Krankheitserreger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Krankheitserreger oder Keime sind Lebewesen oder subzelluläre Erreger, die in anderen Organismen gesundheitsschädigende Abläufe verursachen.[1] Krankheitserreger können Algen, Bakterien, Parasiten, Pilze, Prionen, Protisten, Viren oder Viroide sein.

Der Begriff Pathogen wird oft gleichbedeutend verwendet, hat aber ähnlich wie das Adjektiv pathogen eine allgemeinere Bedeutung. Auch schädliche Stoffe (Gifte) und ionisierende Strahlung können im Sinne von „Krankheitsauslöser“ als Pathogene bezeichnet werden.[2][3]

Mikroorganismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schädliche Wirkung von Mikroorganismen beruht auf drei Mechanismen:

  • Sie schädigen das Gewebe durch Phagozytose, d. h., sie ernähren sich von Körperzellen.
  • Sie verursachen eine sehr heftige Immunreaktion, vor allem hohes Fieber, das tödlich enden kann.
  • Sie sondern aktiv Stoffe ab, die den Körper schädigen, oder sie enthalten solche; diese werden freigesetzt, wenn der Mikroorganismus abstirbt.

Bakterien schädigen den befallenen Organismus durch die Absonderung von Toxinen (Giftstoffen):

Anhand ihrer Gefährlichkeit für den Menschen werden Krankheitserreger durch die Biostoffverordnung in vier Risikogruppen eingeteilt.

Subzelluläre Erreger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Subzelluläre Erreger

Subzelluläre Erreger sind obligat intrazelluläre Parasiten. Sie unterscheiden sich von normalen Giften dadurch, dass sie sich in Wirtszellen durch Replikation vermehren; beziehungsweise im Fall der Prionen durch die Übertragung ihrer Struktur auf andere Prionen.

Pathogene Viren

Pathogene Viren koppeln an Oberflächenmolekülen der Wirtszellen an und schleusen ihr Erbgut in diese ein. Dieses dringt bis in den Zellkern vor und verändert die zelleigene DNA. Es erfolgt eine u. U. massive Replikation des Virus-Körpers (Genom und Proteine) in der befallenen Zelle durch die vorhandenen Zellorganellen.

Viroide

Viroide bestehen ausschließlich aus nur einem ringförmig geschlossenen Einzelstrang von Ribonukleinsäure (RNA).

Virusoide

Bei Virusoiden sind Verpackung und Ausschleusung von der Anwesenheit eines Helfervirus in der gleichen infizierten Zelle abhängig.

Satelliten-Viren

Satelliten sind subvirale Partikel, die aus einem Nukleinsäuremolekül und einigen Proteinen bestehen. Sie können als unselbstständige Viren aufgefasst werden, die allein nicht in der Lage sind, sich in einer Wirtszelle zu vermehren. Sie benötigen für ihre Replikation zusätzlich ein oder sogar mehrere Helferviren, mit denen die Wirtszelle gleichzeitig infiziert sein muss (Coinfektion). Das Helfervirus stellt die für die Vermehrung des Satelliten benötigten Funktionen zur Verfügung. Die Wirtszelle produziert dann anstelle des Virus hauptsächlich den Satelliten.

Pathogene Prionen

Prionen sind Proteine mit alpha-Helix- und beta-Faltblatt-Tertiärstruktur, die die Eigenschaft haben, dass sie, ähnlich wie Enzyme, die Tertiärstruktur anderer Proteine verändern. Dies wiederholt sich, das heißt, die veränderten Proteine werden selber zu pathogenen Prionen und wandeln weitere Proteine in Prionen um.

Humanpathogene Krankheitserreger in Lebensmitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Lebensmittelmikrobiologie

Krankheitserreger können leicht auf Trinkwasser, Fleisch und sonstige Lebensmittel übertragen werden. Dies ist meist die Ursache für Infektionskrankheiten und Epidemien.

Humanpathogene Krankheitserreger in und auf Pflanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Humanpathogene Krankheitserreger (beispielsweise aus dem Kot von Wildtieren stammend) können in Pflanzen allgemein über Wurzeln, Stängel, Blätter, Sprossen und Früchte eindringen, diese infizieren und sich dort vermehren (siehe auch Zwischenwirte). Fraß oder Saugstiche von Insekten können ebenso Eintrittspforten sein.[5]

Laut einer Pressemeldung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)[6] können im aufgeschnittenen Zustand längere Zeit gelagerte Wassermelonen gefährliche Krankheitserreger wie Salmonellen, Listerien oder EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) übertragen. Wird die Außenschale bei der Produktion, beim Transport oder bei der Lagerung mit Krankheitserregern verunreinigt, so können diese Erreger beim Aufschneiden das säurearme Fruchtfleisch infizieren und werden sich bei zu warmer oder zu langer Lagerung relativ schnell vermehren. „Zum Schutz vor Infektionen sollten Verbraucher vorgeschnittene Melonen deshalb rasch verzehren oder kühlen.“ Schwangere, Kleinkinder, alte und kranke Menschen sollten auf den Verzehr aufgeschnittener Melone, die mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt wurde, vorsorglich verzichten. Im Jahr 2011 erkrankten nach dem Verzehr von verunreinigten Cantaloupe-Melonen in den USA mindestens 147 Menschen an einer Infektion durch Listeria monocytogenes, in der Folge starben 33 Menschen und eine Schwangere erlitt eine Fehlgeburt.[6] Der Verzehr von importierten Wassermelonen Ende 2011 löste in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und in Irland einen Salmonellen-Ausbruch aus.[6]

Humanpathogene Krankheitserreger in Badegewässern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Warme, mit Fäkalien verschmutzte Badegewässer (im Ablauf von Thermalquelle oder stehende Gewässer ohne Ablauf oder (Stau)Seen mit geringer Strömung) bieten Krankheitserregern ideale Bedingungen zur Vermehrung. Siehe dazu auch ETEC

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rüdiger Meyer: „Emerging Infections“. Gefahren durch neue und alte Krankheitserreger. In: Deutsches Ärzteblatt. 97, Nr. 25, ISSN 0176-3989, 2000, S. A1736–A1740 (Online-Textversion).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Krankheitserreger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beispielsweise definiert das Infektionsschutzgesetz in § 2 Begriffsbestimmungen Krankheitserreger als „ein vermehrungsfähiges Agens (Virus, Bakterium, Pilz, Parasit) oder ein sonstiges biologisches transmissibles Agens, das bei Menschen eine Infektion oder übertragbare Krankheit verursachen kann“ (Unterstreichungen hinzugefügt).
  2. DocCheck Flexikon: Pathogen
  3. Vgl. Duden online: pathogen
  4. Helmut Hahn, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz, Sebastian Suerbaum (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 6. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-46359-7.
  5. Irene Esteban Cuesta: Untersuchungen zur endogenen mikrobiellen Kontamination von Melonen (Cucumis Melo), Veterinärwissenschafliches Department der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-­Maximilians-­Universität München, Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit, München 2016, pdf-Datei.
  6. a b c Melonen können krankmachende Keime übertragen, 9. August 2013.