Prärie-Indianer

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Die Ausbreitung des Pferdes im Lebensraum des Bisons als Voraussetzung für die Entstehung der Prärie- und Plains-Kulturen (Fahren Sie mit der Maus über die rot umrandeten Stammesterritorien, um die – verlinkten – Namen der Völker zu sehen)
Erst die Ausbreitung des Pferdes führte zur Entwicklung der Reiterkulturen in Nordamerika
Pferd und Bison bildeten für wenig mehr als 100 Jahre die Lebensgrundlage der Prärie-Indianer

Die Bezeichnung Prärie-Indianer (auch Plains-Indianer) wird vor allem für die Reiterkulturen nomadischer Bisonjäger verwendet, die in Tipis auf den Prärien Nordamerikas lebten. Zu ihnen zählten unter anderem die Lakota, Cheyenne, Absarokee, Kiowa, Comanche, Blackfoot und Teile der Apachen.

An den großen Prärieflüssen siedelten jedoch auch einige sesshafte Ethnien, die Feldbau betrieben, wie die Mandan, Hidatsa, Pawnee oder Arikaree.

Reiterkulturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reiterkulturen haben ihre Entstehung der Einführung des Hauspferdes zu verdanken. Mitte des 16. Jahrhunderts brachten die spanischen Konquistadoren und einige wenige Siedler und Missionare das Pferd mit ins südliche Nordamerika. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden vorwiegend zugerittene Tiere der Spanier von den Indianern erbeutet. Im Südwesten blieb der Pferdediebstahl bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Bezugsquelle für die südlichen Prärie-Indianer. Vor allem aber entwichene Tiere – die an Hitze und Trockenheit gewöhnten Berberpferde, die sich seit der Revolte der Pueblo-Stämme 1680 verbreiteten – fanden in den Steppen ideale Lebensbedingungen und begründeten die verwilderte Rasse der Mustangs. Von Anfang an erkannten die Indianer der Ebenen den Nutzen des Pferdes als Reit- und Transporttier.

Etwa ab 1720 setzte mit der Ausbreitung der Mustangs – beginnend bei den Komantschen – ein erheblicher Kulturwandel bei den Präriebewohnern und die Besiedlung der großen Ebenen ein. Dieser Prozess erreichte schon 1730 den oberen Missouri und vor 1750 die kanadischen Steppen. Um 1800 gab es ca. zwei Millionen Wildpferde in den Prärien Nordamerikas. In jeder erdenklichen Weise versuchten sich diese Indianer in den Besitz von Pferden zu bringen, die ihnen erhebliche Vorteile bei der Bisonjagd und auf Kriegszügen verschafften. Entscheidend war die dadurch mögliche Anpassung an die saisonalen Wanderungen der Bisons: Das Pferd erlaubte anders als der Hund, der vorher als einziges Lasttier genutzt wurde, die rasche Verlegung von Siedlungen und auch die Besiedlung von Räumen, die abseits der großen Flüsse lagen, welche den Feldfrüchteanbau erlauben. Viele indianische Nationen verließen ihre Erdhäuser und lebten fortan in Zelten aus Büffelhaut in der offenen Prärie.[1] So entstand eine nomadische Lebensweise, die durch die Haltung von Pferdeherden bisweilen der Naturweidewirtschaft zugerechnet wird. Eine kontrollierte Pferdezucht hat sich jedoch nur ansatzweise entwickelt; in der Regel stammten die Pferde auf den nördlichen und mittleren Prärien vorwiegend aus Wildfang. Mit der Zeit spielte das Pferd – das häufig als „Heiliger Hund“ oder „großer Hund“ bezeichnet wurde – in der Kultur der Plains-Indianer eine immer größere Rolle: Als Geschenk, Bezahlung, Brautpreis, zur Wiedergutmachung von Streitigkeiten sowie als mythisches Objekt religiöser Verehrung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als der Osten der USA immer stärker durch europäische Einwanderer und deren Nachkommen besiedelt wurde, kam es unter den Prärieindianern zu Völkerwanderungen. Vormals Völker des Ostens, wie die Sioux oder Cheyenne wurden von westwärts drängenden Stämmen in den „Wilden Westen“ vertrieben, wo sie Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts die Bisonjägerkulturen begründeten. Die Komantschen entwickelten sich bis 1760 zu einer gefürchteten Reiternation und militärischen Macht, die den Zugang zu etwa sieben Millionen Bisons kontrollierten und andere Stämme verdrängten, obwohl sie kaum mehr als 30.000 Menschen umfassten. Ihre Raubzüge in den Norden Mexikos waren berüchtigt. Zugleich eskalierten auch die innerindianischen Konflikte. Die Sprache der Komantschen, die auch ein ausgedehntes Handelsnetzwerk betrieben, wurden zur Lingua franca der südlichen Plains.[2]

Fast ein Jahrhundert blieben die neuen Reitervölker dort unbehelligt; die Grasebenen wurden von den Amerikanern als lebensfeindliche Wüste betrachtet. Als in den 1840er Jahren Goldfunde in verschiedenen Teilen des Westens bekannt wurden, zogen immer mehr neue Siedler durch die Plains. Das brachte den Prärievölkern neue Einnahmequellen durch Handel und Raubüberfälle, aber auch neue Krankheiten und erhebliche Unruhe, Kriegsangst und Ungewissheit.

Etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Indianerkriege gegen die Reiternomaden. Das Pferd machte sie zu ernstzunehmenden militärischen Gegnern, die erheblichen Widerstand leisteten. Mit dem Bau der ersten Eisenbahnlinien von Ost nach West, der gezielten Dezimierung der Büffelherden durch professionelle Jäger, der Entwicklung der Rinderzucht auf den südlichen Plains (Ranching) und schließlich der geplanten Besiedlung und Urbarmachung durch Farmer schwand jedoch die Existenzgrundlage und der Lebensraum immer mehr, so dass es bis 1890 zum unwiderruflichen Untergang der jungen Bisonjägerkulturen kam.

Viele Nachkommen der Prärie-Indianer leben heute auf Reservationen, in denen häufig ein wesentlich geringerer Lebensstandard als im übrigen Nordamerika herrscht. Die Not des 19. Jahrhunderts, aber auch die Eindrücke des freien Reiterlebens haben die Kulturen dieser Menschen bis heute geprägt. Vor allem bei den Powwows werden die Traditionen gepflegt. Seit Ende des 20. Jahrhunderts findet bei einigen Stämmen eine Rückbesinnung statt: Statt Büffeljagd werden Büffel gezüchtet und die Pferdezucht bringt manchen Stämmen gute Einnahmen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aram Mattioli: Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas. Stuttgart 2017, S. 222 ff.
  2. Mattioli, ebd.
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