Prärie-Indianer

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Nordamerikanische Kulturareale
Erst die Ausbreitung des Pferdes führte zur Entwicklung der Reiterkulturen in Nordamerika
Pferd und Bison bildeten für wenig mehr als 100 Jahre die Lebensgrundlage der Prärie-Indianer

Die Bezeichnung Prärie-Indianer (auch Plains-Indianer) wird vor allem für die Kulturen der nomadischen Bisonjäger verwendet, die in Tipis auf den Prärien Nordamerikas lebten. Zu ihnen zählten unter anderem die Lakota, Cheyenne, Absarokee, Kiowa, Comanche, Blackfoot und Teile der Apachen.

An den großen Prärieflüssen siedelten jedoch auch einige sesshafte Ethnien, die Feldbau betrieben, wie die Mandan, Hidatsa, Pawnee oder Arikaree.

Die Reiterkulturen haben ihre Entstehung der Einführung des Hauspferdes zu verdanken. Mitte des 16. Jahrhunderts brachten die spanischen Konquistadoren und einige wenige Siedler und Missionare das Pferd mit ins südliche Nordamerika. Entwichene Tiere fanden in den Steppen ideale Lebensbedingungen und begründeten die verwilderte Rasse der Mustangs. Von Anfang an erkannten die Indianer der Ebenen den Nutzen des Pferdes als Reit- und Transporttier. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden vorwiegend zugerittene Tiere von den Spaniern erbeutet. Im Südwesten blieb der Pferdediebstahl in Nordmexiko bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Bezugsquelle für die südlichen Prärie-Indianer. Etwa ab 1720 setzte mit der Ausbreitung der Mustangs ein erheblicher Kulturwandel bei den Präriebewohnern und die Besiedlung der großen Ebenen ein, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den kanadischen Steppen endete. In jeder erdenklichen Weise versuchten sich diese Indianer in den Besitz von Pferden zu bringen, die ihnen erhebliche Vorteile bei der Jagd und auf Kriegszügen verschafften. Entscheidend war jedoch die nunmehr mögliche Anpassung an die Wanderungen der Bisons. Es entstand eine nomadische Lebensweise, die durch die Haltung von Pferdeherden bisweilen der Naturweidewirtschaft zugerechnet wird. Eine kontrollierte Pferdezucht hat sich jedoch nur ansatzweise entwickelt; in der Regel stammten die Pferde auf den nördlichen und mittleren Prärien vorwiegend aus Wildfang. Mit der Zeit spielte das Pferd – das häufig als „Heiliger Hund“ bezeichnet wurde – in der Kultur der Plains-Indianer eine immer größere Rolle: Als Geschenk, Bezahlung, Brautpreis, zur Wiedergutmachung von Streitigkeiten sowie als mythisches Objekt religiöser Verehrung.

Geschichte[Bearbeiten]

Als der Osten der USA immer stärker durch europäische Einwanderer und deren Nachkommen besiedelt wurde, kam es unter den Prärieindianern zu Völkerwanderungen. Vormals weniger bedeutende Völker des Ostens, wie die Comanchen, Sioux oder Cheyenne wurden von westwärts drängenden Stämmen in den „Wilden Westen“ vertrieben, wo sie Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts die Bisonjägerkulturen begründeten. Maximal ein Jahrhundert blieben die neuen Reitervölker dort unbehelligt; die Grasebenen wurden von den Amerikanern als lebensfeindliche Wüste betrachtet. Als Goldfunde in verschiedenen Teilen des Westens bekannt wurden, zogen immer mehr neue Siedler durch die Plains. Das brachte den Indianern auf der einen Seite neue Einnahmequellen durch Handel und Raubüberfälle, aber auf der anderen Seite auch neue Krankheiten und erhebliche Unruhe, Kriegsangst und Ungewissheit.

Etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Indianerkriege gegen die Reiternomaden. Das Pferd machte sie zu ernstzunehmenden militärischen Gegnern, die erheblichen Widerstand leisteten. Mit dem Bau der ersten Eisenbahnlinien von Ost nach West, der gezielten Dezimierung der Büffelherden durch professionelle Jäger, der Entwicklung der Rinderzucht auf den südlichen Plains (Ranching) und schließlich der geplanten Besiedlung und Urbarmachung durch Farmer schwand jedoch die Existenzgrundlage und der Lebensraum immer mehr, so dass es bis 1890 zum unwiderruflichen Untergang der jungen Bisonjägerkulturen kam.

Viele Nachkommen der Prärie-Indianer leben heute auf Reservationen, auf denen häufig eine wesentlich geringerer Lebensstandard herrscht als im übrigen Nordamerika. Die Not des 19. Jahrhunderts, aber auch die Eindrücke des freien Reiterlebens haben die Kulturen dieser Menschen bis heute geprägt. Vor allem bei den Powwows werden die Traditionen gepflegt. Seit Ende des 20. Jahrhunderts findet bei einigen Stämmen eine Rückbesinnung statt: Statt Büffeljagd werden Büffel gezüchtet und die Pferdezucht bringt manchen Stämmen gute Einnahmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]