Pferdediebstahl

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Odysseus stiehlt die Pferde des Rhesos
Pferdedieb[1], George Caleb Bingham, 1852
Indianer verfolgen Pferdediebe, Alfred Jacob Miller, um 1859

Pferdediebstahl bezeichnet das Stehlen von Pferden. Er ist mit Autodiebstahl in der heutigen Zeit vergleichbar und war vor dem Aufkommen von Automobilen auf der ganzen Welt häufig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karikatur von Napoleon als Pferdedieb[2], überschreitet mit der gestohlenen Quadriga den Rhein, 1814

Bereits im antiken Griechenland gab es Pferdediebstahl, so stahl Odysseus dem thrakischen König Rhesos dessen wertvollste Pferde.

Gemäß einer Abhandlung aus dem 18. Jahrhundert geht die Verwendung der Todesstrafe für Pferdediebstahl bis in das erste Jahrhundert zurück, als der germanische Stamm der Chauken Pferdediebstahl mit der Todesstrafe belegte, wohingegen Mord mit einer Geldstrafe geahndet wurde. Das rührte daher, dass der Reichtum des Volkes aus seinem Viehbestand entsprang und der Viehdiebstahl nur durch drakonische Strafen verhindert werden konnte.[3]

Laut dem Edictum Rothari, einer Gesetzessammlung von 643 des Langobardenkönigs Rothari musste man für einen Pferdediebstahl „ahtugild“ (achtfacher Wert) zahlen und das Tier zurückgeben bzw. den neunfachen Wert erstatten.

Pferdediebstahl war auch im Mittelalter und der Frühen Neuzeit verbreitet. Während zahlreiche Verbrechen mit Pranger geahndet wurden, gab es bei Pferdediebstahl oft schwere Strafen wie Brandmarken, Folter, Verbannung oder sogar die Todesstrafe.[4]

Auch in der Gegend von Bordeaux wurde Pferdediebstahl in der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert mit schweren Strafen belegt, die von Auspeitschen bis zur Galeerenstrafe reichten. Diese wurden sonst auch bei Giftmord oder Totschlag verhängt, was zeigt, wie ernst die Rechtsprechung den Pferdediebstahl nahm.[5]

Im englischen Berkshire wurde im 18. Jahrhundert Pferdediebstahl wie andere Eigentumsdelikte behandelt.[6]

Im Russland des 19. Jahrhunderts wurde Pferdediebstahl strenger bestraft als andere Diebstähle, weil Pferde im täglichen Leben eine große Rolle spielten. Die Strafe war meist Auspeitschen sowie Kopf und Bart scheren, sowie, falls das Pferd bereits weiterverkauft war, eine Geldstrafe bis zur dreifachen Höhe des Verkaufspreises.[7]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cowboys in Oregon inszenieren das Hängen eines Pferdediebs, um 1900[8]

In den Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts waren die Staaten der Großen Ebenen, Texas und andere Staaten im Westen dünn besiedelt und es gab kaum innere Sicherheit. Einerseits machten Farmer das Land der Großen Ebenen urbar, andererseits zogen Siedler weiter nach Westen. So waren die Pferde immer in Gefahr, von der jeweils anderen Bevölkerungsgruppe gestohlen zu werden. Sowohl das Leben der Farmer, als auch das Leben der Siedler hing von ihren Pferden ab. Pferdediebstahl war besonders verpönt und „Pferdedieb“ ein Schimpfwort, das der beschimpften Person jedes moralische Empfinden absprach.[9]

The Society in Dedham for Apprehending Horse Thieves aus Massachusetts wurde 1810 als Bürgerwehr gegen Pferdediebstahl gegründet.[10] Damals gab es in Neuengland über 70 derartige Organisationen. Die meisten haben sich aufgelöst oder zu Gesellschaftsclubs gewandelt.[11]

In Ohio gibt es seit 1853 die Bentonville Anti-Horse Thief Society. Des Pferdediebstahls Verdächtige wurden von Mitgliedern der Organisation verfolgt und oftmals ohne Prozess gehängt.[12] Die Gesellschaft besteht seit über 150 Jahren und hat sich inzwischen zu einem Gesellschaftsclub gewandelt, der einmal im Jahr ein großes Bankett veranstaltet.

