Robinsonliste

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Eine Robinsonliste ist eine Schutzliste mit Kontaktdaten von Personen, die keine unaufgeforderte Werbung erhalten wollen. Sie dienen dem Verbraucherschutz vor unerwünschter Werbung via Briefpost, E-Mail, Mobiltelefon, Festnetztelefon und Telefax.

Der Name Robinsonliste ist im Anklang an die Geschichte der Romanfigur des Robinson Crusoe gewählt, der viele Jahre einsam auf einer abgelegenen Insel verbrachte, ohne Verbindung zur Außenwelt.

Schutzwirkung von Werbeverboten und Robinsonlisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein allgemeines Werbeverbot ist gesellschaftlich kaum möglich. Die Direktwerbung dagegen kann politisch beschränkt werden, alle oder zumindest einige vom Bürger bereitgestellte Kommunikationskanäle dürfen dann nicht für unverlangte Werbung verwendet werden. Eine Schutzebene darunter liegen die Robinsonlisten mit der namentlichen Sperre einzelner Konsumenten.

Problematisch ist die Durchsetzung der Gesetze gegen Spammer, die aus dem Ausland operieren. Die Wirkung von Robinsonlisten ist ebenfalls begrenzt. Nicht alle Werbeversender sind Mitglied der Robinsonlisten führenden Vereine oder Verbände oder halten sich an die freiwillige Verpflichtung, insbesondere nicht solche, die ihren Firmensitz im Ausland haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei einem verdeckt gehaltenen Absender (Rufnummern-Unterdrückung/Fälschung) der Störer nur schwer bestimmbar ist.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutzlisten gibt es in vielen Ländern, sie werden meist durch die Privatwirtschaft finanziert oder mitfinanziert und von werbenden Unternehmen, von Verbraucherschutzvereinen und von Verbänden der Werbewirtschaft geführt. Der Eintrag in eine Robinsonliste ist kostenlos.

Die Unternehmen verpflichten sich, dem Wunsch der registrierten Verbraucher nach Werbefreiheit nachzukommen und in keiner Form kommerziell Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Robinsonlisten bewahren unter anderem Unternehmen davor, bei gekauften Daten für deren unerlaubte Verwendung kostenpflichtig abgemahnt zu werden. Wer nicht in der Robinsonliste steht, wird wohl auch nicht rechtlich gegen unerlaubte Werbung vorgehen. Robinsonlisten nutzen daher der werbetreibenden Industrie und den Verbrauchern.

Die technische Umsetzung in den Datenbanken der Firmensysteme erfolgt zumeist über eine Boolesche Variable, die bei der weiteren Verarbeitung innerhalb von Marketing-Kampagnen abgefragt wird und anzeigt, ob der zugehörige Kunde von einer solchen Kampagne ausgeschlossen werden will.

Kritik – Streisand-Effekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sollte eine Robinsonliste öffentlich werden, etwa durch einen Fehler oder eine Indiskretion, könnte die Wirkung dem gewünschten Ziel direkt entgegengesetzt sein, und die gelisteten Adressen könnten gezielt zur Werbung benutzt werden.[1][2] Diese Gefahr wird vermindert, indem alle Daten verschlüsselt abgelegt werden und nur über spezielle Abgleichprogramme genau die Einträge ausgeworfen werden, die bereits im Datenbestand des Abgleichers vorhanden sind (und deaktiviert werden sollen).[3]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Robinsonlisten Deutschlands hatten im Dezember 2008 über 2 Millionen Einträge, 1984 waren 125.000 Personen eingetragen.

In Deutschland existieren derzeit die folgenden Robinsonlisten.

