicher Überträger identifiziert. Auf der malaiischen Halbinsel gilt Anopheles hackeri als natürlicher Vektor. Übertragungen durch Mücken von Mensch zu Mensch sind grundsätzlich möglich, von Affenreservoirs unabhängige Infektionszyklen werden aber durch das Vorkommen geeigneter Vektoren begrenzt; die bekannten Stechmücken sind kaum in Siedlungen zu finden. Die Erkrankung beim Menschen wird somit als Zoonose angesehen.

Lebenszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lebenszyklus von P. knowlesi gleicht im Wesentlichen dem anderer Plasmodien. Der Parasit zeigt einen obligaten Wirtswechsel. Die Sporozoiten gelangen durch infizierte Stechmücken in die Blutbahn des Affen oder Menschen, wandern von dort in die Leber und dringen in Hepatozyten ein, in denen sie sich ungeschlechtlich vermehren. Die Inkubationszeit dieser Leberphase beträgt bei Affen nur fünf bis sechs Tage.

Die Leberschizonten produzieren Merozoiten, die freigesetzt werden und Erythrozyten befallen, wo eine weitere ungeschlechtliche Vermehrung stattfindet. Die Generationszeit bei der Vermehrung in den Erythrozyten beträgt ungefähr 24 Stunden und ist damit kürzer als bei allen anderen Malariaerregern der Primaten. Durch eine Synchronisierung der Entwicklung kommt es am Ende jedes Vermehrungszyklus zu einer massenhaften Freisetzung neuer Parasiten, die mit einem täglichen Fieberschub verbunden ist.

Einige wenige Plasmodien entwickeln sich in den Erythrozyten zu Geschlechtsformen. Diese Mikrogametozyten und Makrogametozyten können von Mücken bei einer Blutmahlzeit aufgenommen werden und im Darm des Insekts einen neuen Entwicklungszyklus in Gang setzen. Nach einer Verschmelzung der Gameten werden im Darm neue Sporozoiten gebildet, die in die Speicheldrüse wandern, von wo sie auf einen neuen Wirt übertragen werden können. Die Entwicklungszeit in der Mücke beträgt zirka 12 bis 15 Tage.

Ruheformen des Parasiten, die zu Rückfällen führen könnten, gibt es bei P. knowlesi nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. B. Singh, L. Kim-Sung, A. Matusop, A. Radhakrishnan, S. S. Shamsul, J. Cox-Singh, A. Thomas, D. J. Conway: A large focus of naturally acquired Plasmodium knowlesi infections in human beings. In: Lancet. 363(9414), 27. Mar 2004, S. 1017–1024. PMID 15051281
  2. E. S. Martinsen, S. L. Perkins, J. J. Schall: A three-genome phylogeny of malaria parasites (Plasmodium and closely related genera): evolution of life-history traits and host switches. In: Mol Phylogenet Evol. 47(1), Apr 2008, S. 261–273. PMID 18248741
  3. A. Pain, U. Böhme, A. E. Berry, K. Mungall, R. D. Finn, A. P. Jackson, T. Mourier, J. Mistry, E. M. Pasini, M. A. Aslett, S. Balasubrammaniam, K. Borgwardt, K. Brooks, C. Carret, T. J. Carver, I. Cherevach, T. Chillingworth, T. G. Clark, M. R. Galinski, N. Hall, D. Harper, D. Harris, H. Hauser, A. Ivens, C. S. Janssen, T. Keane, N. Larke, S. Lapp, M. Marti, S. Moule, I. M. Meyer, D. Ormond, N. Peters, M. Sanders, S. Sanders, T. J. Sargeant, M. Simmonds, F. Smith, R. Squares, S. Thurston, A. R. Tivey, D. Walker, B. White, E. Zuiderwijk, C. Churcher, M. A. Quail, A. F. Cowman, C. M. Turner, M. A. Rajandream, C. H. Kocken, A. W. Thomas, C. I. Newbold, B. G. Barrell, M. Berriman: The genome of the simian and human malaria parasite Plasmodium knowlesi. In: Nature. 455(7214), 9. Okt 2008, S. 799–803. PMID 18843368

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Robert Coatney, William E. Collins, McWilson Warren, Peter G. Contacos: The primate malarias. U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases, Bethesda 1971, Kapitel 26, S. 317 ff.: Plasmodium knowlesi
  • J. Cox-Singh, B. Singh: Knowlesi malaria: newly emergent and of public health importance? In: Trends Parasitol. 24(9), Sep 2008, S. 406–410. PMID 18678527