1854 wurde die Anti Horse Thief Association im Clark County gegründet, die sich dem Schutz von Eigentum und Viehbestand verschrieb und Unterstützung dabei bot, gestohlenes Eigentum zurückzuerlangen. Ursprünglich agierte die Bürgerwehr im Dreiländereck von Missouri, Illinois und Iowa. 1894 wurde ein Ableger der Organisation in Oklahoma gegründet. Um 1916 hatte die Organisation 40.000 Mitglieder in neun Bundesstaaten des Mittleren Westens.[13]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch heute ist Pferdediebstahl keine Seltenheit.[14] Pferde werden gestohlen, um beispielsweise an das Fleisch zu gelangen,[15] Lösegeld einzufordern,[16] wegen Streitigkeiten oder zum Weiterverkauf. In der Europäischen Union sind für Pferde ab dem Jahrgang 2009 implantierte Mikrochips vorgeschrieben, die beim Identifizieren verloren gegangener Pferde helfen können.[17][18]

Stolen Horse International ist eine 1997 in den Vereinigten Staaten gegründete Organisation, die sich darum bemüht, gestohlene Pferde wiederaufzufinden und ihrem Besitzer zurückzugeben.[19] In den Vereinigten Saaten wird Pferdediebstahl teilweise auch heute noch drakonisch bestraft. 2011 wurde in Arkansas eine Frau für den Diebstahl von fünf Pferden und Pferdeausrüstung zu 60 Jahren Gefängnis verurteilt. Eines der Pferde wurde später tot aufgefunden, die anderen konnten zurückgegeben werden.[20]

Pferdediebstahl in der Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pferdediebe (1890) ist eine Erzählung des russischen Schriftstellers Anton Tschechow.
  • Unter den Pferdedieben Arizonas (1925) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von George B. Seitz.
  • Der seltsame Pferdedieb (1982) ist ein Kinderbuch von Margot Potthoff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Astonishing Hidden Tale of Bingham's "Horse Thief", Fred R. Kline, 6. Dezember 2020
  2. Der berühmteste oder berüchtigtste „Pferdedieb“ – Napoleon Bonaparte, Andrea Meyer, Hans-Jürgen Kolbe, www.berlin.de
  3. A view of society in Europe in its progress from rudeness to refinement, Gilbert Stuart, J. Murray, 1782, Seite 163
  4. Rachel Ginnis Fuchs, Gender and Poverty in Nineteenth Century Europe, Cambridge University Press, 2005, Seite 97, ISBN 052162102X
  5. Punishment and Reform in Europe, Louis A. Knafla, Crime, Greenwood Publishing Group, 2003. p. 17. ISBN 0313310149
  6. Knafla, Seite 201
  7. Serfdom and Social Control in Russia, Steven L. Hoch, University of Chicago Press, 1989, Seite 169. ISBN 0226345858
  8. [1] Geo. C. Blakely, Fotograf, “Thirteen Snapshots of Life in the Untrammeled Bunch Grass County: Execution After the Verdict,” The Oregon Native Son Band 2, Seite 520, Mai 1900
  9. Luckett, Matthew S., Honor among Thieves: Horse Stealing, State-Building, and Culture in Lincoln County, Nebraska, 1860–1890, Ph.D. University of California Los Angeles, 2014
  10. The Society in Dedham for Apprehending Horse Thieves. Abgerufen am 15. Juni 2015.
  11. Historical Sketch. The Society in Dedham for Apprehending Horse Thieves. Abgerufen am 6. Dezember 2013.
  12. Bentonville Anti-Horse Thief Society. Ohio History Central. Abgerufen am 6. Dezember 2013.
  13. Anti Horse Thief Association
  14. Pferdediebe in OWL unterwegs, Jobst Lüdeking, Lippische Landes-Zeitung, 17. März 2019
  15. French Horses Allegedly Stolen for Meat, Christa Lesté-Lasserre, The Horse, 22. April 2013
  16. Miniature pony stolen from Italian horse show, Michael Walsh, New York Daily News, 16. September 2013
  17. Wie ihr dem Diebstahl eueres Pferdes vorbeugen könnt
  18. Transponder im Pferd, Kristina Glaser, Cavallo, 18. April 2009
  19. Thwarting Horse Thieves, Pat Raia, The Horse, 1. Juni 2012
  20. Carolyn Roy: Cox gets 60 years in SAU horse theft trial. KSLA News. 15. Juli 15 2013. Abgerufen am 6. Dezember 2013.