  • Der Allgemeinen Direktwerbe- und Direktmarketing Verband e. V. (DDV) führt seit 1971 eine Robinsonliste für adressierte Werbebriefe. Die Eintragung, welche sowohl generell als auch nur für bestimmte Angebotsbereiche erfolgen kann, ist per Brief und online möglich.[4] Die Aufnahme in die Liste gilt für jeweils fünf Jahre, um Aktualität zu gewährleisten.
  • Der Interessenverband Deutsches Internet (I.D.I.) führt seit 1996 Robinsonlisten für E-Mail, Mobiltelefon, Telefon, Briefpost und Fax. Die Eintragung bzw. Erstellung eines Schutzkontos ist per Brief, Fax und online möglich.[5] Die Eintragung gilt unbegrenzt.

In Deutschland sind nach den §§ 3, 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb unerwünschte telefonische Werbung ohne vorherigen Kundenkontakt (sog. „cold calls“) sowie das Versenden von Werbefaxen und Werbe-E-Mails ohne vorherige Zustimmung des Empfängers verboten. Weitergehende Gesetze werden gelegentlich in der Politik diskutiert. Der Datenschutz spielt eine große Rolle.[6]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Österreichische Robinsonliste nach E-Commerce-Gesetz[7] existiert.[8]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SDV Schweizer Dialogmarketing Verband (SDV) führt eine Robinsonliste.[9]

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich wird der Mailing Preference Service (Briefdienstangaben) von der Direct Marketing Association (Verband Direktmarketing) unterhalten. Im Vereinigten Königreich ist darüber hinaus die Medienaufsichtsbehörde (Ofcom / Office of Communications) auch zuständig für die Überwachung der Werbewirtschaft, und finanziert zum Teil den Telephone Preference Service (Fernsprechdienstangaben). Angaben in diesen Datenbanken dienen zur Filterung von Adress- und Telefonlisten: die angeschlossenen Unternehmen verpflichten sich, die Eingetragenen nicht anzurufen oder anzuschreiben.

Weitere Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Belgien, Dänemark und Spanien heißen die Listen wie im deutschsprachigen Raum Robinsonlisten (De Robinson-lijst / Robinsonlisten / La liste Robinson / Servicio de Lista Robinson).
  • In Neuseeland wird die Dienstleistung der Robinsonliste durch den New Zealand Name Removal Service (Namenlöschdienst Neuseelands) erbracht, der von der Marketing Association of New Zealand (Verband der Werbewirtschaft Neuseelands) unterhalten wird.

Telefon-Robinsonlisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Schweden heißt eine Robinsonliste für Telefon-Werbung Nix-Telefon.
  • In den Niederlanden heißt eine Robinsonliste für Telefon-Werbung bel-me-niet („ruf mich nicht an“).
  • In den USA gibt es das National Do Not Call Registry („nationales Ruf-nicht-an-Meldeamt“), das auf ein Bundesgesetz aus dem Jahr 2003 zurückgeht und von der Federal Trade Commission (der Verbraucherschutzbehörde) unterhalten wird.
  • In Kanada gibt es eine ähnlich organisierte National Do Not Call List („nationale Ruf-nicht-an-Liste“), die von der Canadian Radio-television and Telecommunications Commission (der Medienaufsichtsbehörde) unterhalten wird.
  • In Australien wurde 2006 die Einrichtung eines Do Not Call Register beschlossen, das durch die Australian Communications and Media Authority (die Medienaufsichtsbehörde) eingerichtet wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. c’t vom 8. November 2001: IT-Verbände halten nichts von Robinson-Listen
  2. FOCUS Magazin Nr. 47, 2001, 19. November 2001: Internet: Umstrittener Spam-Schutz
  3. In Deutschland ist dies für die beiden größten Postrobinsonlisten umgesetzt.
  4. DDV-Robinsonliste
  5. robinsonliste.de
  6. Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: Anwendungshinweise für die Wirtschaft zur Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von personenbezogenen Daten für werbliche Zwecke. Stand: September 2014
  7. Österreichische Robinsonliste
  8. „die umweltberatung“: Informationen zur Robinsonliste in Österreich
  9. Schweizer Robinsonliste