Potentialis

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Der Potentialis (spätlat. potentialis, „nach Vermögen”) ist ein in manchen Sprachen vorkommender Modus des Verbs, der den Eintritt von Ereignissen als wahrscheinlich bzw. möglich kennzeichnet.[1]

Deutsche Sprache[Bearbeiten]

Die Deutsche Sprache verfügt über kein eigenständiges Paradigma für einen Potentialis; der Konjunktiv kann jedoch je nach Kontext die Funktion eines Irrealis oder eines Potentialis übernehmen:

  1. Wenn ich heute in die Stadt gefahren wäre, hätte ich Dich mitgenommen. (Irrealis der Vergangenheit)
  2. Würde ich morgen in die Stadt fahren, würde ich Dich mitnehmen. (Potentialis)

In (1) kann das Ereignis nicht mehr eintreten, da es in der Vergangenheit liegt. Der Eintritt ist mithin unmöglich und von daher ist der Satz ein Irrealis der Vergangenheit. In (2) muss es – ohne Kontext – grundsätzlich als möglich angesehen werden, dass der Sprecher in der Zukunft in die Stadt fahren und dann die andere Person mitnehmen wird. Vor allem die Zukünftigkeit ist hier ein starker Indikator für den Potentialis[2].

Ebenso kann der Potentialis mit verschiedenen Modalverben ausgedrückt werden, teilweise in Kombination mit dem Konjunktiv:

  • Morgen mag es regnen.
  • Morgen könnte es regnen.

Türkisch[Bearbeiten]

Anders als das Deutsche markiert das Türkische den Unterschied zwischen Irrealis und Potentialis:

  1. Lotoda kazansam ev alırdım. (Sollte ich im Lotto gewinnen, kaufe ich ein Haus, Potentialis)
  2. Lotoda kazansaydım ev alırdim. (Hätte ich im Lotto gewonnen, hätte ich ein Haus gekauft, Irrealis)

In (1) wird der Lottogewinn als grundsätzlich möglich angesehen, in (2) ist er nicht eingetreten und damit unmöglich. Dabei ist zu beachten, dass weder der Irrealis noch der Potentialis eine eigene Zeitstufe haben[3].

Andere Sprachen[Bearbeiten]

Der Potentialis ist in der lateinischen und griechischen Grammatik die Bezeichnung für die semantische Funktion des Konjunktivs oder des Optativs, ein mögliches Geschehen darzustellen. Das Lateinische drückt diesen Aspekt i. A. in der Verwendung als „Potentialis der Gegenwart“ durch den Konjunktiv Perfekt oder Konjunktiv Präsens (z. B. dixerit, „man könnte sagen“ und nicht: „man möge gesagt haben“) aus.

In einigen Sprachen (z. B. im Persischen) hat der Potentialis eigene Flexionsformen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-520-45202-2
  2. Wermke, Matthias (Hrsg.), Drosdowski, Günther (Hrsg): Duden – Die Grammatik, Dudenverlag, Mannheim 2006, ISBN 3-411-04047-5, § 749 ff.
  3. Ersen-Rasch, Margarete I.: Türkische Grammatik: für Anfänger und Fortgeschrittene, Hueber Verlag, 2001, ISBN 3190051852