Präkeramisches Neolithikum

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Als Präkeramisches Neolithikum bezeichnet man die frühe Jungsteinzeit bzw. das späte Mesolithikum in verschiedenen Regionen der Welt, in denen zwar bereits eine aneignende Lebensweise von einer produzierenden abgelöst war, in der aber noch keine Keramik hergestellt wurde. Solche Epochen gab es unter anderem im Vorderen Orient (PPNA, PPNB), aber auch in Sibirien oder Japan. Das Präkermaische Neolithikum wird auch Akeramisches Neolithikum (kurz: Akeramikum) genannt und bezeichnet ebenfalls die Keramiklose Jungsteinzeit.

Die Epoche ist in die Perioden Präkeramisches Neolithikum A und Präkeramisches Neolithikum B unterteilt, international als PPNA und PPNB (vom englischen Pre-Pottery Neolithic) abgekürzt. In Palästina und auf Zypern gibt es außerdem eine Stufe C (PPNC).

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kathleen Kenyon prägte in den 1950er Jahren den Begriff „Akeramikum“, als sie bei Grabungen am Tell es-Sultan von Jericho (1952–1958) eine basale Schichtenfolge ohne Töpferware fand.[1] Da zu dieser Zeit die Hypothese einer „Neolithischen Revolution“ mit dem sprunghaften Übergang zur bäuerlichen Wirtschaftsweise verfochten wurde[2], sorgte die zeitliche Trennung der Landwirtschaft (Kulturpflanzen, Ackerbau, Domestizierung von Tieren) von der bis dahin als gleichzeitig eingeführt angesehenen Töpferware für Aufsehen.

Vorderer Orient[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorderen Orient gab es seit dem 9. Jahrtausend v. Chr. Gefäße aus Stein, Gips und Kalk (vaiselles blanches oder White ware). Die so genannte white ware wurde aus gebranntem Kalk oder Gips hergestellt.

Anatolien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Anatolien findet sich ein akeramisches Neolithikum an Fundorten wie Aşıklı Höyük, Pınarbaşı (Tell) und Boncuklu. Dieses wird manchmal, in Anlehnung an die levatinische Terminologie, in die Phasen PPN A und B unterteilt, eine Praxis, die Michael Rosenberg und Aslı Erim-Özdoğan als irreführend ablehnen. Sie sprechen dagegen von frühem und späten akeramischen Neolithikum[3].

Ägäisraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Knossos auf Kreta wurde von John Evans eine Siedlung des akeramischen Neolithikums freigelegt[4][5]. Auch für Thessalien wurde von Vladimir Milojčić die Existenz eines akeramischen Neolithikums postuliert, dies hat sich jedoch als unzutreffend erwiesen[6].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kathleen M. Kenyon: Digging up Jericho. London 1957.
  2. Vere Gordon Childe: Man makes himself. Watts, London, 1936 (dt.: Der Mensch schafft sich selbst, Verlag der Kunst, Dresden 1959).
  3. Michael Rosenberg, Aslı Erim-Özdoğan: The Neolithic in Southeastern Anatolia, in: Gregory McMahon, Sharon Steadman (Hrsg.): The Oxford Handbook of Ancient Anatolia, 10,000-323 BCE, Oxford University Press, Oxford, Online publiziert: Nov 2012 doi:10.1093/oxfordhb/9780195376142.013.0006.
  4. John D. Evans: Neolithic Knossos; the Growth of a Settlement. Proceedings of the Prehistoric Society 37/2, 1971, S. 95–117.
  5. Nikos Efstratiou, Alexandra Karetsou, Eleni S. Banou, Despina Margomenou: The Neolithic settlement of Knossos: new light on an old picture. KNOSSOS: PALACE, CITY, STATE 2004, British School at Athens Studies 12. British School at Athens 2004, S. 39–49. Stabile URL: http://www.jstor.org/stable/40960764.
  6. Agathe Reingruber, Die deutschen Ausgrabungen auf der Argissa-Magula in Thessalien II. Die Argissa-Magula. Das frühe und das beginnende mittlere Neolithikum im Lichte transägäischer Beziehungen. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes 35. Bonn, Habelt 2008