Posthotel Löwen

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Posthotel Löwen

Das Posthotel Löwen steht in Mulegns im schweizerischen Kanton Graubünden. Das Hotel an der Route am Julierpass ist ein Zeitzeuge aus der Zeit der Postkutschen, in der bis zu 22'000 Reisende jährlich im «Löwen» übernachteten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Hotels geht indirekt auf den Ausbruch des Vulkans Tambora von 1815 in Indonesien zurück. Die hochgeschleuderten Aschewolken verdunkelten den Himmel auch in Europa und führten verbreitet zu Missernten und Hungersnöten; aus Italien mussten Nahrungsmittel importiert werden. Um diese besser und schneller transportieren zu können, wurde die Fahrstrasse über den Julier auf eine Breite von fünf Metern ausgebaut.

Aufnahme von 1896. Noch ohne den Anbau rechts, aber mit der nachträglich angebauten gusseisernen Veranda

Während des Ausbaus kam ein Peter Balzer-Wasescha nach Mulegns. Er erkannte das Potential des leerstehenden Holzhauses, kaufte es und baute auf dessen Fundamenten zwischen 1825 und 1835 das «Posthotel Löwen». Neben dem Hotel errichtete er Stallungen für Pferde und Remisen für die Kutschen. 40 Reisende und bis zu 80 Pferden konnten untergebracht werden.

Garten vor dem Anbau
Jugendstilsaal

Nach dem Tod von Peter Balzer im Jahr 1845 übernahm nach mehreren Pächtern sein Sohn Christian 1862 im Alter von 21 Jahren zusammen mit seiner Frau Regine Bieler den Betrieb. Das Geschäft lief so gut, dass 1897 das Gebäude um einen Anbau erweitert wurde; der Jugendstilsaal darin ist heute noch erhalten. Christian Balzer starb 1912; sein Sohn Ernst führte das Hotel weiter.

Seine Blütezeit erreichte der «Löwen» mit dem aufkommenden Bädertourismus im Engadin. Um sich an die dortige Höhe von 1800 Metern zu akklimatisieren, unterbrachen die Reisenden manchmal ihre Fahrt im tiefer gelegenen Mulegns. Zu den prominenten Gästen im «Löwen» gehörten Albert Schweitzer, Wilhelm Conrad Röntgen, der Erzbischof von Mailand, der spätere Papst Paul VI. sowie Prinzessin Mary, die Grossmutter von Prinz Charles.

Der Niedergang kam mit der Eröffnung der Albulalinie der Rhätischen Bahn im Jahr 1903. Die Übernachtungen sanken von mehr als 22'000 im Jahr 1900 auf 1527 im Jahr 1908.

1932 übernahm Alois Willi den «Löwen» von den Erben Christian Balzers in Pacht und heiratete die Saaltochter Anna Poltera. 1950 kaufte er das Hotel und brachte darin die beim Bau des Staudamms des Marmorera-Stausees beschäftigten Arbeiter unter. Nach dem Tod von Alois Willi im Jahr 1959 wurde der «Löwen» von seiner Witwe Anna Willi und ihren fünf Kindern weitergeführt.

Bis zum Jahr 2000 wurde das Hotel ganzjährig von Alois Willis Tochter Donata Willi geführt; heute führt sie es noch mit 40 Betten als Hotel garni. Gäste sind vor allem Jäger, Wanderer und Bergsteiger.

Der 2010 gegründete Verein „Projekt Posthotel Löwe, Mulegns“ plant, das Hotel zu übernehmen und darin ein Projekt zur beruflichen und sozialen Integration von jungen Erwachsenen mit Schwierigkeiten zu realisieren. Gleichzeitig soll auch der Hotel- und Gastrobetrieb wiederbelebt werden. Eine Machbarkeitsstudie wurde durch den Bündner Heimatschutz in Auftrag gegeben.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Posthotel Löwen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heimatschutz

Koordinaten: 46° 31′ 26″ N, 9° 37′ 15″ O; CH1903: 767413 / 154838